Portugal

Die Störche sind schon da

Die Störche sind schon da

Die Algarve lockt im Winter mit wärmenden Sonnenstrahlen

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

Die bizarren Felsformationen und die langen Sandstrände der Algarve sind weltberühmt. Das  milde Klima macht  einen Urlaub an Portugals Sonnenküste das ganze Jahr über attraktiv. So verlockend der weiche, goldgelbe Sand ist, wer das Hinterland der Algarve links liegen lässt, hat viel versäumt. Denn schon wenige Kilometer vom Meer entfernt findet man eine ganz andere Algarve. Ursprüngliche Dörfer, dicht bewachsene Wälder, schroffe Felsen und rare Blumen am Wegesrand.

 

Die Hitze des Sommers ist aus den Flusstälern gewichen. Die Städte nicht so überlaufen und die Preise für Unterkünfte günstiger. Die Störche haben das bereits erkannt. Zu Tausenden flattern sie ein, um zu überwintern und sich den langen Flug nach Afrika zu sparen. In Silves sitzen sie oben auf dem Dach und beobachten das Geschehen in der alten maurischen Stadt. Durch enge Gassen geht es an alten Häusern vorbei, deren Putz auf das Kopfsteinpflaster bröckelt, zu den imposanten roten Mauern des alten maurischen Kastells. Die Burganlage ist mit einem  vollständiger Außenring und elf Türmen erhalten. Vom Rundweg auf den Wehrmauern aus schaut man in die pittoreske Stadt hinein und weit ins Tal der Aride hinüber. 

Zu dem bekanntesten Naturphänomen ist es nicht weit. Die Ponta da Piedade ist eine Reihe an verwitterten Klippen, die die südliche Landzunge von Lagos bilden. Es ist ein ganz schön steiles Gefälle, das sich dem Besucher bietet. Vierzig oder mehr Meter geht es in die Tiefe. Man kann gar nicht lange genug hingucken, bevor einem schwindlig zu werden droht. Der kraftvolle Atlantische Ozean hat Grotten, Steingewölbe und Meereshöhlen in die farbenfrohen Sandsteinklippen gemeißelt, die senkrecht in die Höhe ragen. Wer unter Höhenangst leidet und nicht 200 steilen Stufen hinabsteigen möchte, eine Bootstour kann man in der nächst größeren Stadt mieten. In Lagos zum Beispiel. Doch vorher sollte man unbedingt  die gut erhaltene Altstadt, die sich umgeben von antiken maurischen Wällen entlang der schönen Hafenmündung zieht, besuchen. In den Wintermonaten döst die Stadt an der Marina, die Sonne im Zenit. In den Straßen ist es ruhiger, links und rechts kleine Häuser, wie mit dem Lineal gezogen. Zwei, drei Kilometer abwärts braust der Atlantik. Die Sand-Algarve, 70 Kilometer lang, ist die kleine, weniger besuchte. Dort warten die Boote auf Ausflügler.

Sehenswert sind auch die Kirchen in der Stadt. Darunter die Igreja do Santo António, hinter deren einfachem Äußeren sich ein üppig ausgestatteter barocker Innenraum verbirgt mit einem reich vergoldeten Altar.  Die 1707 errichtete Kirche wurde 1769 wieder aufgebaut. Die vergoldeten Holzschnitzereien im Barockstil, die den Innenraum schmücken, sind die schönsten des Landes. Die Wände sind mit blauweißen Fliesenbildern des 18. Jahrhunderts verkleidet. Die Malereien auf der Holzdecke, die die Kirche auf ihrer gesamten Länge überspannt, imitieren ein Tonnengewölbe. Durch die Farben und die genaue perspektivische Darstellung wirkt es so plastisch, dass man es für echt halten könnte. Auf dem Altar thront der Schutzheilige Antonius mit dem Jesuskind auf dem Arm, flankiert von zwei Engeln, die Kerzenleuchter halten.

Jeder Weg in der Stadt führt zur Avenida dos Descombrimentos, die Straße der Entdeckungen, mit den Bäumen und Bänken. Da, wo Paolo sitzt und raucht und das Leben vorüberziehen lässt, wie die Boote aus dem Yachthafen. Paolo, faltiges Gesicht, früher Fischer blickt zum Meer und versinkt in Gedanken: „ Es war ein  hartes aber gutes Leben. Die Konservenfabriken produzierten rund um die Uhr.“ Er  seufzt und reibt sich die Nase. "Ein übler Geruch durchzog die Stadt. Das ist vorbei. Paolo lebt nicht mehr vom Fisch, die Stadt lebt von Touristen. Die Gäste schlendern durch die Straßen auf der Suche nach beliebten Souvenirs, wie Korktaschen oder Korkarmbänder.

 

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Infos:

Mehr Infos zur Region:

www.visitalgarve.pt

www.algarvepromotion.pt

 

Anreise:

Aus vielen deutschen Städten bestehen Flugverbindungen nach Faro: Frankfurt, München, Berlin, Stuttgart, Köln-Bonn, Bremen, Hannover.  Die Flugzeit beträgt etwa 3,5 Stunden.

Die Strecke zwischen Faro und Albufeira ist 46 Kilometer lang und kann mit einem gemieteten Auto angefahren werden. Von dort geht es weiter nach Silves oder Lagos.

 

Eintritt in die Kirche Igreja de Santo António in Lagos:

Der Eintritt beträgt 3 Euro und  berechtigt auch zum Besuch des Heimatmuseums Museu Regional (Di–So 10–12.30 u. 14–17.30 Uhr)

 

Wandern oder Biken:

Agenturen vor Ort bieten umfangreichen Service. Es gibt  Zubringerfahrten zu den Fernwanderwegen oder komplette Programme in Form von geführten Touren. Deutsche Spezialveranstalter haben Programme für Wanderer und Mountainbiker.

 

Historische Algarve mit Besuch des südwestlichsten Punktes Europas (Ganztagestour)
Besichtigung der historischen Altstadt von Silves mit seiner maurischen Burg und der Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert. Danach geht es durch das Monchique-Gebirge zum Fóia, dem mit 902 Metern höchsten Berg der Algarve. Von dort bietet sich ein atemberaubender Blick auf die umliegende Landschaft. Anschließend Fahrt nach Lagos und Besichtigung der Kirche Santo António, des historischen Sklavenmarkts und der Statue von Heinrich dem Seefahrer. Danach führt die Tour zum Cap St. Vincent – dem südwestlichsten Punkt Europas – und abschließend nach Sagres, zu der auf hohen Klippen gelegenen Festungsanlage „Fortaleza de Sagres“. Buchbar ganzjährig bei Neckermann Reisen und Thomas Cook Signature ab 39 Euro pro Person (ohne Lunch + ohne Eintritte).

 

Wohin man blickt: Azulejos

Unterwegs in einem kleinen Land mit großer Geschichte und edlem Wein

Text und Fotos: Christel Seiffert

 

 

Für viele ist sie die eigentliche Hauptstadt – Porto, die Stadt am Rio Duoro, die dem Land seinen Namen gab, wo der Portwein „erfunden“ wurde. Ihre Kirchen zählen zu den Schönsten, die Museen zu den Modernsten, der alte Bahnhof Estacao de Sao Bento mit seinen 30.000 weißblauen Azulejosfliesen zu den Prächtigsten seiner Art. In der hügeligen Innenstadt, die seit Mitte der 90ger Jahre zum UNESCO Weltkulturerbe gehört und die 2011 Kulturhauptstadt war, bezaubern fantasievolle Jugendstilfassaden.

Auf einem Hügel hoch über der Stadt thront die mächtige Kathedrale Sé aus dem 12. Jahrhundert. Von hier geht der Blick über das faszinierende Gewirr der  roten Dachlandschaft tief unten. Weltstädtisch gibt sich die Handelsmetropole in der imposanten Avenida dos Aliado, einer Prachtstraße mit dem markanten Rathaus, Bankpalästen, herrschaftlichen Häusern mit Stuckfassaden und der Reiterstatue Dom Pedro IV. Hier kann man erahnen, wie das alte portugiesische Sprichwort „In Porto wird gearbeitet, in Lissabon gelebt“ entstand. Das Herz der Stadt schlägt jedoch am intensivsten in Ribeira, dem ältesten Stadtviertel am Rio Duoro. Mit seinem Gewirr von winzigen auf- und absteigenden Gassen, Treppen und seinen pastellfarbenen Häusern, den zahlreichen Restaurants und Bars an der Plaza Ribeira versprüht es ein mediteran-südländisches Flair. Spektakulär überspannt die doppelstöckige stählerne Ponte Dom Luis I., erbaut von einem Mitarbeiter Gustave Eiffels, den Rio Duoro, auf dem die Barcos Rabelos an die große alte Zeit erinnern, als sie zum Transport der Portofässer dienten. In Vila Nova de Gaia, auf der anderen Flußseite, sind die meisten Portweinkellereien zu finden. Und was wäre Porto ohne den Besuch einer solchen und die Verkostung dieses berühmten Rebensaftes.

      Nach der zweitgrößten Stadt Portugals geht es auf kurvenreicher Straße ostwärts in die idyllische Gegend der Weinberge am Duoro-Fluß, die als Weltnaturerbe gepriesen wird. In Arouca, dem kleinen Provinzstädtchen am Fuße der Serra da Freita, werden die Wanderstiefel geschnürt. Durch Kastanien- und Eichenwälder, entlang des lieblichen Tals des  Bestanca-Flusses geht es bergauf bergab. Abseits touristischer Routen und durch historische Schieferdörfer aus grauem Granit, die dank eines umfassenden Programms saniert und wiederbelebt werden. Von der in bunten Farben blühenden Heidelandschaft auf dem Kamm der 900 Meter hohen Serra da Freita geht der Blick hinunter in eine grüne Hügellandschaft mit weit verstreut liegenden weißen Dörfern.

      Unser nächstes Ziel ist Coimbra, die ehemalige Hauptstadt. Schon aus der Ferne kann man sehen, wie sich die Stadt am nördlichen Ufer des Rio Mondego kontrastreich auftürmt, gekrönt vom Uhrenturm der Universität. Er ist das Wahrzeichen Coimbras und die Universität eine Stadt in der Stadt. Durch die uralte Porta Ferrea gelangt man hinein in den großen rechtwinkligen Universitätsplatz, der an drei Seiten von würdevollen weißen Gebäuden gesäumt wird. Ein ehemaliges Schloss mit Freitreppe führt zum Herz der Alma mater. Schon 1290 gegründet gehört die Universität neben Paris, Salamanca, Bologna und Oxford zu den fünf ältesten der Welt. Geradezu atemlos macht die Pracht der drei ineinander gehenden riesigen Säle der Biblioteca Joanina mit ihren mehr als 300.000 Büchern, Inkunabeln und Handschriften. Studentisches Leben prägt noch immer das Bild der Stadt. Überall sind die jungen Leute in ihrer Capa e Batina, einem schwarzen bodenlangem Umhang, zu sehen. Besonders am ersten Maiwochenende feiern die 35.000 Studenten den Abschluss des Studienjahres ausgelassen mit einem Festumzug durch die ganze Stadt. Unweit des Universitätskomplexes erheben sich die beiden Kathedralen. Die Sé Velha aus dem 12. Jahrhundert ist eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke. Vier Jahrhunderte später wurde die sehenswerte Neue Kathedrale errichtet, in deren ehemaliger großer Sakristei das originellste Cafe der Stadt, das „Cafe Santa Crus“, beliebter Treffpunkt der Studenten und Einheimischen ist. In Coimbra sollte man gut zu Fuß sein. Über rutschigem Kopfsteinpflaster geht es auf und nieder durch winklige Gassen, über steile Treppen, durch mittelalterliche Torbögen. Und überall sind Azulejos gegenwärtig – an Häuserfassaden, in Kirchen innen und außen, in Palästen, auf Wänden und Brunnen, Fußböden und Restaurants. Die weißblauen oder farbigen Fliesen erzählen Geschichten und sind seit Jahrhunderten bezaubernder und kostbarer Schmuck des ganzen Landes.

      Noch viel älter sind die Kunstwerke, die im 17 Kilometer entfernten Conimbriga, der bedeutendsten römischen Ruinenstadt Portugals, bewundert werden können. Bereits seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. von den Römern besiedelt, entstand hier eine Stadt mit Forum, Tempeln, Thermen und Aquädukt. Nach ihrem Niedergang versandet und  bis heute erst zu 20 Prozent wieder ausgegraben, zeugen die Ruinen vom hohen Lebensstandard dieser eleganten Stadt mit ihren wundervoll erhaltenen großflächigen Mosaikböden.

      Weiter südwärts auf den Spuren der Geschichte Portugals nach Batahla. Einem kleinen Städtchen, das mit dem Dominikanerkloster Mosteiro da Batahla das bedeutendste Nationalmonument des Landes beherbergt. Errichtet nach dem Sieg der Schlacht anno 1385 über Kastilien mit der Portugal seine Unabhängigkeit sicherte, ist es steinerner Ausdruck des Nationalstolzes. Die mächtige Klosteranlage in gotisch-manuelinischem Stil beeindruckt mit ihrer überwältigenden Ornamentfülle. Obwohl zwei Jahrhunderte an ihr gebaut wurde, ist sie nie ganz fertig geworden, denn einige Kapellen ragen ohne Dach in den Himmel. Wie Batahla verdankt auch der unweit gelegene winzige Ort Alcobaca seine Entstehung und Ruhm dem Zisterzienserkloster, das ebenfalls zum Weltkulturerbe gehört. Bereits im 12. Jahrhundert gegründet wird es als das größte und gewaltigste Bauwerk der portogiesischen Gotik gepriesen. Seine Geschichte ist in den ehrwürdigen Hallen durch beeindruckende großflächige Azulejos nachlesbar. Ein besonderer Anziehungspunkt sind auch die Sarkophage des portugiesischen „Romeo-und-Julia-Liebespaares“ Ines de Castro und Dom Pedro I.

      Weiter geht es nach Obidos, einem mittelalterlichen Juwel mit vollständig erhaltenem Stadtkern. Die wie ein Adlernest auf einem Felsrücken hockende weiße Stadt ist Idylle pur. Beim Rundgang auf der zinnenbewehrten Burgmauer geht der Blick über rote Ziegeldächer bis zu den Türmen der Festung. Ganz schmal sind die kopfsteingepflasterten Gassen, in deren Nischen, Winkeln und Treppchen sich so manches blumengeschmückte Patrizierhaus, zahlreichen Geschäfte, Lädchen und Restaurants verbergen. Hier würde man gern noch etwas verweilen, doch Lissabon wartet.

       „Ein leuchtendes Meer von Häusern, wie Trauben über die Hügel verteilt“, so beschreibt Fernando Pessoa, Portugals berühmter Schriftsteller, sein Lissabon. Der Faszination dieser Stadt, die sich auf mehr als sieben Hügeln und überragt von der wuchtigen Kathedrale ausbreitet, kann sich wohl niemand entziehen. Tief unten, an der breiten Mündung des Tejo, steht Lissabons Wahrzeichen - die Torre de Belem. Von diesem historischen Ort waren einst die Abenteurer in See gestochen, um die Welt zu entdecken. Heute entdecken Besucher hier im Hieronymuskloster ein Meisterwerk manuelinischen Baustils, das mit seinem prächtigen Südportal, filigranen Türmen und dem zweistöckigen Kreuzgang fast orientalisch anmutet. Torre und Kloster sind Schätze des Weltkulturerbes. Lissabon hat zahlreiche grandiose Bauwerke zu bieten, doch sein Charme versteckt sich in einem Labyrinth von Straßen und Gassen, Treppen, lauschigen Plätzen, dem ständigen auf und nieder, seinen immer neuen und überraschenden Aussichten. Die berühmteste Flaniermeile ist die anderthalb Kilometer lange Avenida da Liberdade – ein dicht mit Laubbäumen und Palmen gesäumter Boulevard, an dem sich ein Geschäft an das andere reiht. Für viele Lisboar ist der Rossio mit dem Standbild für Dom Pedro IV. der schönste Platz - umgeben von Cafes und mit seinem herrlichen schwarzweißen wellenförmigen Straßenpflaster. Sehenswert ist auch der Elevator de Santa Justa, ein uriger gusseiserner Fahrstuhlturm mit Cafe unter freiem Himmel, der minutenschnell die Innenstadt mit dem oberen Viertel Bairro Alto verbindet. Dort hinauf rumpelt auch die „electrico“, eine nostalgische sonnengelbe Straßenbahn. In abenteuerlichen Haarnadelkurven, rasanten Auf- und Abfahrten schafft sie es bis in die Alfama, das pittoreske älteste Stadtviertel mit dem Castelo de Sao Jorge, wo Lissabon 1255 zur Hauptstadt erklärt wurde.

      Nur 25 Kilometer von der Metropole entfernt - und seit 1995 UNESCO Kulturlandschaft und Weltkulturerbe - liegt Sintra. Eine üppig grüne Bergwelt mit Maurenburg und Pena-Palast, einem portugiesischen „Neuschwanstein“. Das romantische Städtchen mit Herrenhäusern und Palästen ist ein magischer Ort, der lange im Gedächtnis bleibt.

 

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INFO: Wikinger Reisen GmbH, Kölner Str. 20, 58135 Hagen, Tel.: +49 2331 9047 00, Fax: +49 2331 9047 04, Internet: www.wikinger.de. Die 14-Tage-Wanderstudienreise „Das kulturelle Herz Portugals“ ist mit HP ab 1.998 Euro im Angebot.

Das weisse Gold der Algarve

Im Süden Portugals blühen nicht nur Mandelbäume, auch Fischereikunst und seltenes Handwerk

Text und Fotos: Christel Sperlich

 

         „Es ist ein Gefühl von Weite und Frieden, wenn ich von hier oben auf das Meer schaue", sagt Fernando und breitet erhaben seine Arme aus. Vor ihm der leuchtende Sonnenuntergang, hinter ihm die 250 Stufen, die der Leuchtturmwärter täglich den engen Turm aufsteigt, um Seefahrern das rettende Licht zu sichern. Hier an der Algarve, wo das Land endet und das Meer beginnt, unternahmen portugiesische Seefahrer Entdeckungsreisen nach Afrika und Indien.

Am südlichsten Punkt Portugals, zwischen Faro und Olhão, liegt die kleine Insel Culatra nahe des Atlantischen Ozeans, umgeben von kleinen Fischerhäusern. Uferwege führen über Dünen und Lagunen zu den langen Sandstränden und dem kristallklaren Wasser. Zahlreiche Muschelbänke und Seegraswiesen gibt die Ebbe frei, um nach 12 Stunden von der Flut wieder verschluckt zu werden. Die 170 Quadratkilometer große Lagunenlandschaft Ria Formosa gehört zu den bedeutendsten Naturschutzgebietern Europas und die fruchtbaren Feuchtgebiete sind ein Paradies für die Küstenvögel, Fische und anderen Meerestiere.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde an der Spitze der Culatra Insel der Leuchtturm von Santa Maria gebaut. In der Stadt zu leben, kann sich Fernando nicht vorstellen. Abwehrend schüttelt er den Kopf, wenn er an die Kaufhäuser, Menschenmassen und vielen Autos denkt. Auf der Insel herrscht ein eigener Lebensrhythmus, der ganz ohne Autos auskommt. Keine Sonnenliegen, keine schreienden Eisverkäufer, lediglich ankern ein paar Segelboote am einsamen Sandstrand. Ab und an bringt eine Fähre eine Handvoll Touristen aus Olhão mit, und manchmal unterbrechen ein paar kreischende Möwen die Ruhe über dem glitzernden Ozean.

 

        Einst bewohnten Fischer und Muschelbauern mit ihren Familien die Insel. Inzwischen ist die ältere Generation nahezu ausgestorben. Die Jungen arbeiten heute auf dem Festland. Heute sind die weißgekalkten Häuser mit ihren winzigen Vorgärten hauptsächlich Sommerresidenzen, geschmückt mit üppigen Kakteen, Palmen, Oleander und blühenden Kletterplanzen.

Im Winter trifft Fernando auf der Insel Culatra kaum eine Menschenseele. Dann überkommt den schweigenden Wächter des Meeres auch schon mal das Gefühl von Einsamkeit, wenn er tagelang mit niemanden in seinem Leuchtturm ein Wort wechseln kann. „Doch wenn ich hier oben stehe, die grenzenlose Freiheit spüre, fühle ich mich auch als eine Art Mittler zwischen Land und Meer, zwischen Himmel und Erde", sagt Fernando. Dabei strahlen seine Augen. Die See faszinierte ihn schon immer. Mit 17 ging er zur Marine. Enttäuscht, dass er ständig Kartoffeln schälen mußte, kehrte er zurück und wurde Leuchtturmwärter.

 

         Turbulenter als im Leuchtturm von Culatra geht es zu in den Markthallen von Olhão, dem traditionellen Fischerort, etwa 5 Kilometer von der der Insel entfernt. Hühner, Kaninchen und Singvögel werden feil geboten, die Gemüsefrauen bieten feinste Gewürze, Nüsse und Mandeln zum Kosten an. In der benachbarten Halle sind Stände voller Fische und Meeresfrüchte aneinander gereiht. Laut und mit heiterer Gelassenheit schmettern die Händler ihre Fische durch die Luft, um sie dem Käufer anzupreisen.

 

Olhão besitzt den größten Hafen der Algarve. Die Fischerei war hier schon immer die wichtigste Einkommensquelle. Olhão wurde als die kulinarische Hauptstadt in Sachen Fang- und Kochkunst der Algarve berühmt. Die Stadt liegt im Herzen des sich im Mündungsgebiet befindenden Naturschutzgebietes Ria Formosa, der verschachtelten Landschaft aus Lagunen, Kanälen, Salinen und Sandbänken die durch eine Reihe Düneninseln vom Atlantik getrennt sind. Die weiss getünchten, kubischen Häuserformen, mit Flachdächern und Türmchen zeigen den maurischen Einfluss. Nach und nach wurden auf die einfachen Fischerhäuser Obergeschosse aufgesetzt – schlicht gemauerte Räume mit flachen Dächern. So erhielt die Altstadt ihr arabisches Aussehen und den Beinamen »Stadt des Kubismus«.

 

        Aber nicht nur Muscheln und Fische aus dem Meer geben den Menschen an der Algarve ihre Lebensgrundlage, auch das fruchtbare Land. Das kleine Städtchen Sao Brás de Alportel ist die Hauptstadt der Korkproduktion. Seit dem 19. Jahrhundert dreht sich hier alles rund um den Kork. Sofia Carrusca ist Korkfan. Das lässt nicht nur ihr trendiger Ohrschmuck mit dem feinen Material vermuten. In einem kleinen, aber feinen Museum erklärt die Tochter eines namhaften Korkproduzentin mit ausladenden Gesten und durchweg fröhlicher Mimik alles, was man über den Kork wissen sollte. Die auf weiten Waldflächen niedrigen Korkeichen mit den großen Knorren und den starken Ästen liefern den höchsten Ertrag an Kork. Nach der Pflanzung benötigt der Baum mindestens 30 Jahre bis er zum ersten Mal geschält werden darf. Wird die Rinde verletzt, wächst kein Kork mehr nach, betont Sofia Carrusca. Nach dem ersten Schälen muss der Baum erneut zehn Jahre warten, bis die nächste Ernte erfolgt.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts boomte die Korkindustrie. São Brás de Alportel hatte sich mit etwa 60 Korkfabriken zu einem der grössten Korkzentren der Welt entwickelt. Doch mit dem 1. Weltkrieges brach der Korkmarkt in der Algarve zusammen, viele Industrielle suchten im Norden Portugals ihr neues Glück. Heute sieht man sie wieder vor den Fabriken gestapelt liegen, die dicken, längsrissigen Korkschichten der graubraunen Stammborke. Nach der Bearbeitung können sich die Produkte weltweit auf dem Markt sehen lassen vom Weinverschluss bis zur Schuheinlage. Portugal nimmt unter den Korkenherstellern weltweit den ersten Rang ein.

 

         Auch das „Weisse Gold" im Naturschutzgebieten „Ria Formosa" und „Castro Marim"gehört zu den Schätzen an der Algarve. Gemeint ist das Salz, das seit Generationen über 2000 Jahre aus den kleinen Meeressalinen gewonnen wird. Unter allen Speisesalzen gibt es ein ganz besonderes Salz - die Salzblume. Sie ist die oberste, hauchdünne und sehr feine Schicht bei der Meersalzgewinnung. Sie bildet sich, wenn es windig und heiß ist, bereits nach sehr kurzer Zeit, wenn die Sonne das Meerwasser verdampft. „Die intakte Natur, die Reinheit des Wassers des Atlantik und eine sorgfältige Ernte von Hand sind beste Vorraussetzungen, um ohne Waschen das weisse Meersalz zu ernten", meint der Salzunternehmer Jorge Filipe Raiado, während er die ersten kleinen Kristalle, die sich auf der Sole bilden, behutsam abschöpft. Er beeilt sich, damit die Kristalle ihre Form behalten. Die Salzblume ist für den echten Feinschmecker ein besonderes Erlebnis und für den Kochtopf zu schade.

 

         Weiter nördlich im Küstenstreifen zum Atlantik und im Osten an Spanien grenzend, liegt die Provinz Alentejo. Eine Grenzregion, die über Jahrhunderte das Leben der Menschen auf beiden Landesseiten geprägt hat. Die karge aber kulturell reiche Landschaft ist die ärmste Region Portugals. Die hier ansässigen Bauern und Minenarbeiter in den Kohlengruben lebten unter einfachsten Verhältnissen, oft ohne Strom und Wasser. Legendär wurden sie durch einen Handel ganz eigener Art. Weit bis in das 20. Jahrhundert blühten ihre Schmuggelgeschäfte. Sie schmuggelten hauptsächlich Kaffee zu ihren andalusischen Nachbarn und brachten Tiere und Kleidung mit nach Hause. Der Warentausch war eine einträgliche, aber auch gefährliche Einkommensquelle. Meist schmuggelten sie in der Nacht. Im Dunkeln mit Gepäck und Tieren das unwegsame, felsige Gelände mit den stacheligen Zistrosen zu bewältigen und den reißenden Fluß zu überqueren, war stets eine Herausforderung. Dazu die portugiesische Grenzwache im Rücken und spanischen Gendarmen von vorn. Den Grenzwachen und ihrer scharfer Munition zu entkommen, gelang nicht allen. Geschmuggelt wurde im Familienverband. Nicht wenige Gendarmen waren involviert, konnten mit gutem Kaffee beschwichtigt werden. Es heißt, die portugiesischen Grenzer sollen etwas lockerer gewesen sein, die Spanier dagegen rigoros. Heute gehört das Niemandsland zwischen Portugal und Spanien zu den schönsten Wanderungen durch eine unberührte Landschaft, auf Wegen die nur den Schmugglern bekannt waren.

Einblick in den Alltags des Schmugglerhandels sowie der frühen Fischerkunst vermittelt das am Rande des Flusses Guadiana gelegene Flussmuseum. In dem verträumten Grenzstädtchen Alcoutim erinnern mannshohe Steinplastiken an die Schmuggler von einst. Alcoutim hat sich von seiner einstigen Funktion als Grenzfestung inzwischen zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt. Hier ist die Algarve zu Ende und am gegenüberliegenden Ufer des Rio Guadiana leuchten bereits dem Hang hinauf die weißen Häuser des kleinen andalusischen Ortes,Sanlúcar in der Sonne. Dort beginnt Spanien.

Für weitere Informationen:

 

Algarve Promotion Bureau

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E-Mail: ata@algarve.pt

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