Tschechien

Wo sich Auerhahn und Luchs „Guten Morgen“ sagen

Pilgern und Wandern im böhmischen Wald

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

Viel Wald, malerische Dörfer mit Kopfsteinpflastergassen, kleine Pfarrkirchen und eine Burg - die Tour durch den tschechischen Böhmerwald ist eine Entdeckungsreise. Es lohnt sich, die Wanderschuhe zu schnüren, um Natur und Kultur im Süden Böhmens zu entdecken. 

 

Samstagmorgens um 5 Uhr hat man den Böhmerwald noch fast für sich allein. Nur ein Spaziergänger mit Wollmütze und Hund sind zum Sonnaufgang auf den Berg Boubin unterwegs. Von der Plattform in einer Höhe von 1362 Meter gibt es einen weiten Ausblick über den östlichen Böhmerwald, den Nationalpark Bayerischer Wald und an guten Tagen bis in die Alpen. Sobald die Sonne den Horizont überschreitet, wechseln die Farben von orange bis knallrot. Fichten und Tannen wiegen sich im Wind. Unüberhörbar ist das Ende der Nacht. In der Ferne klappert der Auerhahn, der versteckt auf einer Baumkrone sitzt. Aus Vorsicht,denn auch der Luchs kriecht am Morgen aus dem Unterholz und jagt seine Beute. „Auerhahn und Luchs sind wieder da, aus dem bayrischen Wald hierher gekommen. Bei ihren Streifzügen halten sich die Raubkatzen natürlich nicht an Ländergrenzen“, sagt Joseph Stembeck, Ranger im Nationalpark Sumava. Und empfiehlt: „Um dieser Wildkatze etwas näher zu kommen, dafür ist der Wildpark im Besucherzentrum Kvilda genau richtig.“ Durch das Gehege führt ein Lehrpfad mit Aussichstürmen. Mit sehr viel Glück wird man den Luchs zu Gesicht bekommen. Er ist scheu und das Gehege ist kein Zoo. Dafür lassen sich die Rothirsche von einem Aussichtsturm wunderbar beobachten. Zu jeder Jahreszeit zeigen sich Hirsch und Hirschkuh und die kleinen Kälber. Tierbeobachtungen sind eines der Ziele auf dem Via Nova Pilgerweg, der von Österreich über Bayern nach Tschechien führt. Nicht zu vergleichen mit dem Jakobsweg in Spanien. Auf dieser Strecke finden sich mehrere Gedenkstätten, die an die jüdische Tradition in Westböhmen erinnern, die von den Nazis weitgehend ausgelöscht wurde. Die Bergsynagoge in Hartmanice, die mit privaten Mitteln renoviert und zum Museum umgebaut wurde, ist eine von diesen. Nicht nur der jüdische Glaube hat seinen Platz auf einer Pilgerwanderung entlang der Via Nova. Wer auf dem tschechischen Teil des grenzüberschreitenden Pilgerwegs unterwegs ist, erlebt eine faszinierende Mischung aus Natur und Kultur. Baumstämme sind mit Moos überzogen, im Hochmoor wachsen fast 200 jährige Bergfichten, Zwergbirken und vom Wind gezauste kleine Bäume.

Durch das Gebiet Sumava unternahm bereits vor tausend Jahren der Mönch Gunther seine Streifzüge. Heute pilgern Hunderte auf seinen Spuren nach Gutwasser, einem Wallfahrstort mit der St. Gunther-Kirche und dem Guntherbrunnen. Vladena Tesarova, eine Glaskünstlerin aus Prag, fand hier ihre zweite Heimat und entwarf das dreiteilige Altarretabel aus Glas.

Mitten im Herzen des Böhmerwaldes ist man, sobald die weiß leuchtende zweitürmige Burgruine Karlsberg auftaucht. Der böhmische König und deutsche Kaiser Karl IV. (1316–1378) ließ sie 1365 auf einem Felssporn erbauen. Mit den steil abfallenden Wänden war sie fast uneinnehmbar. Sie sollte die Handelswege wie auch die nahe Grenze zu Bayern bewachen, vor allem aber die Golderztransporte aus den Reichensteiner Revieren sichern. Nach dem 30-jährigen Krieg wurde sie weitgehend niedergerissen, jedoch seit den 1930er-Jahren wieder rekonstruiert. In der Burg gibt es ein Museum u. a. zur Geschichte des Goldbergbaus in der Region sowie zum Leben Kaiser Karls IV. Ein Stückchen unterhalb der Burg treffen mehrere Wanderwege zusammen. Informationstafeln geben Auskunft über Orte, Pflanzen und Tiere. Zu den schönsten Tälern des Böhmerwaldes zählt das romantische Tal, durch das der Fluss Vydra fließt. Anfangs ist er nur ein kleiner Bach, der sich jedoch zu einem reißenden Fluss mit zahlreichen Granitfelsen, Stromschnellen und Wasserfällen entwickelt. Im klaren Wasser fühlen sich Otter und Forelle sehr wohl.  Unterwegs kann man das steinige, wilde Flussbett bestaunen. Tausende Teiche  sind durch Kanäle verbunden, die seit dem 13. Jahrhundert den fetten Fisch liefern, der auf keiner Speisekarte Südböhmens fehlt: Forelle, mit Knödeln und Kraut mit Schmalz.                                                                          

 

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Anreise:

Mit dem Zug oder Fernbus

Direkte Verbindungen mit der Bahn oder Fernbus nach Prag gibt es ab vielen größere Städten. Von dort weiter mit dem Mietauto.  Die Straßen sind in Südböhmen gut ausgebaut, zum Teil sind Mautgebühren zu zahlen.

Klima: Die schönste Reisezeit ist von Mai bis Oktober.

Unterkunft: Vom Campingplatz über Ferienwohnungen bis zum Vier-Sterne-Hotel gibt es zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten.

Sprache: Tschechisch. Die Verständigung ist in der Regel kein Problem, denn zumeist wird Deutsch verstanden und gesprochen.

Währung: Ein Euro sind etwa 26,10 Kronen. Es gibt viele Geldautomaten, oft wird der Euro als Zahlungsmittel akzeptiert.

Informationen: Tschechische Zentrale für Tourismus, Wilhelmstr.44, 10117 Berlin, Tel.: 030/204 47 70     www.czechtourism.com

 

Nationalpark Sumava

Die großflächigen Gebirgsteile des Nationalparks Sumava im Böhmerwald (Cesky Krumlov bzw. Krummau, Moldaustausee etc.) entlang der südwestlichen Grenze der Tschechischen Republik zu Deutschland und Österreich wurden 1991 zum Nationalpark ernannt. Der Nationalpark Šumava ist mit 69.030 ha der flächengrößte Nationalpark in Tschechien. Er wird umgeben vom Landschaftsschutzgebiet Šumava mit einer Größe von 97.970 ha. Seit 1990 ist das Gebiet Biosphärenreservat unter der Schirmherrschaft der UNESCO. Der Nationalpark Böhmerwald (CZ) bietet zusammen mit dem Nationalpark Bayerwald das größte zusammenhängende mitteleuropäische Waldgebiet, das oft auch als Grünes Dach Europas bezeichnet wird.

Schwangere Maria und heilige Leiber

 

Text und Fotos: Katharina Büttel

 

 

Tschechien feiert sein barockes Erbe. Prachtvolle Schlösser, unzählige Skulpturen und Gebeine, schauerlich aufgetürmt: etwas bizarr ist das schon – und faszinierend. Auf Spurensuche in Ost- und Westböhmen.

 

          Mittags Ankunft auf dem Prager Hauptbahnhof. Aus den Lautsprechern plätschert Klaviermusik mit Smetana-Melodien, angenehm. „Es ist mittlerweile Tradition, unsere Gäste mit Musik zu begrüßen“, erklärt die tschechische Reiseleiterin Jana. „An zentralen Punkten der Stadt stehen Pianos zu jedermanns Gebrauch. Aber uns zieht ja das Vergnügen an all den Herrlichkeiten im böhmischen Land“.

          Über mehrere Tage genießen wir den Charme barocker Kleinstädte, schlurfen in Filzpantoffeln über die Parkette prachtvoller Schlösser, stehen vor Schaufenstern voller Bleikristall, trinken kräftiges Bier und erdigen Landwein zu deftiger böhmischer Küche.

          Ganz „pomalu“ – auf  deutsch: immer mit der Ruhe – lassen wir uns von Marktplatz zu Marktplatz treiben, von Gotik zu Barock, von Renaissance zu Jugendstil und retour. Bald rasten wir auf dem Mauerwerk verfallener Burgen, bald an den Ufern von Elbe und Moldau.  So viele Schlachten, Verschwörungen, Klostergründungen, Adelshochzeiten, Verbannungen, Abschädelungen!

          Relativ wenige ausländische Autos. Übersehen die Touristen wirklich diese unglaubliche mitteleuropäische Kulturlandschaft, übergehen sie sie trotz günstiger Preise und ordentlicher Infrastruktur? Hat nie jemand etwas von böhmischen Knödeln und Pilsener Bier gehört?

          Die barocken Schätze zu entdecken, führt eine Rundtour mit diversen Abstechern von Prag über Kuks, Hradec Králové (Königsgrätz), Kutnà Hora (Kuttenberg), Loucen, Litomerice (Leitmeritz), Jiretín pod Jedlovou (Sankt Georgenthal), Rumburk und Decín (Tetschen) zurück an die Moldau.

          Anlaufen könnte man auch noch die Schokoladenstadt Pardubice oder Sedlec oder ein Bauerndorf im sogenannten „Böhmischen Paradies“.

          Herausragend sind natürlich die Prachtstädte Kutná Hora oder Hradec Králové, von deren bürgerlicher Schönheit alle Reiseführer schwärmen.

          Jene ist reich geworden durch Silbererz und stolz auf ihren barockgotischen Dom und die Kathedrale, die zusammen mit dem altertümlichen Stadtkern Unesco-Weltkulturerbe sind.

          Diese, Königsgrätz, an Adler und Elbe, ist die Stadt der böhmischen Königinnen mit einer Bischofsresidenz in italienischem Barock und bemerkenswerten Profanbauten. Die meisten erstrahlen heute in frischem, bunten Glanz – erst recht nach dem dritten Budweiser in einem der Straßencafés am Marktplatz. Hradec Králové, „Salon der Republik“! schwärmen sie heute.

          Vielerorts wird Geschichte in Geschichten, Historie in Histörchen lebendig.

          So in Kuks, das sich gern – wenngleich unpassend – als „Böhmisches Florenz“ vorstellt. Sein Initiator Franz Anton Sporck - 1662 bis 1738 - aus niederem westfälischen Adel kultivierte allerhöchste Ambitionen. Im Tal links und rechts der noch mageren Elbe erschuf er sich seine Welt vom prallen Leben von der Jugend bis zum Tod. Ein barockes Utopia aus Schloss, Gruftkapelle, einem Altersheim nur für Männer, aus Rennbahn, Lustgärten, Philosophenhaus und einem Andachtsweg zwischen Tugenden und Lastern - Steinfiguren des Meisters Matthias Bernhard Braun aus Tirol vom Anfang des 18. Jahrhunderts. Sie gelten als Höhepunkt der Bildhauerei in Böhmen.

          Geschichten – und Superlative – auch um das älteste Großgestüt der Welt, Kladruby, unweit von Pardubice. Es beherbergt die berühmten weißen Altkladruber Pferde der Kaiser und Könige, 400 an der Zahl. Die Zucht geht gut 400 Jahre zurück auf  Kaiser Rudolf II., der ja auch böhmischer König war und auf dem Prager Hradschin residierte.

          Ein Schloss ließ er sich bauen auf dem Gestüt, der Kaiser Franz Joseph, und kam immer mal wieder aus Wien mit seiner Sissi – Pferdeliebhaber und begeisterte Zuschauer bei den großen Rennen, die auch heute noch viele anziehen. Hochgeschätzt sind die edlen Warmblüter immer noch bei den europäischen Royals: die dänische Königin Margarete II. lässt sich in ihrer Staatskarosse von sechs Kladrubern durch Kopenhagen „ziehen“; in Schweden sitzen die königlichen Trompeter auf den Pferden und bei offiziellen Zeremonien sieht man sie im Prager Schloss. Beim Abschied möchte man mit dem alten Kaiser Franz Joseph sagen: „Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut“.

          Loucen: Histörchen um die Thurn und Taxis böhmischer Linie und ihr romantisches Barockschloss aus den Anfängen des 19. Jahrhunderts. „Fürst und Fürstin sind gerade verreist, darf ich Ihnen ihr Schloss zeigen?“, fragt “Zofe Josephine“ die Besucher mit einem Augenzwinkern. Mit Schwung und vielen Anekdoten erzählt sie bei der beliebten Märchenführung aus dem Leben der letzten Schlossherren, Alexander und Marie von Thurn und Taxis. Bis 1945 residierte man auf Loucen. Dann kamen die Sowjets und die Fürstenfamilie wurde evakuiert - zurück kehrten sie nie. Nach umfangreicher Restaurierung  und der Neuanlage von 11 Labyrinthen und Irrgärten ist das Schloss heute ein echtes Erlebnisschloss!

          Aus Mcely, dem  verwunschenen Barockschlösschen auf einem Hügel in einem englischen Landschaftspark, die Love-Story: amerikanischer Millionär verliebt sich in junge, schöne Tschechin. Zur Hochzeit macht er ihr, echter Kavalier, das einstige Jagdschloss zum Geschenk. Sie sanieren das ruinöse Bauwerk mit Feingefühl und Sinn für Farben und Formen. Seit 2006 empfangen sie nun in ihrem schmucken „Chateau Mcely“ Hotelgäste. Die schätzen ganz besonders die Speisekarte mit Menüs, die der Chefkoch nach Rezepten der ehemaligen Besitzer, der Thurn und Taxis, gekonnt modern interpretiert.

          „Durch Böhmens Hain und Flur“, Smetanas „Vaterland“: weite Landschaften mit leuchtendgelben Rapsfeldern und sattgrünen Waldstücken. Steinbilder erinnern an geschichtliche Ereignisse. Pulsierender Mittelpunkt Nordböhmens ist Litomerice an Elbe und Eger. Fröhlich und jung ist das Weinstädtchen, den Friedensplatz säumen schöne Bürgerhäuser. Cafés und Bistros brummen, kleine Geschäfte machen den Marktplatz lebendig.

           In der Ferne liegt Decín, ehemals Tetschen. Das mächtige barock-klassizistische Schloss thront auf einem Felsvorsprung über der Elbe. Bedeutender Schlossherr im 19. Jahrhundert war Graf Franz Anton von Thun-Hohenstein, der die Region politisch, wirtschaftlich und sozial voranbrachte. Herrscher und Künstler gingen auf dem prunkvollen Adelssitz ein und aus. Allen voran die junge Kaiserin Sissi. Frédéric Chopin komponierte hier seinen Tetschener Walzer, den „Tetschener Altar“/„Das Kreuz im Gebirge“ von Caspar David Friedrich ließ sich der Graf  übers Bett hängen. Leider hauste bis 1991 die sowjetische Armee in den 150 Schlossräumen. Bis heute ist man dabei, die Baulichkeiten innen und außen Stück für Stück zu restaurieren.                                                                       

 

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Anreise: Mit der Bahn oder dem Flugzeug bis Prag, weiter am besten mit einem Mietauto. Der Elbradweg ist inzwischen auch sehr gut ausgebaut und mit Hinweisschildern versehen.

Straßen: Durchweg gut bis sehr gut, Wegweiser klar.

Unterkünfte: Es gibt alle verschiedenen Hotelkategorien und Privatzimmer. Die Preise sind noch verhältnismäßig günstig.

Zum Beispiel in Hradec Kralové Hotel Nové Adalbertinum, www.noveadalbertinum.cz ; Boutiquehotel Chateau Mcely, www.chateaumcely.com;

in Decín Hotel Ceská Koruna auf dem historischen Marktplatz, www.hotelceskakoruna.cz

Sprache: Mit Deutsch und Englisch kommt man gut durch. Bei Besichtigungen erhält man meist deutsche Texte, in besseren Restaurants deutsche Speisekarten.

Fahrradverleih: In Decín nahe der böhmischen Schweiz und an der Grenze zur Sächsischen Schweiz: „enthusia“ mit Hotelanlieferung; Inhaber Sven Czastka spricht perfekt Deutsch, sven.czastka@enthusia.cz, www.enthusia.cz

Näheres und weitere Informationen: CzechTourism, Wilhelmstr. 4, 10117 Berlin; Tel.: 030-204 47 70; berlin@czechtourism.com; www.czechtourism.com

Wer Fahrrad fährt in Prag ist cool oder lebensmüde!

Text/Fotos: Dolores Kummer

 

        Fahrradfahren in Prag wird langsam salonfähig, ist aber eher was für Freizeitsportler. Wer als Tourist ein Leihrad sucht, kann mitunter Kurioses erleben.

Die Sehenswürdigkeiten in der tschechischen Hauptstadt liegen relativ dicht beieinander. Am östlichen Ufer die Neustadt, der Altstädter Ring und das jüdische Viertel, auf der westlichen Seite der Hradschin mit der Burg und die Malá Strana mit den hübschen Gässchen und Geschäften. Verbunden werden beide Teile von zirka zehn Brücken, von denen die Karlsbrücke die berühmteste ist. Trotzdem könnte ein Fahrrad vieles erleichtern, gerade wenn man nur ein Wochenende Zeit hat oder wenn man etwas älter ist. Nur scheint den Pragern diese Materie noch nicht so ganz vertraut. Als ein Hotelportier am Wenzelsplatz nach einem Leihrad gefragt wird, reagiert er sichtlich geschockt und meint: „Sie sind lebensmüde, in Prag können Sie doch kein Fahrrad fahren?!“ Auch auf der Straße bekommt man auf die Frage: „Where can I rent a bike?“ nur merkwürdige Antworten: „Bike? What do you mean with bike?“ oder „Taxi dort“.

 Im Internet dagegen ist alles klar und einfach, es gibt viele schöne Bildchen. Doch halten die auch das was sie versprechen?

            Die erste Station ist „City Bikes – Prague´s original & finest“. Sie bieten seit 2003 geführte Radtouren durch Prag an und verleihen auch Räder. Hier kennt man sich aus mit Fahrradtouristen. Andrew, ein Engländer Ende Vierzig mit überdimensionaler Sonnenbrille, erklärt, dass sie die absoluten Spezialisten sind und führt diverse Mountainbikes und Cruiser vor. Auf die Frage nach einem ganz normalen Damenrad erntet man allerdings einen bösen Blick. „Absolutly cool!“ seien die Cruiser ohne Gangschaltung. Doch wie soll man nur zur Prager Burg rauf kommen? Mit dem Mountainbike natürlich, doch ist das auch geeignet für eine Dame der Best-Ager-Generation? Also geht die Suche weiter. In der Dlouha 24 befindet sich „Praha Bikes“. Es werden geführte Radtouren angeboten, sogar eine „Beer and Bike Tour“. Fahrräder sind reichlich da, sogar für 2-7 Personen, ansonsten gibt es Mountainbikes, 26er, 28er mit 8, 21 oder 24 Gängen, aber leider, leider keine Waverahmen, keine Tiefeinsteiger, leider „Mountainbikes only!“

            Wieder geht es vor den Bildschirm, ins nächste Internetcafé, der Ehrgeiz ist nun geweckt. Es findet sich noch ein Radverleiher auf der Kleinseite. „I like E-Bikes“. Wie der Name es schon sagt, verleiht er nur Elektroräder, zurzeit aber nur Elektroklappräder für umgerechnet fünfzig Euro den Tag. Wenn man sich überlegt, wie viele gute Biere man dafür trinken kann, wird einem ganz schwindelig.

           Wer fährt überhaupt Fahrrad in Prag? Allzu viele sieht man nicht, meistens tragen sie einen Helm und fahren Mountainbike und meistens sind es junge Männer. Da Prag im Zweiten Weltkrieg kaum zerstört wurde, hat es im Zentrum fast durchweg ein sehr unebenes, altes Kopfsteinpflaster mit vielen gefährlichen Lücken. Die Bordsteine sind sehr hoch, an manchen Stellen an die 35 cm und dann ist da noch die Straßenbahn. Zwischen parkenden Autos und der Tram ist häufig kaum Platz, auch nicht für einen einzelnen Radfahrer, geschweige denn für ein Auto. Es gilt also vor oder hinter der Straßenbahn zu fahren oder schnell in eine Parklücke zu springen, sofern man eine findet.

          Der nächste Versuch führt in die Jindrisska 7 zu „Broadway – Bikes and Skooter rental“. Im Internet sieht man ein paar tolle Bilder von Fahrrädern, in der Realität folgt Ernüchterung. In einem kleinen Hinterhof stehen ein paar Schrottautos herum, dahinter ein kleines Kabuff, wo eine mollige Russin mit langen Fingernägeln laut telefoniert. Auf die Frage: „Do you have bikes to rent?“, sagt sie: „Da!“ „Haben Sie ein Damenfahrrad, Djewodschka???“ Sie meint: „Da! Vertrag! Passport!“ Es wird gemeinsam ein tschechischer Vertrag ausgefüllt, von dem man eh nichts lesen kann, darum wird nicht unterschrieben, schließlich will man das Rad ja erst einmal sehen.       

          Die Russin beginnt unter den Papieren einen Schlüssel zu suchen, schimpft und marschiert in eine Garage. In einer Ecke liegen drei Mountainbikes und ein rotes Klapprad der Marke Mifa, das zerrt sie heraus. Dieses kleine Vehikel, Made in GDR, hat schon bessere Tage gesehen und leider hat es einen Platten. Die Russin kommt mit einer Luftpumpe, doch das Ventil ist kaputt. Sie zerreist den Vertrag und sagt resigniert: „Gehen Sie ins Interkonti!“ Was zuerst wie ein Scherz klingt ist keiner.

Peter und Jan von „Pujcovna Segway“ haben schon lange auf eine Radfahrerin gewartet. Seit drei Jahren verleihen sie Segways im Hotel Intercontinental. Doch dieser Markt wird sich in Zukunft ändern. Es gab bisher drei Firmen in Prag, die sich das Segwaygeschäft mit geführten Touren teilten. „Plötzlich tauchte da eine vierte Firma auf, Russen“, meint Jan, „die vermieten die Segways einfach an Jeden, ganz ohne Führung.“

          Etliche Fahrer, die mit der Geschwindigkeit von 20 km/h nicht umgehen konnten, haben Leute auf dem Bürgersteig angefahren, es gab Unfälle mit Kindern. Jetzt laufen die Prager Sturm gegen die Segways, es hagelte Eingaben und Beschwerden. „Das Verbot wird sicher kommen“, vermutet Jan, „auf jeden Fall für die Bürgersteige.“ Darum haben Peter und Jan jetzt Fahrräder dazu gekauft, schöne leichte, sehr hochwertige und gut gefederte Damenräder von KTM mit acht Gängen.

Doch sie sind noch etwas vorsichtig mit den ersten Kunden, erklären ganz genau die Null-Promille-Grenze in Tschechien und drängen auf einen Fahrradhelm. Das Rad passt perfekt.

          Die Tour führt zunächst ans Moldauufer auf der östlichen Seite immer in südlicher Richtung. Auf der westlichen Seite ragen die Prager Burg, das Kloster Strahov und die Loreta empor. Ein wunderschöner Anblick. Dann geht es über die Karlsbrücke, wo die anderen Touristen ungläubig staunen, sogar die Bettler heben den Kopf, wenn da einer mit Fahrrad vorbeifährt. Rechts geht es weiter zum Kafka-Museum und weiter auf die ruhige Kampa-Insel in einen schönen Park. Das Museum für zeitgenössische Kunst, insbesondere der 60er und 70er Jahre, lohnt auf jeden Fall einen Besuch. Ein Stückchen weiter ist gleich das elegante Kaffeehaus Savoy, wo Franz Kafka Stammgast war. Es gibt eine gläserne Patisserie und einen schönen Weinkeller. Die Savoytorte schmeckt ausgezeichnet und die heiße Schokolade ist eine Reise wert. Die Radtour geht über die Legii Brücke zurück auf die östliche Seite, das erste Haus links ist gleich das Café Slavia, hier war Milan Kundera Stammgast. Doch mehr Torte geht heute leider nicht. Hier biegt aber ein toller Radweg Richtung Süden ab, der immer am Ufer der Moldau entlang führt, vorbei am „Tanzenden Haus“, mal unten am Hafen, mal oben auf dem Bürgersteig. Nach zirka zwei Kilometern belebt sich das Ufer. Am Fuße des Vysehrad gibt es kleine Cocktail- und Bierbars, hier treffen sich Studenten, junge Leute, die Szene von Prag. Touristen verirren sich seltener hierher, noch seltener werden sie, je weiter man südlicher auf dem Radweg fährt. Stattdessen stoßen immer mehr Mountainbiker hinzu. Keine acht Kilometer weiter ist man aus Prag heraus und mitten in schönster Natur, der schmale Weg ist zu einer breiteren Asphaltpiste geworden, wo Skater und Biker um die Wette fahren. Entlang der Moldau erstrecken sich Wiesen und Wälder. Auf dem Fluss wird gerudert und gepaddelt. Alle drei Kilometer gibt es kleine Bistros oder Parkplätze, wo noch mehr Skater aus ihren Autos krabbeln. Man ist sportlich unterwegs, das Alter spielt dabei keine Rolle. Nach etwa siebzehn Kilometer, in Vitavou, endet die Piste, jedenfalls drehen die Meisten hier um. Dort gibt es eiskalte, knallrote Himbeerbrause vom Fass, die an unbeschwerte Kindertage erinnert. Viele Radler trinken aber einfach ihr Pilsner Urquell, von dem hier der halbe Liter nur etwa einen Euro kostet. Kofola ist auch in Mode, eine Art tschechische Club-Cola, die man erst kürzlich wieder entdeckt hat. Auf dem Rückweg werden es immer weniger Radler, am Vysehrad kann man sein Fahrrad von einem mobilen Schrauber noch mal durchchecken lassen, danach ist man als Fahrradfahrer wieder allein unter Touristen.

 

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Serviceteil 

 

City Bikes, Králodvorska 5, Prague 5, Metro Station Náměsti Republiky, Telefon: +420 776 180 284, Mail: info@citybike-prague.com, www.citybike-prague.com – Öffnungszeiten tgl. 9-18 Uhr. Seit 2001 Radvermietung, geführte Radtouren, Mountainbikes, Beachcruiser, Tandems, Trekkingbikes, seit Neustem auch Citybikes für Damen, 2 Stunden ab 13 Euro, 24 Stunden ab 28 Euro.

Praha-Bike, Dlouha 24, Prag 1, 1100, Old Town, Telefon:+420 732 388 880, Mail: info@prahabike.cz, www.prahabike.cz, Öffnungszeit: tgl. 9-20 Uhr, Mountainbikes, Trekkingbikes, Tandems, Kinderfahrräder, Team-Bikes, ab 7 Personen, Radverleih 1 Stunde – 7 Euro p.P., 1 Tag ab 22 Euro p.P., geführte Radtouren in Prag und Umgebung,

Pujcovna Segways im Hotel INTERCONTINENTAL, Pařížská 30, Praha 1, 1100, Old Town, Mail: info@bikerent.cz, Telefon:  + 420 725 40 56 15,  www.bikerent.cz, Öffnungszeiten: tgl. 10-17 Uhr, geführte Rad- und Segwaytouren, 8-Gang Damenräder schön gefedert, Segways, Elektrofahrräder. 2 Stunden ab  22 Euro, pro Tag ab 33 Euro.

Blick zur Burg in Prag

Tschechien - der Urlaub vor der Haustür


 Text und Fotos: Annchen Witt


Tschechien lädt mit seiner wundervollen Natur und der schier unglaublichen Anzahl von Kulturdenkmälern ein

 


So ist es nicht verwunderlich, dass immer mehr Gäste das Land besuchen und eine Stadt bereisen, die unter den Top Ten des Landkreises Liberec (Reichenberg) zu finden ist. Liberec liegt im Norden Tschechiens, im Dreiländereck von Polen und Deutschland. Bereits 1232 wurde der Ort zwischen dem Jeschkengebirge und Isergebirge erstmals erwähnt.
Liberec liegt an den Hängen des Neißeflusstales. Es wird von allen Seiten durch dicht bewaldete Berghänge umringt. In der Umgebung von Reichenberg befinden sich wahre Perlen der tschechischen Kultur und des landschaftlichen Erbes.


Das heutige Aussehen der Stadt ist dem industriellen Aufschwung der Textilindustrie im 19. Jahrhundert zu verdanken. Bedeutende Architekten aus Deutschland und Österreich prägten das historische Stadtbild. Noch heute unterscheidet sich die Atmosphäre in Liberec von anderen tschechischen Großstädten. Trotz moderner Großbauten dominiert im Stadtkern das schmuckvolle Rathaus im Neorenaissancestil, welches dem berühmten Wiener Rathaus sehr ähnelt. Der Wiener Architekt Franz von Neumann schuf damit eine bedeutende Kopie, die den damaligen Reichtum der Stadt symbolisierte. Das Rathaus blieb auch fast in ursprünglicher Form erhalten und besticht noch heute durch sein Interieur und seinen glanzvollen, repräsentativen Saal. Darin befindet sich ein in Berlin geschaffener Messingluster von einer Tonne Gewicht.

 

Im Zentrum der Stadt lockt das Vergnügungszentrum „Babylon", in einem ehemals von der Textilindustrie genutzten Gebäudekomplex. Auf über 30.000 Quadratmetern gibt es seit 1997 ein einzigartiges Projekt, das die verschiedensten Vergnügungsarten vom Aquapark über 20 gastronomische Einrichtungen, Kongresszentrum, Theater, Hotel mit 1000 Betten, Einkaufsmöglichkeiten bis hin zum IQ- Park unter einem Dach präsentiert.

 

Größter Anziehungspunkt ist der bisher einzige tschechische, thematische Aquapark, der neben Riesenrutsche auch eine ganze Saunawelt, viele Sprudel, Höhlen und hochinteressante Wasserparadiese beinhaltet. Das „Centrum Babylon Liberec" ist die touristische Attraktion, für die ganze Familie.
Außerdem zeigt sich das Babylon Wellness-Center als ein ausgedehntes Areal im Stil der Antike. Hier kann man einen ganzen Tag Heilanwendungen genießen, um sein seelisches Gleichgewicht und neue Lebenskraft zu finden.
Rund um Liberec befindet sich ein faszinierendes Wander- und Ausflugsgebiet mit dem Hausberg, dem 1012 Meter hohen Jeschken. Schon von Weiten glänzt ein markantes Gebäude, das wie ein umgestülpter Trichter aussieht. Bei gutem Wetter gibt es eine fantastische Aussicht bis hin zum Iser -und Zittauergebirge.
Außerdem ist Liberec dank seiner Lage eine fantastische Wintersportregion.

 

Wer es noch ein wenig historischer liebt, sollte Kutna Hora (Kuttenberg), welches zum UNESCO - Weltkulturerbe gehört, einplanen.

Diese Stadt mit etwa 21.000 Einwohnern gilt als besonderer Reisetipp und liegt eine Fahrstunde von Prag entfernt. Kutna Hora war bereits Ende des 13. Jahrhunderts untrennbar mit dem Abbau von Silbererzen verbunden.

Die Stadt wurde durch unterschiedliche Baustile der vergangenen Jahrhunderte geprägt und lässt uns heute noch erahnen, welch großartige Architekten Ihr Können unter Beweis stellten.
Durch den Silbererzabbau war die Stadt teilweise reicher als Prag und diente auch als Residenz. Dadurch entstanden prächtige Bauwerke, die Ausdruck des Reichtums darstellen sollten. Architektonische Kleinode von europäischem Rang befinden sich im historischen Zentrum.
Weithin sichtbar erhebt sich der gotische Dom „St. Barbara", der eng mit der Historie der Stadt verbunden ist. Dieser orientiert sich an französischen Vorbildern. Der Bau des Doms wurde im 14. Jahrhundert begonnen und etwa im 16. Jahrhundert beendet. Das charakteristische Dach wurde erst im 19. Jahrhundert aufgesetzt. Der Dom ist der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Bergleute geweiht. Die Promenade zum Dom säumen steinerne Skulpturen, die an die Prager Karlsbrücke erinnern. Irgendwie soll der Bau des Doms auch mit einer Familie Smizek zu tun haben. Es heißt, dass die Smizeks zu unerwarteten Reichtum gelangten und wahrscheinlich den König um eine Menge Silber prellten. Um nicht der schlimmen Tat bezichtigt zu werden, traten sie viel lieber als großartige Gönner zum Dombau auf und erleichterten ihre Seele.

 

Im Stil der Gotik wurde für die Besucher die schlanke Kathedrale Mariä-Himmelfahrt nach umfangreicher Rekonstruktion zugänglich gemacht. Sie ist die älteste Kathedrale Europas und gehörte einst dem Zisterzienserkloster in Sedlec. Das reizvolle Portal, die schlanken hohen Fenster ohne buntes Glas, die erhabene Silhouette beweisen den Grundsatz der Zisterzienser nach Demut und Genügsamkeit. Die Kirche hat die Form eines Lateinischen Kreuzes. Ihre Gesamtlänge beträgt 87 Meter.
Wenige Meter weiter befindet sich die Friedhofskirche Allerheiligen mit dem Beinhaus.
Nachdem Teile des ehemaligen Friedhofs aufgelöst wurden, fand man noch relativ viele menschliche Knochen. Ein Mönch türmte die Reste zu Pyramiden auf, bis etwa 1870 F. Rint Kunstwerke zur Erinnerung an den Tod mit seinen Werten nach Ewigkeit schuf. Wenn das Ganze auch makaber anmutet, so will doch der Erschaffer der Werke die ganze Vergänglichkeit vor Augen führen.


Der Welsche Hof, entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts und diente zur sicheren Aufbewahrung des Silbererzes. Er war zugleich als Prägestätte des „Prager Groschen" bekannt.
Heute gilt dieses Zahlungsmittel nur als schöne Erinnerung und wer einkehrt sollte in der üblichen Landeswährung, der Krone bezahlen.

 

Und nicht zuletzt in die"Goldene Stadt Prag"

Wer allerdings Prag zum ersten Mal besucht, ist von soviel Schönheit tief beeindruckt. Die „Goldene Stadt" zeigt ein geschlossenes von Gotik und Barock, geprägtes Stadtbild. Enge Gässchen, historische Plätze, alte Brücken und die majestätische Burg verleihen der Stadt an der Moldau ihren besonderen Charme. Der Atem der Geschichte ist an jeder Straßenecke spürbar. Neben architektonischen Kleinoden und einer wunderbar altertümlichen Atmosphäre hat die tschechische Hauptstadt wirklich alles, was ein reizvolles Reiseziel ausmacht: Lebendige Straßen mit Cafés, kleinen Läden und Musikanten, Theatern und Galerien, Konzerthallen und Jazzclubs, Restaurants, Bars und ein spannendes Nachtleben.


Ideal also, um mit Czech Airlines und anderen Fluggesellschaften abzuheben, per Auto, per Deutscher Bahn oder von Dresden dem Businessclass-Express Reisebus einen Ausflug in die glanzvolle Metropole zu planen.

 

Info: www.czechtourism.com , www.liberec.czwww. Kutnahora.cz

 

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