Schweiz

Mit Sylvia unterwegs zur Bergkette der Teufelshörner

 

Das wilde Paradies im Talkessel von Deborence mit Talsichten, Felswänden, kurvenreichen Galerien 

 

Text und Fotos von Annchen Witt

 

 

Das mystisch, romantische Fleckchen Erde in der Region Wallis, sei ein Geheimtipp, nicht nur wegen seiner idyllischen Lage am gleichnamigen See, sondern vor allem wegen seiner perfekt erhaltenen Natur, weit weg jeder Zivilisation, stimmt uns Reiseleiterin Sylvia, ein. Derborence verbinde Tragik und Schönheit zugleich: „Lieblich klinge zwar der Name Derborence, traurig gehe einem allerdings das Schicksal durch den Kopf“, sinniert Sylvia und wird nachdenklich.

Der „Lac de Derborence“ liegt im gleichnamigen Talkessel, unweit von Sion im Wallis. Deborence ist vom Ort Conthey aus über eine kleine kurvenreiche Straße erreichbar. Doch bis man dahin gelangt, müssen einige Hürden überwunden werden und dabei stehen uns Sylvia Fournier, die versierte Gästeführerin und Partner Gino zur Seite. Da wir eine gut siebenstündige Wanderung vom lieblichen Waadtland in die Höhe nicht auf uns nehmen wollen, wählen wir die leichtere Variante, nämlich das Auto. Uns erwarten romantische, schmale Bergstraßen. Unmittelbar nach dem Ort Aven schlängelt sich die Straße durch das Tal und schraubt sich allmählich in die Höhe bis auf 1499 Meter. Dann erreichen wir viele in Stein gehauene Tunnel mit Fensteröffnungen, eine sehr spezielle Straßenführung am Berghang. Diese einmalige Fahrt ist nicht nur wunderschön, sondern treibt den Adrenalinspiegel spontan in die Höhe. Gino unser bergerprobter PS Lenker, besitzt unser Vertrauen, sodass wir bedenkenlos weit hinunter in das tief eingeschnittene, bizarre Felstal mit gigantischen Schluchten blicken können und manchen Schnappschuss wagen. Sylvia erzählt derweil über das  in den Jahren 1714 und 1749 hereingebrochene Unglück.

Im 18. Jahrhundert haben sich in den Bergen des Rochers und Scex de Champ zwei verheerende, gewaltige Felsstürze ereignet, wobei das Hochtal, welches einst eine fruchtbare Almwiese war, mit Geröll bedeckt wurde. Dabei wurden 55 Almhütten verschüttet und 14 Menschen verloren ihr Leben. Die Schäden waren so groß, dass selbst der  Pfarrer von Ardon, der zwei Tage nach dem Felsabsturz vor Ort war, das Unglück als Teufelswerk  beschrieb.

Der zweite Felssturz  im Jahre 1749 an der gleichen Stelle, verschüttete 40 Almhütten. Als die Hirten merkten, dass der Berg bebt, brachten sie sich samt ihrer Herden noch  rechtzeitig in Sicherheit. Etwa 50 Millionen Kubikmeter herabstürzendes Gestein türmte sich 100 Meter hoch auf und verursachte das Aufstauen des heutigen Sees.

Lange Zeit galt dieses Gebiet als verflucht und wurde weitgehends von den Menschen gemieden. Dadurch konnte sich die Natur ungehindert ausbreiten und sich eine unberührte Flora entwickeln. Am Seeufer und auf den Geröllhalden bildete sich der jüngste Urwald der Schweiz heraus, welcher heute als einer von dreien noch in seinem Originalzustand ist. Das Tal ist von wilder Schönheit geprägt, was die Geologen, Botaniker und Naturliebhaber gleichermaßen fasziniert. Der See mit dem ihn umgebenen Föhrenurwald wurde vom schweizerischen Bund für Naturschutz als Naturschutzgebiet erklärt. Heute wachsen auf dem kargen Boden, aus Geröll und Schwemmsand, nur genährt von den vermodernden Resten der entwurzelten Bäume, ein sogenannter Pionierwald mit vorwiegend Fichten. Daneben gibt es auch Lärchen sowie die Pionierbaumarten Bergföhre,Weide und Birken. Vereinzelt sind noch über 600 Jahre alte Bäume zu bestaunen, die dem verheerenden Bergsturz trotzten. Vereinzelt ragen aus dem Wald große herabgestürzte Felsquader.

  Sanfter Tourismus in Deberonce

Mittlerweile gibt es im Naturpark Derborence den sanften Tourismus, wo Wanderungen in unberührter Natur unternommen werden können, man kann Picknicken, im See baden oder in einem Bergrestaurant mit atemberaubender Aussicht eine regionale Spezialität genießen. Sylvia indessen serviert den schönsten Picknickkorb mit typischen Schweizer Spezialitäten vom Trockenfleisch über würzigen Bergkäse bis hin zum edlen Tropfen Walliser Weines. 

   Magischer Kraftort

„Die Gegend ist magisch, einer meiner Lieblingsorte im Wallis“, schwärmt Sylvia. Wir haben sogar schon Bartgeier hier gesehen. Sie wurden erneut angesiedelt, da sie vom Aussterben bedroht waren“. Uns alle hält die ursprüngliche Schönheit in Atem. Stille und grenzenloses Staunen lässt diesen Kraftort auf uns wirken.

„Nichts auf der Welt ist so erfrischend wie der Sprung in einen klaren, kühlen Bergsee“, ermuntert uns Gino, doch dazu braucht es etwas Mut. Wer es nicht ganz so frisch mag, kann diese Perle der Alpen auch vom Ufer aus in vollen Zügen genießen. Wie die meisten Seen der Schweiz sind es wundervolle Kraftorte und spiegeln die Farben des Himmels wider. Diese magische Befangenheit in der wohltuenden Natursphäre gräbt sich tief in das Bewußtsein der Menschen ein.

Dieses Fleckchen Erde zu besuchen ist eine Reise wert, nicht nur wegen der Talsichten, Felswände, kurvenreichen Galerien, und Wasserfälle sondern wegen der geheimnisvollen Schönheit vom See mit den steil aufragenden Felsnadeln und der azurblauen Weite des Himmels.

Und Sylvia gibt den Rat: „Die Natur braucht Respekt und wir sind dazu da, diese Welt zu schützen, alles andere macht der da droben", zeigt mit der Hand gen Himmel.

So ist es nicht verwunderlich, dass 1985 Charles Ferdinand Ramuz' Buch ( Waadtländer Schriftsteller) unter gleichem Namen,  „Derborence“ von dem Regisseur Francis Reusser verfilmt wurde und er die bezaubernde Bergwelt mit ihren Dramen über die Leinwand flimmern ließ.

Info: Derborence liegt in der Nähe von Martigny, dem bekannten Unterwalliser Städtchen im Rhonetal, welches inmitten von Weinbergen und tausenden Obstbäumen liegt. Der Naturpark auf 1450 Meter Höhe unterhalb des Les Diablerets (Teufelshörner) kann mit dem Auto oder Zug über Lausanne oder Visp nach Sion, anschließend mit dem Bus nach Derborence erreicht werden. 

Tierwelt:

Im Tal von Derborence, mit teils sumpfiger Waldlandschaft und heimischen Blumen, leben Gämsen, Rehe, Murmeltiere und Steinböcke in den Höhen. Auch Hasen und Steinmarder sind sehr verbreitet.

Was die Vogelwelt anbelangt ist besonders der Königsadler nennenswert (5 bis 6 Nistorten) sowie einer der größten Nachtvögel, der Uhu. Außerdem kann man auch Schneerebhühner, den Auerhahn sowie Dohlen und Krähen beobachten. 

 

Charles Ferdinand  Ramuz wurde 1878 in Lausanne geboren. Nach dem Studium der Klassiker an der Universität Lausanne, lehrte er an der Hochschule für Aubonne (Waadt) doch wollte er bereits als Bub Schriftsteller werden. Der zumeist in Lausanne und Paris wohnhafte Schriftsteller, Lyriker, Essayist und Nationaldichter ist einer der bedeutendsten Vertreter der Schweizer Literatur in französischer Sprache.

Empfehlenswerte Literatur:  Zu seinen bekanntesten Werken gehören neben «Derborence» die Romane «Adam und Eva», «Farinet», und – in Zusammenarbeit mit Strawinsky – «Die Geschichte vom Soldaten». 

Mit «Derborence» schuf der Waadtländer Schriftsteller (1878-1947) ein Werk, das die Naturkatastrophe von 1714 auf eindrückliche Weise schildert und Einzelschicksale auf einfühlsame Art beschreibt. 

 

Info: www.MySwitzerland.com, info@MySwitzerland.com oder

kostenfreie Rufnummer 00800 100 200 30

Im Schmelztiegel der Kulturen - unter der warmen Walliser Sonne

 

Text und Fotos von Annchen Witt

 

Die ersten, warmen Sonnenstrahlen haben längst den Frühling eingeläutet und locken bei angenehmen Temperaturen hinaus ins Grüne. Es werden Urlaubspläne geschmiedet. Außergewöhnliche Stadtführungen, Wanderungen und Bergtouren ziehen Abenteurer,   Geschichtsinteressierte, Kunst- und Musikliebhaber gleichermaßen an. Die Auswahl ist groß, die Entscheidung fällt schwer. Doch wer schon immer mal die facettenreiche Schweiz erleben wollte, der sollte nicht lange zögern und sich von den diesjährigen Schweizangeboten inspirieren lassen. Die geschulten Gästeführer helfen die einzelnen Regionen oder Kantone mit anderen Augen zu sehen und vermitteln unvergessliche Eindrücke von Land und Leuten, lassen eintauchen in die Geschichte, das Brauchtum und das pulsierende Leben. Mit ihnen kann man auf historischen Pfaden wandern, glasklare Seen entdecken, Staubecken bestaunen, die von gewaltiger Wasserkraft zeugen, imposante Gletscher, spektakuläre Schluchten, steile Felswände, adrenalinsprühende Hängebrücken, sprudelnde Quellen des Lebens, die Suonen und nicht zuletzt in urigen Restaurants die heimische Kulinare genießen.

Dank der einzigartigen Geografie und der tief verwurzelten, geschichtsträchtigen Landeskultur ist die Schweiz eine immer wieder überraschende Destination. Die Kombination aus atemberaubenden Naturlandschaften und lebendigen Städten machen das kleine Land zu einem idealen und sicheren Urlaubsziel.

Mit Sylvia auf Römertour im Wallis

 
Wir sind mit Sylvia einer agilen und aktiven Schweizerin, verabredet. Sie selbst kommt aus einem kleinen Bergdorf, wo sich wohl einst die Füchse Gute Nacht sagten und wohnt dort, wo andere Urlaub machen. Heute zeigt sie uns ihren modernen Ort Salvan, der mit Auto oder der berühmten Zahnradbahn, dem Mont-Blanc-Express, der sich kreischend den steilen Berg hinauf schlängelt und viele Wandertouristen mehrmals täglich bis Chamonix/ Frankreich, transportiert. Die hübschen, komfortablen Chalets kleben wie Schwalbennester an den Hängen und die Laune der Natur ein Gemisch aus Pflanzen - und Gebirgswelt verschmelzen zu einer wunderschönen Symbiose.

Heute wird Sylvia nicht nur die bizarre Bergwelt zeigen, sondern uns das reiche Kulturerbe der Rhoneregion, dem Wallis näher bringen. Doch bevor es soweit ist, streift sie eine Römerinnentracht über, die sogenannte einfache Tunika, welche sowohl Männer als auch Frauen trugen. Es ist ein schlichtes, aus zwei Teilen geschnittenes und zusammengenähtes, weißes Leinenhemd. Sylvia erklärt dazu, dass man sie bei den Römern Tag und Nacht trug, aber zu Hause, zumindest den Gürtel löste. Im Winter soll man gerne ein paar Tuniken übereinander getragen haben! (Kaiser Augustus teilweise bis zu vier). Mit geübter Hand wirft sie noch eine rote Stola über und ruft: „Oh, mein Haarschmuck darf nicht fehlen“. Zu allerletzt streift sie einen historischen Armreif aus Goldblech über. Nun erscheint sie bis auf die „Schuhe“ fast authentisch.  

Wir sind begeistert und klettern gespannt ins Auto. Danach chauffiert uns die „Römerin in Spe“ sicher und geschickt die vielen, imposanten Kehren hinunter ins Tal nach Martigny, der bekannten Kantonsstadt mit bewegter, römischer Geschichte.

Wer sich für die Römer interessiert...

 

sollte hier Urlaub machen und sich den Geschichtsinteressierten am Museum der „Fondation Pierre Gianadda“, einer seit 1976 bestehenden privaten Stiftung mit einer großen Kunstausstellungsfläche,

anschließen. Wir werden schon erwartet. Lächelnd kommt zuerst Samuel ein 13 - jähriger Schüler, der sich als glühender Anhänger der Historie entpuppt und den Ausführungen der Römerin gebannt lauscht. Unsere Römerin ist sprachlich sehr versiert und findet im Nu die richtigen Worte und nach kurzer Einleitung zum Rundgang, taucht man ein in die Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit. Sylvia erzählt nun sehr lebendig, dass Martigny im Rhonetal inmitten von Rebbergen und vielen Obstbäumen gelegen, auf eine zweitausendjährige Geschichte zurück blicken kann und Keltische Stämme, Römer und Truppen Napoleons hier ihre Spuren hinterlassen haben.

So sind noch heute in Martigny, vor allem aus der Römerzeit viele Ausgrabungen gesichert worden, wie das restaurierte Amphitheater, ( Platz für 5000 Zuschauer) aber auch römische Thermen, Tempel und Wohnquartiere, die es zu besichtigen gibt. Gefunden habe man auch Spuren einer frühen Hochwasserkatastrophe. Der Fluss Dranse hatte vor rund 2000 Jahren, Teile der damals als „Octorus“ bekannten, römischen Siedlung zerstört.

Julius Cäsar erlitt mit seiner Truppen 57 v. Chr. seinen Niedergang und die Stadt wurde unter der Herrschaft von Claudius zum kaiserlichen Forum und später unter dem Namen Claudii Vallensium zur Hauptstadt der Penninischen Alpen. Trotz der wechselvollen Geschichte mit Leid und Kriegswirren, ließen die Walliser nicht niemals unterkriegen und hegten und pflegten ihr fruchtbares Land mit den Schätzen der Natur. Sylvia sagt stolz: „ Der Fleiß der Walliser mit ihrer Souveränität brachte der Region ein florierendes Gewerbe, heute nicht nur als Hochburg für Bildung und Forschung, sondern als Pionier im Bahnwesen und im Bereich erneuerbarer Energien“. 

Die Pierre-Gianadda-Stiftung

 

1976 entdeckt der Ingenieur Léonard Gianadda die ältesten galloromanischen Überreste ihrer Art in der Schweiz rein zufällig, während er am Bau eines Hauses in Martigny arbeitete.

Kurz nach dieser Entdeckung stirbt sein jüngerer Bruder Pierre mit 25 Jahren bei einem tragischen Flugzeugunfall. Die beiden Brüder hatten ein enges Verhältnis. Deshalb gründet Léonard eine Stiftung, um das Andenken seines Bruders zu bewahren. Léonard Gianadda erwirbt das Gelände und lässt genau über dem Ausgrabungsort der Tempelreste, ein Betongebäude in moderner Architektur nach seinem eigenen Entwurf errichten. Das Kulturzentrum um den entdeckten antiken Tempel herum, trägt deshalb den Namen seines Bruders. Die Pierre-Gianadda-Stiftung wird am 19. November 1978 eingeweiht, am Tag, an dem Pierre seinen vierzigsten Geburtstag gefeiert hätte. Mittlerweile ist die Stiftung „Pierre Gianadda“, ein wichtiger, kultureller Anziehungspunkt der Stadt. In diesem Areal  ist zusätzlich ein Automobilmuseum mit prächtigen Oldtimern aus den Jahren 1897 bis 1939 untergebracht. Außerdem werden im Museum, jährlich zwei Mal wechselnde hochkarätige Ausstellungen weltbekannter Künstler gezeigt. 

Zur Erinnerung an die Römer sind viele Münzen, Statuen, Töpferwaren, Schmuck und der berühmte Bronzestierkopf zu bestaunen. In einem dazugehörigen, weitläufigen Park sind Mauerreste von Thermen (Frigidarium und Caldarium) sowie einer Ringmauer, die zu einer großen heiligen Einfriedung der Antike gehörten, zu finden. Außerdem können im Park Skulpturen renommierter Künstler des 20. Jahrhunderts bestaunt werden. (wie von Moore oder Odermatt)

Sylvia wohnt dort, wo andere Urlaub machen

Archäologischer Rundgang mit der Römerin

 

Nach der Einführung im Museum wird an den Ausgrabungsstätten viel Wissenswertes, gespickt mit manchen Histörchen, vermittelt. Unsere Römerin wird nicht müde, die Zusammenhänge einer machtvollen Epoche mit seiner Kultur im Zusammenklang mit den Wallisern zu erklären und ist sich sicher, dass die Archäologen weiterhin Erstaunliches zu Tage fördern werden. Sie führt zur Pfarrkirche, wo Überreste der ersten, christlichen Bauten zu besichtigen sind, zur Rue de la Basilique. Hier sind beiderseits einstige, öffentliche Thermen mit Gemeinschaftslatrinen und einem großen Abwasserkanal zu besichtigen. Zum Teil werden die historischen Ausgrabungen geschützt, indem man Gebäude darüber baut. Am Ende der interessanten Führung wird zum römischen Umtrunk mit einer kleinen Stärkung ein geladen. Schmunzelnd verrät Sylvia, dass in der Vergangenheit auch viele Persönlichkeiten wie Rousseau, Goethe, Stendhal oder Liszt in Martigny aufhielten und sich von den den kulinarischen Vorzügen der Region verführen ließen. Deshalb, der Frühling und Sommer kann kommen. Die Schweiz mit Sylvia und vielen Tourismusvertretern wird keinen Besucher enttäuschen und viele unvergessliche Augenblicke in der einzigartig, vielfältigen Schweiz werden zum Erlebnis.

Bahnsinnige Schweiz

 

Schweiztourismus in Frankfurt/Main gibt den Tipp: Genießen mit dem Zug ist bequem und bringt die Touristen auf der Grand Train Tour of Switzerland (1600 Kilometer) zu den schönsten Panoramastrecken quer durchs Land.

Info:

Martigny ist ein Paradies für Familien mit dem Barryland- Museum der Bernhardiner Hunde, es gibt spannende Ringkuhkämpfe um den Sieg der Kuh-Königin,  für Feinschmecker hält Morand, bester Destillateur seit 1889 feinste Aprikotine und Wiliamine Brände bereit

www.martigny-region.ch oder www.MySwitzerland.com oder unter kostenfreier Rufnummer 00800

100 200 30

oder direkt Mail: sylvia.fournier@netplus.ch Telefon: +41 27 761 12 49, Mobile: +41 79 406 75 84 und www.asgt.ch (professionelle Ansprechpartner für individuelle Stadtführungen und Stadtrundfahrten, Tagesausflüge sowie mehrtägige Rundfahrten.)

Hauptstadt der Schweiz ist Bern, Landessprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch mit 7.870100 Einwohnern, Währung Schweizer Franken  

Internationale Flug-und Bahnanbindung

Postauto-Erlebnisreise in Graubünden (bfs / PostAuto Schweiz AG)

Mit dem Postauto on Tour!

 

Ende Juni bis Mitte August ist in der Region Graubünden Hochsaison. In dieser Zeit
sind in der Schweiz Sommerferien und das Postauto geht unentwegt auf Touren.
Zeit, eine Rundreise von Davos bis ins Tessin und zurück zu unternehmen!

 

 

bfs – Von der Graubündner Alpenstadt Davos aus kann man eine Erlebnisreise starten und die Schätze der Region kennenlernen – und zwar mit dem Postauto! Das
sind Busse der PostAuto Schweiz AG, die für flexible Touristen-Aufenthalte sorgen.
Der Begriff klingt etwas verstaubt, da er an die frühere Postkutsche erinnert, und tatsächlich ist diese Assoziation auch richtig. Früher wurden Pferde vor den Postwagen gespannt, und man kam auf diese Art und Weise von A nach B. Für
diejenigen, die heute in einer solchen Kutsche Platz nehmen möchten, gibt es noch immer entsprechende Gefährte.
Trotzdem geht es komfortabler, schneller und moderner mit einem der mittlerweile über 2000 Postautos, die auf über 800 Strecken innerhalbder Schweiz unterwegs sind. Dieses ganze Unterfangen ist mehr als 100 Jahre alt. Schon 1906 wurde das größte Busunternehmen des Landes gegründet. Seitdem hat sich natürlich einiges geändert.
Mittlerweile gibt es innerhalb der Busse gratis Internetzugang, und eine App informiert schnell und einfach über Strecken, Fahrtzeiten und Kontaktdaten. Eine weitere Modernisierung gibt es in Sachen Fahrrad-Transport. Bei jedem dieser
Fahrzeuge besteht die Möglichkeit, Drahtesel mitzunehmen, aber seit Juni gibt es neue, sehr große Anhänger mit zwei Ladeflächen, die sich übereinander befinden und somit viel mehr Kapazität bieten als bisher. Bis zu 300 Kilogramm Gewicht kann ein „bike porter" aushalten. Derzeit ist das Projekt noch in der Testphase, aber im Kommen, was für die Schweiz wichtig ist. Sie ist nämlich Velo-Region mit Tausenden gekennzeichneten Routen und dementsprechend vielen Radfahrern.
Diese nutzen das Postauto gerne, um zu beliebten Strecken zu gelangen, und sind froh, einfach in den nächsten gelben Bus steigen zu können, wenn ihnen die Puste ausgeht.
Spezielles Hotel-Postauto-Kombipaket
Von der Beliebtheit des Reisemittels weiß auch die Sunstar-Hotelgruppe, die eine spezielle Rundreise konzipiert hat. Das Angebot gilt bis zum 11. Oktober:
Bucht man sieben Nächte, ist fünf Tage lang die Nutzung des praktischen Fortbewegungsmittels sowie zusätzlich aller Bergbahnen inklusive.
Von Davos geht‘s über Lenzerheide nach Flims, wo man jeweils in einem der bestens ausgestatteten Sunstar Hotels übernachtet.
Als erstes steht Davos auf dem Programm. Die höchstgelegene Stadt der Alpen ist an sich schon eine Attraktion, ganz zu schweigen von den 700 Kilometern Wanderwegen ringsherum. Im Juni wurde zudem die Gotschna Freeride Piste eröffnet, ein Spielplatz für Mauntainbiker sozusagen. 600 Meter geht es mäßig steil bergab, während man 200 Kurven fährt. Anfänger können bei der Abfahrt ihr Tempo selbst bestimmen, wohingegen sich für Fortgeschrittene eine ungebremste Abfahrt
eignet. Außerdem gibt’s Nordic-Walking-Möglichkeiten,einen Seilpark und vieles mehr.
Ein Erlebnis mit Wohlfühlfaktor ist das Wellness-Konzept des Hotels, wozu Hallenbad, Sauna, Massage, Erlebnisdusche und Fitnesscenter gehören.
Im Hotel-Restaurant genießen Gäste den Panorama-Blick auf die Alpen. Eine fabelhafte Aussicht ist auch am dritten Tag zu bestaunen, wenn es Richtung Lenzerheide geht. Man steigt in die Rhätische Bahn, die über imposante Viadukte
fährt, und mit der man nach St. Moritz zur Postautostation gelangt. Der gelbe Autobus bringt die Urlauber zu zahlreichen Lenzerheidner Attraktionen:
Der Seilpark bietet einen Geschicklichkeitsparcour, der Heidsee lädt zum schwimmen ein und für Fahrrad-Touren ist die Landschaft wie geschaffen.
Bikes und Schutzausrüstung lassen sich ausleihen und leichte, mittelschwere oder schwere Routen sind wählbar. Nach der Erholung von solchen Aktivitäten, steht an Tag fünf die Fahrt in die Bündner Hauptstadt Chur auf dem Programm. Für eine Postauto-Fahrt sind die Begriffe „hopp-off“ und „hopp-on“ essentiell: Das heißt, dass Reisende gelegentlich aussteigen und sich Orte ansehen können; ein Kunstmuseum etwa oder das Fleischproduktionsunternehmen Brügger.

Die Rhätische Bahn fährt zu guter Letzt nach Flims, wo es den Geopark Sardona gibt. Dieser ist UNESCO-Welterbe, da Gesteinsschichten besonders gut sichtbar
sind, die sich über Jahrmillionen gefaltet und gebrochen haben, wodurch die Alpen entstanden sind. Die Rundreise endet an Tag sieben mit einem weiteren Highlight: Einem Postauto-Ausflug nach Bellinzona. Die Route führt vorbei an gewaltigen
Felsen, Gletschern, Wasserläufen und Bergseen über den San Bernardino-Pass bis nach Bellinzona. Dort ist das mediterrane Flair Italiens zu genießen bis der Postauto-Bus zurück nach Flims fährt.
Von dort aus geht die Reise – mit vielfältigen Eindrücken im Gepäck – nach Hause.

 

Autor: bfs (Julia Brunnengräber)Bilder: PostAuto Schweiz AG; Sunstar Hotels

        

Zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!

 

Infos
Angebot Postauto-Erlebnisreise: www.sunstar.ch ; ab 1130 CHF
Angebot buchbar unter:

Sunstar Hotels – Reservierungszentrale, Galmstrasse 5,  4410 Liestal, Schweiz
Telefon: +41 61 925 70 70 , reservation@sunstar.ch
Informationen rund um das Postauto:
www.postauto.ch
Informationen zur Rhätischen Bahn:
www.rhb.ch
Tourismus-Informationen zur Region Graubünden:
www.graubuenden.ch

…und abends zum Fondue-Plausch

           Winter im Berner Oberland: Gstaad, charmantes Alpendorf im Saanenland, hat Hänge in Massen für Könner und Anfänger, Anstiege für Schneeschuhwanderer, elegantes Ambiente, nette Leute und Promis übers ganze Jahr.


Text und Fotos: Katharina Büttel 

 

          Zum Winterwandern und Skifahren sind wir auf dem Hausberg, dem Eggli, angekommen. Hinterm Nebel schwält schon die Sonne und recken sich die kantigen Gipfel, die bei blauem Himmel mit den Schneefeldern um die Wette glitzern. Wir schauen und staunen! Vis à vis im milchigen Licht der mächtige Gummfluh, umkränzt von Le Rubli und dem Rocher du Midi. Darüber in der Ferne Wildhorn und Arpelistock. Am Horizont schraubt sich in über 3000 Meter Höhe der Diablerets-Gletscher, der Glacier 3000. Mit Eiger, Mönch und Jungfrau im Osten kann wohl nicht ganz konkurrieren, die alpine Echtheit der Region aber beeindruckt. Wenige Liftmaste nur, nirgendwo dröhnen Schneebars – Natur so weit das Auge reicht. Ein paar Japaner sammeln und drapieren sich zum Familienfoto auf der Terrasse der Bergstation.

           „Hier ist es „choge gmüetlech“, einfache, breite Pisten“, sagt gut gelaunt Wanderführerin Karin Bach, die im Sommer in 1600 Meter Höhe auf den saftigen Wiesen ihrer Gstaader Alm mit Leib und Seele Bergbäuerin ist. Aus der Milch ihrer 130 Kühe reifen in der Gstaader Molkerei hunderte von Laiben drei Jahre lang ihrer Vollendung entgegen - ein guter, aromatischer Hobelkäse will Weile haben.

           „Wir sind über 1000 Meter hoch, da duz‘ ich Euch alle mal. Also, hier oben, im Wintersportgebiet Saanenland hat man 220 Kilometer Pisten und 53 Bergbahnen zur Auswahl. Natürlich kommen nicht nur behelmte Pistenflöhe mit Schussfahrerehrgeiz auf ihre Kosten oder diejenigen, die immer wieder große „Bögli“ an den Hängen üben. Überall ist genug Platz – auch für uns Wanderer. Die Schneeschuhe aus Plastik sehen aus wie breite, superkurze Ski und sind mit wenigen Handgriffen unter die Wanderstiefel geschnallt. Sicher gibt es auch noch die geflochtenen Ungetüme, die man von älteren Fotos oder Filmen aus dem hohen Norden kennt. Doch, seitdem Schneeschuh-Trekking den Alpenraum erobert hat, haben renommierte Skimarken diverse Produkte ausgetüftelt.

            „Auf geht’s, gut drei Stunden wollen wir unterwegs sein“, ermuntert Karin die kleine Gruppe. Das sollte kein Problem sein, Schneeschuhwandern kann schließlich jeder, Kinder und Ältere. „Mützen und Sonnenbrillen nicht vergessen, Schutzcreme und Labello, alles habe ich im Gepäck“. Also los.

            Viele Alpenorte spuren inzwischen nicht nur Langlauf-Loipen, sonder markieren auch „Snowshoe-Trails“. Anfangs geht es sich leicht und locker auf einem schneebedeckten Waldweg mit leichter Steigung. Auf ein munteres „Jetzt kommen ein paar Steigungen“ beginnt Karin zwischen Waldrand und schneebedeckter Almwiese kräftig bergan zu stapfen, alle anderen klaglos hinterher, eine braucht ein Päuschen. Endlich, auf einer Lichtung mit herrlicher Aussicht dürfen wir etwas verschnaufen. Äpfel, eine Thermoskanne mit Früchtetee wären grandios – leider Fehlanzeige!

           Weiter geht es über sanfte und weite Hänge, durch verschneiten Tannenwald, mit Ausblicken tief nach unten auf die Bergdörfer Saanen, Gstaad, ganz hinten Schönried. Lautlose Stille. Noch eine leichte Senke, erneuter Aufstieg, gemächliche Abfahrt, Geräusche, Lachen: vor uns liegt wieder das Berghaus Eggli. Für die Champagner-Bar und die herrliche Sonnenterrasse ist leider nicht das Wetter. Drinnen im Warmen duftet es kräftig. Schluss mit Pommes und Würstel, auch auf der Hütte wollen Gäste genießen. Bei einem mit Trüffel-Tommé und Bergkräutern überbackenen Gourmet-Rösti für 30 Franken und Ski-Wasser Rivella kommen alle – auch unsere Skifahrer - wieder zu Kräften. Bei allem sportlichen Ehrgeiz: es fällt schon schwer, sich nach dem Lunch erneut in den Schnee zu stürzen. Wir nehmen lieber die Bergbahn zurück ins Tal; drei Eifrige schlitteln die vier Kilometer hinab.

           Seit vor gut hundert Jahren die erste Eisenbahn in Gstaad hielt, findet hier Tourismus statt Auf dem Weg in die Gstaader Altstadt kommen wir an einigen Nobelhäusern vorbei. Für ein Alpendorf – seit 1998 ist es autofrei – mit rund 7000 Einwohnern und genauso vielen Kühen, ist die Auswahl an luxuriösen Unterkünften beachtlich. Hundert Jahre alt ist auch das legendäre Palace Hotel, ein Cinderella-Schloss hoch über den Dächern der Chalets, und The Grand Bellevue – erst kürzlich im englischen Stil wunderschön saniert. Eine große Vielfalt an privaten Chalets verspricht heimelige Ferientage. Man hat viele Stammgäste, die die Vertrautheit schätzen: man will hallo sagen und persönlich begrüßt werden.

           Gstaad – treffen sich hier nicht auch die Schönen, Reichen, ganz Reichen, auch die Grausamen dieser Welt? Am Tage vermischt sich’s, man kann hier alles leben und auf der Flaniermeile zwischen „Charly’s Tea Room“ neben der Eisbahn und der St. Nikolaus-Kapelle wird’s schon mal eng. Roman Polanski besitzt irgendwo am Hang ein Haus, Prinz Charles entspannt sich vom Repräsentieren, Paul McCartney von Weltrummel und Musik. Formel-1-Chef Ecclestone hat gleich komplett ein Hotel gekauft, wo er mit seiner Entourage fürstlich residiert und diniert. Filmdiva Liz Taylor und 007-Star Roger Moore schätzten das Leben zwischen Bergen und Seen, feinster Kultur und rauer Natur. Hier sind sie diskret, sehr diskret.

           Bevor wir uns in die Après-Ski-Szene stürzen – immer Samstag um 17 Uhr startet im „Charly’s“ die Party -, suchen wir unser Shopping-Glück. Aber die Luxus-Läden mit ihrem „Gstaader Chic“ in Top-Qualität haben auch Top-Preise. Lieber halten wir nach den leckeren Alpenkäsen Hornberg- und Edelweißmutschli Ausschau und landen in der Chäller-Gallerie vor den hoch kunstvollen, traditionellen Scherenschnitten.

           Kuschelig ist Gstaad mit seinen Gässchen, Cafés, schicken Läden und qualitativ hochwertigen Restaurants, will aber auch als Kultur- und Sportdestination wahr genommen werden. Die Polo-Turniere im Winter und Sommer und das hochrangig besetzte Tennisturnier im Juni erregen auch international Aufmerksamkeit. Richtig stolz ist man hier auf das Musikleben. Speziell zum Menuhin-Festival im Juli bevölkern weltbekannte Künstler und Liebhaber klassischer Musik die Hotels.

           Das Gegenprogramm liefert die Natur: quasi unentgeltlich. Bei Windstille und klarer Sicht muss man auf den Glacier 3000, keine Frage  – 24 Viertausender sind vom Gletschergipfel aus zu sehen, selbst der Mont-Blanc, das Matterhorn und die Berner Alpen! Doch belohnt ist auch, wer sich mit der Kabinenbahn auf den knapp 2000 Meter hohen Rellerli begibt: ein 360 Grad-Panorama, umzingelt von Dreitausendern.

          Karin führt uns, noch mit glühenden Wangen, ins historische Saanen. Im Heimatmuseum die großartigen Kuhglocken, in den Gassen die Jahrhunderte alten, originalen Holzchalets mit traditionell grünen Fensterläden, buntbemalten Schnitzereien und Bibelsprüchen in den Giebeln. Die Kühe, dass weltberühmte Fleckvieh, brachten gewissen Wohlstand. „Seit drei Jahren erst gibt es Straßennamen und Nummern; bis dahin kannte der Postbote jeden Adressaten“, lacht sie. Übrigens: seit 1312 kauften die freiheitsliebenden Saanen ihren Greyerzer Grafen – lebensfroh und ständig knapp bei Kasse – immer wieder Rechte ab. Ihre so erkämpfte Autonomie wurde auch nach deren Bankrott 1555 von den Bernern, den neuen Landesherren, nicht angetastet. Geblieben aus jenen Zeiten sind der Kranich im Wappen und das französische Savoir-vivre.

          Und abends? In Felldecken eingepackt, scheppern wir im Pferdeschlitten vom zugefrorenen Lauenen See tief in ein verwunschenes Tal. In Umrissen der schneite Winterpfad im Schein der Stirnlampe des Kutschers. Ins Schnauben der Pferde mischen sich zarte Schneeflocken; aus Tannen und Fichten entlang der Bäche haben Eis und Schnee silbern glänzende Kunstwerke modelliert. Unter dem Schnaufen der Pferde und dem Kling-Klang ihrer Glöckchen: Stille. Nirgendwo ein Licht, kein Hof, kein Mensch, nichts. Dann, nach einer Stunde romantischer Fahrt ist das Beizli ‚Mattestübli‘ erreicht – irgendwo im „Nowhere“ ist es längst über den Geheimtipp-Status hinaus. Hell erleuchtet sind die Fenster, auf Dach und Holzscheiten glitzern dicke Schneehauben.

           Drinnen wird’s gesellig. Wirtin Veronika Brand lädt in ihr „Wohnzimmer“ zum Fondue-Plausch. „Bei mir ist nichts versteckt, alles bleibt natürlich“. Das hauchdünne Trockenfleisch zergeht auf der Zunge, ihr Käse-Fondue, aus drei Alpkäsen raffiniert komponiert, ist himmlisch. Das Hausdessert: dahin schmelzende Schokoladentorte mit Caramelcrème und Sahnehäubchen. Die kann eigentlich keiner mehr essen, aber der Duft…hmm, köstlich. Am nächsten Morgen ein Winter wie aus dem Märchen, Neuschnee über Nacht. Etwas wehmütig scheiden wir vom Saanenland – eine Auffahrt zum Glacier 3000 wäre heute sicherlich möglich gewesen…                    

 

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Service

 

Anreise:

Die Swiss fliegt 6 x täglich von Berlin nach Zürich, weiter mit der Bahn bis Spiez; von hier mit der Nostalgiebahn über Zweisimmen bis Gstaad. Fahrtzeit ca. 3 Stunden.  Rückflugtickets verkauft Swiss bereits ab 99 Euro inkl. aller Steuern und Gebühren; die Airline transportiert kostenlos die Skiausrüstung; ca. 110 Euro Aufpreis für die Top-Business-Class. www.swiss.com  – Mit dem Auto fährt man über Zürich, Bern und Thun ins Alpendorf, ca. 2,5 Stunden.

Swiss Pass: 2. Klasse 223 Euro, 1. Klasse 356,75 Euro: Freifahrt auf dem Bahn-, Postauto/Bus- und Schifffahrtsnetz, auf dem Verkehrsnetz in 41 Städten, Rabatt auf Bergbahnen, freie Museumseintritte, gratis Familienkarte.

Schlafen:

Die Vielfalt an Unterkünften ist groß: von fünf 5-Sterne-Hotels bis zu Privatchalets. Im

4-Sterne-Steigenberger Alpenhotel im schön gediegenen Chaletstil, Saanen, kostet von Januar bis Mitte März ein DZ/F ab 6 Nächte 138 Euro pro Tag/Pers., inkl. Aktivitätenprogramm, Wellness-Bereich, WLAN. – Im Frühling/Herbst gleiche Variante ab 76 Euro pro Tag/Pers.; im Winter ab 137,75 Euro pro Tag/Pers. – Weihnachten 5 Nächte/F/HP inkl. obigem Zusatz ab 1.201,20 Euro/Pers. Kinder bis 12 Jahre schlafen im Zimmer der Eltern kostenlos. Fast alle 130 Zimmer haben Alpenblick. Es gibt zwei Restaurants mit exzellenter Küche, eine offene Bar mit Pianospieler in der Lobby. Der Spa-Bereich erstreckt sich über drei Etagen mit großem Pool. – Shuttlebus steht bereit.

Email: gstaad@steigenberger.ch; Tel.: +41 33 748 64 64; www.gstaad-saanen.steigenberger.ch

Das neue 3-Sterne-Superior-Hotel „Spitzhorn“ auf der Sonnenterrasse von Saanen ist modern, schlicht und einfach mit schönen Materialien ausgestattet – Spa mit Pool; rauchen kann der Gast im „Cheminée Fumoir“ unter Sternen. Preise je nach Saison: 1 DZ/F ab 131 Euro bis 197 Euro pro Tag. Familien-Suite bis 4 Personen ab 295 Euro/Tag; bis 8 Personen ab 475 Euro/Tag. Email: spitzhorn@spitzhorn.ch; Tel.: +41 33 748 41 41; www.spitzhorn.ch

Erlebnisse:

Im Winter: 53 Bahnanlagen und 220 Kilometer Pisten stehen zur Verfügung; der Skipass kostet ca. 50 Euro; es gibt 30 Berghütten und 20 Schnee-Bars; die höchste Rodelbahn der Welt ist die Alpine Coaster auf dem Glacier 3000; das Museum in Saanen; Führungen in der Molkerei Gstaad. Im Sommer 300 Kilometer Wanderwege; , Klettern, Mountain-Biking, Paragleiten, Golf, Tennis u.v.m. – Almabzug im Juli; Literarischer Herbst; Kunstausstellung mit den Künstlern, Kirchenkonzerte, Bergpredigten; Alpkäsemeisterschaft; Herbstfest der Volksmusik u.a.

International: Von Weltrang ist das Menuhin-Festival Juli-September; das ATP-Tennis-turnier, Volley-World-Tour im Juli; Polo-Gold-Cup im August.

Reiseführer:

DuMont Bildatlas „Schweiz“ mit detaillierten Karten, 8,50 Euro.

Näheres:

Gstaad Saanenland Tourismus, Promenade 1; Tel.: +41 33 748 81 81; email: info@gstaad.chwww.gstaad.ch

oder Schweiz Tourismus, Berlin, www.MySwitzerland.com

Stimmungsvoller Alpabzug in Charmey in der Schweizer Region Freiburg (Fribourg)

Text und Fotos: Friederike Kramer-Hartenholm


Wie Königinnen ziehen die Kühe, Schafe und Ziegen nach vier Monaten in den Bergen im Spätsommer in ihr Heimatdorf im Tal ein. Es ist inzwischen ein international bekanntes Volksfest, das Tausende Zuschauer anzieht, wenn die mit bunten Blumen, Strohhüten und großen Treicheln (Glocken) festlich geschmückten Tiere in ihre Ställe zurückkehren.

Der bezaubernde 2000-Einwohner-Ort Charmey im Herzen der Region La Gruyère lässt uraltes Brauchtum lebendig werden. Die Älplerkinder führen den Umzug der Sennen in ihren farbenfrohen Trachten an.  Die Sennen tragen ihre hübsche Edelweiß-bestickte Sennenjacke, den Bredzon, die Frauen das prächtige Trachtenkleid, den Dzaquillon. Die Kühe bezaubern mit breiten kunstvoll verzierten Lederriemen um den Hals, die mit Blüten, Wappen und Namen traditionell bestickt sind und an denen die riesigen Kuhschellen hängen. Von weit her hört man sie mit Glockengeläut näherkommen. Am Ende einer jeden Herde fährt der hellblau-gestrichene Pferdewagen mit den Gebrauchsgegenständen von der Alp – dem Käsekessel, den Werkzeugen zur Käseherstellung und den Melkschemeln.

Man nennt diesen Abtrieb „Rindyà“ (in der Mundart Patois ist das der Ausdruck für Alpabzug)  oder auf Französisch „Désalpe“. Unten im Dorf werden die Herden, die von 9 bis 15 Uhr eintreffen, mit Alphornmusik, Fahnen- und Glockenschwingen und Volkstänzen begrüßt. Unten im Dorf wird mit einem Handwerksmarkt gefeiert. An vielen Stellen sind Stände aufgebaut mit regionalen Delikatessen wie dem berühmten Birnendicksaft „vin cuit“ und dem berühmten Käse Le Gruyère AOC, dem Greyerzer. Künstler und Handwerker stellen traditionelle Arbeiten vor, vom Stroh- und Korbflechten bis zum Drechseln und Töpfern.

Ein anderes traditionelles Folklorefest im Freiburger Land im Herbst  ist die Kilbi. Alle Restaurants mit dem Bild der Kuh Flora bieten in dieser Zeit kulinarische Köstlichkeiten mit lokalen Produkten wie Kohlgerichten, Beinschinken, Motzi-Birnen und Meringues mit Greyerzer Doppelrahm, dazu als kleine Vorspeise das Freiburger Safranbrot „Cuchaule“ mit dem berühmten Kilbi-Senf aus der delikaten Mischung süsser und scharfer Zutaten.

 

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Und wenn man in diesem Gebiet ist, hier einige Tipps:

Besuch im Strohatelier in Rechthalten 

Vier Frauen stellen hier in Handarbeit vor allem die traditionellen Trachten-Strohhüte, insgesamt 127 Modelle,  her, frischen aber auch alte auf und restaurieren sie. Sie pflegen das alte Kulturgut der Strohverarbeitung des Kantons Freiburg.

Alle Arbeitsgänge werden interessierten Besuchern liebevoll erklärt. Das ist wirklich keine Asien-Massenware, hat aber auch seinen Preis. (www.strohatelier.ch)

Meringue-Herstellung bei Mary Christmas in der Boulangerie Angélo Rime in Botterens

Direkt am Lac de la Gruyère in einem bezaubernden Bauernhaus findet die Fabrikation der berühmten Meringues statt. Wer sie sich einmal im Munde zergehen lassen hat, will dieses wunderbar luftige Gebäck aus Eiweiß und Zucker  immer wieder genießen. Sicherlich gibt die Tochter des Gründers dieser Fabrikation Angélo Rime, Mary Christmas (welch passender Name, denn in alten Zeiten aß man diese Köstlichkeit erst ab September bis Weihnachten), gerne einige Tipps an Besucher weiter. Früher wurden die Eiweisse noch von Hand auf das Blech gespritzt, inzwischen ist alles mechanisiert und so werden täglich 30.000 Meringues täglich produziert. Der köstliche Nachtisch wird mit Früchten und vor allem Crème double serviert. (www.meringue.ch)

Ziegenkäse vom Ziegenhof 

Die Ziegen werden hier geliebt und das sieht man ihnen an. Mit glänzendem Fell und lustig verspielt laufen die sauberen gemsfarbenen Gebirgsziegen von der Weide in den Stall, stellen sich breitbeinig vor die Melkmaschinen und lassen sich dabei sogar liebevoll streicheln.

Der Ziegenkäse ist ein Geheimtipp!

(Familie Lienhard und Ursula Raemy in Weidli Schwarzsee, Telefon 0041-26-4192050)

Schaukäserei La Maison du Gruyère 

Seit dem 12. Jahrhundert wird der berühmte Käse mit dem rassigen Aroma hier produziert. Nur die Rohmilch von Kühen, die im Sommer mit frischem Gras und im Winter mit Heu (und natürlich ohne Hinzufügen von Konservierungsmitteln) gefüttert werden, lässt diesen typischen feinen Geschmack des Käses entstehen. Bis zu 18 Monate brauchen die Laibe mit einem Durchmesser von 55 bis 65cm  in der Kellerreifung.

Zweimal täglich liefern die Bauern, die die Betriebsrichtlinien von BIO SUISSE peinlich genau befolgen,  ihre Milch in der Käserei ab. Die Besucher können an Glasfenstern beobachten, wie die muskulösen Käser aus der Rohmilch große runde Gruyère-Käse  (Greyerzer) herstellen. Kaum zu glauben, daß 400 Liter Frischmilch nötig sind für einen Laib  von ungefähr 35kg. Auch in die Veredlungskeller darf man schauen, wo 7000 Laibe gelagert werden.

Je nach Jahreszeit findet die Käsezubereitung drei- bis viermal am Tag zwischen 9 und 14.30 Uhr statt. Kinder sind willkommen und werden herzlich von der Kuh Cerise begrüßt über einen lustigen Informationstext per Kopfhörer, können Fragen beantworten und Tast- und Geruchsrätsel lösen.

Eintritt: Erwachsene- CHF 7,00, Kinder ab 12 Jahren- CHF 6,00, Kinder unter 12- kostenlos.  (www.lamaisondugruyere.ch)

Beim Kaiser vom Bodensee

„Echt Schweiz – ganz ohne Berge“ ist das Motto des Kantons Thurgau am Ufer des Bodensees. In dieser uralten Kulturlandschaft haben seit Jahrhunderten Mönche ihre Klöster gebaut, Könige sich Residenzen und Künstler ihre Ateliers errichtet.

 

Text und Fotos: Christel Seiffert

 

 

„Die Landschaft ist licht und hübsch…Sie sollten einmal kommen“, schrieb Hermann Hesse, der viele Jahre in Gaienhofen auf der deutschen Seite am Untersee, dem westlichen Teil des Bodensees lebte. Eine Empfehlung, die ebenso für den Kanton Thurgau gilt. Die liebliche Landschaft mit malerischen Dörfern und Schlössern, mit Obstplantagen und  Weinbergen hat einen eigenen Zauber.

Auf einer Landzunge gegenüber der Insel Reichenau liegt Ermatingen am Ufer des Untersee. Dass der beliebte Ferienort über Jahrhunderte ein Fischerdorf war, daran erinnern die sechzig Jahre alten und elf Meter langen Fischerkähne an der Uferpromenade. Heute fahren nur noch sieben Berufsfischer zum Netzfischen auf den See. Felchen, Egli oder Hecht und Seeforelle kann man dennoch in einem der zahlreichen Restaurants genießen - so im Fischerlokal „Seegarten“ oder dem mehr als 500 Jahre alten Hotel Adler. Das prachtvolle Fachwerkhaus mit einem bunten Freskenband, das1926 von einem spanischen Maler gemalt wurde, gilt als ältestes Restaurant der Schweiz. Im Gästebuch sind Namen vieler Prominenter zu finden - so Königin Hortense, die Schriftsteller Dumas und Hesse, Graf Zeppelin. Beim Bummel durch die schmalen Gassen bezaubern immer wieder die schönen Fachwerkhäuser, die Behäbigkeit oder Gemütlichkeit ausstrahlen. Manch idyllischer Winkel ist zu entdecken und über die kleinen Gärten am Ufer geht der Blick auf den See, auf dem unzählige weiße Segel in der Sonne blinken.

Bekannt geworden ist Ermatingen besonders durch den nahen Arenenberg, auf dem sich ein kleines Stück Weltgeschichte ereignete. Seit dem Mittelalter war der Arenenberg einer der begehrtesten Landsitze am Bodensee. Es war das Frühjahr 1816, als Königin Hortense de Beauharnais, Stieftochter und Schwägerin Napoleons I., nach ihrer Flucht aus Frankreich dieses bezaubernde Fleckchen Erde kennen lernte und beschloss, hier ihren kleinen Exil-Hofstaat zu errichten. Durch den Umbau der alten Schlossanlage entstand eine „Insel“ französischer Kultur am Bodensee. Nach dem Vorbild der berühmten Pariser Salons ihrer Mutter, der Kaiserin Josephine, gelang es ihr, auf dem Arenenberg ein internationales gesellschaftliches Leben im sonst so provinziellen Bodenseegebiet zu etablieren. Bedeutende Wissenschaftler, Politiker, Künstler wie List und Schriftsteller wie Chateaubriand, Duma und Delavigne waren hier zu Gast.

 Rund um das Schloss ließ die botanisch interessierte Königin einen für damalige Verhältnisse spektakulären Park nach den wichtigsten Elementen zeitgenössischer Gartenbaukunst anlegen. Nach seinem Vorbild entstanden entlang des Bodensees bis nach Schaffhausen zahlreiche herrschaftliche Parkanlagen, die als „Cote Napoleon“, die napoleonische Küste bezeichnet wurden. In diesem Umfeld erlebte der junge Prinz Louis Napoleon und künftige Kaiser Napoleon III. einen Teil seiner Kindheit und Jugend. Später kehrte der letzte Monarch Frankreichs mit seiner Frau Eugenie hierher zurück, bevor er 1873 im Exil in England starb. Bis 1906 war der Arenenberg im Besitz der Bonapartes, dann schenkte Kaiserin Eugenie Schloss und Park dem Kanton Thurgau.

Als Napoleonmuseum lockt das schönste Schloss am Bodensee nun Besucher aus aller Welt an. Seinen französischen Charme hat das Ensemble bis heute bewahrt. Mehr als dreißig Räume können besichtigt werden. Und so flanieren die Gäste in Filzpantoffeln durch den Wintergarten und die Salons, das Boudoir und Schlafzimmer der Königin Hortense, bewundern die wertvollen Bücher in der Bibliothek und die mit edlem Porzellan gedeckte Tafel im Speisesaal, können am Schreibtisch des Kaisers Platz nehmen und vom prächtigen Salon der Kaiserin Eugenie die Aussicht auf den See genießen. Erst vor einigen Jahren entdeckt und frisch restauriert präsentiert sich das Kaiserbad im Prinzenflügel. Krönender Abschluss des Museumsbesuchs ist ein Spaziergang durch den Park mit seinen Fontänen, Grotten, dem Nymphäum und Wasserfällen. Immer wieder bezaubert der traumhafte Blick auf den See und die Insel Reichenau. Obwohl nur 12 Hektar groß, gehört der Park durch seine einzigartige Lage und Schönheit zu den bedeutenden europäischen Landschaftparks.

 

Info:

www.thurgau-tourismus.ch,

www.schloss-arenenberg.ch,

www.napoleonmuseum.tg.ch,

www.tourismus-untersee.eu,

www.myswitzerland.com,

kostenlose Informationen/Beratung und Prospektbestellung unter Tel.: 00800 100 200 30

Zwei Perlen am Strom

Sie gehören zu den schönsten und besterhaltenen mittelalterlichen Städten im Land der Eidgenossen: das bezaubernde Schaffhausen und das märchenhafte Stein am Rhein

Text und Fotos: Christel Seiffert

 

 

 

 

Da müssen wir rauf, sagt Patricia Seif und zeigt nach oben, wo die Turmspitze des Munot in den zartblauen Himmel ragt. Hoch über der Stadt gelegen, ist die Festung ist das Wahrzeichen Schaffhausens und ein beliebter Treffpunkt von Einheimischen und Touristen. Eine Autostraße und ein Treppengang führen nach oben. Wir gehen zu Fuß  treppauf und genießen immer wieder den Blick auf die Dächer der verwinkelten Altstadt . Ein Burggraben, auf dessen Rasen ein Rudel Hirsche weidet, umgibt den kreisrunden wuchtigen Bau. 25 Jahre habe es gedauert, bis die in Fronarbeit der Schaffhausener Bürger errichtete Festung 1589 fertig war, weiß unsere Stadtführerin zu berichten. Vom Innern der mächtigen Halle aus vier bis sechs Meter dicken Sandsteinquadern führt ein Wendelgang nach oben – keine Treppe, sondern ein breiter Weg, denn einst sollten Menschen und Güter durch Pferde auf die Zinne befördert werden.

  400 Jahre Tradition

Von jeher war der Turm bewohnt, und wenn der Munot-Wärter jeden Abend um neuen Uhr das „Glöggli“ schlug, war es das Zeichen, das die Stadttore geschlossen wurden. Mehr als vierhundert Jahre hat sich diese Tradition erhalten. Heute ist es Christian Beck, der genau um 21 Uhr fünf Minuten lang von Hand die Glocke schlägt. Mit seiner amerikanischen Frau und dem Pudel bewohne er die fünfeinhalb Zimmerwohnung im Turm, sagt Patricia. Von der Zinne bietet sich ein herrlicher Blick auf die Stadt, den Rhein und das Umland. Hier oben werde auch gern gefeiert – es gibt open-Air-Kino, Konzerte und Kinderfeste unter freiem Himmel. Ein besonderes Ereignis sei immer der Munotball in historischen Kostümen, schwärmt sie. Schon seit dem 19. Jahrhundert gibt es einen Munotverein, der sich um die Pflege und Erhaltung dieses Wahrzeichens kümmert. An seinen Gründer erinnert eine Gedenktafel auf der Zinne. Durch Weinberge führt eine schmale Treppe zur Unterstadt und zur Schifflände, an der Ausflugsdampfer für eine Rheinfahrt ankern. Dort ist der Güterhof ein neuer Treffpunkt der Schaffhausener. In einer ehemaligen Lagerhalle wurde vor fünf Jahren ein attraktives Restaurant mit offener Küche eröffnet. Von der großen Terrasse kann man wunderbar den Sonnenuntergang beobachten, weiß Frau Seif. Seit 2004 begleitet sie Gäste in deutsch, englisch, französisch und spanisch zu den Sehenswürdigkeiten Schaffhausens. Nach Jahren mit Mann und Kind im hektischen London genießt sie jetzt das Leben in der kleinen Stadt. Ganz bewusst hat sich die Familie das bezaubernde Schaffhausen als neue Heimat gewählt – hier sei es beschaulich, ländlich und der Weg zur Großstadt nicht weit. Patricias Mann arbeitet in Zürich und fährt täglich dorthin.

  Stadt der 171 Erker

Lebendiger Mittelpunkt Schaffhausens ist der blumen- und brunnengeschmückte Fronwagplatz. Im Mittelalter standen hier die Marktstände der Bauern, Bäcker und Metzger, im Fronwagturm mit der astronomischen Uhr befand sich die große Messwaage, mit der Güter gewogen wurden, die vom Schiff ausgeladen und unterhalb des Rheinfalls wieder aufgeladen werden mussten. Hier beginnt die autofreie Vordergasse, die nicht nur längste sondern auch schönste Straße der Altstadt. Mit ihren pastellfarbenen Häusern aus Spätgotik, Renaissance, Barock und Rokoko bezaubert sie jeden. Und es fällt schwer, den Blick von den prächtigen stuckverzierten Erkern zu lösen, die Ausdruck des Reichtums ihrer Hausbesitzer waren. Allein in der Vordergasse können 121 der insgesamt 171 Erker bewundert werden. Und die Plätze in den Erkern der Restaurants sind stets heiß begehrt, weiß die Stadtführerin.  „Die Lust zu sehen ohne gesehen zu werden treibt in dieser Stadt seltsame Blüten“, soll schon Goethe bei seiner Reise durch die Schweiz festgestellt haben. Jeden Sonnabendvormittag lockt der große Bauernmarkt Besucher aus der ganzen Umgebung in die Vordergasse. Dann flaniert man auch am prächtigsten Bürgerhaus, dem Haus der Ritter, vorbei. Seine  Fassadenbemalung gehört zu den bedeutendsten Renaissancefresken nördlich der Alpen. Mitte der 1930ger Jahre wurden die Originalfresken abgelöst, konserviert und sind nun im Museum zu Allerheiligen ausgestellt. Doch auch mit der meisterhaft neu erstellten Bemalung ist das Haus eine Augenweide und beliebtes Fotomotiv. Etwas Zeit sollte man sich auch nehmen für den Münsterplatz mit dem berühmten Kreuzgang und Münster zu Allerheiligen, dessen Turm als einer der schönsten Kirchtürme der Schweiz gepriesen wird.

  Grandioses Schauspiel

Doch was wäre ein Besuch in Schaffhausen ohne die erfrischendste Touristenattraktion – den Rheinfall bei Neuhausen. Schon von Weitem hört man sein Donnern und Rauschen. Und es ist ein atemberaubendes Schauspiel zu sehen, wie sich gewaltige Wassermassen über die Felsen stürzen. Einem Vergleich mit den Victoriafällen würde er nicht Stand halten, aber immerhin - er ist der größte Wasserfall Europas: 150 Meter breit, 23 Meter hoch und rund 600.000 Liter Wasser fließen in jeder Sekunde hinunter. Nur der einsame Felsen in der Mitte, auf dem stolz die rote Fahne mit dem weißen Kreuz flattert, kann der tosenden Wasserkraft dauerhaft widerstehen. Dorthin fahren im Minutentakt die kleinen, meist überdachten Boote, nah an den zischenden und sprühenden Hexenkessel heran. Mutige steigen dann über Leitern ganz nach oben und erleben eine erfrischende „Dusche“. Für den Rückweg nach Schaffhausen empfiehlt Patricia Seif den Rhyfall-Express, einen kleinen roten Zug, der gemächlich bis zum Herrenacker in der Altstadt tuckert.

  Wie aus einem Märchenbuch

Es heißt, die Rheinfahrt von Schaffhausen nach Konstanz sei eine der schönsten Schifffahrten Europas. An Bord eines der eleganten Ausflugsschiffe zieht die grüne Flusslandschaft beschaulich langsam vorbei. Nach zwei Stunden ist Stein am Rhein erreicht. Ein Städtchen, als sei es einem Märchenbuch entstiegen. Kopfgepflasterte Straßen, um den Rathausplatz stehen dichtgedrängt reich bemalte Bürgerhäuser, benannt nach den Bildern, die sie schmücken. Da gibt es die Sonne, das Schwarze Horn, den Weißen Adler, Rothen Ochsen und Steinerner Trauben. Und Lore Vetterli weiß zu jedem eine Geschichte zu erzählen. So sei der Rothe Ochsen die älteste Taverne, der Weiße Adler dürfe sich rühmen, die frühesten erhaltenen Fassadenmalereien der Renaissance zu haben und der Lindwurm, das einzige Haus mit Empirfassade und einem Museum für bürgerliche Wohnkultur im 19. Jahrhundert, sei als „Europäisches Museum 1995“ ausgezeichnet worden. Ein eigenes kleines Stadtviertel bildet das Klostermuseum St. Georgen, bekannt als eine der besterhaltenen Klosteranlagen der Schweiz. Hoch über dem Städtchen thront die Burg Hohenklingen. Im 13. Jahrhundert von den Freiherrn von Klingen als Wehrburg erbaut, spielte sie im Dreißigjährigen Krieg eine wichtige Rolle als Wachposten. Trotz mehrfacher Restaurierung hat sie sich ihr mittelalterliches Aussehen bewahrt. Vom hölzernen Wehrgang bietet sich ein wunderschöner Blick auf das von seiner Stadtmauer umschlossene Städtchen am Rheinufer.   

 

Info: www.schaffhauserland.ch, info@schaffhausen.ch, tourist-service@steinamrhein.ch, www.MySwitzerland.com,

kostenlose Information/Beratung unter Tel.: 00800 100 200 30

 

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Tessin – Mediterraner Zauber


 

 

 

Lago Maggiore – schon der Klang weckt Sehnsucht…. nach Sonne und Wärme, Palmen und Blütenpracht. Kein Wunder, dass Hermann Hesse sich im Tessin wohl fühlte und 43 Jahre hier lebte. „Sie ist so wunderbar schön, und vom Alpinen bis ganz zum Südlichen ist alles da“, schwärmte der Nobelpreisträger für Literatur über seine Wahlheimat im Südzipfel der Schweiz.

Text und Fotos: Christel Seiffert

 

Ein Hauch von Italien weht durch Locarno, die charmante Stadt am Ufer des Lago Maggiore. Hier wird italienisch gesungen und mediterran gespeist, man flaniert auf der palmenbestandenen Uferpromenade mit Blick auf schneebedeckte Gipfel, sitzt in einem der zahlreichen Straßencafés, trinkt einen Espresso und genießt die Leichtigkeit des Lebens. Locarno ist nicht nur die Stadt mit dem mildesten Klima der Schweiz, es darf sich auch rühmen, einen der größten und schönsten Stadtplätze zu haben. Die Piazza Grande, umgeben von pastellfarbenen Häusern in typisch lombardischem Stil, hinter deren Arkaden sich Cafés und Restaurants aneinander reihen, ist lebendiger Mittelpunkt Locarnos. Besonders im Sommer wird die Piazza Grande zur großen Open-Air-Bühne. Seit 1946 treffen sich im August für zehn Tage Regisseure, Filmschaffende und Kinofans zum Internationalen Filmfestival. „Es sei ein einzigartiges Ambiente, wenn tausende abends unterm Sternenhimmel auf der großen Freiluftbühne die neuesten Streifen ansehen“, schwärmt Stadtführerin Maria Pia Aerne.. Im Juli reisen seit einigen Jahren Rock- und Popfans aus vielen Ländern an, wenn bei „Moon and Stars“ die Piazza Grande zum schönsten Konzertsaal unter freiem Himmel wird. Weltstars wie Santano, Bryan Adams und Lenny Kravitz sind gern hier zu Gast. In diesem Jahr werden auch Herbert Grönemeyer und Unheilig dabei sein, weiß Maria Pia.

Beim Schlendern durch die engen Gassen der verwinkelten Altstadt bezaubert manches der alten Häuser mit ihren blumenreichen Innenhöfen. Zeugen einer großen Vergangenheit sind die Wallfahrtskirche Madonna del Sasso und das Castello Visconteo aus dem 13. Jahrhundert mit seinem schönen Innenhof und reich mit Intarsien verzierten Decken. Einst Residenz der Mailänder Familie Visconti und Sitz der Landvögte, beherbergt es heute ein Museum, das auch an den 1925 beschlossenen Locarno-Pakt erinnert. Ein gern besuchtes Schmuckstück im Grünen ist  der Kamelienpark, in dem 900 verschiedene Arten dieser Blume bewundert werden können.

 

Wo James Bond ins Leere sprang

Reizvoll ist auch die Umgebung Locarnos, denn das idyllische Val Verzasca ist fast zum Greifen nah. Vom Stadtzentrum fährt der Postbus – auch ein Stück Schweizer Kulturgut – hinauf in das 25 Kilometer lange Tal. Schon die Fahrt auf kurvenreicher Strecke durch die grünbewaldete Bergwelt ist ein Erlebnis: vorbei am Staudamm , dessen 220 Meter hohe Mauer zu den höchsten Europas gehört und von der James Bond im Film „Goldeneye“ ins Leere sprang. Vorbei an winzigen Bergdörfern mit Häusern aus grauen Bruchsteinen und entlang des Flusses, der in wilden Kaskaden bergab strömt. Ein Highlight ist Lavertezzo mit seiner schönen Kirche im Barockstil und dem Ponte die Salti. Die mittelalterliche Brücke mit ihren Doppelbögen gehört zu den meistfotografierten Sehenswürdigkeiten Tessins. Besonders an dieser Stelle macht der Fluss seinem Namen “acqua verde“ – grünes Wasser“ alle Ehre, denn hier strahlt er zwischen glattgeschliffenen Felsbrock in tiefstem smaragdgrün. In steilen Serpentinen schlängelt sich die Straße weiter bergauf durch das Tal, das bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts von der Außenwelt nahezu abgeschnitten war. Das pittoreske Sonogno – überragt von der schneebedeckten Spitze des 3.038 Meter hohen Pizzo Penca -  ist das letzte der Verzascadörfer. Manche Häuser sind verlassen, denn die Menschen sind einst ausgewandert, weil ihr Tal sie nicht mehr ernähren konnte. Heute ist Sonogno bekannt als Dorf der Wollfärberinnen, die ihre mit Naturfarben gefärbten Handarbeiten in den kleinen Souvenirläden anbieten. Auch als Ausgangspunkt für Wanderungen hinunter ins Tal ist es beliebt. Und manchmal gibt es dabei überraschende Begegnungen, wenn eine Herde schwarzer Ziegen sich mitten unter die Wanderer mischt und sie ein Stück des Weges begleitet. 

 

In der Sonnenstube  

An einer sanft geschwungenen Bucht am Nordufer des Lago Maggiore liegt Ascona, das auch als „Perle“ und „Sonnenstube“ des Tessin bezeichnet wird. Es ist die Heimatstadt von Maria Pia und für sie das Schönste aller Städtchen. Ihre Begeisterung kann man verstehen. Malerisch erstreckt sich die berühmte Piazza Giuseppe Motta mit ihren zahlreichen Cafés, Restaurants und den markanten Platanen am Seeufer. Hier möchte man verweilen, den Blick auf die magische Schönheit des Sees genießen, die Seele baumeln lassen. Eindrucksvoll erhebt sich am Anfang des Platzes das Schloss der Griglioni aus dem 13. Jahrhundert, heute als Castello Seeschloss ein exklusives Hotel mit Terrasse und Seeblick. Im historischen Kern des Städtchens mit zahlreichen Zeugen aus Mittelalter und Renaissance bezaubert ein Netz von schmalen Gässchen mit Kunstgalerien und kleinen, originellen Geschäften. Der die Altstadt überragende Campanile der Kirche Santi Pietro e Paolo mit ihren Fresken aus dem 15. Jahrhundert ist das Wahrzeichen des einstigen Fischerdörfchens.

 

Sagenhafter Monte Verita

Von der Seepromenade steigt man auf den grünen Hügel oberhalb Asconas, der als Monte Verita zur Legende wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Pianistin Ida Hofmann und der belgische Industrielle Henry Oedenkoven den Berg für 150 000 Franken gekauft. Dort wollten sie eine neue Lebensphilosophie etablieren, befreit von allen Fesseln, mit gesunder Ernährung und im Einklang mit der Natur leben. Die Kolonie wurde Sanatorium Monte Verita genannt und stand allen offen, die Erholung und nach dem Sinn des Lebens suchen. Scharen von Künstlern, Visionären, Schriftstellern und Persönlichkeiten des Kulturlebens folgten dem Ruf auf den „Berg der Wahrheit“. Auch Hermann Hesse gehörte 1907 zu den Gästen, die hier neue Kraft tanken wollten. Wahrscheinlich begann schon damals seine Faszination für die Tessiner Seen- und Berglandschaft, die er später in zahlreichen Erzählungen, Gedichten und Aquarellen so eindrucksvoll beschrieben hat. Und die ihn schließlich 1919 für immer nach Montagnola führte. 1920 löste sich die Gruppe auf, die Gründer des Monte Verita wanderten nach Brasilien aus. Einige Jahre später übernahm Baron von der Heydt, Bankier Kaiser Wilhelm II. und bedeutender Kunstsammler, den Monte Verita und ließ 1928 ein Hotel im Bauhaus-Stil errichten, das noch heute auch als Kongress- und Kulturzentrum genutzt wird. Nur noch wenige Spuren der „Balabiott“, der Nakttänzer, wie die Einheimischen die „Naturmenschen“ nannten, sind erhalten. Zwei der Licht-Luft-Hütten wurden restauriert und die Casa Selma in ein kleines Museum verwandelt. Neu hinzu gekommen sind vor einigen Jahren der Energie-Weg mit Mandala und ein Teehaus mit kleiner Teeplantage, die von einem japanischen Zen-Garten umgeben ist. „Das Museum mit der Dokumentation zur Geschichte des Monte Verita wird gerade restauriert und ist erst ab 2013 wieder zugänglich“, bedauert die Stadtführerin. Dennoch lohnt sich der treppenreiche Aufstieg oder die Fahrt mit dem Auto auf den Berg, denn der Blick auf Ascona und den Lago Maggiore bis zu den Brissago Inseln ist überwältigend.

 

Ein kleines Paradies

Ein Ausflug zu den schwimmenden Gärten des Tessin gehört zum Programm jedes Urlaubers. Wie zwei im See verankerte Schiffe ruhen die beiden grünen Eilande im Lago Maggiore. Während die kleinere Insel nicht betreten werden darf, weil seltene Pflanzen hier ungestört gedeihen sollen, ist die größere der Botanische Garten des Kantons. Ein kleines Paradies mit 1700  Pflanzenarten aus allen Kontinenten der Erde. Maria Pia ist oft hier und kennt die Geschichte des Gartens.  Als Baronin Antoinette Saint-Leger 1885 mit ihrem Ehemann die Insel gekauft hatte, sei er ganz von einheimischen Pflanzen überwuchert gewesen. Die leidenschaftliche Naturfreundin begann sofort, Wege anzulegen, blühende Pflanzen, Sträucher und Bäume zu pflanzen. Das besonders milde Klima am Lago Maggiore ermöglichte, dass auch empfindliche subtropische Pflanzen das ganze Jahr im Freien wachsen können. Und so entstand im Lauf der Jahrzehnte ein einzigartiges botanisches Kunstwerk. 1927 erwarb der Hamburger Kaufmann Max Emden die Isola Grande und ließ sich ein Palais mit weißem Carrara-Marmor erbauen. Dabei mussten die Architekten das Gebäude der Pracht des Gartens anpassen, der unverändert blieb. Bis 1940 residierte Emden auf der Insel, die zehn Jahre später als Botanischer Garten Tessins für die Öffentlichkeit zugänglich wurde. Seitdem können Besucher hier eine spannende botanische Weltreise machen – indische Lotosblumen, japanische Kamelien oder Federballprotee aus Südafrika bewundern, sich an Sumpfzypressen aus Florida, Akazien aus Australien und Bambus aus Japan erfreuen. Und von der Terrasse des Restaurants den Blick in den Garten und die zauberhafte Atmosphäre am See genießen.

Info: Schweiz Tourismus, Ticino Turismo,

E-Mail: info@ticino.ch, Internet: www.ticino.ch, Kostenlose Informationen unter Telefon: 00800 100 200 30, Fax: 00800 100 200 31

 

 

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Die stille Ecke der Schweiz

San Gottardo und das Alto Ticino sind die unterschätzten Regionen der südlichen Alpen. Hier gibt es liebliche Bergseen, satte Wiesen, wenig Wellness, kulturelle Kleinode und köstlichen Alpenkäse – in Schaukäsereien können Besucher ihn sogar selbst herstellen.

Text und Fotos: Katharina Büttel

 

          Am Ausgang des Gotthard-Tunnels ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Lago Maggiore, wo Limonen- und Orangenbäume ihre Äste der Sonne entgegen recken. In engen Kurven zieht die Autostraße alle mit sich: Ascona, Lugano, Hermann Hesses Wahlort Montagnola sind die Magneten. Wer kommt da schon auf die Idee zu einem „Seitensprung"?

          Der nördliche Tessin ist zwar eine Liebe auf den zweiten Blick, die Schönheiten muss man sich erarbeiten. In der Region San Gottardo im Leventinatal, der blühenden Oase um das eidgenössische Airolo, lohnt es sich aber auf jeden Fall einen längeren Stop einzulegen. Die Landschaft ist ein Kreuzungspunkt der Geschichte und der Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte das Gotthardmassiv überquert haben. Römer jagten ihre Saumtiere herauf, Kelten, Langobarden und Karolinger überquerten unter Mühen den „Via delle Genti", den Weg der Leute. Richard Wagner und Honoré de Balzac hatten es schon besser: Per Postkutsche konnten sie auf der 1830 gebauten Tremola, der berühmten Panoramastraße mit den unzähligen Kehren, die 2100 Meter hoch gelegene Passhöhe locker erklimmen.

           Das einfache, beschauliche Tessin findet man weiter südlich im bereits italienisch geprägten Alto Ticino. Rechts und links der Täler Blenio und Riviera oder an steilen Berghängen kuscheln sich sehenswerte Dörfer und das geschichtsträchtige Bellinzona, Hauptstadt des Kantons Tessin. Individualtouristen, die im Süden der Schweiz nicht Jet-Set und Glamour suchen, sondern Natur, Einkehr und Kultur, sind hier genau richtig.

           Der Blick nach oben ist atemberaubend. In Piotta, an der Talabfahrt der steilsten Zahnradbahn Europas, der Funicolare del Ritom, muss man sich entscheiden: entweder 4261 Treppenstufen hochkraxeln oder mit der knallroten Bahn ins landschaftlich reizvolle Val Piora auf rund 2000 Meter Höhe fahren. Schnell verschwindet die Gruppe in der Bahn mit den großen Panoramafenstern, die an Steilhängen vorbeirauscht, die von unzähligen Lerchen begrünt sind. Im Hochtal angekommen, liegt der Lago di Cadagno vor einem. Das Wasser schwarz wie Pech, in einer von Gletschern geformten Landschaft mit knapp fünfzig Seen, Teichen, Mooren und Alpweilern. „Es sind eigentlich zwei komplett getrennte Seen in einem", erklärt Raffaele Peduzzi, Professor für Mikrobiologie an der Universität Zürich, den erstaunten Besuchern. „Der See sieht zwar idyllisch aus, doch er birgt ein Geheimnis. Wenige Meter unter dem Meeresspiegel beginnt für Fische die Todeszone". Das seltene Naturphänomen zieht Forscher aus aller Welt in seinen Bann. „Das Besondere am See ist, dass er aus drei speziellen Schichten besteht, die sich nie durchmischen", erklärt Peduzzi. Die oberste Wasserschicht ist klar und sauerstoffreich, wo Fische prächtig gedeihen; in der sauerstofffreien, giftigen Tiefe aber können nur spezielle Bakterien überleben. Die über einen Meter dicke rosa Schicht in der Mitte ist die interessanteste. Sie profitiert vom oberen Licht und vom unteren Schwefelwasserstoff, filtert zudem die Giftstoffe aus dem unteren Wasser, so ist Leben im rosa Bereich möglich. „Ziemlich kompliziert, aber außergewöhnlich spannend, auch für unsere Schüler und Studenten, die den Sommer über hier mit uns forschen", freut sich der Professor und begleitet uns über saftige Weiden in die angeschlossene Käserei.

           Paolo Alberti ist der Käsemeister des Betriebes im Val Piora. Schon zu ebener Erde passiert hier allerlei mit Milch - allerbester Milch wohlgemerkt - Käse und Butter; die Attraktion jedoch liegt ein Stockwerk tiefer: Käse, Käse und noch viel mehr Käse. Mehrere Tausende von Laiben, die bei zwölf bis vierzehn Grad ihrer Vollendung entgegenreifen. Regal um Regal, Stollen um Stollen - über eine halbe Million Franken an Kapital lagert hier. „Die 90 Prozent Feuchtigkeit im Keller lassen die wuchtigen Werke aus Rohmilch fein, mürbe und würzig werden. Ehe aus der Kuhmilch Käse wird, vergehen jedoch vier bis sechs Monate", sagt Paolo und streicht zart über die noch junge Rinde. Jeden zweiten Tag pflegt der 42-Jährige, der eher aussieht wie ein Rocksänger als ein Käser, die Laibe fast zärtlich mit einer Bürste, wendet sie und reibt sie mit Salzwasser ab.

         Seit 14 Jahren geht es für ihn in diesem Rhythmus; Tag für Tag von April bis Anfang September wird zweimal am Tag gemolken und die Milch zweimal pro Tag zu Käse verarbeitet. Auf die Frage nach dem ungewöhnlichen Arbeitslatz, antwortet er lachend: „Die Leidenschaft für's Käsen habe ich von zu Hause mitbekommen. Hier oben in den Bergen zu arbeiten, Murmeltiere zu beobachten, zu wandern und zu fischen, ein gutes Glas Wein zu trinken und dazu etwas Alpkäse – das ist für mich das Paradies". Wenn dann der „Alpabzug" die Kühe zurück ins Tal führt, packt er seine Lederschürze in den Rucksack und arbeitet wie jedes Jahr in den Wintermonaten in seiner Heimatstadt Bergamo als Steinmetz – bis im Frühjahr wieder die Kuhglocken läuten...

         Zu Mittag lassen wir uns auf der Sonnenterrasse der Berghütte Cadagno mit einem Piato Ticinese verwöhnen – einer Art Schlachtplatte mit hausgemachter Salami, Schinken und natürlich duftenden Alpkäsen wie Lucomagno, Cava, Piora, Azienda – dazu ein kühles Gazosa, das typische Tessiner Getränk überhaupt – köstlich.

         Schmale Gassen winden sich an alten Granithäusern entlang; die mittelalterliche Steinbrücke in einer prächtigen Szenerie aus frischen Grüntönen fällt jedoch als erstes ins Auge. Giornico, an dem schnellsten Nord-Südweg Richtung Italien gelegen, ist ein Höhepunkt auf einer Reise durchs Alto Tecino. Das muss man sich mal vorstellen: in der Talenge des noch heute ursprünglichen Dörfchens haben 600 Eidgenossen anno 1478 das mächtige Herr von 10.000 Mailändern entscheidend in die Flucht geschlagen! Daraufhin verzichtete Mailand auf die Leventina. - Romanische Schätze gibt's freilich viele im Kanton Tessin, eins der wichtigsten Beispiele sieht man hier: San Nicolao mit farbenfrohen Fresken und besonders schönen Steinsäulen mit Tierfiguren. Zum Abendessen sitzen die Genießer in der Grotto due Ponti unter Weinranken bei einem Merlot und probieren Quarkravioli mit Butter und Salbei.

          Südlicher, heiterer, lebensfroher geht es in Bellinzona zu, wo sich eidgenössische Präzision mit italienischer Leichtigkeit auf charmante Weise vereint. In den Osterien duftet es nach Risotto, Pizza und Pasta, den Cappuccino bestellt der Gast auf italienisch.

          Südländisch sind auch Architektur und Farben der prächtigen Palazzi und das milde Klima. An die Schweiz erinnern die blitzsauberen Straßen, teure Mode- und Juweliergeschäfte, die gediegenen Wohlstand ausstrahlen. Historisch Interessierte zieht es sogleich auf die „Drei Ungleichen": die Burgen Castelgrande, Castello di Montebello und das wie ein Adlerhorst über der Stadt thronende Castello di Sasso Carbaro mit seinen mächtigen Festungsmauern. Erbaut wurden sie im Mittelalter als Bollwerk zwischen Nord und Süd und um die Eidgenossen daran zu hindern, sich weiter nach Süden auszudehnen. Seit dem Jahre 2000 tragen sie aufgrund der hochgelobten mittelalterlichen Befestigungsarchitektur alle stolz den UNESCO-Weltkulturerbestatus.

          Kultur hat glücklicherweise auch oder gerade etwas mit Essen und Trinken zu tun. Jetzt die tessinische Speisekarte runterzubeten, wäre der falsche Ansatz. Die sollte man selbst auskundschaften, am besten in den typischen Grottos, den Landgasthäusern. Ein guter Treffpunkt ist auch das Caseificio del Gottardo, die Schaukäserei in Airolo. Hier kann jeder nach Herzenslust alle möglichen Käsesorten ausprobieren und kaufen, den Käsern bei der Arbeit zusehen. Wer Lust hat, erzeugt mit einem Profi zusammen gleich vor Ort sein eigenes Souvenir aus dem Alto Ticino. Die Paradekäsen Gottardo, Lucendro oder Tremolo stehen zur Auswahl, hergestellt aus bester Alpenmilch von Kühen, die sich an leckerem Schweizer Gras von saftigen Alpwiesen erfreuen. Nach ordentlicher Lagerung und langer Reifezeit geht der Laib Käs' gut verpackt per Post direkt nach Hause zum Gast.   Guten Appetit...

 

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Service „San Gottardo"

Anreise: Flug bis Zürich von allen Flughäfen, Weiterfahrt mit dem Zug bis Airolo, Autofahrt mit dem Hotel-Abholservice bis Piotta.

Reisezeit: ganzjährig mildes Klima; im Herbst besonders empfehlenswert für Wanderungen oder Mountainbike-Touren.

Unterkunft: Am Fuße der Standseilbahn Motel „Gottardo Sud", Cioss Mezz 4, 6776 Piotta; www.gottardo-sud.ch

Ausflüge/Tipps: Auf dem Gotthard-Pass Besuch des Kulturdenkmals „Dazio Grande" am Eingang der Piottino-Schlucht, das einst Zollhaus, Poststelle und Pferdewechselstelle war. Das darin untergebrachte Gotthard-Museum zeigt Exponate von der römischen Zeit bis heute, z.B. Bleikristalle und die Eisenrose als wichtigstes Mineral auf dem Gotthard; www.locandadaziogrande.ch

Auf demselben Plateau steht das alte Hospiz, die einstige Unterkunft und Haltestelle der Säumer, wo Persönlichkeiten wie Wolfgang Goethe, Victor Hugo u.a. nächtigten. Heute stehen 14 gemütlich eingerichtete, moderne Zimmer für Gäste bereit, 180 Franken/DZ/F.; www.passosangottardo.ch

Eine alte Festungsanlage, im Jahr 1943 in die Felsen gebaut, wurde spektakulär zu einer Themenwelt mit Illuminationen, Schautafeln, Klängen usw. für Kinder und Erwachsene umgebaut und dieses Jahr eröffnet. Schwerpunkte sind „Mobilität, Wetter und Klima, Wasser, Energie und Sicherheit". Damit will man Besucher sensibilisieren und Emotionen wecken für die „Ressourcen des Lebens"; www.passosangottardo.ch

„Eine kleine Schweiz im Herzen der Alpen" ist der Nationalpark Adula, der größte der Schweiz; www.parcadula.ch. Er ist eher ein Bergpark mit 3000 m Höhenunterschied, wo auch die Rheinquelle sprudelt. Der nahe Stausee Luzzano hat die höchste Staumauer der Schweiz mit 225 m; sie ist gleichzeitig die höchste, künstliche Kletterwand der Welt.

Auf dem Gotthard entspringen 4 Flüsse: Rhein, Rhone, Ticino und die Reuss. Auf einer mehrtägigen Wanderung kann man sie entdecken. Bequem und CO2-frei geht es durch den Alpenraum mit einem „alpmobil" (70 Franken/Tag Miete), www.alpmobil.ch oder mit dem E-Bike.

Jedes Jahr im Mai findet in den drei Tälern des Alto Ticino das „Kulinarische Festival" statt. Es soll die lokale Gastronomie fördern und den Gästen die gastronomische Vielfalt näher bringen; www.maggiogastronomico.ch/la

Alpines Biologie-Zentrum Cadagno; www.capanna-cadagno.ch

Käserei Caseificio del Gottardo; www.cdga.ch

Näheres: Leventina Turismo, Airolo, info@leventinaturismo.ch; www.leventinaturismo.ch;

Schweiz Tourismus, PF 160754, 60070 Frankfurt; Tel.: 00800 100 200 30 (gebührenfrei), e-mail: info@myswitzerland.com; www.MySwitzerland.com

Reiseführer: „Tessin", Michael Müller Verlag, Erlangen, 15,90 Euro;

„Schweiz", Polyglott on tour mit Flipmap, 9,95 Euro.

   

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Sgraffitti in Pontresina

Der Fremdenverkehr und die liebevoll bemalten Engadinerhäuser machten das kleine Bergdorf Pontresina weltbekannt

Text und Fotos: Christel Sperlich

 

 

 

 

        Für Glamour ist St. Moritz immer zu haben. Wer etwas auf sich hält, fährt nach „Moritz", heißt es bei den oberen Zehntausend. Wer es in Engadin aber etwas bodenständiger mag, findet nur wenige Kilometer abseits des mondänen Lebens in Pontresina die gleiche majestätische Berglandschaft, glitzerndes Wasser, grüne Täler, Arven- und Lärchenwälder mit ihrem einzigartigen Licht. Das Hochtal Engadin im schweizerischen Kanton Graubünden ist eines der höchstgelegenen bewohnten Täler Europas und mehr als 80 Kilometer lang.

Wer neben der Ruhe auch Romantik sucht, ist in Pontresina richtig. Idyllische Winkel und Gässchen und eine beachtliche Anzahl der im Engadiner Stil geprägten Häuser schmücken den Ort. Um sich mit dem alten Pontresina vertraut zu machen, lohnt sich ein vom Kur- und Verkehrsverein im Sommer durchgeführter Dorfrundgang.

Mit „Allegra! Bainvgnieus cò a Puntraschigna" begrüßt Annemarie Brülisauer ihre Gäste. Das ist rätoromanisch und bedeutet etwa „Grüezi, willkommen hier in Pontresina". Vor 150 Jahren sprach man in diesem Teil Graubündens ausschließlich romanisch, seitdem ist die einheimische Sprache einem ständigen Rückgang unterworfen.

 

         Annemarie Brülisauer weist auf die vielen ins Auge fallenden Engadinerhäuser mit ihren wunderschönen Sgraffitimalereien an den Hausfassaden oder um Fenster, Türen und Tore. Bei der Sgrafitti-Technik wird der grobe Vorputz mit einer dunkleren Putzschicht abgedeckt, auf die dann eine dickliche Kalkmilch aufgetragen wird. In die noch feuchte Oberfläche wird die Zeichnung eingeritzt, und so die darunter liegende Putzschicht offen gelegt. Das sind dann die zweifarbigen Sgrafitti.

Die Häuser mit reich verzierten Erker und schmiedeeisernen Türschlössern und Türklopfern stammen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert. Die Pferdeköpfe an den Hausgiebeln sollten die bösen Geister vertreiben. In einem der alten Engadiner Häuser, in der Chesa Delnon, lüften stumme Zeugen die Geheimnisse ehemaliger bäuerlicher Alltagskultur und des Alpinismus. Das Museum Alpin, ein altes Bauernhaus, mitten im Dorf. Die ursprüngliche für jedes Engadinerhaus typissche Rundbogen-Haustür, die der Einfahrt mit dem Heuwagen diente, hat einer rechteckigen Platz machen müssen.

Vor vielen Häusern stehen Brunnen, die dem Spaziergänger Wasser spenden. Sie waren das Zentrum einer Hausgemeinschaft, waren Waschplatz, Tränke, Begegnungspunkt und Nachrichtenbörse. Den neuesten Klatsch erfuhr man allerdings auch auf der Ruhebank vor dem Haus. Im Volksmund war es die „Lügenbank".

 

        Der Burgturm Spaniola oberhalb des Dorfes stammt aus dem 12. Jahrhundert und gehörte vermutlich den Herren von Pontresina. In unmittelbarer Nähe des Turmes gelegen, lugt die ehrwürdige Kirche Santa Maria aus dem 12. und 13. Jahrhundert hervor, die mit den romanischen und spätgotischen Fresken zu den kostbarsten sakralen Bauten Graubündens gehört. Auf dem sechsterassigen Friedhof ruhen nicht nur Einheimische, sondern viele in den Bergen verunglückte Bergsteiger aus den Anfängen des hochalpinen Tourismus.

2000 Einwohner hat Pontresiner, im Winter sind es über 10 000. Es ist überhaupt der Fremdenverkehr und die Lage am Bernina-Pass , dem Pontresina seine Bedeutung verdankt. Eine elegante Adresse damals wie heute, ist das Grandhotel Kronenhof in Pontresina, dessen Geschichte bis ins Jahr 1848 zurückreicht. Mit dem ehemals als Gasthaus Rössli erbauten Haus begann der Tourismus zu blühen. Die großzügigen Salons mit den originalen Deckenmalereien, das elegante „Grand Restaurant" mit dem Charakter eines Schlosssaals und der imposante Blick aufs Berg- und Gletscherpanorama des Rosegtals begeisterten die Gäste. Im Keller wurde als zweites Standbein eine Weinhandlung für Veltliner Weine eingerichtet, die sich während des ersten und zweiten Weltkriegs als sichere Einkommensquelle erwies. In dieser Zeit suchten nur wenige Gäste das Oberengadin auf - und profitierte dann von den Olympischen Winterspielen 1928 und 1948 in St. Moritz. Später zerfiel das imposante Gebäude, denn das Geld für die Erhaltung fehlte zunehmend. Vor sieben Jahren der Glücksfall für die Gemeinde. Die griechische Familie Niarchos kaufte das Haus und renovierte es aufwändig.

 

         Pontresina steht und fällt mit dem Tourismus. Im Sommer 1885 kamen bereits über 2000 Besucher in das kleine Bergdorf.

Einen weiteren Schub erhielt der Ort im Jahre 1908 durch die Eröffnung der Berninabahn, auch wenn sich manche Bewohner anfangs noch vor dem Dampf spukenden Ungetüm fürchteten. Es heißt, dass aus diesem Grund der Bahnhof weit weg gebaut werden sollte. Es war ein beschwerlicher Weg vom Bahnhof in das Dorf. Die Hotelgäste holte man dann mit Pferdekutschen ab. Davon profitierten die Einwohner. Als Hufschmied oder Kutscher hatten sie ein gutes Einkommen. Heute verbindet die Gebirgsbahn den Kurort St. Moritz über den Berninapass mit der italienischen Stadt Tirano. Mit bis zu sieben Prozent Neigung gilt sie als eine der steilsten Adhäsionsbahnen der Welt.

Und wer Glück hat, erspäht aus dem Eisenbahnabteil sogar einen Steinbock, das bekannteste und beliebteste Tier in der Region, das vor hundert Jahren wieder angesiedelt wurde. Geniesserisch ruht er auf den Schluchten und beobachtet die Gegend von oben, als gehöre sie ihm allein.

 

 

 

Museum Alpin Pontresina

Juni  –  Oktober

Montag – Samstag, 16.00 – 18.00 Uhr

bei Niederschlag ab 15.00 Uhr

 

Unterkunft

22 Hotels in unterschiedlichen Preiskategorien

Alternativ die Zimmer bei Gastfamilien

Nobel im Grand Hotel Kronenhof  www.kronenhof.com

 

zum Vergrößern bitte ein Foto anklicken!

Das Buch zur Reise

      

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