Kuba

Salsa-Rhythmen, Zigarren und Rum...
Baracoa ist voll Musik und Indianer-Nostalgie...
Zigarre statt Zuckerrohr...
Irgendwo in San Lorenzo...

Salsa-Rhythmen, Zigarren und Rum – ein kubanisches Lebensgefühl

 

Text und Fotos: Gabi Dräger

 

 

Havanna ist der pulsierende Schmelztiegel der Musik. Hier wird an jeder Ecke Musik gespielt, man kann quasi im Tanzschritt die Stadt erkunden. Lieder wie „Guantanamera“, „Besame mucho“ und „Quizás, quizás, quizás“ wurden zu Ohrwürmern. Son, Salsa, Rumba, Tango, Mambo, Chachachá und natürlich die Musik von Buena Vista Social Club hört man in Havanna überall.

Bonbonfarbene Oldtimer und Spätzli
Havanna in einem pinkfarbenen chromblitzenden Cadillac zu erkunden, gehört unbedingt zum Kuba-Feeling. Neben dem kleinen Park „Parque Central“ in Havanna, der von Königspalmen gesäumt ist, stehen mehr als 20 bonbonfarbene Oldtimer aufgereiht, die für eine Stadtrundfahrt gebucht werden können. Es gibt auch Taxen, gelbe knatternde Cocotaxis in Eiform und Fahrradrikschas. Der Abend gehört der Musik. Das Restaurant „Van van“ gehört zu den zehn Top-Adressen in Havanna. Der Name kommt von einer der besten Salsabands weltweit. Es ist ein Restaurant im Kolonialstil in der Altstadt von Havanna. Ein Schweizer und eine Kubanerin sind die Besitzer. Auf der Speisekarte stehen neben kubanischen Gerichten auch Steak mit Spätzli und Salchicha mit Spätzli. Eine Band sorgt für eine ausgelassene Stimmung. Es darf getanzt werden und es wird natürlich getanzt – wer kann bei der temperamentvollen Musik schon sitzen bleiben? So einer Stimmung kann sich niemand entziehen.

Plaza de Armas – Wo alles begann
Auf dem ältesten Platz Havannas, er stammt aus dem 16. Jahrhundert, kann man im Schatten der Bäume gemütlich dem Treiben zusehen oder auf dem Bücherflohmarkt stöbern. Jemand macht Musik, Frauen in schönen farbigen Kleidern lassen sich gerne fotografieren. Ein Händler verkauft Chiviricos, das sind frittierte Teigdreiecke aus Mehl. Das Marmorstandbild in der Mitte des Parks zeigt Carlos Manuel de Céspedes, den führenden kubanischen Freiheitskämpfer im Unabhängigkeitskrieg gegen die Spanier.

Giraldilla wartet noch immer
Neben dem Platz liegt das mächtige Castillo de la Real Fuerza, eine ehemalige spanische Festung, die zum Schutz vor Piraten gebaut wurde. In der Festung ist heute das Marinemuseum untergebracht. Auf der Festung steht die Bronzefigur der Giraldilla. Der spanische Gouverneur und Eroberer Hernando de Sote setzte seiner Frau Isabella Bobadilla mit der Bronzefigur ein Denkmal. Täglich soll sie von diesem Turm nach ihrem Gatten Ausschau gehalten haben. Er war beim Versuch, Amerika zu erobern, gefallen. Giraldilla ist heute das heimliche Wahrzeichen von Havanna. Die Kubaner sagen, sie wartet noch immer. Die Bronzefigur ist auf der „Havana Club“-Rumflasche auf dem Etikett zu sehen.

Pflastersteine aus Holz
Ein paar Schritte weiter befindet sich das Stadtmuseum im barocken Palacio de los Capitanes Generales, dem ehemaligen Sitz des Gouverneurs. Die Straße vor dem Palast wurde mit Pflastersteinen aus Holz gebaut, da die Pferdekutschen auf dem Kopfsteinpflaster zu laut für den Gouverneur waren.

Plaza de la Catedral
Die Plaza de la Catedral ist Havannas schönster Platz. Unter den Arkaden neben der Kathedrale sitzt eine Santera und bietet an, die Zukunft zu lesen. Santerìa ist eine Mischung aus afrocubanischen Göttern und katholischen Heiligen. Die Santera liest einem aus den Karten die Zukunft, natürlich gegen ein kleines Honorar. Sie lässt sich aber auch mit einer Puro – einer Zigarre – fotografieren. Der Platz wird von der mächtigen barocken Kathedrale aus dem 18. Jahrhundert mit einer Muschelsteinfassade dominiert. Für den Besuch von Papst Franziskus ist sie restauriert worden.

Das Kapitol
Beim Eintritt in das Kapitol ist man überwältigt von der Eingangshalle, die bis zur Kuppel 90 Meter hoch ist. Das Kapitol wurde 1929 gebaut und ist eine kleinere Kopie des Kapitols in Washington. Zur Zeit wird es von einer deutschen Firma restauriert und soll zur 500-Jahr-Feier Kubas im November 2019 fertig werden. Früher waren hier der Senat und das Parlament untergebracht. Der Kubaner erinnert sich nicht so gerne an diese Zeit der Abhängigkeit von Amerika.

Malecón die abendliche Flaniermeile
Am Anfang des Malecón, noch in der Nähe der Altstadt, stehen zwischen restaurierten Kolonialhäusern auch vom Salz und Wetter fast verfallene Gebäude. Das ist der besondere Charme Havannas. Am Abend treffen sich auf dem Malecón Angler, Musiker, Künstler, Erdnussverkäufer, Touristen, Liebespaare und junge Kubaner, um zu Flirten.

Plaza de la Revolución – im politischen Zentrum
Auf dem gigantischen Platz de la Revolución im politischen Zentrums Havannas hat Fidel Castro seine Reden gehalten. Bis zu 1,5 Millionen Menschen kann der Platz aufnehmen. Hier hat Papst Johannes Paul II eine Messe zelebriert. Der 142 Meter hohe sternförmige Obelisk ist das Kennzeichen des großen Platzes. Davor steht ein José-Martí-Denkmal: Er war Journalist, Schriftsteller und Verfechter der Unabhängigkeit Kubas im 19. Jahrhunderts. Gegenüber schmückt ein Che-Guevara-Portrait das Innenministerium.

Shopping
Die Einkaufsstraße Calle Obispo lädt zu einem Bummel ein. Auf der Flaniermeile reihen sich Modegeschäfte, Souvenirläden, Restaurants, Cafés und Bars aneinander. Es gibt ein Modegeschäft von Jenifer Lopez, in dem die ausgestellten Kleider sehr sexy sind. Im Hotel „Ambos Mundos“, in dem Hemingway gewohnt hat, kann man auf der Dachterrasse einen Drink nehmen und hat dabei eine geniale Aussicht auf Havanna. Das Lied „Comandante Che Guevara“, den die Kubaner heute noch verehren, wird gerade gespielt. Es gibt „tu Cola“, die in Kuba hergestellt wird, statt der Coca Cola. Im Shopping Zentrum Carlos III hat man alles in einem Haus.

Hemingway ist noch allgegenwärtig in Havanna
Im Floridita sitzt Ernest Hemingway aus Bronze an der Theke, hier hat er seinen Daiquiry getrunken. Hemingway soll gesagt haben: „Meinen Mojito trinke ich im Bodeguita del Medio“ und meinen Daiquiry trinke ich im Floridita.

Showtime in Havanna
Im Gran Teatro de La Habana „Alicia Alonso“ werden Tanzshows aufgeführt. Das Theater zählt zu den schönsten der Welt. Die Shows sind auf Weltklasse-Niveau.
Das Tropicana ist ein legendärer Nachtclub im Stil der 30er (Le Moulin Rouge aus Paris). Große langbeinige Mädchen in fantasievollen Kostümen und athletische Tänzer bieten eine perfekte Tanzshow. Manchmal sind bis zu 60 Tänzerinnen und Tänzer auf der Bühne. Die große Bühne ist im Freien; sie ist von Bäumen umringt und wird mit einer spektakulären Lichtshow beleuchtet. Da kommen bei Salsa und Chachachá die Gefühle der Karibik auf. Show im Hotel Nacional. Das Abendessen wird im Park vor der Outdoor-Bühne des Hotels serviert. Die Sängerin Brenda Navarrete tritt auf und zieht mit ihren Liedern alle in ihren Bann. Im legendären Hotel haben schon Churchill, de Gaulle und Filmstars wie Buster Keaton, Errol Flynn, Ava Gardner, Johnny Weißmüller und Marlon Brando übernachtet.
Das Habana Café ist ein Nachtclub mit einer ausgefallenen Dekoration: Zwei Oldtimer, ein Flugzeug und ein Motorrad schmücken die Bar. Zu guten Cocktails wird traditionelle kubanische Musik wie Salsa und Merengue gespielt.

Zigarrenrollen – aufwendige Handarbeit
Die Cohiba ist die exklusivste Zigarre Kubas. Fidel Castro hat sie nach der Revolution kreieren lassen. Das Rollen der Zigarren ist ein strenggehütetes Geheimnis. Die inneren Blätter müssen eine gute Qualität haben, denn sie sind für das Brennen zuständig. Das Außenblatt muss das beste Blatt sein, es muss flexibel und vor allem gleichmäßig in der Farbe sein. Die Zigarrenroller sind in den Fabriken zumeist Frauen, die bei der Arbeit mit Musik unterhalten werden. Außerdem liest ein Vorleser am Vormittag aus der Tagezeitung Granma und am Nachmittag Literatur vor. Ein Zigarrenroller kann am Tag 100 bis 150 Zigarren rollen. Fünf Zigarren bekommt er am Tag als Bonus geschenkt. In Havanna gibt es fünf Fabriken und in Kuba 47. Die Zigarre ist der begehrteste Exportartikel Kubas.

Ein Museum für Kubas berühmtestes Getränk
Die Spanier brachten die Zuckerrohrpflanze nach Kuba. Der Zuckerrohranbau war im 17. Jahrhundert das Goldene Zeitalter Kubas. Sklaven aus Afrika mussten bei glühender Hitze auf den Feldern mit der Machete das Zuckerrohr schneiden. Zuckerrohr wurde zur Gewinnung von Zucker und seit dem 18. Jahrhundert auch zur Herstellung von Rum angebaut. Neben der Altstadt von Havanna befindet sich das Havana Club Rummuseum in einem Kolonialhaus. Hier wird gezeigt, wie aus dem Zuckerrohr Melasse gewonnen wird. Ein alte Zuckerrohrmühle, verschiedener Fermentierungs-Destillierräume und die alten Eichenfässer, in denen der Rum reifte, werden mit der Geschichte des Rums gezeigt. Anschließend gibt es im Verkostungsraum einen sieben Jahre alten Rum zum Testen.

Mojito – Rezept
Einen halben Teelöffel Zucker und den Saft einer halben Limette in ein hohes Glas geben. Ein Minzezweig wird zerstoßen und mit 5 cl weißen Havana-Club-Rum und ein paar Tropfen Angostura dazu gegeben. Das Ganze wird mit Sodawasser aufgefüllt. Zur Dekoration kommt noch ein Minzezweig ins Glas.

Hotel Parque Central
Der Stil des Hotels „Parque Central“ ist kubanisch, viele Pflanzen schmücken wie in einem Dschungel die Lobby. Das Beste am Hotel ist neben der zentralen Lage in der Altstadt, der Pool auf dem Dach. Die Schwimmzüge werden am Nachmittag und Abend von den kubanischen Rhythmen einer Band begleitet. Schwalben fliegen dazu im Sturzflug dicht über den Pool, um Wasser zu trinken.

Hotel Parque Central www.hotelparquecentral-cuba.com

 

Kontakt
Cubanisches FVA www.cubainfo.de
Kuba Travel www.cuba.travel

Meliá Cohiba www.meliacuba.com
Hotel Iberostar Grand Packard www.iberostrar.com/de/havanna/iberostar-grand-packard

Hotel Nacional de Cuba www.hotenacionaldecuba.com
Zimmer in Privathäusern, Casas Particulares www.casaparticularcuba.org

 

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Das Buch zur Reise

Kubas Baracoa ist voll Musik und Indianer-Nostalgie
Text und Fotos: Heidrun Lange (2006)

 

Kolumbus war ein rauher Seebär, aber nachdem er 1492 Kuba entdeckt und als erster Europäer die Insel betreten hatte, wurde er beinah zum Lyriker. "Die außergewöhnliche Schönheit übertrifft alles andere an Zauber und Anmut, so wie der Tag die Nacht an Glanz übertrifft. Diese Insel ist wohl die schönste, die ein Menschenauge je gesehen hat", vertraute er seinem Tagebuch an. Die Lobpreisungen nehmen kein Ende. Passatwinde wiegen elegante Königspalmen und Pinien. Vögel in betörender Farbenpracht trillern in üppiger Vegetation. 40 Kilometer östlich von Guardalavaca liegt die Barley Bucht. Die Bucht, in der der Entdecker der Neuen Welt vor Anker ging. Scherben, Namen und Legenden, viel mehr blieb nicht von Kubas Urbevölkerung. Die größte Begräbnisstätte in der Karibik, in Banes, zeigt die von Archäologen gefundenen Skelette der Taino-Indianer. Im nachgebauten Indianerdorf wird der Alltag der ersten Inselbewohner gezeigt.

Die Bucht ist nicht weit von Holguin entfernt.. Hier wurde eines von 29 Kreuzen, die Kolumbus an der Ostküste Kubas aufgestellt haben soll, zum Wallfahrtsort Loma de la Cruze gebracht. Baracoa jedoch, im äußersten Osten Kubas gelegen, stellt die Version der Landung in Frage. Man beharrt darauf, dass der imposante Tafelberg, den Kolumbus erwähnte, der Berg El Yunque sei und der Admiral hier an Land ging. Egal, wo Kolumbus seine Füße auf den Boden der Insel setzte, im Laufe der Geschichte kamen Menschen aus allen Teilen der Welt hierher. Baracoa war vor 488 Jahren als erste kubanische Stadt vom spanischen Konquistador Diego Velázquez gegründet worden.

Als Baracoa den Hauptstadt-Titel an Santiago de Cuba und schließlich an Havanna verlor, geriet die einstmals wichtige Handelsstadt in Vergessenheit. So ist das Stadtbild eingefroren wie ein Schnappschuß aus den 30er oder 50er Jahren. Weil sich niemand mehr um das Städtchen am Antlantik scherte, wurde kaum etwas verändert. Als später überall in Kuba Straßen gebaut und Schienen gelegt wurden, vergaß man das Städtchen hinter den Bergen einfach. Bis in die 60er Jahre führte nicht einmal eine befestigte Straße her, bis 1962 zwischen Guantànamo und Baracoa "La Farola" gebaut wurde. Doch wo in Havanna die "Kamele", riesige Busse mit Kabinen für 150 Fahrgäste, von sowjetischen Zugmaschinen durch die Straßen geschleppt werden, sind nach Baracoa nur Reiter und ein paar alte amerikanische Straßenkreuzer unterwegs. Baracoa mag auf den ersten Blick etwas schäbig wirken, doch hier kann man noch den Charme einer abgelegenen Provinzstadt genießen. Touristen verirren sich nur selten hierher, da die Stadt noch immer weit ab vom Schuß liegt. Den alten Stadtkern stört bis heute keine moderne Silhouette. Das Kopfsteinpflaster, über das bereits Konquistadoren stolperten, zwingt zu mäßigem Tempo. Erst am späten Nachmittag erwacht in den einstöckigen Häusern mit roten Ziegeldächern, umgeben von üppiger Vegetation, das Leben. So lebendig, dass man kaum verwundert wäre, käme ein gewisser Christoph Kolumbus um die Ecke geschlendert.

Am Plaza Mayor erhebt sich die baufällige Kirche, in deren Innerem das Kreuz von Kolumbus gehütet wird. Abends flanieren die Bürger durch die Straßen, die Zigarre im Mundwinkel. Ein Musiker eilt mit dem Kontrabaß über der Schulter zur Casa de la Trova, dem Haus der Sänger. Anders als in den Tanz-Bars in Havanna sind die Urlauber hier in der Minderheit. Hier gilt: Salsa statt Rock. Im Hinterhof heizt eine Männer-Salsa-Band mit Saxophon und Trompete den Tänzern tüchtig ein.

Während die Kubaner rhythmisch ihre Hüften hin- und her wiegen, stampfen die wenigen Ausländer hüftsteif auf der Stelle. Die kubanische Tanzlehrerin Misi Isabell, ein schwarzer Wirbelwind, erklärt: "Ihr müsst auf der Stelle trippeln, mal schneller, mal langsamer, Schritte nach hinten und nach vorne machen., im Takt einmal um 360 Grad drehen, den Partner nicht aus den Augen lassen, den Hüftschwung nicht vergessen." Nichts für schwache Nerven ist der Tanz der afrikanischen Göttermythologie einige Häuser weiter. Die Göttinnen der Eitelkeit, der Rache, des Meeres tanzen anmutig um den Krieger und Gott der Berge. Das Licht geht aus, diesmal keine Stromsperre. Den Touristen werden die Rituale der Tieropfer gezeigt. In den Morgenstunden allerdings verfällt die Stadt wieder in einen tiefen Schlaf...

Auskunft:
Kubanisches Fremdenverkehrsamt:

 

in der Botschaft der Republik Kuba

Stavangerstr. 20
10439 Berlin
Telefon: +49 (0)30-44719658
Telefon: +49 (0)30-44718949
Telefax: +49 (0)30-44719659

email: info@cubainfo.de
Internet: www.cubainfo.de

Zigarre statt Zuckerrohr
Havannas paffen oder Süßholz raspeln: Touristen im blauen Dunst der Karibikinsel
Text und Fotos: Heidrun Lange (2007)

Zigarre statt Zuckerrohr

 

 

 

Zigarren muß man genießen. "und das nach allen Regeln der Kunst", sagte einst Zigarrennarr Zino Dafidoff in den blauen Dunst. Sie solle nicht in hektischen Augenblicken zügig weggeraucht, sondern in Stunden der Muße und Anregung gepafft werden. "Der blaue Rauch, dem das Auge gern nachsieht, stimmt versöhnlich", beschrieb Bismarck seine Leidenschaft. Die derzeit eine Renaissance erlebt. In Clubs, Restaurants, Lounges und der guten Stube wird wieder gepafft wie einst in Churchills Arbeitszimmer. Aber nicht Opas Stumpen, sondern feine Importware von der ehemaligen Zuckerrohrinsel Kuba, der Dominikanischen Republik, Honduras, Indonesien oder Brasilien ist gefragt. Nobelhotels veranstalten für Genießer "Smoker Dinners" oder "Cigar nights", wo zu edlen Menüs passende Rauchgenüsse die einzelnen Gänge abschließen. Vor knisternden Kaminen treffen sich Frauen und Männer und schmauchen um die Wette.

Die Königin unter den Zigarren ist unübertroffen die Havanna, was auf die außergewöhnliche Qualität des kubanischen Tabaks zurückzuführen ist. Auch Kanzler Schröder geht die echte Cohiba über alles, schon bevor er 1996 als Ministerpräsident Niedersachsens nach Kuba reiste und von Staatschef Castro eine geschenkt bekam. Mittlerweile tun ihm das tausende Zigarren-Touristen nach - auch wenn sie ohne staatsmännische Aufmerksamkeit die Plantagen und Fabriken besichtigen.

In der kubanischen Hauptstadt Havanna besitzt Alberto Mendoza, einen reich bestückten Zigarrenladen. Zwischen 37 Sorten vermittelt er den echten Rauchgenuß. Hier herrscht ein strenges Zeremoniell. Mit verchromten Zigarrenscheren wird das schwere Geschoß geköpft, aber nicht zu groß, nicht zu klein, gerade so, dass die Zigarre gut zieht. Denn sie wird nicht wie eine schnellebige Zigarette inhaliert, sondern ihr Rauch durch Mund und Nase gerollt. Die dicken Dampfer werden auch nicht wie ihre dünnen Verwandten lieblos im Aschenbecher abgeknickt oder ausgedrückt, sondern abgelegt, und zwar dann, wenn die Glut die Bauchbinde erreicht hat. Oder auch schon eher.

Eine Reise zur Quelle dieses Phänomens gibt Einblick in den Prozess des Tabakanbaus, der Herstellung und Kontrolle der Qualität, bis zum fertigen Produkt für den Handel. Die günstigsten Bedingungen für die empfindlichen Tabakpflanzen bieten die Schwemmlandböden entlang der Flüsse bei Pinar del Río mit dem verträumten Dorf Vinales im Westen Kubas. In felsigen Erhöhungen mit steil abfallenden Berghängen wachsen in den fruchtbaren grünen Tälern die Pflanzen heran, die im März geerntet werden.

Die Blätter werden an Stangen befestigt und zum Trocknen aufgehängt, nach Größe und Farbe sortiert und immer wieder befeuchtet, um sie geschmeidiger zu machen. Die Zusammen-setzung des Bodens, wie er in der kubanischen Region Pinar del Rio, vorhanden ist, das jahrhundertalte Wissen der Pflücker, Fermentierer, Sortierer, Entripper und schließlich Wickler ist das Geheimnis der guten Zigarre. Ein kubanisches Sprichwort sagt: "Den Tabak kannst du nicht einfach pflanzen, den mußt du heiraten." So hat jeder Pflanzer seine über Generationen überlieferten Familienrezepte. 111 Arbeitsschritte sind notwendig bis die Edelstumpen ihren Huldiger finden, von der Aussaat der Pflanzen bis sie in ein aus Zedernholz gefertigtes Kästchen kommen und darin wie guter Wein reifen können. Und kein Kunstwerk geht durch so viele Hände wie die Zigarre, nur um sich schließlich in Rauch aufzulösen.

Das Zigarrendrehen kann vor Ort verfolgt werden. In der Tabakfabrik Francisco in Pinar del Rio sitzen überwiegend Frauen und rollen auf Mangobrettern nicht, wie der Legende nach behauptet, auf den Schenkeln kubanischer Jungfrauen, die Cohibas, Montecristos und Upmanns. Die Tische sind über und über mit Tabakblättern bedeckt. Zärtlich streicht die Zigarrendreherin ein Tabakblatt auseinander, um dann den Rand des Blattes mit einem breiten Messer zu einem Halbkreis zu schneiden. Dann drückt sie in der Hand drei trockene Tabakblätter zusammen, rollt diese fest in das Umblatt, schlägt darum das schmiegsame Deckblatt aus dem die Mittelrippe entfernt wurde und formt auf dem Arbeitsbrett eine Rolle. Unterschiedliche Blattarten ergeben, zusammen eingerollt, die richtige Mischung für Geschmack und Brennfähigkeit. Um den Beruf des Torcedores oder Cigareras, wie die weiblichen Zigarrendreher auf Kuba genannt werden, ausüben zu können, braucht man viel Fingerfertigkeit und lange Übung. Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts sitzt zur Unterhaltung der Torcedores in jeder Galera ein Vorleser, der aus den Werken berühmter Schriftsteller oder der Zeitung liest.

 

Die Liste der glühenden Verehrer ist lang und vereint Staatsmänner, wie Revolutionäre, Komponisten und Schauspieler. Dass diese Leidenschaft der Gesundheit schade, wehrt der Inhaber des Zigarrenladens entschieden ab. "Der blaue Dunst fördert das Wohlbefinden und damit ein langes Leben." Winston Churchill, der 90 Jahre alt wurde und über 300 000 Havannas gepafft haben soll, hat es vorgemacht.

Irgendwo in San Lorenzo
Begegnung in der Provinz - 50 Jahre nach Beginn der Revolution.
Text und Fotos: Heidrun Lange (2009)

 

Der japanische Jeep röhrt wie ein Panzer. Er springt und rutscht über scharfkantiges Gestein und "schwimmt" durch den Schlamm. Es sieht aus, als würde der robuste Wagen stecken bleiben, denn eine Straße gibt es nicht auf dem Weg ins Innere des Landes. Nur diese ausgefahrenen Pisten, die sich durch endlose Felder winden. Und dazwischen: Kuhherden. Weit und breit kein Mensch, kein Haus.Nicht dass hier ein Hurikan vorüber gefegt ist. Lediglich ein paar Wolkenbrüche gingen auf dem Landstrich nieder.

 Irgendwo, auf der Landkarte schon gar nicht mehr verzeichnet, taucht schließlich doch ein kleiner Ort auf: San Lorenzo.

Als wir ankommen, sind aus den offenen Türen eines Hauses Stimmen zu hören. Die Familie unseres Fahrers Carlos kommt auf uns zu und umarmt uns herzlich. Die Nachbarn, Bauern mit wettergegerbten Gesichtern unter ihren Sombreros, kommen ebenfalls zur Begrüßung auf den Hof und reichen eine Flasche Rum. Bald schon grillt ein Spanferkel über dem Feuer, extra für die Gäste. "Hier her hat sich noch nie ein Tourist verirrt", gesteht Romelio, der Schwager unseres Fahrers Carlos.


Romelio ist Bauer und hat seine eigene kleine Landwirtschaft. Morgens um vier Uhr müsse er raus, sagt er. Hier werden die Kühe mit der Hand gemolken. Kurze Zeit später blöken die Ziegen aus dem Stall. Sein Futter holt der Bauer auf zerfurchten Wegen über hunderte Meter mit einem Traktor zum Stall. Das Wasser fürs Vieh trägt er mit zwei Eimern von der Pumpe zu den Tränken. "Strom haben wir", sagt er, "und er reicht für die Lampe und den Fernseher", sagt Romelio.

Und doch machen die Männer einen zufriedenen Eindruck. Sie strahlen Ruhe aus. Anders als die meisten Landsleute in den Städten ist hier keiner auf der Jagd nach den amerikanischen Dollars, die das Lebensniveau auf Kuba vor allem bestimmen. In San Lorenzo haben die Leute ihre Arbeit und ihr Auskommen. Mehr wollen sie nicht. Und hier reden sie nur gut von Fidel Castro und Che Guevara, die ihnen dieses Leben auf dem Land ermöglicht hätten, als Ergebnis der Revolution, die vor einem halben Jahrhundert begann.

Antonius, Romelios sechsjähriger Sohn, geht in Guàimaro zur Schule. Der kleine Ort liegt 15 Kilometer vom Bauernhof entfernt. Jeden Montag bringt er Sohn und Frau mit dem Traktor zur Stadtgrenze.
Am frühen Nachmittag, wenn der Schulunterricht endet, weht ein der Wind das fröhliche Stimmengewirr über die Straße. Antonius kommt mit den anderen Kinder in ihren rot- weißen Uniformen herüber. Zu Hause in der Stadtwohnung warten seine Mutter und seine Schwester Yudalkys auf ihn. Der Junge setzt sich an den Wohnzimmertisch und malt auf ein Stück Papier ein Haus, eine kubanische Flagge und ein Kind mit einem Halstuch. Darauf steht in Druckbuchstaben: para Thomas. Es ist ein Bild für den Besuch aus Deutschland. Dann schlägt Antonius sein Lesebuch auf. Er buchstabiert Che Guevara und schreibt die Buchstaben in sein Heft. Die Schwester Yudalkys fragt, wer das sei. "Ein kubanischer Revolutionär," antwortet der Sechsjährige.

Yudalkys ist 23 Jahre und hat nach dem Abitur sechs Semester studiert. Jetzt arbeitet sie als Sozialbetreuerin. Ab und zu kommt sie zur Mutter und dem Bruder nach Hause. Dann besucht sie auch ihren Großvater Mario Tamayo. Der lebt seit einigen Jahren allein in einem kleinen Holzhaus am Stadtrand von Guàimaro. Seine inzwischen erwachsenen Söhne und Töchter wohnen weit entfernt voneinander in den großen Städten. Carlos in Santiago de Cuba, die Tochter in der Nähe Havannas. Die Überraschung ist gelungen, als plötzlich Carlos vor dem 74-jährigen Vater steht.

Carlos hat Europäer mitgebracht. Als der Großvater bei einem der Besucher, einem 15-Jährigen, das Che Guevara-T-Shirt sieht, rollen die Tränen über die Wangen des alten Mannes. "Ja, ich habe auch gegen Batista gekämpft", sagt er. Noch heute ist er stolz, dass seine Kinder und Enkel kostenlos zur Schule gehen können. Als Revolutionsveteran bekomme er monatlich eine Rente, sagt der Großvater. Als gelernter Tischler repariert er noch Möbel und baut im Garten Mais und Bohnen an.

Während in Deutschland junge Leute die Poster von Che Guevara in ihre Zimmer pinnen und T-Shirts mit dem kubanischen Idol bedruckt werden, schmücken in Santiago de Cuba die Kämpfer der Revolution bis heute auch die Schulmauern, Werbetafeln und Fassaden. Denn am 26. Juli begeht das Land den 50. Jahrestag des Beginns der Revolution. Was die Menschen ein halbes Jahrhundert nach dem Aufstand gegen Batista wirklich bewegt, ist schwer zu ergründen. In den wenigen größeren Städten, wo die meisten Kubaner leben, gehen zwischen marodem 1960er Jahre Beton und restauriertem Kolonialbarock ihrem Tagewerk nach. Viele interessiert heute der Dollar mehr als der Sozialismus. Denn ohne die kubanische Ersatzwährung läuft auf der Insel nichts mehr. Zu bekommen sind die Dollars nur durch besonderes Geschick, Improvisationstalent oder durch gute Beziehungen. Die meisten, so scheint es, kennen die Kniffe. Deshalb begegnet dem Besucher zwar auch reichlich Armut. Elend sieht er kaum, weil die Grundversorgung für alle gesichert ist, mit Hilfe der Lebensmittelkarten.

Carlos spricht deutsch und arbeitet als Fahrer in der Nähe von Santiago de Cuba im "Carisol", einem Mittelklassehotel. Er bewegt sich in einer Welt für Touristen mit Mojitos, Daiquiris, Sonnencreme und Aerobicübungen. Adia, seine Frau, ist Hausärztin und betreut 500 Patienten aus den drei angrenzenden Wohnblocks.

Das in über die Jahre aufgebaute Netz revolutionärer Errungenschaften im Bildungs- Wohnungs- und Gesundheitswesen habe zwar Lücken, sagt die Ärztin. Aber es sei immer noch möglich, die Menschen vor sozialen Abstürzen zu bewahren. 320 Pesos Lohn, umgerechnet 12 Dollar, im Monat bekommt die Medizinerin. Wohnung und Praxis sind mietfrei. Gern würden Adia und Carlos Deutschland besuchen. Doch ohne eine Einladung und genügend Dollar bleibt das vorerst ein Traum. Das gesparte Geld brauchen sie erst einmal für ihren Sohn, der bald zur Welt kommen wird. Wenn alles klappt sogar im Revolutionsmonat Juli. Konkrete Zukunftspläne haben die beiden nicht. "Wir leben heute", sagt Carlos. Was morgen sein wird, wisse er nicht. Aber sein Junge soll glücklich aufwachsen, so sein wichtigster Wunsch.

Während Carlos erzählt, redet Fidel Castro im Fernsehen. Seit zwei Stunden philosophiert er darüber, was aus der kubanischen Revolution im Hinblick auf eine bessere Zukunft der Menschheit zu lernen sei. Noch immer schalten die Leute den Fernseher ein, wenn der "Maximo Lider" was zu sagen hat.