Kuba

Postkartenidylle mit Lebensfreude und Musik...
Baracoa ist voll Musik und Indianer-Nostalgie...
Zigarre statt Zuckerrohr...
Irgendwo in San Lorenzo...
 
Die Farben Havannas sind die bunten Häuser, die pastellfarbenen Oldtimer, das Braun der Zigarren und des Rums.
 
Text und Fotos: Gabi Dräger
 
Die geschwungene Heckflosse ist mit Chrome verziert, das pastellfarbene Rosa des Cadillacs aus dem Jahre 1952 schimmert im Sonnenlicht. Von den alten Ami-Schlitten, die aus dem Straßenbild nicht wegzudenken sind, wird man magisch angezogen. Ja, Kuba heißt jeden Tag Sommer und dazu kommt die rhythmische Musik, die an jeder Ecke gespielt wird, die einen beschwingt und eine immense Leichtigkeit verbreitet. Das Gefühl des Films „Buena Vista Social Club“ von Wim Wenders, beflügelt einen. Ohne Salsa ist das Leben für einen Kubaner unvorstellbar.
Mit Nico, dem Reiseleiter, und Aidyl, der Reiseleiterin aus Kuba, geht es zur Besichtigung von Havanna. Die Tour beginnt am Plaza de Armas. Unzählige Buchhändler bieten Bücher, vor allem über Che Guevara, den gut aussehenden Revolutionär, an. Musik-CDs, Zeitungen und Erdnüsse werden von fliegenden Händlern angeboten, damit sie ein paar CUCs, die begehrte Währung der Touristen, ergattern können.
Ein Thron ohne König und Pflastersteine aus Holz
Das Stadtmuseum, der „Palacio de los Capitanes Generales“ von 1776, beherbergte im Laufe der Zeit den Generalgouverneur, die US-Verwaltung und war Rathaus, bevor ein Museum eingerichtet wurde. Mit den ausgestellten Dokumenten, Fotos, Gemälden, Uniformen und Waffen erzählt das Museum die Geschichte Havannas. Im Thronsaal, der damals extra für den König von Spanien gebaut wurde, steht ein Thron, auf dem nie ein König saß. Juan Carlos und Sophia kamen 1999 nach Havanna, doch Juan Carlos weigerte sich, auf dem Thron Platz zu nehmen. Außergewöhnlich ist das hölzerne Kopfsteinpflaster vor dem Museum: Der Generalgouverneur wollte bei seinem Mittagschlaf nicht von lautem Pferdegetrampel gestört werden. Dann geht es zu Fuß weiter zur Kathedrale. Keine Angst, Kuba ist ein sicheres Reiseland, denn Diebstahl wird hart bestraft. Die einzigen Schutzmaßnahmen, die man benötigt, sind Autan gegen Moskitos und Sonnencreme gegen Sonnenbrand.
Kathedrale, Theater und Kapitol
Auf dem Platz vor der Kathedrale mit seinen prächtigen Kolonialbauten mit Arkaden, pulsiert das Leben. Es gibt viele Cafés und Restaurants. Souvenirhändler bieten ihre Artikel an, eine weiß gekleidet Frau verspricht, die Zukunft zu lesen. Die Kathedrale mit zwei verschiedenen Türmen wurde 1777 auf den Grundmauern einer jesuitischen Kirche aufgebaut. Die barocke Fassade der Kathedrale mutet an wie zu Stein gewordene Musik. Die prachtvolle Jugendstilfassade des Theaters García Lorca von 1838 ist beeindruckend. Heute sind hier die Staatsoper und das Ballett untergebracht. Das riesige Kapitol wird gerade restauriert und kann nicht besucht werden. Es ist höher als das Vorbild in Washington. In der Zeit des Diktators Batista bis 1959 war es Sitz des kubanischen Kongresses. Heute beherbergt das Kapitol die Akademie der Wissenschaften und einen Teil der Staatsbibliothek.
Der Malecón mit Brandung und Musik
Die acht Kilometer lange Uferpromenade „Malecón“ ist die Hauptschlagader Havannas. An den angrenzenden Kolonialhäusern, mit ihren morbiden Fassaden, nagt die salzige Meeresluft. Auf dem Malecón gilt es, sehen und gesehen werden. Spaziergänger, Liebespaare, Angler, Touristen, Musikanten und Erdnussverkäufer treffen sich am Abend. Die mehrspurige Küstenstraße ist niemals ruhig. Von hier hat man einen guten Blick auf die gegenüberliegende Fortaleza El Morro, die zum Schutz vor Piraten gebaut wurde. Das größte Krankenhaus Kubas und das Hotel National, ein großes elegantes Hotel, indem schon seit eh und je Prominente absteigen, liegen am Malecón.
Hemingway ist allgegenwärtig
Ernest Hemingway ist heute noch allgegenwärtig in Havanna. Er hat mehr als 20 Jahre auf Kuba gelebt. Von den Kubanern wurde er einfach kurz „Papa“ genannt. Er wohnte im Hotel Ambos Mundos im Zimmer 511. Mittags trank er seinen Daiquiri im Floredita und abends seinen Mojito in der Bodeguita del Medio. Manchmal bestellte er dutzende von Drinks. Ein bisschen Hemingway-Gefühl kann man im fünften Stock des Hotels Amos Mundo auf der Dachterrasse mit Blick auf Havanna nachempfinden. Mittags hat man die Wahl zwischen Sandwich oder Menü und immer gibt es Musik dazu. „Besa mi mucho“ und natürlich „Guantanamera", das weltweit bekannte Lied, werden von zwei Kubanern gespielt.
Mojito und Daiquiri – Prost Hemingway
Die Hemingway Bar Floridita ist gesteckt voll und natürlich wird Musik gespielt. Drei Barkeeper sind im ständigen Einsatz, wie am Fließband Daiquiris zu mischen. Hemingway sitzt als Bronzefigur an der Bar. Mit einem knatternden Cocotaxi geht es zurück zum Hotel. Am Malecón kommt die starke Brandung über die Mauer bis auf die Straße und man bekommt sogar im Cocotaxi eine gute Portion Spritzer ab.
Hemingways Finca „La Vigia“
Hemingways dritte Frau Martha Gellhorn wollte nicht mehr im Hotel in Havanna leben, so kaufte er einen prachtvollen Landsitz, die Finca La Vigia, in den Hügeln vor Havanna. Man darf das Haus nicht betreten, sondern nur durch die geöffneten Fenster in das Innere sehen. Es sieht so aus, als ob Hemingway gerade mal eben das Haus verlassen hat. Da stehen noch die originalen Möbel, die Regale voller Bücher und sogar die Whiskeyflaschen sind noch zu sehen. Im Garten sieht man die Gräber seiner Hunde und Katzen. In der Finca hat er den Roman „Wem die Stunde schlägt“ beendet und den Roman „Der alte Mann und das Meer“ geschrieben, für den er 1954 den Nobelpreis erhielt. Hemingway war außerdem ein begeisterter Hochseefischer und Jäger.
Oldtimer Rundfahrt in Havanna
Eine Stadtrundfahrt in einem Chevrolet in Pink, natürlich ein Cabrio, das ist Havanna. Man fährt noch einmal durch die ganze Stadt, die man schon zu Fuß erobert hat und lässt sich den Fahrtwind um die Nase wehen. Alte amerikanische Straßenkreuzer, wie Cadillacs, Chevrolets, Studebakers, Pontiacs, oder Packards, gibt es zumeist in den Farben pink, rosa, hellblau und türkis. Oft sieht man Männer unter ihren Oldtimern liegen oder über die geöffnete Motorhaube gebeugt stehen – es ist der Stolz eines Kubaners, sein Auto selbst zu reparieren. Allerdings haben viele Oldtimer heute zum Teil schon Honda-Motoren.
Und immer Buena Vista Social Club
Am Abend eine Musikveranstaltung mit einer zwölf Mann großen Band. Ein Sänger, er ist 86 Jahre alt, geht mit dem Gehstock auf die Bühne. Die Band spielt Rumba, Cha-Cha-Cha und Mambo, man glaubt im Film von Wim Wenders „Buena Vista Social Club“ zu sitzen. 
Erdbeer und Schokolade
Das Paladar „La Guarida“ ist ein privates Restaurant. Die ersten zwei Stockwerke sind Ruine. Dann taucht die schöne Marmortreppe auf, die zum dritten Stock führt. Kristalllüster und viel Kunst an den Wänden dekorieren die kleinen Räume; man fühlt sich wie in einer Wohnung. Hier wurden Szenen für den Film „Erdbeer und Schokolade“ gedreht, der eine Oscar-Nominierung erhalten hat. Die kleinen Zimmer des Restaurants waren die Wohnung des Schriftstellers im Film. Die Küche ist ausgesprochen gut, die Gerichte werden mit feinen Saucen serviert.
Der Revolution auf der Spur
„Der nächste Tag ist Revolutionstag“, verkündet Nico. Genau wie Schüler der vierten Klasse den Tag absolvieren, geht es zur Besichtigung. Der gigantische „Plaza de la Revolución“ ist beeindruckend, er kann 500.000 Menschen Platz bieten. In der Mitte steht der 109 Meter hohe sternförmige Obelisk mit dem Denkmal für José-Martí. Jose Martí war im 19. Jahrhundert Freiheitskämpfer gegen die Spanier, außerdem war er Journalist und Schriftsteller. Er wird heute noch als Nationalheld verehrt, er starb bei einem der ersten Gefechte gegen die Spanier. Der Text des weltbekannten Liedes Guantanamera basiert auf einem Gedicht von ihm. An der Fassade des Innenministeriums ist riesengroß das Bild von Che Guevara zu sehen, das auch nachts beleuchtet wird. Die Helden der Revolution sind aus Kubas Alltag nicht wegzudenken. Papst Franziskus hat hier auf dem Platz auch schon eine Messe zelebriert.
„Museo de la Revolucion“
Das Revolutionsmuseum ist in dem ehemaligen Präsidentenpalast von Batista untergebracht, es ist das schönste Barockgebäude der Stadt. Im Museum kann man sich über die verschiedenen Epochen Kubas informieren. Die Ausrottung der Indianer, Sklaverei, die Unabhängigkeitskriege und die Revolution. Das Highlight ist jedoch im gläsernen Pavillon hinter dem Museum zu finden. „Granma“ heißt das Schiff, in dem Fidel und Raúl Castro und Che Guevara mit 80 Mann von Mexiko nach Kuba kamen. Nach diesem Schiff wurde auch die größte Tageszeitung in Kuba genannt: Granma.
Friedhof Colón
Der „Cemeterio Colón“, der Friedhof von 1870 mit 800.000 prachtvollen Grabmälern, ist der schönste Friedhof der Welt und der größte in Lateinamerika. Er wurde in das Weltkulturerbe aufgenommen. Es gibt viele prächtige Mausoleen aus Marmor. Der Friedhof ist so groß, dass auf den Hauptstraßen sogar Autos fahren dürfen. Das Grab von Ibrahim Ferrer, des Musikers von Buena Vista Social Club, liegt hier. Ry Cooder entdeckte die Band und der Film „Buena Vista Social Club“ von Wim Wenders hat die Band weltberühmt gemacht.
Tabakfabrik in Havanna
Die kubanischen Zigarren sagt man, sind die besten Zigarren der Welt. Seit 170 Jahren besteht die Zigarrenproduktion schon und die Herstellung ist ein absolutes Staatsgeheimnis, deshalb darf man in der Fabrik bei einer Führung nicht fotografieren. Der Torcedores ist ein angesehener Beruf mit einer neun Monate langen Ausbildung. Sie können am Tag mehr als 100 Zigarren per Hand drehen. Das Außenblatt ist am wertvollsten, es muss schön und elastisch sein. Die Einlegblätter sind für den Geschmack zuständig. Über 400 Angestellte sind in der Fabrik beschäftigt. Die Arbeitsatmosphäre ist lässig. Beim Drehen unterhalten sich viele. Am Vormittag liest ein Vorleser aus der Tagespresse vor und am Nachmittag liest er Gedichte oder Romane vor. Die exklusivste und teuerste Zigarre ist die Cohiba. Hemingway hat Monte Christo geraucht.
2016 war ein ereignisreiches Jahr in Kuba, Fidel Castro ist im November gestorben und Obama und die Rolling Stones waren da. Bis zum Geburtstag 2019 wird Kuba wohl seinen Charme bewahren und hoffentlich auch weiterhin.
Fazit
Ein kleines Land mit gerade mal eben elf Millionen Einwohnern.
Kubaner sind zwar arm, aber hungern muss keiner, es gibt eine gute und kostenlose Schulausbildung. Die medizinische Versorgung ist ebenso sehr gut und kostenlos. Kuba ist nicht kriminell und korrupt wie die Nachbarländer. Hotelzimmer, die schon mal renoviert werden müssten, Wartezeiten am Aufzug und manchmal nicht immer ganz warmes Wasser zum Duschen kann es geben. Was soll’s? Kuba bietet so viel, die kubanische Lebensfreude, die Natur und die Musik. Wer alles perfekt haben möchte, der bleibt am besten zu Hause.
Kontakt
Veranstalter: Studiosus www.studiosus.com
Aventoura  www.aventoura.de
Meiers Weltreisen www.meiers-weltreisen.de
Touristische Währung ist der CUC, ein CUC ist etwa ein Euro.
20 Peso urbanos sind 1 CUC. Geld wechseln in den staatlichen Wechselstuben und in Hotels.
Air Europa www.aireuropa.com, Abflug München – Madrid 2 ½ Stunden, Madrid – Havanna Flugzeit 9:25 Stunden
Condor www.condor.com
Air Berlin www.airberlin.com
Eurowings www.eurowings.com
Tuifly www.tuifly.com
Beste Reisezeit
Trockenzeit November bis April
Regenzeit Mai bis Oktober
Souvenirs
Zigarren, Habana Club Rum, Dominosteine, Musik-CDs, Santería Puppen, Strohhüte und Rasseln. Außerdem gibt es Erinnerungen an den Nationalhelden Che sogar auch als T-Shirt und Käppi.
Musik
"Der Son ist wie ein zu Klang gewordener Rum, den man mit den Ohren trinkt", so schreibt begeistert der Musikethnologe Fernando Ortiz Fernández über die Musik in Kuba. Kubanische Musik ist eine Mischung aus spanischer und afrikanischer Musik. Aus der Tanzmusik mit großem Orchester Danzón entstand der Son. In New York entwickelten Latinos aus dem Son, Rumba, Cha-Cha-Cha, Mambo und Merenque, den Salsa (scharfe Soße), der dann mit den Arbeitern nach Kuba ging.
Cuba Libre, Daiquirí, Mojito und Rum
Seefahrer haben gerne Rum getrunken, um sich Mut anzutrinken, so wird erzählt. Der Rum ist ein Abfallprodukt der Zuckerproduktion. Die Melasse wird vergoren, dadurch bildet sich Alkohol. Der berühmte Rum in Kuba ist der „Havana Club“, er wird in Eichenholzfässer gelagert, dadurch erhält er seine goldbraune Farbe. Je länger er lagert, um so besser ist die Qualität und um so teurer ist er. Der edelste ist der fünfzehn Jahre alte „Havana Club Reserva“. Den US Soldaten, die die Kubaner gegen die Spanier unterstützten, war der Rum zu stark, da haben sie einfach Coca-Cola dazu gegossen und so ist der „Cuba libre“ entstanden. Der erste Daiquiri wurde 1900 von amerikanischen Ingenieuren, die in Minen bei dem kleinen Ort Daiquiri arbeiteten, getrunken. Die Zutaten waren Rum, Limetten und Zucker. Bekannt wurde der Drink, als er in der Bar Floridita in Havanna vom Barkeeper Ernest Hemingway serviert wurde. Der Mojito ist das Nationalgetränk, er besteht aus weißem Rum, Zucker, Limettensaft, frischer Minze und Sodawasser. 
Fidel Castro
Fidel Castro wurde 1926 geboren und er ist der Begründer der Revolution. Er war von 1959 bis 2008 Staatsoberhaupt in Kuba. Er tritt nach fast 50 Jahren an der Staatsspitze aus Krankheitsgründen zurück und sein gemäßigter Bruder Raúl Castro wird der neue Staatspräsident.
2016 starb Fidel Castro.
Ernesto Rafael Guevara genannt Che
Ernest Guevara oder einfach Che wurde 1928 in Argentinien geboren. Er war Guerillaführer, Arzt und Autor. 1954 hat er Fidel Castro in Mexiko kennengelernt, der dort im Exil lebte. Daraufhin war er von 1956 bis 1959 Anführer der kubanischen Revolution. „Comandante“ ist ein Lied, das Ibrahim Ferrer ihm zu Ehren oft gesungen hat. Che wurde von Fidel Castro als Industrieminister und danach als Leiter der kubanischen Zentralbank eingesetzt. Che Guevara gab 1965 seine Staatsämter auf, um auf der Welt revolutionäre Bewegungen zu unterstützen. Er verließ Kuba mit ein paar Anhängern, um die Rebellen im Kongo und anschließend in Bolivien zu unterstützen. In Bolivien wurde er 1967 gefangen genommen und erschossen. Heute wird er in Kuba als Volksheld verehrt. Für viele ist er der bestaussehendste Revolutionär der Welt.

Das Buch zur Reise

Kubas Baracoa ist voll Musik und Indianer-Nostalgie
Text und Fotos: Heidrun Lange (2006)

 

Kolumbus war ein rauher Seebär, aber nachdem er 1492 Kuba entdeckt und als erster Europäer die Insel betreten hatte, wurde er beinah zum Lyriker. "Die außergewöhnliche Schönheit übertrifft alles andere an Zauber und Anmut, so wie der Tag die Nacht an Glanz übertrifft. Diese Insel ist wohl die schönste, die ein Menschenauge je gesehen hat", vertraute er seinem Tagebuch an. Die Lobpreisungen nehmen kein Ende. Passatwinde wiegen elegante Königspalmen und Pinien. Vögel in betörender Farbenpracht trillern in üppiger Vegetation. 40 Kilometer östlich von Guardalavaca liegt die Barley Bucht. Die Bucht, in der der Entdecker der Neuen Welt vor Anker ging. Scherben, Namen und Legenden, viel mehr blieb nicht von Kubas Urbevölkerung. Die größte Begräbnisstätte in der Karibik, in Banes, zeigt die von Archäologen gefundenen Skelette der Taino-Indianer. Im nachgebauten Indianerdorf wird der Alltag der ersten Inselbewohner gezeigt.

Die Bucht ist nicht weit von Holguin entfernt.. Hier wurde eines von 29 Kreuzen, die Kolumbus an der Ostküste Kubas aufgestellt haben soll, zum Wallfahrtsort Loma de la Cruze gebracht. Baracoa jedoch, im äußersten Osten Kubas gelegen, stellt die Version der Landung in Frage. Man beharrt darauf, dass der imposante Tafelberg, den Kolumbus erwähnte, der Berg El Yunque sei und der Admiral hier an Land ging. Egal, wo Kolumbus seine Füße auf den Boden der Insel setzte, im Laufe der Geschichte kamen Menschen aus allen Teilen der Welt hierher. Baracoa war vor 488 Jahren als erste kubanische Stadt vom spanischen Konquistador Diego Velázquez gegründet worden.

Als Baracoa den Hauptstadt-Titel an Santiago de Cuba und schließlich an Havanna verlor, geriet die einstmals wichtige Handelsstadt in Vergessenheit. So ist das Stadtbild eingefroren wie ein Schnappschuß aus den 30er oder 50er Jahren. Weil sich niemand mehr um das Städtchen am Antlantik scherte, wurde kaum etwas verändert. Als später überall in Kuba Straßen gebaut und Schienen gelegt wurden, vergaß man das Städtchen hinter den Bergen einfach. Bis in die 60er Jahre führte nicht einmal eine befestigte Straße her, bis 1962 zwischen Guantànamo und Baracoa "La Farola" gebaut wurde. Doch wo in Havanna die "Kamele", riesige Busse mit Kabinen für 150 Fahrgäste, von sowjetischen Zugmaschinen durch die Straßen geschleppt werden, sind nach Baracoa nur Reiter und ein paar alte amerikanische Straßenkreuzer unterwegs. Baracoa mag auf den ersten Blick etwas schäbig wirken, doch hier kann man noch den Charme einer abgelegenen Provinzstadt genießen. Touristen verirren sich nur selten hierher, da die Stadt noch immer weit ab vom Schuß liegt. Den alten Stadtkern stört bis heute keine moderne Silhouette. Das Kopfsteinpflaster, über das bereits Konquistadoren stolperten, zwingt zu mäßigem Tempo. Erst am späten Nachmittag erwacht in den einstöckigen Häusern mit roten Ziegeldächern, umgeben von üppiger Vegetation, das Leben. So lebendig, dass man kaum verwundert wäre, käme ein gewisser Christoph Kolumbus um die Ecke geschlendert.

Am Plaza Mayor erhebt sich die baufällige Kirche, in deren Innerem das Kreuz von Kolumbus gehütet wird. Abends flanieren die Bürger durch die Straßen, die Zigarre im Mundwinkel. Ein Musiker eilt mit dem Kontrabaß über der Schulter zur Casa de la Trova, dem Haus der Sänger. Anders als in den Tanz-Bars in Havanna sind die Urlauber hier in der Minderheit. Hier gilt: Salsa statt Rock. Im Hinterhof heizt eine Männer-Salsa-Band mit Saxophon und Trompete den Tänzern tüchtig ein.

Während die Kubaner rhythmisch ihre Hüften hin- und her wiegen, stampfen die wenigen Ausländer hüftsteif auf der Stelle. Die kubanische Tanzlehrerin Misi Isabell, ein schwarzer Wirbelwind, erklärt: "Ihr müsst auf der Stelle trippeln, mal schneller, mal langsamer, Schritte nach hinten und nach vorne machen., im Takt einmal um 360 Grad drehen, den Partner nicht aus den Augen lassen, den Hüftschwung nicht vergessen." Nichts für schwache Nerven ist der Tanz der afrikanischen Göttermythologie einige Häuser weiter. Die Göttinnen der Eitelkeit, der Rache, des Meeres tanzen anmutig um den Krieger und Gott der Berge. Das Licht geht aus, diesmal keine Stromsperre. Den Touristen werden die Rituale der Tieropfer gezeigt. In den Morgenstunden allerdings verfällt die Stadt wieder in einen tiefen Schlaf...

Auskunft:
Kubanisches Fremdenverkehrsamt:

 

in der Botschaft der Republik Kuba

Stavangerstr. 20
10439 Berlin
Telefon: +49 (0)30-44719658
Telefon: +49 (0)30-44718949
Telefax: +49 (0)30-44719659

email: info@cubainfo.de
Internet: www.cubainfo.de

Zigarre statt Zuckerrohr
Havannas paffen oder Süßholz raspeln: Touristen im blauen Dunst der Karibikinsel
Text und Fotos: Heidrun Lange (2007)

Zigarre statt Zuckerrohr

 

 

 

Zigarren muß man genießen. "und das nach allen Regeln der Kunst", sagte einst Zigarrennarr Zino Dafidoff in den blauen Dunst. Sie solle nicht in hektischen Augenblicken zügig weggeraucht, sondern in Stunden der Muße und Anregung gepafft werden. "Der blaue Rauch, dem das Auge gern nachsieht, stimmt versöhnlich", beschrieb Bismarck seine Leidenschaft. Die derzeit eine Renaissance erlebt. In Clubs, Restaurants, Lounges und der guten Stube wird wieder gepafft wie einst in Churchills Arbeitszimmer. Aber nicht Opas Stumpen, sondern feine Importware von der ehemaligen Zuckerrohrinsel Kuba, der Dominikanischen Republik, Honduras, Indonesien oder Brasilien ist gefragt. Nobelhotels veranstalten für Genießer "Smoker Dinners" oder "Cigar nights", wo zu edlen Menüs passende Rauchgenüsse die einzelnen Gänge abschließen. Vor knisternden Kaminen treffen sich Frauen und Männer und schmauchen um die Wette.

Die Königin unter den Zigarren ist unübertroffen die Havanna, was auf die außergewöhnliche Qualität des kubanischen Tabaks zurückzuführen ist. Auch Kanzler Schröder geht die echte Cohiba über alles, schon bevor er 1996 als Ministerpräsident Niedersachsens nach Kuba reiste und von Staatschef Castro eine geschenkt bekam. Mittlerweile tun ihm das tausende Zigarren-Touristen nach - auch wenn sie ohne staatsmännische Aufmerksamkeit die Plantagen und Fabriken besichtigen.

In der kubanischen Hauptstadt Havanna besitzt Alberto Mendoza, einen reich bestückten Zigarrenladen. Zwischen 37 Sorten vermittelt er den echten Rauchgenuß. Hier herrscht ein strenges Zeremoniell. Mit verchromten Zigarrenscheren wird das schwere Geschoß geköpft, aber nicht zu groß, nicht zu klein, gerade so, dass die Zigarre gut zieht. Denn sie wird nicht wie eine schnellebige Zigarette inhaliert, sondern ihr Rauch durch Mund und Nase gerollt. Die dicken Dampfer werden auch nicht wie ihre dünnen Verwandten lieblos im Aschenbecher abgeknickt oder ausgedrückt, sondern abgelegt, und zwar dann, wenn die Glut die Bauchbinde erreicht hat. Oder auch schon eher.

Eine Reise zur Quelle dieses Phänomens gibt Einblick in den Prozess des Tabakanbaus, der Herstellung und Kontrolle der Qualität, bis zum fertigen Produkt für den Handel. Die günstigsten Bedingungen für die empfindlichen Tabakpflanzen bieten die Schwemmlandböden entlang der Flüsse bei Pinar del Río mit dem verträumten Dorf Vinales im Westen Kubas. In felsigen Erhöhungen mit steil abfallenden Berghängen wachsen in den fruchtbaren grünen Tälern die Pflanzen heran, die im März geerntet werden.

Die Blätter werden an Stangen befestigt und zum Trocknen aufgehängt, nach Größe und Farbe sortiert und immer wieder befeuchtet, um sie geschmeidiger zu machen. Die Zusammen-setzung des Bodens, wie er in der kubanischen Region Pinar del Rio, vorhanden ist, das jahrhundertalte Wissen der Pflücker, Fermentierer, Sortierer, Entripper und schließlich Wickler ist das Geheimnis der guten Zigarre. Ein kubanisches Sprichwort sagt: "Den Tabak kannst du nicht einfach pflanzen, den mußt du heiraten." So hat jeder Pflanzer seine über Generationen überlieferten Familienrezepte. 111 Arbeitsschritte sind notwendig bis die Edelstumpen ihren Huldiger finden, von der Aussaat der Pflanzen bis sie in ein aus Zedernholz gefertigtes Kästchen kommen und darin wie guter Wein reifen können. Und kein Kunstwerk geht durch so viele Hände wie die Zigarre, nur um sich schließlich in Rauch aufzulösen.

Das Zigarrendrehen kann vor Ort verfolgt werden. In der Tabakfabrik Francisco in Pinar del Rio sitzen überwiegend Frauen und rollen auf Mangobrettern nicht, wie der Legende nach behauptet, auf den Schenkeln kubanischer Jungfrauen, die Cohibas, Montecristos und Upmanns. Die Tische sind über und über mit Tabakblättern bedeckt. Zärtlich streicht die Zigarrendreherin ein Tabakblatt auseinander, um dann den Rand des Blattes mit einem breiten Messer zu einem Halbkreis zu schneiden. Dann drückt sie in der Hand drei trockene Tabakblätter zusammen, rollt diese fest in das Umblatt, schlägt darum das schmiegsame Deckblatt aus dem die Mittelrippe entfernt wurde und formt auf dem Arbeitsbrett eine Rolle. Unterschiedliche Blattarten ergeben, zusammen eingerollt, die richtige Mischung für Geschmack und Brennfähigkeit. Um den Beruf des Torcedores oder Cigareras, wie die weiblichen Zigarrendreher auf Kuba genannt werden, ausüben zu können, braucht man viel Fingerfertigkeit und lange Übung. Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts sitzt zur Unterhaltung der Torcedores in jeder Galera ein Vorleser, der aus den Werken berühmter Schriftsteller oder der Zeitung liest.

 

Die Liste der glühenden Verehrer ist lang und vereint Staatsmänner, wie Revolutionäre, Komponisten und Schauspieler. Dass diese Leidenschaft der Gesundheit schade, wehrt der Inhaber des Zigarrenladens entschieden ab. "Der blaue Dunst fördert das Wohlbefinden und damit ein langes Leben." Winston Churchill, der 90 Jahre alt wurde und über 300 000 Havannas gepafft haben soll, hat es vorgemacht.

Irgendwo in San Lorenzo
Begegnung in der Provinz - 50 Jahre nach Beginn der Revolution.
Text und Fotos: Heidrun Lange (2009)

 

Der japanische Jeep röhrt wie ein Panzer. Er springt und rutscht über scharfkantiges Gestein und "schwimmt" durch den Schlamm. Es sieht aus, als würde der robuste Wagen stecken bleiben, denn eine Straße gibt es nicht auf dem Weg ins Innere des Landes. Nur diese ausgefahrenen Pisten, die sich durch endlose Felder winden. Und dazwischen: Kuhherden. Weit und breit kein Mensch, kein Haus.Nicht dass hier ein Hurikan vorüber gefegt ist. Lediglich ein paar Wolkenbrüche gingen auf dem Landstrich nieder.

 Irgendwo, auf der Landkarte schon gar nicht mehr verzeichnet, taucht schließlich doch ein kleiner Ort auf: San Lorenzo.

Als wir ankommen, sind aus den offenen Türen eines Hauses Stimmen zu hören. Die Familie unseres Fahrers Carlos kommt auf uns zu und umarmt uns herzlich. Die Nachbarn, Bauern mit wettergegerbten Gesichtern unter ihren Sombreros, kommen ebenfalls zur Begrüßung auf den Hof und reichen eine Flasche Rum. Bald schon grillt ein Spanferkel über dem Feuer, extra für die Gäste. "Hier her hat sich noch nie ein Tourist verirrt", gesteht Romelio, der Schwager unseres Fahrers Carlos.


Romelio ist Bauer und hat seine eigene kleine Landwirtschaft. Morgens um vier Uhr müsse er raus, sagt er. Hier werden die Kühe mit der Hand gemolken. Kurze Zeit später blöken die Ziegen aus dem Stall. Sein Futter holt der Bauer auf zerfurchten Wegen über hunderte Meter mit einem Traktor zum Stall. Das Wasser fürs Vieh trägt er mit zwei Eimern von der Pumpe zu den Tränken. "Strom haben wir", sagt er, "und er reicht für die Lampe und den Fernseher", sagt Romelio.

Und doch machen die Männer einen zufriedenen Eindruck. Sie strahlen Ruhe aus. Anders als die meisten Landsleute in den Städten ist hier keiner auf der Jagd nach den amerikanischen Dollars, die das Lebensniveau auf Kuba vor allem bestimmen. In San Lorenzo haben die Leute ihre Arbeit und ihr Auskommen. Mehr wollen sie nicht. Und hier reden sie nur gut von Fidel Castro und Che Guevara, die ihnen dieses Leben auf dem Land ermöglicht hätten, als Ergebnis der Revolution, die vor einem halben Jahrhundert begann.

Antonius, Romelios sechsjähriger Sohn, geht in Guàimaro zur Schule. Der kleine Ort liegt 15 Kilometer vom Bauernhof entfernt. Jeden Montag bringt er Sohn und Frau mit dem Traktor zur Stadtgrenze.
Am frühen Nachmittag, wenn der Schulunterricht endet, weht ein der Wind das fröhliche Stimmengewirr über die Straße. Antonius kommt mit den anderen Kinder in ihren rot- weißen Uniformen herüber. Zu Hause in der Stadtwohnung warten seine Mutter und seine Schwester Yudalkys auf ihn. Der Junge setzt sich an den Wohnzimmertisch und malt auf ein Stück Papier ein Haus, eine kubanische Flagge und ein Kind mit einem Halstuch. Darauf steht in Druckbuchstaben: para Thomas. Es ist ein Bild für den Besuch aus Deutschland. Dann schlägt Antonius sein Lesebuch auf. Er buchstabiert Che Guevara und schreibt die Buchstaben in sein Heft. Die Schwester Yudalkys fragt, wer das sei. "Ein kubanischer Revolutionär," antwortet der Sechsjährige.

Yudalkys ist 23 Jahre und hat nach dem Abitur sechs Semester studiert. Jetzt arbeitet sie als Sozialbetreuerin. Ab und zu kommt sie zur Mutter und dem Bruder nach Hause. Dann besucht sie auch ihren Großvater Mario Tamayo. Der lebt seit einigen Jahren allein in einem kleinen Holzhaus am Stadtrand von Guàimaro. Seine inzwischen erwachsenen Söhne und Töchter wohnen weit entfernt voneinander in den großen Städten. Carlos in Santiago de Cuba, die Tochter in der Nähe Havannas. Die Überraschung ist gelungen, als plötzlich Carlos vor dem 74-jährigen Vater steht.

Carlos hat Europäer mitgebracht. Als der Großvater bei einem der Besucher, einem 15-Jährigen, das Che Guevara-T-Shirt sieht, rollen die Tränen über die Wangen des alten Mannes. "Ja, ich habe auch gegen Batista gekämpft", sagt er. Noch heute ist er stolz, dass seine Kinder und Enkel kostenlos zur Schule gehen können. Als Revolutionsveteran bekomme er monatlich eine Rente, sagt der Großvater. Als gelernter Tischler repariert er noch Möbel und baut im Garten Mais und Bohnen an.

Während in Deutschland junge Leute die Poster von Che Guevara in ihre Zimmer pinnen und T-Shirts mit dem kubanischen Idol bedruckt werden, schmücken in Santiago de Cuba die Kämpfer der Revolution bis heute auch die Schulmauern, Werbetafeln und Fassaden. Denn am 26. Juli begeht das Land den 50. Jahrestag des Beginns der Revolution. Was die Menschen ein halbes Jahrhundert nach dem Aufstand gegen Batista wirklich bewegt, ist schwer zu ergründen. In den wenigen größeren Städten, wo die meisten Kubaner leben, gehen zwischen marodem 1960er Jahre Beton und restauriertem Kolonialbarock ihrem Tagewerk nach. Viele interessiert heute der Dollar mehr als der Sozialismus. Denn ohne die kubanische Ersatzwährung läuft auf der Insel nichts mehr. Zu bekommen sind die Dollars nur durch besonderes Geschick, Improvisationstalent oder durch gute Beziehungen. Die meisten, so scheint es, kennen die Kniffe. Deshalb begegnet dem Besucher zwar auch reichlich Armut. Elend sieht er kaum, weil die Grundversorgung für alle gesichert ist, mit Hilfe der Lebensmittelkarten.

Carlos spricht deutsch und arbeitet als Fahrer in der Nähe von Santiago de Cuba im "Carisol", einem Mittelklassehotel. Er bewegt sich in einer Welt für Touristen mit Mojitos, Daiquiris, Sonnencreme und Aerobicübungen. Adia, seine Frau, ist Hausärztin und betreut 500 Patienten aus den drei angrenzenden Wohnblocks.

Das in über die Jahre aufgebaute Netz revolutionärer Errungenschaften im Bildungs- Wohnungs- und Gesundheitswesen habe zwar Lücken, sagt die Ärztin. Aber es sei immer noch möglich, die Menschen vor sozialen Abstürzen zu bewahren. 320 Pesos Lohn, umgerechnet 12 Dollar, im Monat bekommt die Medizinerin. Wohnung und Praxis sind mietfrei. Gern würden Adia und Carlos Deutschland besuchen. Doch ohne eine Einladung und genügend Dollar bleibt das vorerst ein Traum. Das gesparte Geld brauchen sie erst einmal für ihren Sohn, der bald zur Welt kommen wird. Wenn alles klappt sogar im Revolutionsmonat Juli. Konkrete Zukunftspläne haben die beiden nicht. "Wir leben heute", sagt Carlos. Was morgen sein wird, wisse er nicht. Aber sein Junge soll glücklich aufwachsen, so sein wichtigster Wunsch.

Während Carlos erzählt, redet Fidel Castro im Fernsehen. Seit zwei Stunden philosophiert er darüber, was aus der kubanischen Revolution im Hinblick auf eine bessere Zukunft der Menschheit zu lernen sei. Noch immer schalten die Leute den Fernseher ein, wenn der "Maximo Lider" was zu sagen hat.