Türkei

Sonnenstrahlen für die Seele

Sonnenstrahlen für die Seele

Fethiye ist selbst unter Türkeifans ein Geheimtipp

Text und Fotos: Heidrun und Heinz-Peter Lange

 

Mildes Klima, klare Luft und Badespaß jenseits der Touristenzentren. „Merken Sie das?", fragt unsere Reiseführerin  im türkischen Fethiye, begeistert. Nein, man merkt es eigentlich nicht. Und doch ist Fethiye, immer noch ein Geheimtipp selbst unter Türkeifans, eines der Gebiete mit hohem Sauerstoffgehalt. Die ausgezeichneten Thermalquellen sind seit mehr als 3000 Jahren bekannt, aber erst jetzt wird diese Region an der türkischen Ägäis wieder vom deutschen Publikum entdeckt. Der kleine Kurort ist zwar touristisch erschlossen, aber dennoch weit entfernt von anderen Bettenburg-Zentren.

 

          Vor dreißig Jahren ist die Ferienanlage Hillside Beach Club in einer idyllisch gelegenen Bucht, damals noch als Aldiana- Club, entstanden. Bäume, Sträucher und Palmen sind emporgewachsen, rosa Oleander und lila oder weiße Bougainvilleen bilden prunkende Alleen. 330 Bungalows sind wie Schwalbennester an den Berghang geklebt und bieten allesamt hohen Komfort und Blick auf die zauberhafte Bucht und auf die All-inclusive-Anlage mit kleinen Restaurants, Läden und Bars.
Es gibt neben dem Hauptstrand und dem großen Pool, Kinderbetreuung in entsprechend den Altersstufen eingerichteten Clubs, einen Tennisplatz, zwei Spa-Bereiche und eine Disko. „Silent Beach“ und „Serenity Beach“ sind zwei Badebuchten, die über einen kurzen Fußweg zu erreichen und nur Erwachsenen vorbehalten sind – also Entspannung pur. Die bietet auch das Natural- Spa, wo man sich mitten im Pinienwald fast unter freiem Himmel verwöhnen lassen kann.

Ein Shuttlebus verbindet das Resort mit Fethiye.

 

          An der langen Promenade liegen die Ausflugsboote dicht an dicht. Sie alle wollen Touristen auf eine „Blaue Reise“ entführen, einen Tag lang zu den Dutzenden Buchten und Inselchen der Ägäis.
Wenn die Schiffe alle unterwegs sind, wird es eng in der Aphrodite-Bucht. Denn dort, am schmalen Strand, soll sie gebadet haben und danach noch schöner emporgetaucht sein, heißt es in den Werbeprospekten. „Versuchen Sie es selbst“, animieren die Bootsführer.
Besonders im Frühjahr und im Herbst ist Fethiye ein idyllisches Städtchen. In den Souvenirgassen mit Teppichläden und Lederboutiquen stöbern meist Touristen. In den Einkaufstraßen für Einheimische gibt es Töpfe und Pfannen mit Blumendekor.  „Sie kaufen, wir kochen“, steht auf der Tafel eines Restaurants auf dem Marktplatz. Und die anderen Lokale in den flachen Steinbauten rund um einen quadratischen Platz halten es genauso. An den Fischständen, in der Mitte gruppiert, sucht sich der Gast seine Rotbrasse oder den Schwertfisch aus und lässt sie im Restaurant seiner Wahl zubereiten. Für sechs, sieben Euro bekommt man hier ein gutes Essen. Fethiye lebt zu 50 Prozent vom Tourismus und zur anderen Hälfte von Landwirtschaft und Fischfang.

 

          Im spannenden Hinterland gibt es viel zu entdecken. Die Lage von Kayaköy ist einmalig. Auf den Resten der antiken Stadt Carmylessus hatten Griechen gesiedelt und ihre Häuser den Berg hinaufgebaut. Rund 3200 von ihnen lebten hier, bis sie 1922 gehen mussten. Nach Ende des Griechisch-Türkischen Krieges (1919– 1922) bekam die Türkei im Friedensvertrag von Lausanne die Kontrolle über Anatolien zurück, ein Bevölkerungsaustausch wurde verfügt. Die Griechen verließen Kayaköy, und an ihrer Stelle kamen Türken aus Rhodos. Die Insel ist nah. Nur 90 Minuten braucht heute ein Tragflügelboot zur türkischen Küste in Fethiye.
„Die Türken wollten nicht in Kayaköy wohnen“, berichten uns Einheimische.  Abgesehen davon, dass sie gewohnt waren, ein Stück Land rundherum zu beackern, waren sie sehr abergläubisch. Die Griechen hatten ihre Toten im Dorf begraben, die Türken fürchteten sich vor der Rückkehr der Seelen. Kurzum: Sie bauten ihre Häuser lieber unten im Tal und nahmen sich aus den verlassenen Gebäuden der Griechen nur, was sie gebrauchen konnten: Fensterläden, Türen, Dachziegel. So wurde Kayaköy zur Geisterstadt und gehört zum Unesco-Weltkulturerbe.  In der dachlosen orthodoxen Kirche, die 1840 noch restauriert worden war, entdeckt man noch die Stelle, wo der Altar war. Reste von Wandbemalungen sind zu sehen, blass gewordene Heilige und Spuren von Engeln.
Faruk, ein Maler aus Istanbul, hat sich in den stillen Ort verliebt. Er hat ein dreihundert Jahre altes Haus restauriert und führt darin nun gemeinsam mit seiner Frau ein kleines, mit altem Mobiliar liebevoll eingerichtetes Lokal. Im obersten Stock gibt es ein kleines Museum mit Alltagsgegenständen, die Faruk zwischen den Ruinen gefunden hat.


          Weit schaut man von oben übers Land in das türkische Städtchen Demre, das früher Myra hieß. Im Schatten hoher Bäume liegt eine Kirche, in der der wahre Nikolaus vor geschätzten 1700 Jahren als Bischof tätig war, bevor er begann, als heiliger Mann die Kinder in aller Welt zu beschenken. Kaum ein Urlauber kann der Versuchung widerstehen, dem Nikolaus endlich mal richtig an seinem einstigen Arbeitsplatz nahe zu kommen­. Geboren wurde er zwar nicht hier, sondern um das Jahr 300 in der nahegelegenen Stadt Patara. Hier entstand der Mythos der Ikone des christlichen Winterhalbjahrs. Die Bewohner von Demre wundern sich gar nicht über das Interesse, das vor allem europäische Besucher in die schattigen Kreuzgänge zieht. Denn obwohl es lange her ist, dass in der Kirche christliche Gottesdienste gefeiert wurden, hat der Nikolaus einen festen Platz in dieser islamischen Welt. In liberalen türkischen Familien beschenkt der Heilige, der hier Noel Baba heißt, sogar den Nachwuchs. Und in Demre begeht die ganze Stadt den 6. Dezember, den Todestag des Nikolaus mit einem Symposium. Das Nebeneinander von Islam und Christentum ist in der Nikolauskirche allgegenwärtig. Im Kirchenschiff, in dem nur ein paar Touristen umherwandern, die überlegen, in welchem der steinernen Sarkophage der Nikolaus denn wohl gelegen haben mag, hört man die Stimme des Muezzin von der benachbarten Moschee zum Gebet rufen. Die Sarkophage sind allerdings leer; italienische Grabräuber nahmen schon im 11. Jahrhundert den größten Teil mit, die mutmaßlichen Reste lagern im Museum von Antalya.

 

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ANREISE
Von München, Frankfurt/Main, Hannover, Berlin und Wien gibt es Direktflüge nach Dalaman, Von dort sind es rund 60 Kilometer bis Fethiye. Für Individualreisende organisiert das Hotel den Transfer.

 

HILLSIDE BEACH CLUB

Der Aufenthalt in dem Resort ist bei diversen Veranstaltern buchbar.

Die Preise sind saisonal sehr unterschiedlich; eine 7tägige Pauschalreise im Herbst kostet etwa 760 Euro/ Person, drei Tage bei individueller Anreise ab 240 Euro/ Person. Eingeschlossen sind sämtliche Mahlzeiten, Snacks, Softdrinks und alkoholische Getränke zu den Mahlzeiten. Viele Sportangebote sind gratis. Häufiger Busshuttle nach Fethiye (hin- und zurück rund 3 Euro). Näheres über das Resort im Internet: www.hillsidebeachclub.com/de-de

AUSFLÜGE
Bei der Besichtigung der verlassenen Stadt Kayaköy unbedingt einen Besuch im Restaurant Sarnic einplanen. Serviert werden vorwiegend anatolische Vorspeisen, Gemüsegerichte und Salate. Reservierung empfohlen. (Eski Cesme Sokak Nr. 57, Telefon (von der Türkei aus): 0252/6180118, E-Mail: sarnic@kayakoy-sarnic.com, www.kayakoy-sarnic.com.
Nach den vielen Auf- und Abstiegen durch die Altertümer von Tlos kann man sich im Yakapark Restaurant laben. Spezialität: Forellen aus eigener Aufzucht. Das Restaurant mit schöner Terrasse hat das ganze Jahr rund um die Uhr geöffnet.

Mountainbiker sollten über eine ausreichende Kondition verfügen oder sich ein E-Mountainbike ausleihen.

Bis nach Fethiye sind es ca. 5 Kilometer, entweder mit dem Montainbike oder mit dem Busshuttle


LITERATUR
„Türkei – die Südküste“, Dumont Verlag, 12 Euro.

 

Leben in der antiken Stadt

Leben in der antiken Stadt

 

Die gewaltige Ausgrabungsstätte in Ephesos liegt etwa 75 Kilometer südlich von Izmir bei der Kleinstadt Selcuk. Ephesos vermittelt das anschaulichste Bild vom
Leben in einer antiken Stadt. In ihren besten Zeiten zählte sie rund 300 000 Einwohner. Marmorplatten dienten als Straßenbelag, nachts beleuchteten Öllampen den Weg, die Häuser boten höchsten Wohnkomfort, und im Hafen trieben Kaufleute einen florierenden Handel. Die großartige Vergangenheit spiegelt sich heute in den sehr gut erhaltenen Ruinen wider. Die berühmte Bibliothek ist weit reichend wiederhergestellt. Die Ausgrabungen von Ephesos gehören zu den Besten der Archäologie, obwohl sie längst noch nicht beendet sind.
Trotz permanenter Ausgrabungsarbeiten gibt die Ruinenstadt noch längst nicht alles preis. Hier liegen die Hinterlassenschaften von Jahrtausenden in Schichten übereinander.

 

Aphrodisias eine der berühmtesten Bildhauerschulen
Wissenschaftler haben einen Teil der Stadtanlage des Dorfes Geyre von Aphrodisias freigelegt und eine der besterhaltenen Städte der gesamten antiken Welt entdeckt. Die heutige Ausgrabungsstätte zeigt Statuen, Köpfe, die in der berühmtesten Bildhauerschule der alten Welt, entstanden sind. Den Marmor nutzten sie aus einem nahe liegenden Steinbruch. Das Stadion gilt unter Fachleuten als eines der besterhaltenen Stadien der gesamten antiken Welt. In der 250 mal 70 Meter großen Arena gab es Sportveranstaltungen oder Gladiatorenkämpfe. Die tunnelförmigen Eingänge und seine 22 Sitzreihen rund um die Laufbahn sind gut erhalten.

 

Das Naturwunder in Pamukkale
Eine steile Straße führt zum bekanntesten Naturwunder der Türkei. Wie ein unendlich breiter schneeweißer Wasserfall wirken die in der Sonne gleißenden Sinterterrassen. Märchenhaft ist die Abendstimmung in Pamukkale, wenn Mond und Sterne die Terrassen in eine silbrig glänzende Marmorlandschaft verwandeln.
Die schneeweißen Kalksinterterrassen von Pamukkale wurden im Laufe von Jahrtausenden durch kalkhaltige Thermalquellen geformt. Schon in der Antike speisten diese heilenden Quellen die in der Nähe gelegene Stadt Hierapolis. Eine Bäderstadt, die aufgrund ihrer Marmorvorkommen und der zahlreichen Kurgäste schon in der Antike äußerst wohlhabend und bekannt war. Berühmt wie einst ist die heilende Kraft der Thermen von Pamukkale, sie lockt Menschen an, die ihrem Körper Gutes tun wollen. Aus heißen Strömungen entstehen die Quellen, die für den Körper wichtige Mineralstoffe enthalten.

H. L.

weitere Informationen:                 www.thomascook.de