Ungarn

kostenloser Reiseführer Budapest

 

Ein fürstliches Vergnügen

Text und Fotos: Katharina Büttel

 

   Lust am Luxus: Bei einer Schlössertour von Wien nach Ungarn begegnet man Adelspalästen, die mit dem Charme vergangener Zeiten bezaubern – und mit moderaten Preisen.

 

 

         Wandeln auf den Pfaden der Vergangenheit, einmal wohnen wie ein König, träumen im antiken Himmelbett und tafeln wie ein Fürst. Dieser Wunsch kann schnell wahr werden: nur einen Katzensprung von der Metropole Wien entfernt, ist in Transdanubien eine ferne Vergangenheit lebendig, sobald sich Besuchern die Türen geschichtsträchtiger Schlösser öffnen. Es sind wahre Schatztruhen, randvoll mit Kultur inmitten einer heiteren Hügellandschaft an der Grenze zu Österreich und der Slowakei.

         Die meisten von ihnen sind vergessen, verfallen, liegen in verschlafenen Dörfern. Doch seit der Wende sind einige dieser Anwesen sorgfältig restauriert und bewohnt. Nur wenige zwar von altem Adel, einige gehören den neuen Reichen. Allen gemeinsam aber ist die Liebe zu den historischen Pretiosen, die sie mit Engagement zu Nobelherbergen mit Flair umgestaltet haben. Als Hoteliers öffnen sie nun Touristen die Fürstenhäuser, bieten Rundreisen von Schloss zu Schloss an. Ausstellungen, Konzerte und Jagdvergnügen bringen Leben in die Prachtbauten.

          Wir sind auf Schlössertour: auf einem Rundkurs von der Wiener Hofburg ins Burgenland von Ungarn über die Universitätsstadt Sopron durch sanftgewellte Hügel und nicht enden wollende Baumalleen ins winzige Dörfchen Röjtökmuzsaj. Ganz plötzlich steht es vor uns. Das romantisch klassizistische Schloss Szidónia erhebt sich mit hohen Fenstern und einer ausladenden Arkaden-Terrasse vor dichten, lichten Bäumen. Heiter und einladend wirkt der Bau mit seiner gelben Fassade im Renaissance-Stil.Rauschende Bälle und Feste.

         Seine Glanzzeiten schienen lange vorbei. Mitte des 18. Jahrhunderts ursprünglich als Jagdhaus erbaut, ließ es 1774 der Reformer Pál Nagy zu einem Schloss umbauen. Um 1900 gab Baron Gusztáv Berg mit seiner aus dem Hause Thyssen stammenden Ehefrau rauschende Bälle und Feste. Die liebte auch der letzte Eigentümer Verceggi, ein ungarischer Botschafter im Vatikan. Seine Frau, eine echte Prinzessin aus Holland, gestaltete mit Stil und Liebe den Park, der gleichzeitig ein ideales Terrain für ihre Kinder wurde.

          Die sind inzwischen erwachsen und verbringen heute mit ihren Kindern oft und gerne als Gäste ihre Ferien im Schlosshotel. Und die staunen nicht schlecht, was Gastgeberin Márta Derry aus ihrem einstmals hochherrschaftlichen, danach verfallenen „Kindernest“ gezaubert hat. „Es war Liebe auf dem ersten Blick, ich träumte schon als Kind von einem Schloss“, gesteht die Geschäftsfrau aus Budapest lächelnd. 1997 war es soweit: sie kaufte das verwahrloste Anwesen, restaurierte es bis ins kleinste Detail und verwandelte den Nobelbau schon bald zu einem der besten ungarischen Wellness-Hotels. „Vielfältige Auszeichnungen haben meinen ideellen und finanziellen Einsatz belohnt“, freut sich Márta zusammen mit ihrem Sohn Victor, dem sie in diesem Jahr die Würde und Bürde des Schlossherrn übertragen hat.

         In der großzügigen, holzgetäfelten Empfangshalle fällt der Blick sofort auf den prasselnden Kamin mit einem imposanten Hirschkopf darüber. Auf der Empore mit heimeligen alten Sitzmöbeln und einem Bärenfell aus alten Zeiten wird der Aperitif serviert, bevor es zum Dinner ins stilvolle Wintergarten-Restaurant geht. Vom ungarischen Koch wird weniger Traditionelles wie feuriges Gulasch oder scharfes Paprikagemüse angeboten, lieber interpretiert er lokale Produkte wie Zander, Mangalitza-Schwein, Graurind und Gäseleber raffiniert modern. Wer hat schon Gänseleber-Crème brulée probiert?

 

        Magischer Platz für Honeymooner

        Mártas Lieblingsort im Schloss ist ihr neugeschaffenes Szidónia Vital Badehaus: „Hier badet der Gast in Mineralwasser“, sagt sie stolz, verweist aber im gleichen Atemzug auf den Baumkreis mit neun Akazien im hinteren Parkabschnitt. „Dieser Ort ist magisch, ein Kraftplatz auf einem Erdmeridian. Hier zelebriert die Spa-Chefin Feuerzeremonien und Meditationen, die besonders beliebt sind bei Hochzeitspaaren und Honeymoonern“.

        Weiter geht die Reise nach Hédervár durch Pannonien, der Tiefebene zwischen Alpen und Karpaten. Unterwegs werden Kindheitserinnerungen wach: Über dem Teppich blühender Wiesen tänzeln bunte Schmetterlinge, in den Dorfauen watscheln Gänse und Enten aufgeregt hin und her – eine ungarische Landpartie inmitten der wunderschönen Landschaft der Szigetköz, der Schüttinsel zwischen Györ und Bratislava.

Landschloss mit festlichen Fahnen

         Man fährt in dieses Dorf mit ein paar Häusern und fragt sich, wo um alles in der Welt steht das Schloss der ehemaligen Grafen Héderváry. Beinahe wären wir vorbeigefahren. Dabei thront es doch schon seit gut 450 Jahren auf einem kleinen Hügel - unwirklich und einsam in voller Breitseite mit sattgelber Fassade. Das Landschloss in reiner Renaissance mit drei markanten Türmen ist umgeben von einem riesigen Park. Die im Wind flatternden bunten Fahnen über dem Schlosstor geben seiner Strenge etwas Festliches.

        „Egészségedre!“ (sprich: ägeschegädrä) prostet uns der Schnapsbrenner im Weinkeller des Schlosses zu und greift sofort zur nächsten Edelflasche. Während wir vorsichtig an dem weichen, duftenden Muscat Ottonell nippen, spielt Hausherr Sándor Bartha auf seiner Geige melancholische, altungarische Weisen. Dann erzählt er: „Bei einem Ausflug zur Schüttinsel in den achtziger Jahren habe ich das Schloss erstmals gesehen und mich sofort verliebt. Es ist intim, menschlich, eben ein richtiges Schloss“. Aber erst 2002 erwarb der Geschäftsmann, der in der Schweiz sein Vermögen machte, den um einen Innenhof gebauten Fürstensitz und restaurierte es zu einem Prachtstück. Seit 2004 lässt er als neuer Schlossherr in eines der schönsten Schlosshotels Ungarns bitten.

         Das heimeligste Zimmer ist die “Herend Suite“. Mit einem 300 Jahre alten Schlüssel öffnet man die schwere Holztür. Das bequeme Bett ist umgeben von mit Brokat bezogenen Sesseln. Neben schönen, antiken Möbeln bezaubern die berühmten Herend Porzellanfiguren, die im Raum eine stilechte, besondere Atmosphäre schaffen. Sándor hat es verstanden, Modernes und Altes zu mixen, viele Originalstücke blieben erhalten, auf Antik-Auktionen ersteht er immer wieder schöne Ergänzungen. Der Jägersalon ist beliebt für Hochzeitspartys nach der Trauungszeremonie in der barocken Schlosskapelle. Das elegante Spitzenrestaurant „Beim Grafen“ lädt zu Schlemmerorgien ein. In der Küche steht Tibor Torma und denkt sich gute Gerichte aus, die möglichst ein kulinarisches Spiegelbild der Landschaft zwischen Donau und pannonischer Ebene abgeben sollen. Zum Kaffee sitzen die Gäste am liebsten auf der ausladenden Terrasse mit Blick in den weitläufigen, englischen Park, wo man herrlich unter uralten Platanen, Tulpenbäumen und chinesischen Nadelbäumen wandeln kann. Oder man lässt sich mit der Kutsche durch nahe Dorf fahren. Jeder zweite Freitag ist Konzerttag: Abwechselnd klassisch, volkstümlich oder jazzig, in jeden Fall ungarisch mitreißend.

 

        Genuss am Neusiedlersee

         Szenenwechsel: Mittagsrast im Schlosshotel „Mooslechners Bürgerhaus“ in schmucken Rust, wo die Störche auf den Dächern klappern. Umgeben von schön gefertigtem Kunsthandwerk der Eigentümerin selbst, mundet im Innenhof ein Glaserl vom Blaufränkischen. Zu den himmlischen Marillenknödeln allerdings muss es ein Zweigelt Beerenauslese sein. Während der weiche Wein über die Zunge rollt, kann man überlegen: ein bisserl Wandern oder Radeln rund um den Neusiedlersee, a bisserl was Historisches hier in Rust sehen oder noch einen roten „Tesoro“, ein Top-Cuvée aus Merlot und Cabernet Sauvignon verkosten.

         Ein Schloss zum Schluss ist es nicht, das auf fünf Stockwerke verteilte „Altstadt Vienna“ im 7. Wiener Bezirk, das ursprünglich ein Stadtpalais aus der österreichisch-ungarischen Monarchie war. Aber ein Haus für die Seele, zum Bewundern und Staunen: Der Anblick strahlender Lüster, dunkler Damasttapeten, moderner Ledersitze, besonderer Badobjekte - alles von Stararchitekt Matteo Thun designt - verschlägt einem regelrecht den Atem. „Einzigartig, unglaublich, und dazu der Service - wunderbar“, tuscheln die Gäste beim Frühstück im ‚Roten Salon’ mit offenem Kamin. „Besonders gut gefällt ihnen meine Kunstsammlung überall an den Wänden, und dass jedes Zimmer ein einzigartiges Ambiente hat“, freut sich Hotelbesitzer Otto E. Wiesenthal. Seit der Eröffnung vor 20 Jahren ist sein Haus zum noblen Treffpunkt von Kunstliebhabern, Intellektuellen, Musikern und Jedermann geworden.

 

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Service „Schlössertour":

 

Anreise: Mit einem Billigticket von Austrian Airlines z.B. direkt nach Wien. Individuell weiter per Auto/Mietauto (www.autoeurope.de) auf der Autobahn Richtung Budapest, Ausfahrt Neusiedlersee, weiter zum Grenzort Pamhagen, dann nach Süden auf die Bundesstraße 85 von Sopron nach Györ. Oder auf dem Donauradweg, der direkt an Schloss Hédervár vorbeiführt.

Reisezeit: Die Schlosshotels sind das ganze Jahr geöffnet.

Einreise: Kein Visum nötig, Reisepass oder Personalausweis genügen.

Sprache: Viele Ungarn verstehen Deutsch oder Englisch.

Schlosshotels: Alle vorgestellten Häuser sind in der bekannten Hotelkooperation „Schlosshotels & Herrenhäuser" Mitglieder. Schlosshotel-Führer bestellen:

info@schlosshotels.co.at, www.schlosshotels.co.at

 

Szidónia: 4-Sterne, DZ ab 80 €/Person, Suite ab 130 €/Person, mail: szidonia@szidonia.hu;

www.szidonia.hu

Hédervár: 4-Sterne; DZ/F ab 139 bis 158 €, Suiten/F ab 139 bis 262 €; Kutschfahrt 35 €/1 Std. Gruppenpreis. Highlights zu Silvester und Fasching im Herbst: Ball mit alten Kostümen im ganzen Schloss, 5 Tage 450 €/P./HP. Mail: info@hedervar.hu, www.hedervar.hu

Hotel Mooslechners Bürgerhaus: 4-Sterne; Suite in Nebensaison ab 195 €/F, Hauptsaison ab 217 €/F;

Highlight: Seelenluxus im kleinsten Hotel Österreichs: Suite auf 3 Etagen für 2 Pers./F/Sekt ab 390 €; mail: office@hotelbuergerhaus-rust.at

Hotel Altstadt Vienna: 4-Sterne; 42 individuell gestaltete Zimmer/Suiten; DZ für 2 Personen ab 139 €/F bis 319 € in einer Suite/F; mail: hotel@altstadt.at; www.altstadt.at

 

Literatur: Ungarn von Heiko Zeutschner mit Details über Transdanubien, M. Müller Verlag, 20,90 €; Sándor Márai: „Die Glut" über ungarischen Adel zu Beginn des 20.Jahrhunderts in der Donaumonarchie: Piper Verlag, 8,95 €

 

Weitere Infos: A.R.T. Office, A-5020 Salzburg; Tel. 0043/0)662/822 127; mail: office@artmail.at

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Zander, Sonne und das Meer

Auf dem Radwanderweg um den Balaton wird es nie langweilig

 

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 


        Das Meer schimmert gelblichgrün wie gesponnene Seide, die Wiesen sind grün wie in Irland und die Temperaturen frühlingshaft. Eine Radtour entlang des Balatons? Warum nicht. Am Ufer kann man jederzeit rasten und in den See springen. Das Mittelgebirge im Norden schirmt den See vor kalten Winden ab. Darum herrscht fast immer Mittelmeerklima. Keszthely bildet den Knotenpunkt im Radwegenetz, das sich nach Norden und Süden erstreckt, aber auch mit einer Strecke von 210 Kilometern um den Balaton herumführt. Gleich in der Nähe des Tourismusbüros ist eine Ausleihstation für Fahrräder. Wir starten und entscheiden uns für eine Drei-Tages-Tour. Keszthely ist schnell durchquert.

 

       Zum Barockschloß des Grafen Festetics

       Am Rande der Stadt steht das Barockschloß des Grafen Festetics, das von einer weitläufigen, prächtigen Schlossanlage umgeben ist. Das große aus Marmor bestehende Treppenhaus und auch der Speisesaal zeigen den Prunk längst vergangener Zeit. Jetzt heißt es wieder in die Pedale treten. Wir radeln auf dem „Kis-Balaton", um die weitläufige Sumpfwelt zu erleben. Altungarische Graurinder weiden auf den Wiesen. Während eines Zwischenstopps steigen wir auf einen der hölzernen Beobachtungstürme, von der man Reiher, Kormorane und Bienenfresser beobachten kann. 150 Vogelarten brüten hier. In der Vogelberingungsstation von Fenékpuszta werden den kleinen Gefiederten von einer Fachkraft am Fuß beringt. Schließlich will man Näheres über die Flugrouten wissen. Abends treffen wir in einer typischen Radlerkneipe auf Einheimische, darunter auch Deutsche. Radler also unter sich. „Ihr müsst unbedingt den Balaton Zander auf Mischgemüse probieren. Den Fisch habe ich heute Morgen gefangen", prahlt der Wirt Laszlo.

      

        Hévic erwartet das ganze Jahr Gäste

       Am nächsten Morgen wartet die Route der Heilbäder. Héviz ist schnell erreicht. Ein kleiner Ort mit 6.000 Einwohnern. Dennoch ist er berühmt. Er hat den weltgrößten Warmwassersee, der Kohlendioxyd, Schwefel, Kalzium und Magnesium enthält. Hierher kommen schon seit 200 Jahren Rheumageplagte oder Menschen mit Gicht, Diabetes oder Gelenkproblemen. Die Ungarn sagen, es ist ein See, in dem sich badend alles Leid verliert. Die Arme auf Gummireifen gestützt, schweben kleine Grüppchen von Badenden durchs Wasser, an den roten, blauen und weißen Lotusblüten vorbei. Man plaudert mit den anderen, genießt die Leichtigkeit des Körpers. „Zwei Wochen, und ich habe das ganze Jahr über wieder Ruhe. Da hilft keine Spritze in Deutschland", erzählt der Kraftfahrer aus dem Ruhrgebiet. Dann hat er kein Kreuz mehr mit dem Kreuz. Er ist selbstständig, da muss man fit bleiben. „Wir wollen 99 werden", tönt fröhlich einer aus der kleinen Freundesclique. Dann schwimmt die lustige Runde auf den „Tratschbänken" in Richtung Badehäuschen, die mit roten Türmchen verziert sind. So als hätte Graf György Festetics, der 1795 das erste Badehaus über dem See errichten ließ, bis in die heutige Zeit Regie geführt. Von Héviz fahren wir in östlicher Richtung nach Vonyarcvashegy. Kurz vor dem Schloß geht es steil nach oben. Da hilft nichts, wir müssen unser Fahrrad schieben.

 

        Die Halbinsel Tihany

        Am nächsten Morgen radeln wir zur Halbinsel Tihany. Es geht vorbei an Feldern und Dörfern. Trotz aller Versuchung das Leben auf dem Land zu beobachten, muss man immer den Weg im Blick behalten. Denn die Radwege um den Balaton sind nicht voll ausgebaut. Und so manche Asphaltdecke wird durch empordrängende Wurzeln angehoben. Trotzdem fällt das Radeln leicht, da die Steigungen minimal sind. Von Weiten sieht man die Kirche der Benediktinerabtei. Im Dorf ziehen sich die Gassen bergauf und bergab zwischen den denkmalgeschützten Reetdachhäusern hindurch. In die östliche Bucht von Tihany schmiegt sich Balatonfüred. Zwei Feste sind in ganz Ungarn berühmt: der Anna-Ball im Juli, bei dem Ungarns schönstes Mädchen gekürt wird, und das „Romantische Festival" im September, bei dem sich die halbe Stadt in Kostüme nach der Mode aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kleidet. Im Juni zeigen 5000 Radfreaks aus 15 verschiedenen Ländern Kunststücke mit dem Rad. Biker springen mit einem BMX Rad über die Schanzen und drehen in der Luft Figuren.

 

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Anreise:
Flugverbindungen mit Malév
ab Berlin-Tegel, Hamburg und Frankfurt
mit Lufthansa ab Hamburg, München, Frankfurt und Düsseldorf
von Budapest mit dem Zug oder einem Shuttlebus an den Balaton.

 

Hévíz Touristinformation:
Tel.: +36/83 54 0 131,
Fax: +36/83/540-132
e-mail: info@hevizmarketing.hu
Internet: www.hevizmarketing.hu
Thermalsee: In der Hauptsaison täglich von 8.30 bis 17 Uhr geöffnet, im Winter von 9 bis 16 Uhr.

 

Ungarisches Tourismusamt:

Wilhelmstr. 61
1117 Berlin
Tel.: 030 / 24 31 46-0, Fax: -13
www.ungarn-tourismus.de
berlin@ungarn-tourismus.de


Regionaldirektion Deutschland Mitte, Nord & West
Lyoner Str. 44-48
60528 Frankfurt/Main
Telefon: 069 / 92 88 460
Telefax: 069 / 92 88 4613
e-Mail: frankfurt@ungarn-tourismus.de
Regionaldirektion Deutschland Süd
Stefan-George-Ring 29
81929 München
Tel: 089 / 309 040 310
Fax: 089 / 309 040 510
e-Mail: munchen@ungarn-tourismus.de

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Galopp und Trab im Bükk-Gebirge
Ungarn ist ein Reiterland und hat viele Angebote für leidenschaftliche Pferdenarren
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

 

            In den Ohren das Stampfen der Hufe und das wilde Schnauben aus den Nüstern, vor den Augen Ungarns hügelige Landschaften des Bükk-Gebirges und im Gesicht ein leichter Wind. Um diesen Augenblick genießen zu können, mussten Pferd und Reiter mehrere steile An- und Abstiege meistern. "Nichts für Anfänger", stellt János Lóska klar. Der 48jährige züchtet auf seiner 160 Hektar großen Farm in Vanyarc-Sarlóspuszta mit Leib und Seele Kisbèr- Pferde, und zwar die besten in Ungarn. Das hat er vermutlich von seinen Vorfahren übernommen, die nur zum Schlafen aus dem Sattel stiegen.  János führt seine Gäste in kleinen individuell betreuten Reitgruppen in einwöchigen Touren bis zu 200 Kilometer durch die ungarische Bergwelt. Die Wochentouren beginnen auf János' Hof in Vanyarc, führen nach Hollókö und Vizslás, vorbei an Sirok nach Bükkszék, weiter über Silvasvárad bis nach Eger.

         Übernachtet wird im Hotel oder auf Reiterhöfen.  Nach der Verschnaufpause klettern die Vierbeiner mit absoluter Trittsicherheit von einem der höchsten Berge Nordungarns. Hipp Hopp, die braune Stute, schafft es im Vorbeigehen, den Hals nach links zu recken, das Maul zu öffnen und einen vollen Bissen von den herunterhängenden Buchenzweigen zu nehmen. Ein ganz leichtes Ziehen rechts am Zügel, dann geht es weiter. Plötzlich spürt man, wie sich die Stute vorsichtig den Abhang heruntertastet und den besten Pfad durch den Morast sucht, immer bedacht, sich und die Reiterin sicher zum Ziel zu tragen. Anschließend geht es im flotten Trabb über langgestreckte Wald- und Wiesenwege. Die Rösser holen kraftvoll aus, werden schneller und schneller. Aber sie sind mit einem erhobenen Finger des Anführers zu stoppen. Nach dem zweistündigem Ritt am Vormittag folgt die Mittagspause. Die Pferde werden abgesattelt und grasen auf einer Lichtung, wo die Stallburschen frisches Gras gemäht haben. Márta, die Managerin der János Touren, reicht den Gästen Brot, Kolbasz, eine typische ungarische Salami, und selbstgemachte Gänseleberpastete. "Will etwa jemand keinen Obstler?", fragt sie die siebenköpfige Gruppe in perfektem Deutsch.  In einer kleinen Ortschaft vor Hollókö werden die Pferde in den Stall gestellt.

         Dieses Dorf kann nur zu Fuß besucht werden. Denn Hollókö, inmitten der nordungarischen Bergregion, ist ein Juwel. Mit seinen 55 weißen Häusern samt einer Kirche entlang einer unebenen Kopfsteinstraße hat es sich weltweit einen Namen gemacht. 1988 setzte die UNESCO den alten Teil dieses kleinen Ortes auf die Liste des Weltkulturerbes. Ein Museum ist es dennoch nicht. Die Bewohner, Angehörige der Palózen-Volksgruppen, leben noch hier und arbeiten in der Landwirtschaft oder für den Tourismus. In alten restaurierten gemütlichen Bauernhäusern können die Gäste übernachten.

             In Bükkszék sprudelt das Salvus Heilwasser mit 22 bis 35°Celsius aus der Erde. Ein Bad darin ist eine gute Vorbereitung auf den nächsten Tag, an dem längere Galoppaden über weite Wiesen auf dem Programm stehen.  Weniger geübten Reitern empfiehlt Pál Kleininger vom Ungarischen Tourismusamt die Sternenritte. Das sind Tagestouren, die jeweils auf dem Hof der Gastgeber beginnen und enden und die je nach Können und Erfahrung der Reiter gestaltet werden. Die Vielfalt ungarischer Angebote für Pferdefreunde offenbart die Broschüre "Reiterhöfe, Reitschulen- Hoch zu Ross in Ungarn". Die Gastgeber haben jede Menge kreative Urlaubspauschalen auch für jene geschnürt, die nicht selbst reiten.
So kann in Szilvásvàrad zum Beispiel das größte Lippizianergestüt auf dem europäischen Kontinent besichtigt werden. Zur Weltmeisterschaft 1984 im Gespannfahren belegten die Ungarn die ersten drei Plätze. In diesem Jahr gibt es vom 4. bis zum 7. August ein großes Fest. 450 Jahre Zucht dieser erfolgreichen Tiere, die auch in deutschen Reitställen hohes Ansehen genießen, müssen gefeiert werden.  Und wer dann noch eine Woche Urlaub anhängen möchte, kann zu dieser Zeit mit angenehmen Reitwetter rechnen. János und die anderen Anbieter führen bis Mitte Oktober durch Ungarns Bergwelt.

Auskunft:

Einwöchige Reittouren werden ab Mitte Mai bis Mitte Juni und dann wieder ab Mitte August bis Mitte Oktober durchgeführt. Da ist das Wetter am besten geeignet. Ein Höhepunkt ist die Hubertusjagd Ende Oktober.

Anreise:
-mit dem Flugzeug oder mit der Bahn bis Budapest, Transfer zu János Reiterhof oder anderen Reiterhöfen wird von den Gastgebern organisiert;
-mit dem PKW M3-Autobahn bis Azód, dann Richtung Verseg, Kartal, Kálló bis Vanyarc, der Reiterhof von János Lóska;

János Lóskas Reiterhof:
einwöchige Reittour mit János Lóska kostet ab 1000,00 Euro, incl. Transfer, Unterkunft, Verpflegung und Bereitstellung der Pferde. An- und Abreise sind nicht im Preis enthalten!
Zu Fragen der Kondition, Reiterfahrung und Preis für eine Tour mit János kann man sich mit Márta Jókai in Verbindung setzen. Sie sagt, am einfachsten ist sie über das Handy zu erreichen. Márta spricht perfekt deutsch.
Márta Jókai
1025 Budapest, Özgida u. 32
Telefon/Fax: 0036/ 1 3256349
Handy: 0036/ 20 9118275
E-mail: jokaim@hu.inter.net
Die Broschüre "Reiterhöfe, Reitschulen- Hoch zu Ross in Ungarn" ist kostenlos erhältlich beim

Ungarischen Tourismusamt:

Wilhelmstr. 61
1117 Berlin
Tel.: 030 / 24 31 46-0, Fax: -13
www.ungarn-tourismus.de
berlin@ungarn-tourismus.de


 

 

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Auch Tauben haben Augen
Budapest mit toller Architektur, wundervollen Kneipen und einem Selbstmörderlied
Text: Erika Sauter/Katharina Büttel    Fotos: Katharina Büttel

 

 

 

  Was hat sich Ödön Lechner nur dabei gedacht! Baut in Budapest die Postsparkasse, deren wahre Pracht fast nur aus der Vogelperspektive zu bewundern ist. Auf dem Dach tummeln sich in den buntesten Farben Drachen, Vögel, Stierköpfe und Schlangen aus Keramik. An der Fassade eilen goldgelbe Bienen in einer langen Reihe zu den oben dargestellten Bienenstöcken empor. Eine Aufforderung für die Budapester, ebenso bienenfleißig Geld zu sammeln und zur Sparkasse zu bringen.
  Ödön Lechner (1846-1914) ist für Ungarn das, was Antoní Gaudí für die Katalanen und Otto Wagner für die Österreicher ist. Ein Architekt und Bauphilosoph - und ein Meister des ungarischen Jugendstils. Seine Handschrift sind bunte Figuren aus Keramik, die in Südungarn hergestellt wurden. Die hat er dann so auf dem Dach arrangiert, dass sie von der Straße aus nicht zu sehen sind. Einer seiner Schüler wunderte sich schon damals, fragte: "Aber, sagen Sie Meister, wer wird denn diese wundervollen Ornamente auf dem Dach sehen und sich daran erfreuen?" Lechner: "Die Vögel. Auch Tauben haben Augen!" Aber Vorsicht: Die bunten Dächer, die Glasfenster, die Malereien an den Fassaden verführen dazu, ständig nach oben zu schauen. Die Straßen jedoch sind dafür nicht geschaffen. Sie sind holprig, manchmal fehlen ganze Steinplatten und hier und da sogar der Gully-Deckel - ohne Warnung!
Wie gut, dass wir Eva haben. Unsere Begleiterin ist Budapesterin, und sie weiß, wo Budapest noch unentdeckt ist. Kettenbrücke, Fischerbastei und Heldenplatz sind den meisten Besuchern ja hinlänglich bekannt.
Neben der Postsparkasse ist das Museum für Kunstgewerbe das schönste Jugendstil-Gebäude des Architekten Ödön Lechner. Budapest ist voll von Jugendstilhäusern, wie zum Beispiel das ehemalige Cabaret Parisiana, jetzt das Neue Theater Ùj Színház und das Mietshaus in der Honvéd utca 3. Viele Häuser sind restauriert, manche Fassaden und Motive aber auch noch unter einer schwarzen Rußschicht versteckt und erst auf den zweiten Blick erkennbar. Das legendäre Gellért-Bad bedarf jedenfalls dringend eines neuen Anstriches. In neuer Pracht dagegen strahlt der Gresham-Palast mit seinen berühmten Pfauentoren, den kunstvollen Mosaikfußböden und den filigranen Glasmalereien. Heute ist es das Nobelhotel Four Seasons.
Im jüdischen Viertel zeigt uns Eva die einzige Art Deco-Synagoge der orthodoxen Juden. Wer sich an der Rezeption in der Dob utca 35 meldet, darf die Synagoge, außer sonnabends, besichtigen. Ein paar Häuser weiter, in der Nr.15, ist das Theatercafé "Spinoza". Hier gibt es Lesungen und mitreißende Klezmer-Musik, dazu koschere Menüs. In der Nähe auch ein Mietshaus, dessen Fassade zwei überlebensgroße barbusige Damen zieren. Ein Anblick, den ein strenggläubiger Nachbar einst nicht ertragen konnte. Er stürzte sich aus dem Fenster.
Soviel zum Jugendstil, jetzt zur Jugend. Mitten auf dem Liszt Ferenc tér sitzt Franz Liszt mit Wind zerzaustem Haar. Rings um ihn herum herrscht reges Leben, mediterrane Atmosphäre mit Straßencafés, Gitarre klimpernden Studenten der nahen Musik-Akademie, Treffpunkt vornehmlich für junge Budapester und Besucher. "Junge Menschen langweilen sich bei uns nie", lächelt Eva sympathisch.
In einem abbruchreifen Haus im jüdischen Viertel macht sie uns auf das "Szimpla kert" in der Kazcinczy utca 14 aufmerksam. Eine Art Jazz-Café, in dem die Möbel vom Sperrmüll sind und wo es jeden Tag ab 17 Uhr fetzige Live-Musik gibt. Es wimmelt von jungen Leuten, die Stimmung ist klasse! Unbedingt abends hingehen - und die reifere Generation vorwarnen! Im Innenhof machen es sich Zuschauer auf ausgedienten Autositzen bequem, um sich einen Filmklassiker auf der Leinwand gegenüber anzusehen.
Apropos Film: Wer kennt nicht "Gloomy Sunday" - das Lied vom traurigen Sonntag? Rezsö Seress hat es 1935 in seinem Stammlokal "Kispipa" in der Akácía u. 38 komponiert. Der Story nach waren er und der Wirt damals in dieselbe Dame, in die Kellnerin Ilona, verliebt. Das Lied vom traurigen Sonntag ging als "Hymne der Selbstmörder" um die Welt, weil sich viele Menschen mit dieser Melodie auf dem Plattenteller aus dem Leben verabschiedeten. Heute sitzt jeden Abend Soós Tibor im "Kispipa" am Klavier und spielt auf Wunsch auch das Lied vom traurigen Sonntag.
Und weil wir schon einmal bei den Promis sind - vielleicht trifft man ja im jüdischen Gasthof "Rosenstein" in der Mosonyi utca 3 auf Warren Beatty und Annette Bening, Glenn Close, Jeremy Irons, Tony Curtis, Istvan Szabó oder Otto Sander. Sie alle kommen, wenn sie in Budapest weilen, ins "Rosenstein". Eigentlich wollte Tibor Rosenstein gar nicht so bekannt werden. Aber seine köstlich zubereiteten Speisen lockten immer mehr Hungrige an seine Tische. Eva übersetzt uns, was einige der Stammgäste beim Verabschieden zum Chef sagen: "Göttlich!", oder "Ich hatte den ganzen Tag schlechte Laune, jetzt geht es mir wieder gut". Oder: "Ich hatte Ente. Ente gut, alles gut!"

Service:
Flüge gibt es schon ab 29 Euro, da kann man vielleicht in dem Jugendstil-Hotel Gresham Palace direkt an der Kettenbrücke auf der Pester Seite wohnen: DZ/F/P/Nacht ab 250 Euro, Specials auf Anfrage. E-Mail: budapest.reservations@fourseasons.com
Budapest Card: Bus, Straßenbahn und U-Bahn, freier oder ermäßigter Eintritt in Museen, Galerien und Bäder, Preisnachlässe in Restaurants. Für 48 Stunden ca. 18 Euro, für 72 Stunden ca. 22 Euro. Die Taxifahrt vom Flughafen in die Stadt, z. B. zum Gresham Palace am Roosevelt tér 5-7 kostet ca. 21 Euro.
Eva Kleyer spricht fließend Deutsch und wird offiziell als Reiseführerin empfohlen: 4 Stunden kosten 60 Euro, ein ganzer Tag 90 Euro. Näheres: http://web.axelero.hu/ekleyer/ .
weitere Informationen: 

 

Ungarisches Tourismusamt:

Wilhelmstr. 61
1117 Berlin
Tel.: 030 / 24 31 46-0, Fax: -13
www.ungarn-tourismus.de
berlin@ungarn-tourismus.de

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Von der Puszta in die Therme

Ungarn setzt auf Wellness- und Gesundheitsangebote
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

 

 

 

         Pferde- und Schafhirten in bunter Tracht, Paprika und Palatschinken, das Idyll der Puszta ist etwas abgenutzt. Dennoch, wenn Attilá mit seinem Fünfergespann in hohem Tempo über die Puszta sprengt, spenden ihm die Zuschauer Beifall. Es ist schon ein Kunststück, sich im Galopp auf dem Rücken der zwei hinteren Pferde hoch erhobenen Hauptes auf den Beinen zu halten. Der blaue Hosenrock, das schwarze Wams und der breitkrempige Hut mit der keck wippenden Feder geben dem ungarischen Pferdehirten ein wild- romantisches Aussehen. In seiner Tracht ist Atillá ein ganz typischer Vertreter seiner Heimat, des Naturparks Öpusztaszer.

           Baumlos erstreckt sich die Tiefebene Ungarns. In unregelmäßigen Abständen sind reetgedeckte Ställe zu sehen, die Zackelschafe beherbergen. Die Hörner der Böcke wirken wie gedrechselter Kopfschmuck. In der Steppe grasen Graurinder, ein wenig abseits ist ein hölzener Ziehbrunnen zu sehen, an dem ein Schafhirte in seiner weißen Tracht lehnt.

          In der Czarda am Rande des Parks werden um die Mittagszeit Gläser mit feurigem Puszta- Cocktail gereicht. Anschließend gibt es Gulaschsuppe aus kleinen blanken Kupferkesseln. Die Czarda diente einst als Pferdewechselstation, auf der Kutscher, Fahrgäste und Pferde während ihrer Reisen durch Wald und Feld für ein paar Stunden verschnauften. All das wirkt wie ein Klischee, doch die Puszta ist tatsächlich so, jedenfalls meistens.

          Der Süden Ungarns versucht derzeit, den Trend der rückläufigen Besucherzahlen durch neue Attraktionen und Programme speziell im Kultur-, Wellness- und Gesundheitsbereich zu stoppen. Zum Beispiel in Hajdúszoboszlò. Hinter diesem für deutsche Zungen fast unaussprechlichen Namen verbirgt sich ein Ort mit einem Kurheim. Hier gibt es Becken mit Heilwasser. Das warme, moorig- braune Wasser eignet sich speziell zur Linderung rheumatischer Beschwerden. Wer in dem großzügigen Schwimmbecken badet, wird immerhin gelassener, denn das warme Wasser zwingt zur Langsamkeit. Schnelle Bewegungen wären viel zu anstrengend. Zwischen den wohl dosierten Badephasen müssen immer wieder Ruhepausen eingelegt werden. Die Gäste lassen sich vom starken Wasserstrahl massieren oder wandeln im Tretbecken. Immer kommt das im Überfluss vorhandene Thermalwasser zum Einsatz. Denn als in der Tiefebene nach Öl gebohrt wurde, stieß man auf Thermalwasser. Deshalb wird nun Kur und Kultur unter einen Hut gebracht, frei nach dem Motto "Von der Puszta in die Therme".

           Nur 10 Kilometer entfernt ist Szeged, die Stadt an der Theiß. Sie soll die sonnigste Stadt Ungarns sein. Bis in den Herbst hinein trifft man sich zu Konzerten auf dem Domplatz. Das quirlige Leben endet in den vielen kleinen Restaurants meist erst in den Morgenstunden.

Auskunft:

Ungarisches Tourismusamt:

Wilhelmstr. 61
1117 Berlin
Tel.: 030 / 24 31 46-0, Fax: -13
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