Italien

Die Schönheit der bleichen Berge

Naturerlebnisse in den  Südtiroler Dolomiten  

 

Text und Fotos:  Elke Petra Thonke

 

 

 

Das Edelweiß, diese seltene, edle Blume, sie ist nur zu finden auf Bergen, die über 2000 Meter hoch sind. Das sollten wir wissen. Herbert, unser Wanderführer, sitzt mit uns auf der Mayrl Alm in den Bergen des Latemars und bläst mit seiner Zigarre kleine Kringel in die Luft. Er ist nicht ganz zufrieden mit uns, denn wir sind nicht weit genug gewandert. Dafür haben wir auf dem interaktiven Waldweg einiges gelernt. Doch müssen so wunderbar leuchtende gelbe und blaue Blumen den unromantischen Namen Wiesen-Platterbse und Schwalbenwurz-Enzian haben?

Wir studierten Schautafeln und erfuhren mehr über die Geheimnisse der Natur. Wir bewunderten Skulpturen aus Holz, ließen uns zeigen, dass die Zirbel-Kiefer fünf Nadeln hat und bekamen gesagt, dass die Haselfichte das beste Holz für den Geigenbau ist.

         Mit dem Sessellift geht es von Oberholz bergab nach Obereggen, in eines der sieben Bergdörfer im sinnlich schönen Eggental der Südtiroler Dolomiten. Zum Eggental gehören noch Deutschnofen, Eggen, Petersberg, Welschnofen, Carezza und Steinegg. Eingerahmt sind die Orte in die Gebirgsketten des buckligen Schlerns, des sagenumwobenen Rosengartens und die des  Latemars, deren Fels-Zacken wie verkleidete Puppen aussehen. Seit 2009 gehören die Dolomiten mit ihren bizarren Felsformationen, den Hochwäldern und saftigen Almwiesen zum Weltnaturerbe.

          Die Kalksteinmassive mit den schroffen Felswänden lassen sich auf sanften Wegen umrunden, was besonders für Familien mit Kindern sehr geeignet ist. Bei Sonnenuntergang erlebt man in den bleichen Bergen nicht selten ein stimmungsvolles Alpenglühen.

          Die Bergdörfer sind meist auch gute Ausgangspunkte für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten wie Biken, Wandern, Klettern oder Lama- und Alpaka-Trekking. Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten zählt der Wallfahrtsort Maria Weißenstein mit der 1553 erbauten Wallfahrtskirche. Der heilige Peregria Laziosi (Patron der chronisch Leidenden) ist das eigentliche Ziel zahlreicher Pilger. Gut besucht sind ebenfalls die Sternwarte und das Planetarium in der Nähe von Steinegg. Auch Golfer kommen auf ihre Kosten. Entweder auf dem traditionsreichen 18-Loch Golfplatz in Petersberg oder unterhalb des Rosengartens, auf dem hoch gelegenen 9-Loch-Platz in Carezza. Hier vergnügte sich schon die österreichische Kaiserin Sissi und sogar der englische Premier Winston Churchill, der später von einem Reporter befragt, wodurch er sein hohes Alter erreicht hat, antwortete: „Whisky, cigars and no sports.“

          Auch Karl May kam 1902 das erste Mal ins Eggental und war verzaubert vom Karersee. Die Berge schillern und spiegeln sich in dem grün leuchtenden Gewässer. Eine Legende besagt, dass das schöne Licht und Farbenspiel des Karersees einem liebeskranken Hexenmeister zu verdanken ist. Er hatte für eine schöne Nixe einen Regenbogen mit Juwelen an den Himmel gezaubert. Sie tauchte jedoch ab. Vor Wut zerschmetterte der Hexenmeister sein Kunstwerk und warf es ihr hinterher.

In dieser Idylle fällt es nicht schwer, an Märchen zu glauben.

         Wer für Südtirol viel Zeit mitbringt, sollte auch die drei wunderschönen Städtchen Bozen, Brixen und Meran besuchen. Etwa 20 Kilometer vom Eggental entfernt, bietet Bozen viel Lebendigkeit und Kulturelles: Das Ötzi- und Messner-Mountain-Museum, Shoppen unter den Lauben,  sowie ein Besuch auf dem üppigen Obstmarkt. Brixen gehört zu den ältesten Städten Südtirols. Mittelalterliche Laubengänge, ein barocken Dom und eine tolle Gastronomie. Das allein lädt schon zum Verweilen ein. Der Weltkurort Meran besitzt eine schöne Altstadt, deren Zierde zahlreiche Jugendstilbauten sind. Nur wenige Kilometer entfernt befinden sich die sehenswerten botanischen Gärten von Schloss Trauttmansdorff.

         Egal wie man seine Tage in Südtirol verbringt, ob mit beschaulicher und besinnlicher Ruhe oder Aktivitäten in den Bergen, vielleicht auch einem Städte-Trip. Wanderführer Herbert bringt es mit einem Buddha-Spruch auf den Punkt: „Nimm Dir jeden Tag die Zeit still zu sitzen und auf die Dinge zu lauschen. Achte auf die Melodie des Lebens, welche in Dir schwingt.“

 

zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!

Hotel Tipps:

Spa & Gourmet-Resort Hotel Engel in Welschnofen (vier Sterne), elegantes, behagliches Wohlfühl-Hotel mit schöner Bar, mitunter live Musik. Eine Woche im DZ, Ü./F. pro Person ab 676.50 Euro. www.hotel-engel.com

 

Hotel Stern in Deutschnofen (dreieinhalb Sterne), nettes familiär geführtes Haus mit guter Küche. Direkt am Dorfplatz. Eine Woche im DZ, Ü./F. Pro Person 315.00 Euro. www.hotel-stern.it

 

Infos:

Flug Berlin-München, weiter mit der Bahn in knapp vier Stunden nach Bozen. Anschluss per Bus ins Eggental, bzw. Abholservice oder Taxi.

 

Mit dem Auto Berlin- München, weiter über Kufstein, Innsbruck, über den Brenner bis Bozen, weiter ins Eggental. Fahrzeit gute neun Stunden. Mautgebühren beachten.

 

Die Gästekarte kostet  für eine Woche pro Person 43,00 Euro und beinhaltet u.a. drei Tage freie Liftnutzung sowie sämtliche Busfahrten in Südtirol.

 

Weitere Auskünfte: Eggental Tourismus, Tel: 0039 047169500, www. eggental.com

„Dieta Mediterranea“ trifft Moderne

Im Cilento ist die Kochkunst einfach und geschmackvoll

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

Die Luft schmeckt salzig und es ist still. Nur die weiße Gischt der Wellen prallt an die zerfurchten Küstenstreifen. Pastellfarbene Häuser und Palmen säumen die Promenade. Der Glockenturm wacht über den kleinen Hafen in Camerota. Einhundert Kilometer südlich von Neapel ist von  der pausenlosen Hast der Großstadt nichts mehr zu spüren. Laut dem italienischen Statistikamt Istat leben in der Region überdurchschnittlich viele Hochbetagte. Wer die Bergdörfer und Küstenstädte besucht, erfährt warum die Leute hier gesund alt werden.

 

         „Buona giornata“, einen schönen Tag, wünschen uns die Alten Luici, Josefina und Vincenca.  Sie sind Nachbarn und jeden Nachmittag sitzen sie auf der Bank direkt neben der alten Burg und tauschen Neuigkeiten aus. Vincenca, die ältere Dame erzählt, dass ihre Kinder mehr von der Welt gesehen haben als Camerota, die 6700 Seelen Gemeinde im Parco Nazionale del Cilento, Italiens jüngstem Nationalpark und Unesco-Weltkulturerbe. „In den Sechzigern sind Sohn und Tochter nach Stuttgart gegangen, um anderswo Geld zu verdienen. So haben es viele im Ort  gemacht. In den Neunzigern sind sie wieder zurückgekehrt. Und seither besinnen sie sich auf die Schönheit und die gesunde Lebensweise ihres Cilento. Sie übernehmen die Firmen ihrer Eltern, halten an alten Traditionen fest und bringen neue Ideen ein. Luici und Josefina zeigen auf die samtig grün bewaldete Hügelkette, auf uralte Olivenhaine und die kantig in den Himmel schneidenden Hochgebirgsgipfel von fast 2000 Metern Höhe. Einen Dottore brauchen sie nicht. Bei ihnen kommt nur auf den Tisch, was auf Wiesen und in Wäldern wächst und im Meer gefangen wird. Aus Maismehl wird das Brot selbst gebacken. Und damit wir glauben, dass hier die Zeit nicht stehen geblieben ist, huschen wie bestellt Jungen und Mädchen aus den mit Rundbögen verwinkelten schmalen Gassen.

          Am Hafen herrscht ein emsiges Treiben. Ausflugsschiffe kehren von den traumhaften, von Land kaum zugänglichen Badebuchten, wie der Baia degli Infreschi, zurück. Trotz der einbrechenden Dämmerung fahren Fischer aufs Meer. Es sind die Pescatori, die nur im April bis in den Juni  mit ihren acht Meter langen Holzbooten bei glatter See, Sardellen nach Art ihrer Vorfahren fangen. Nur sie kennen die Strömung und den Wind und können die Sterne am Himmel deuten. An Bord entfernen die Fischer Köpfe und Innereien und bringen die Sardellen in Holzkisten zum Hafen, wo sie am Morgen in Salzlake gewaschen mit grobem Meersalz, in Tongefäße geschichtet werden. In Deutschland kennt man Sardellen vor allem als Pizzabelag (Anchovis). Im Cilento werden die silbrigen Fische in vielen Variationen zubereitet: roh oder gebraten, gefüllt oder als Eintopf, zu Klößchen gerollt oder als Salat angerichtet. In der La Taverna del Mozzo kreiert der Koch einen Augenschmaus. Luca Cella aus dem Norden von Camarota schätzt das intensive Aroma und das leicht rosafarbene Fleisch. In seinem Unternehmen werden auf Anfrage die Fische vor den Gästen per Hand verarbeitet. Und im Frühjahr geht er mit ihnen in den Wald zur Spargelernte, im Herbst auf Pilzsuche. Dann wird im Hotel Calanca gemeinsam gekocht. Er sagt: „Die Langlebigkeit ist eine Folge der Ernährung der Einwohner des Cilento. Fünf Generationen arbeiten auf den Feldern und sie leben davon, was darauf wächst. Biokost in Reinform.“

        Der Cilento gilt als die Wiege der „Dieta Mediterranea“. Das ist keinesfalls Fasten, sondern gesundes und ausgewogenes Schlemmen. Das außergewöhnlich hohe Alter vieler Cilentani, bewegte den amerikanischen Ernährungswissenschaftler Ancel B. Keys in der Nachkriegszeit zu seinen Studien der cilentanischen Küche. Er brachte aus dem kleinen Küstenort Pioppi die Idee des „Slow Food“ auf den Weg. Und gesund heißt im Cilento: Die Speisen nachhaltig mit saisonalen Zutaten zubereiten, zum Beispiel in Salz eingelegte Sardellen, kleine Tomaten, wilder Spargel, Kichererbsen, weiße Feigen und zarter Büffelmozarella. Dafür wenig Fleisch aber viel Olivenöl. Jeder Einwohner nimmt täglich etwa 0,2 Liter des kaltgepressten Öls zu sich, das entspricht in etwa einem vollen Wasserglas. Forscher gehen davon aus, dass der Goldsaft das Leben schützen und verlängern kann, da es Substanzen enthält, die Herz und Gefäße stärken und das Krebsrisiko reduzieren. Um den Gebrauch von Salz zu reduzieren, kommen Kräuter und Gewürze in die Gerichte. Im Cilento  sind Herz- und Gefäßerkrankungen, Diabetes und Parkinson weit gehend unbekannt. Ob in exponierter Lage oder versteckt in kleinen Gassen, in den Slow Food-Restaurants lebt die Idee der Mittelmeerdiät weiter. Die rustikale Variante ist das La Cantina Del Marchese. Die Speisen sind deftig und an den Traditionen des doch recht armen Cilento orientiert. Der Chef hält sich an die Empfehlung. Vollkorngetreide soll 7mal pro Woche gegessen werden, beispielsweise in Form von Nudeln, Reis, Gerste, Dinkel, Mais, aber auch Hafer oder Hirse. Die Schlichtheit der zubereiteten Speisen spielt eine große Rolle. Ein Glas Rotwein oder Weiswein darf bei keiner Mahlzeit fehlen. Auch hier machen die Cilentaner alles richtig, Ernährungswissenschaftler haben inzwischen belegt, dass Wein nicht nur wertvolle Spurenelemente enthält, sondern zum Essen getrunken auch die Aufnahme von wichtigen pflanzlichen Nährstoffen fördert.

          Überaus wichtig ist für Keys die tägliche Bewegung. Er selbst unternahm mit seiner Frau jeden Tag lange Spaziergänge. Wanderführer sind vor Ort und Fahrräder und Boote können ausgeliehen werden. Im Hinterland gibt es hohe Berge und Aussichten in tiefgrüne Schluchten, die mit kleinen wilden Bergblumen übersät sind.  Die Küste lockt mit atemberaubenden Uferwegen und glasklaren Buchten. Einen Besuch sollte man unbedingt im nördlichen Cliento auf der Farm Tenuta Vannulo einplanen. Wer dort den "Büffelflüsterer" Antonio Palmieri trifft, wird überrascht. Eine Delikatesse ist der Büffelmozarella. Dieser ist so würzig und cremig, dass er alle anderen geschmacklich in den Schatten stellt. Mehr Kalzium und Eisen sind enthalten, das für die Knochen und für den Sauerstofftransport im Blut wichtig ist.  Der Chef der Farm erklärt den hervorragenden Geschmack: Die Lieferanten des köstlichen Käse  werden gemolken wann sie es möchten, erhalten Massagen und hören klassische Musik. Es scheint, als haben die Menschen aus dem Cilento, ein Geheimrezept für ein langes und gesundes Leben.

 

zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!

Informationen:

Unterkünfte und Aktivitäten www.cilento-ferien.de

Unter „Erlebnisreisen“ findet man zwei Programme des Kochkurses, den das Hotel Calanca in Camarota im Frühling und im Herbst anbietet.

www.hotelcalanca.com

 

Anreise: 

 

Neapel wird von mehreren deutschen Flughäfen aus angeflogen, unter anderem von Lufthansa, Air Berlin und Tuifly.

Vom Flughafen mit dem Mietwagen ins Cilento
Vom Flughafen Napoli-Capodichino kann man mit einem Mietwagen ins Cilento fahren. Mietwagen können online oder vor Ort gebucht werden. Die Online-Reservierung hat den Vorteil, dass man zu Hause einen Preisvergleich machen und sich den günstigsten Leihwagen sichern kann. Praktisch ist die Übernahme und Rückgabe am Flughafen-Capodichino in Neapel.

Mit dem Bus vom Flughafen Neapel und Rom-Fiumicino ins  Cilento
Vom Flughafen Napoli-Capodichino fahren Busse ins Cilento. Eine Linie der Gesellschaft www.cosat.it hält unter anderem in Agropoli, Battipaglia und Salerno. Im Juli und August fahren vom Flughafen Roma-Fiumicino Busse von CO.SA.T.
Wer vor Ort nur für einige Tage mobil sein und sonst am Strand relaxen möchte, kann sich auch direkt vor Ort im  tageweise ein Mietauto nehmen.

Mit dem Zug vom Hauptbahnhof Neapel oder Rom
Zugverbindungen können auf www.trenitalia.com eingesehen werden.

 

Klima und Reisezeit:

Mediterranes Klima. Gute Reisezeiten sind Frühjahr und Herbst. Die Sommermonate sind mitunter sehr heiß. In den Bergen ist es dann allerdings deutlich angenehmer als an der Küste.

Büffelfarm:

www.vannulo.it

 

Traditionelle Verarbeitung der Sardellen

Manufaktur AURA in Palinuro  www.aura-.com

 

Slow Food-Restaurant

Taverna del Mozzo in Marina di Camerota

 

Restaurants, bei Facebook

Die Cantina del Marchese in Marina di Camerota: Dort orientiert man sich an den Gerichten, die in Lentiscosa seit jeher gekocht werden.

 

Antica Trattoria da Valentone in Marina di Camerota: Die Karte von Valentone ist etwas umfangreicher, jedoch mit starkem Bezug auf Marina di Camerota.

 

Ammore e Mare in Marina di Camerota:  Peppe Troccoli vom Ammor e Mare bereitet ausschließlich Fischgerichte zu, so wie sie seit jeher in Marina di Camerota bekannt sind.

 

Der Cilento:

Der  Cilento beginnt etwa 100 Kilometer südlich von Neapel. Zwischen Paestum im Norden, den Monti Alburni im Osten und Sapri im Süden liegt ein Paradies für Genießer und Aktive. Als zweitgrößter Nationalpark Italiens und UNESCO-Weltkulturerbe ist der  vom Massentourismus verschont geblieben. Die kleinen Ortschaften liegen verstreut an der herrlichen Küste und in den Hügeln des Nationalparks.

Der unbekannte Weiße mit der feinen Note
Der Custoza-Weißwein aus der Gegend um Verona findet seinen Weg in die Gourmet-Lokale

 

Text und Fotos: Bettina Louise Haase

 

           Wohl kaum jemand weiß, dass in Custoza, einem Teil der italienischen Gemeinde Sommacampagna in der Provinz Verona, ein köstlicher Weißwein, der Custoza DOC angebaut wird. Dieser Wein, den es im Anbaugebiet in verschiedensten edlen Noten von Riesling- (Custoza 2013 „San Michelin“ Gordo) bis Pfirsich-Geschmack (Custoza 2012, Villa Medici) gibt, ist auf dem Weg, sich als Gourmet-Wein in den besten Restaurants zu etablieren.
           Das Anbaugebiet des Custoza ist nicht besonders weitläufig und nimmt den Großteil des südlichen Teils des Moränenhügelstreifens ein, der sich in der Umgebung der Stadt Verona und des Gardasees erstreckt. Im Südwesten wird das Gebiet vom Mincio Fluss begrenzt.

           Die Böden sind extrem vielfältig: Der Reichtum an Salzen trägt zur klassischen Frische des Weins bei. Die fruchtigen und blumigen Düfte haben ihren Ursprung in den in der Cuvée verwendeten Rebsorten. Das Gebiet umfasst sowohl die Gegend, die zum südlichen moränischen Amphitheater im Landesinneren nahe dem Gardasee gehört, als auch die fluvioglazialen Ebenen, die eng mit diesem verbunden sind und die, wenngleich sie nicht denselben Ursprung haben, sich doch von der Zusammensetzung her sehr ähnlich sind.

           Genauer gesagt ist die Moränenlandschaft, die das Produktionsgebiet der DOC Custoza charakterisiert, gekennzeichnet von einer dichten Reihe von länglichen Hügeln, konzentrisch angeordnet und größtenteils sanft, mit Höhenunterschieden von meist 50 bis 100 Metern. Diese Hügel weisen extrem vielfältige und unterschiedliche Böden auf, die von weitläufigen Kiesflächen unterbrochen werden, da sie aus Ablagerungen der Gletscher bestehen, die den nahen Gardasee gebildet haben.
           Der Custoza DOC, der Weißwein, der auf den sanften Hügeln zwischen Verona und dem Gardasee angebaut wird, findet seit jeher einen natürlichen Absatzmarkt in Deutschland, dem seit Jahren das wichtigsten Land für seinen Export. Um die Gründe für diesen Erfolg genauer zu untersuchen und neue Absatzmöglichkeiten zu erkunden, hat die Schutzgenossenschaft für den Custoza ein gezieltes Förderungsprojekt in Gang gesetzt. Sie geht nun unter der Seite www.custozawein.de auf deutsch online und ist ausdrücklich auf deutsche Konsumenten ausgerichtet.
           Der Custoza ist ein Wein, der gerne jung getrunken wird und im Alter überzeugt. Er weißt eine außergewöhnliche Langlebigkeit auf, besonders im Hinblick auf die Struktur und die Frische. Der Custoza wird vor allem wegen seines Preis/Leistungsverhältnisses geschätzt, außerdem liegt seit jeher ein besonderes Augenmerk auf der Umweltverträglichkeit. So wird seit gut 20 Jahren (lange vor der gesetzlichen Vorschrift) in den Weingärten die Methode des integrativen Pflanzenschutzes zur Kontrolle der Pflanzenkrankheiten angewandt. 2013 wurde mit der Verwendung der Verwirrmethode zur Bekämpfung der Traubenspinner begonnen, wodurch der Einsatz von Insektiziden vermieden wird – das ist im Sinne einer stärkeren Aufmerksamkeit auf die Auswirkungen auf die Umwelt und auf die Gesundheit des Menschen.

             Die Genossenschaft zählt 70 Weinkeller und 1300 Hektar spezialisierte Weingärten, die allesamt in den Hügelgebieten zwischen Verona und dem Gardasee liegen, und die zum Großteil auf moderne Zuchtformen umgestellt wurden. Die Gesamtproduktion des Custoza DOC belief sich im Jahr 2013 auf 12 Millionen Flaschen. Es handelt sich damit um die viertgrößte italienische DOC in der Produktion von Weißweinen.

 

zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!

Informationen:

 

Consorzio Tutela Vino Custoza Doc
Via Ossario, 4 - 37066 Custoza (VR)
Tel./Fax +39 045 516454
E-Mail: info@vinocustoza.it

Internet: www.vinocustoza.it

 

UNICA Comunicazione
Piazza Matteotti 26/d – 25015 Desenzano del Garda (BS)

Tel./Fax. +39 030 9128114
E-Mail: press@unicaadv.com

Internet: www.unicaadv.com  und: www.custozawein.de

Die Perlen der Toskana

Eine Wanderstudienreise zu den Highlights der beliebtesten Ferienregion Italiens

Text und Fotos:  Christel Seiffert

 

 

 

 

 

 

        Eingebettet in heiteres grünes Hügelland liegt Siena im Herzen der Toskana. Einst wichtiges Handels- und Finanzzentrum, wird sie heute als eine der schönsten Städte Italiens gepriesen. Schwarz und weiß sind die Farben des Doms, dessen majestätische Kuppel das Häusermeer überragt. „Zieht bequeme Schuhe an“, hatte Reiseleiter Ralph empfohlen. Denn bei dem auf drei Hügeln erbauten mittelalterlichen Kleinod gehe es ständig hinauf und hinunter. Im Labyrinth der engen Gassen mit Adelspalästen, altehrwürdigen Gebäuden und kleinen Plätzen begegnet man auf Schritt und Tritt spannender Geschichte mit ihren Geschichten. Nach Treppenaufgängen und durch schmale Torbögen ist der höchste Punkt Sienas erreicht, der Dom. Zu diesem Wunderwerk toskanischer Gotik, dessen Bauzeit fast zweihundert Jahre dauerte, strömen die Besucher. Mit ihrer reichen Verzierung beeindruckt die Fassade aus schwarz-weißem Marmor und der gestreifte schlanke Campanile. Auch innen überwältigt die Kathedrale mit ihrer in mystisches Dunkel gehüllten schwarz-weißen Ausstattung, dem mit Intarsien ausgelegten farbigen Marmorfußboden und der berühmten Marmorkanzel von Nicola Pisano.

         Doch das eigentliche Herz Sienas ist die Piazza del Campo. Der muschelförmige Platz, umgeben von gotischen Palästen mit Cafés und Restaurants, ist beliebter Treffpunkt der Einheimischen und Touristen. Hier – oder unmittelbar auf dem mit roten Backsteinen gepflasterten Platz – sitzt man, trinkt seinen Espresso oder schleckert ein Eis. Und blickt auf den Palazzo Pubblico, eines der schönsten gotischen Bauwerke Italiens mit dem grazilen Torre del Maggia. Im 13. Jahrhundert als Rathaus erbaut, war hier das weltliche Zentrum Sienas. Heute sind die mit Fresken ausgestatteten Säle Heimat des Stadtmuseums. Wer sich die schweißtreibende Mühe macht, den 88 Meter hohen Turm zu besteigen, wird mit einem herrlichen Blick über die Stadt belohnt.

         Im Land des Chianti

         Rund um Siena bis nach Florenz erstreckt sich das idyllische Hügelland, über dem der Gallo Nero, der schwarze Hahn als Gütezeichen zahlreicher Weingüter kräht. Es ist die Landschaft des Chianti Classico, der zu den besten Weinsorten der Welt gehört. Unsere Wanderung führt über sanft geschwungene Hügel mit einsamen Bauerngehöften, durch kleine Steineichenwälder und Straßen, die sich durch Weinberge auf roter Erde schlengeln, vorbei an silbrig schimmernden Olivenhainen und zypressengesäumten Alleen, hinter denen sich manch prächtige Villa versteckt. Immer wieder verzaubert der weite Blick über diese bezaubernde Landschaft unter einem zartblauen Himmel. Ralph hat uns zu einem Picknick im Freien eingeladen. Tagelang hat er alles allein eingekauft, doch verteilt auf 19 Schultern bzw. Rücksäcke wiegt es nicht schwer, obwohl wir auch Teller, Messer, Gläser und Servietten mitschleppen müssen. In einem verlassenen Gehöft machen wir Rast und alle helfen beim Auspacken, beim Schneiden von Brot, Käse und Tomaten, haben Spaß beim Servieren und Garnieren von Wurst, Schinken, Oliven und anderen toskanischen Köstlichkeiten. Natürlich steht auch Wein auf unserer reich gedeckten Tafel und so können wir mit drei verschiedenen Chianti-Sorten auf diesen gelungenen Tag anstoßen. Gestärkt und guter Stimmung wandern wir bis nach Greve, dem Hauptort des Weingebietes mit seinem von Laubengängen umsäumten hübschen Marktplatz. Hier sei auch Mona Lisa geboren worden, die von Leonardo da Vinci gemalte geheimnisvolle Schöne, weiß unser Reiseleiter zu berichten.

          Unterwegs zu Leonardo

          Auf den Spuren dieses Jahrhundertgenies sind wir am nächsten Tag unterwegs. Unweit von Montecatini Therme, dem größten Kurort der Toskana – von dem aus wir unsere Erkundungstouren unternehmen – liegt Vinci. Die kleine Stadt am Hang des Montalba-Bergmassivs steht ganz im Zeichen ihres berühmten Sohnes und ehrt mit zwei interessanten Museen den Ingenieur, Architekten und Naturwissenschaftler. Im Schloß des Grafen Guidi auf einer Anhöhe über der Stadt und in der Palazzina Uzielli sind mehr als 60 Maschinen, Modelle und Geräte zu bewundern, die die Vielseitigkeit und den Einfallsreichtum Leonardos deutlich machen. Handgeschriebene Anmerkungen und Skizzen des Meisters ergänzen die Modelle und auf Knopfdruck  veranschaulichen digitale Animationen die Funktionsweise einiger Maschinen. Wie zahlreiche Besucher pilgern auch wir zu dem kleinen Bauernhaus am Ortsrand, der Casa Natala di Leonardo,  in dem der Knabe seine Kindheit verlebte.   

          Grüner Wall

          Wo kann man in der Toskana auf der größten, längsten und vollständig erhaltenen Stadtmauer spazieren gehen? In Lucca, der schönen mittelalterlichen Stadt. Mehr als vier Kilometer lang und  zwölf Meter hoch ist diese baumbestandene breite Festungsmauer, die der Stadt  über Jahrhunderte ihre Unabhängigkeit bewahrte. Anwohner, Jogger, Radfahrer und Besucher sind hier gern unterwegs und genießen dabei die Sicht in die Altstadt und auf die Apuanischen Alpen in der Ferne. Zeugen einer glanzvollen Vergangenheit sind die herrschaftlichen Häuser und Paläste, die sich durch die Herstellung und den Handel mit kostbaren Stoffen reich gewordene Bürger erbauen ließen. Beliebte Einkaufs- und Flanierstraße ist die von Palästen und Türmen gesäumte Via Fillungo. Auch die Piazza Antiteatro sollte man unbedingt besuchen. Das Oval des römischen Amphitheaters ist begrenzt von Häusern mit eleganten Geschäften und lockt innen mit zahlreichen Restaurants und Cafés unter freiem Himmel. Mit einer bronzenen Statue vor seinem Geburtshaus erinnert Lucca an seinen prominenten Einwohner Giacomo Puccini, der mit seinen Opern La Boheme, Tosca und Madame Butterfly die Welt eroberte. Palmen umgeben die Piazza Napoleone, doch der schönste aller Plätze ist die Piazza Michele mit der Kirche San Michele aus dem 12. Jahrhundert. Mit ihrer prächtigen Fassade aus fünfzig verschieden gearbeiteten Säulen ist sie auch ein begehrtes Fotoobjekt.

           Skyline des Mittelalters

           Seit einigen Tagen sind wir gespannt auf San Gimignano, das als „Manhatten der Toskana“ beschrieben wird. Schon aus der Ferne ist die auf einem Hügel erbaute Stadt mit ihren ins Blau des Himmels ragenden Türmen beeindruckend. Bis zu 54 Meter hoch sind diese festungsartigen Wohntürme, mit denen adlige Familien nach dem Motto „je höher desto mächtiger“ ihren Reichtum präsentierten. Von den einst bis zu 72 Geschlechtertürmen sind 15 erhalten geblieben und machen San Gimignano zu einem der Höhepunkte jeder Toskanareise. Fast vierhundert Busse steuern täglich das kleine Städtchen an, erzählt unser Reiseleiter. Und so flaniert durch die zum Domplatz führende breite Hauptstraße mit ihren kleinen Geschäften und Souvenirläden ständig ein Strom von Schaulustigen. Ruhiger ist es in den schmalen Seitengassen, wo manches mittelalterliche Schmuckstück zu bewundern ist. Zwei der Türme können bestiegen werden und bieten einen traumhaften Blick auf das grüne Hügelland. Bei einer Wanderung durch Weinberge und Olivenhaine um das Städtchen herum lassen wir uns immer wieder von seiner ungewöhnliche Silhouette verzaubern.

           Platz der Wunder

           Pisa ist vor allem bekannt durch seinen berühmten Schiefen Turm. Doch der steht nicht allein auf dem Campo die Miracoli, dem „Platz der Wunder“. Es sind drei Monumente aus schneeweißem Marmor, die sich auf rasengrünem Grund erheben und täglich das Ziel wahrer Touristenströme sind: Dom, Baptisterium und Campanile. Als größtes Bauwerk Pisaer Gotik beeindruckt der Dom mit seiner prächtigen Fassade aus Streifen von hellem und dunklem Marmor. Mittelpunkt des Interesses und meist fotografiertes Objekt ist jedoch zweifellos der 55 Meter hohe Glockenturm mit seiner Neigung von etwa 4,20 Metern. Da ein weiteres Absinken des Turmes inzwischen gestoppt werden konnte, dürfen jetzt auch wieder Besucher bis auf die Balustrade steigen. Allerdings braucht es dafür viel Geduld, denn die Schlange der Wartenden ist lang. Wer dem fast volksfestartigen Getümmel auf dem Campo die Miracoli entgehen möchte, dem sei ein Bummel durch den kleinen Stadtkern mit seinen stattlichen Palästen empfohlen. Für uns heißt es jetzt, die Wanderschuhe schnüren. Wir wollen den Naturpark Garfagnana in den nahen Apuanischen Alpen erkunden, dessen schneebedeckte Gipfel schon aus der Ferne grüßen. Auf kurvenreicher Strecke kämpft sich der Bus durch das Tal der Carrara-Marmorbrüche. Hinauf in eine wildromantische Landschaft mit dichten Wäldern, tiefen Tälern und kleinen Dörfern, die sich wie Schwalbennester an den Berg schmiegen. Auf alten Maultierwegen wandern wir bergauf und bergab und genießen den Blick auf die schroffen Gipfel über uns.

            Rendezvous mit Michelangelo

            Weithin sichtbar überragt die mächtige Kuppel des Doms die Silhouette von Florenz, dem geografischen, historischen und kulturellen Herz der Toskana. Keine andere Stadt hat so viele bedeutende Künstler wie Michelangelo, Pisano, Brunelleschi und Donatello hervorgebracht  –   keine Stadt beherbergt auf so engem Raum eine solche Fülle von Kunstwerken, Palästen, Kirchen und Museen. Florenz ist eine Sehnsuchtsstadt für alle an Kunst und Kultur Interessierten, darüber hinaus jedoch auch eine lebensfrohe und lebendige Stadt zu beiden Seiten des Arno. Nahezu im Halbstundentakt kommen und fahren von hier Züge in alle Richtungen. Vom Bahnhof aus sind es nur wenige Schritte bis zur historischen Innenstadt, dem UNESCO-Welterbe, und bis zur  Piazza della Signoria. Eingerahmt von Cafés und Restaurants überragt der gotische Palazzo Vecchio mit seinem schlanken Turm diesen schönsten aller Plätze. Seit dem 14. Jahrhundert wurde von hier die Stadt regiert, heute beherbergt der Palazzo mit seinen zahlreichen Sälen voller Fresken und Deckenmalereien das Museo Vecchio. Zwei berühmte Skulpturen – links die Marmorkopie von Michelangelos David - „bewachen“ den Eingang zum Palazzo. Mit dem monumentalen Neptun-Brunnen und der grazilen Loggia die Lanzi ist die Piazza della Signoria ein Freilichtmuseum und stets bevölkert von Touristen. Unweit davon befinden sich die Uffizien, die bedeutendste Kunstgalerie Italiens, und der Dom Santa Maria del Fiore, dessen freitragende Kuppel nach Plänen des genialen Baumeisters Brunelleschi als architektonisches Meisterwerk gepriesen wird. Große Teile der Altstadt sind Fußgängerbereich und locken zu einem Einkaufsbummel durch die eleganten Geschäfte und Boutiquen, an der Piazza della Republica laden Caféterrassen zum Verweilen ein. Zum Pflichtprogramm aller Besucher gehört die berühmte Ponte Vecchio. Die älteste der zahlreichen Brücken über den Arno ist mehr als ein steinerner Weg übers Wasser. Auf dem im 14. Jahrhundert erbauten Übergang gab es schon immer Werkstätten und Läden. Heute sind es dutzende Gold- und Juweliergeschäfte, die Käufer und Schaulustige anziehen. Von den drei Arkaden hat man einen schönen Blick über den Arno und auf die südliche Stadtseite mit dem riesigen Palazzo Pitti und dem Giardino di Boboli, dessen Reiz sich schon Goethe nicht entziehen konnte.   

 

zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!

weitere Informationen: 

Wikinger Reisen – europaweit Marktführer für Wanderreisen – hat geführte Wanderstudienreisen und individuelle Reisen im Angebot. Die 11-tägige Reise „Natur und Kultur in der Nordtoskana“ kostet ab 1.398 €.

 

Wikinger Reisen GmbH

Kölner Str. 20, 58135 Hagen

Telefon: +49 2331-9046, Fax: +49 2331-904740

email: mail@wikinger.de

Internet: www.wikinger.de

Wo der Frühling überwintert

Text und Fotos: Katharina Büttel

 

Die Ligurische Riviera ist eins der reizvollsten Reiseziele Italiens. Wo einst Europas Adel mit Grandezza überwinterte, ist mehr als ein Schuss Belle Epoque geblieben: Grandiose Steilküsten mit schönen Buchten, Wandern in den Bergen zwischen Weinreben und Meer, Köstlichkeiten in den Trattorien und die bunten Cinque-Terre-Dörfer, in denen die Zeit ein wenig stehengeblieben ist. Nach derartigen Unternehmungen fühlt man sich in einem Palazzo-Apartment wie eine Contessa.


          In Vitello tonnato mit Trüffeln, Panzotti mit Steinpilzen, Wildschweinragout mit Polenta kann man unten in der Altstadt schwelgen. Von hier oben, der kleinen, feinen Terrasse unserer Residenzia über Rapallo ist es die sensationelle Aussicht auf die palmengesäumte Uferpromenade unter uns, auf Schiffe und Yachten im alten Hafen, auf Adelspaläste in den allerschönsten Tönen der Farbpalette - köstlicher als jedes Gourmetgericht. Welches bezahlbare Hotel kann da mithalten in dem einstigen Kurort der Spitzenklasse? Da sieht man gerne über manch nüchterne Schuhkarton-Neubauten hinweg, die sich durch das Grün der Hänge drängeln.

          Willkommen an der Ligurischen Riviera, der Ponente im Westen von Ventimiglia bis Genua – Italiens wichtigster Hafenstadt - und der Levante südöstlich bis hin nach La Spezia. Ein 300 Kilometer langer, schmaler Küstensaum vor den dunklen Bergketten der Ligurischen Alpen.

           Spätestens in Santa Margherita Ligure möchte man aus dem Zug springen. Mitten hinein in dieses Fin-de-siècle-Idyll mit dem ewig blauen Himmel und den weißen Grandhotels und Palästen, mit Agaven, Pinien und Zypressen. Riviera! Das Wort allein klingt nach Aristokratinnen in Spitzenkleidern mit zarten Sonnenschirmen. Und gealterten Lordschaften, die vor dem Regen und Nebel Londons in den Süden flohen und Zerstreuung in den Casinos suchten.

           An der Riviera di Levante, zwischen Portofino, Santa Margherita, Rapallo, Sestri Levante und den Cinque Terre, ist die Küste noch so elegant, wie der Klang ihres Namens verheißt - und nicht verbaut mit banaler Ferienarchitektur im Massengeschmack wie hier und dort an der Küste bis San Remo. In den „maurischen" Schlösschen und den Phantasiebauten mit ihrer typischen Fassaden-Scheinarchitektur rechts und links der kurvenreichen Küstenstraße wohnen keine kränkelnden Adligen mehr, sondern internationale Hochfinanz und Multiunternehmer. Jedenfalls rund um Portofino ist das so, wo im üppigen Grün der Hänge Prominente wie Giorgio Armani, die Agnellis, Pirellis, Silvio Berlusconi und Filmstars ihre Villen verstecken. In den kleinen Hafen mit den buntbemalten, hier und da blätternden, schmalen Fassaden kommt man am besten mit dem Boot, denn einen Parkplatz findet man ohnehin kaum.

 

          Von Kulissen wie in einer italienischen Oper

          Camogli, ein Ort weiter, gibt auch so eine Stippvisiten-Kulisse her. Das Fischerstädtchen hat keinen Platz zwischen Hafen und Steilküste. Es strebt unglaublich steil mit sechsgeschossigen Wohnbauten ohne Zwischenräume, die Fassaden in Scheinarchitektur in den typischen blassen Gelb-, Rot- und Ockertönen, Manhattan gleich in die Höhe und beeindruckt den Besucher in seiner Geschlossenheit und Mächtigkeit.

          Der nächste Höhepunkt der ligurischen Perlenkette ist Sestri Levante – vielleicht nicht so mondän wie Portofino und Santa Margherita, auf jeden Fall aber mit den nötigen Riviera-Attributen ausgestattet: Strandpalazzi, die beim Sonnenuntergang ihre Farben glühen lassen, eine kopfsteingepflasterte Altstadt und zwei Buchten, die ihren Namen alle Ehre machen: Baia delle Favole, Märchenbucht, heißt die eine und Baia del Silenzio, Bucht der Stille, die andere.

          Bald tauchen die steilen Weinberge der Cinque Terre im äußersten Südosten der Riviera auf – dramatisch schön. Eingeschachtelt in die Steilküsten hocken vier der fünf Örtchen wie Storchennester auf den Felsen: Vernazza, Corniglia, Manarola, Riomaggiore. Nur Monterosso bleibt auf dem Boden. Noch immer am bequemsten erreicht man sie mit der Eisenbahn. Der Wanderweg „Sentiero Azzuro", der hoch über dem Meer durch Rebterrassen führt, ist ohne Übertreibung einer der schönsten der Erde. Einer der großen Gefühle jedoch ist der Promenadenweg Via dell'Amore, der Riomaggiore und Manarola verbindet.

         Ein Stück weiter, am Golf von La Spezia, gibt es einen weiteren, wunderbaren Grund, die gute alte Riviera zu mögen: Portovenere, der Hafen der Venus, mit einer vielfarbigen Wand hoher, schmaler Häuser, die einst als bewohnte Festungsmauer vor Piraten und anderen Feinden schützte. Der Romantiker Lord Byron, so jedenfalls erfährt man an der nach ihm benannten Grotte, schwamm von hier oft hinüber zum exzentrischen Poeten Shelley, der in Lerici ein weißes Haus am Meer bewohnte. Als „Golfo dei Poeti" zog die Bucht einst wahre Pilgerströme aus. Gleich hinter Lerici findet sich schon das Traumziel der „Toskana-Fraktion".

 

          Von Pesto, Poesie und Portovenere

          Verwinkelte Gassen in jedem Ort, endlose Treppenstiegen, Torbögen, Dachterrassen, unglaubliche Durch- und Ausblicke auf Kirchen, Türme und Burgruinen, unzählige Fotomotive. Nach einem Pesto-Menü und erfrischendem Cinque-Terre-Wein unter Mimosenbäumen auf einer der Piazzas geht es zum Ausgangspunkt Rapallo am Golf von Tigullio per Boot zurück. Wunderschön, nochmals die in frischem Terracotta bis zu müdem Lavendel angemalten Puppenstuben-Dörfer im Abendlicht von der Seeseite aus zu sehen - Zauber in Zeitlupe. In Levanto braust der Regionalzug von der „Stazione" unter gellendem Tuten durch unzählige Tunnel nach Nordwesten. Wo sonst gibt es Bahnhöfe mit Meeresbrandung und üppig blühendem Oleander auf dem Bahnsteig?

           Von der Autostrada ab Rapallo – in die Geschichte eingegangen durch den 1922 im Hotel Imperiale abgeschlossenen Vertrag zwischen Deutschland und Russland – sieht man, wie sich die Landschaft Richtung Genua zu einer Endlos-Stadt verheddert. Verlässt man die tunnel- und viaduktreichste Autobahn Europas, bleibt einem nur der Weg über die enge, kurvenreiche, meist verstopfte Küstenstraße, die alte Via Aurelia der Römer. Nähert man sich nach Westen hin der „Blumenriviera" und San Remo, so nehmen die Staus mit den anschwellenden Schwärmen der abenteuerlich kurvenden Mopedfahrer erneut zu.

 

         Von Gassen und glorreichen Zeiten

         Auf der Promenade von San Remo heißt eine Marmordame „Primavera", der „Frühling". Sie erklärt symbolhaft, weshalb im 19. Jahrhundert der halbe europäische Adel hier auftauchte: Im milden Klima um Bordighera und San Remo „überwintert der Frühling". Die Reichen und Mächtigen kamen und verschwanden, sobald es wärmer wurde, gebadet wurde nie. Es kamen die Romanows, die Hohenzollern, die Zarin Maria Alexandrowna spendierte die Palmen für die Promenade, die seitdem Corso Imperatrice heißt. Der 99-Tage-Kaiser Friedrich III. verbrachte hier seinen letzten Winter, Alfred Nobel soll in seiner Villa das Dynamit erfunden haben. Als erste Nobelherberge entstand das Grand Hotel Londra, später das Royal. Diese und manch andere Grand Hotels gleichen alternden Diven. Manche tragen die Jahre mit Würde, andere sehen wieder ganz flott aus, ein paar wirken ein bisschen dick gepudert, andere lassen Charme und Glamour kaum mehr erahnen.

          Am Casino ist die Fassade edel wie damals, drinnen aber hat das Laster nicht mehr den Stil der vergangenen Glanzzeiten. Wie aus einer anderen Welt wirkt der Altstadthügel La Pigna mit seinem düsteren Labyrinth aus Torbögen, Gassen und Treppen. Beim Verlassen der Stadt bleibt das Gefühl, eine alte Bekannte besucht zu haben. Charme hat sie noch, das muss man ihr lassen.

          Außerhalb der Stadt fällt eine Kunstlandschaft aus verschachtelten Spiegeln auf. Nein, kein Verpackungswerk von Christo, es ist Natur unter Glas. Aus den Treibhäusern beliefert man die Welt mit dem berühmten Blumenschmuck. In der Nähe empfehlen sich Albenga mit den exotischen Gärten des Engländers Hanbury und Alassio mit feinem Sandstrand. Das Hinterland überrascht mit tiefen Schluchten, dichten Kastanien-, Lärchen- und Buchenwäldern. Mit verlorenen Bergnestern, den Ruinen gewaltiger Kastelle vor leicht begrünten, fast samtigen, kahlen Höhenzügen. Eine Trattoria muss man hier finden, in der die Mamma nur sich selbst an die schweren Töpfe lässt – gerade jetzt, zur Steinpilz- und Trüffelzeit...

 

zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!



Service „Ligurien"

Reisezeit: Frühjahr und Herbst sind am schönsten; im Januar hat man durchaus um die 12 Grad C. Meiden sollte man die Riviera, wenn zu „Ferragosta" (August) ganz Italien in Urlaub fährt.

Anreise nach Rapallo: Mit dem Flugzeug nach Genua, für Ziele nahe der französischen Grenze wie San Remo auch nach Nizza. Mit dem Auto je nach Ausgangsort in Deutschlad über Basel/Zürich/St. Gottard/Allesandria; über den Brenner/Fern- oder Reschenpass Richtung Mailand/Brescia; über Lindau-Chur-San Bernadino. Mit der Bahn bis Genua, von dort erreicht man über die Küstenstraße alle Orte der Ligurischen Riviera. Im Reisezug nach Allesandria.

Veranstalter: Ferienhäuser, Apartments und Villen in großer Auswahl in ganz Italien und weiteren 25 Ländern in Europa vermietet NOVASOL, Hamburg. Beratung: Tel.: 040/23 88 59-82, Fax: -/23 88 59-24; email: novasol@novasol.de; www.novasol.de;

Ferienresidenz Rapallo

Beispiel Rapallo: Die 2-etagige Wohnung, 66 qm, in einer historischen Villa mit Park, Pool und Parkplatz, hat zwei Schlafzimmer und 2 Bäder mit Klimaanlage und kleiner Terrasse, Mikrowelle, Waschmaschine; Hunde sind unerwünscht. Aufzug in der Marmor-Empfangshalle vorhanden. Nur wenige Minuten sind es zum Strand und Strandbad, Promenade und lebendiger Altstadt, Supermarkt, Geschäfte, Cafés, Restaurants, Bahnhof. Preis je nach Saison für eine Woche ab 1069 Euro/4 Personen plus Endreinigung, Energieverbrauch, Bettzeug und Handtücher.

Still-Leben über Rapallo

Tipps: Die historische Osteria von 1907 „O Bansin" in der Via Venezia serviert typische genuesische Küche. Sehen und gesehen wird man im „Gran Caffè Rapallo" an der Promenade Lungomare. Täglich ab 18 Uhr bieten fast alle Ristorante an der Promenade „Happy Hour" an, d.h. ein Getränk nach Wahl kostet 6 Euro, dazu ist das Büffet mit kalten und warmen Vorspeisen gratis. „Cubelettis", die typische Süßigkeit von Rapallo hat die älteste Pasticceria der Stadt „Canepa" von 1862. Eisspezialitäten sind Pànera, halbgefrorene „schwarze Sahne", und der ganz eigene Früchtebecher Pacingo in der „Antica Gelateria" auf der Via Veneto. Besonders lecker schmeckt Focaccia, ein lockerer Brotfladen - mal mit Salbei, mal mit Oliven mal mit verschiedenen Käsesorten, einfach köstlich! An der Ecke Via Magenta/Via Mazzini (Flaniermeile) bietet ein Feinkostladen Pesto nach alter Art mit Basilikum der Prà an; dazu jede Sorte Salami, Schinken und Pecorino di Pienza. In den Altstadtgassen gibt es viele gute Weinhändler, wo man immer ein Gläschen zum Verkosten bekommt.

Ausflüge: Für einen Tagesausflug ist San Remo zu weit. Ein Mobilheim-Bungalow im Camp-Dorf „Villagio dei Fiori" direkt am Strand kostet dort je nach Saison ab 80 Euro die Nacht. email: info@villaggiodeifiori,it, www.villaggiodeifiori.de

Im Hinterland mit Hochgebirgszügen und tiefen Schluchten beeindrucken die Kastanien- Lärchen- und Buchenwälder. Ebenso der Torso des mittelalterlichen Castelvecchio di Rocca Barbena, wo im Ort heute Künstler und Aussteiger leben. Feinschmecker sind in der Gegend hellwach: Ortereno ist die Città del vino, Millesimor die Trüffelstadt, in Bardineto und Calizzano wird die Festa del Funghi d'oro, der goldene Steinpilz, gefeiert. Oliven und –öl probiert man in den Tälern von Imperia.

Reiseführer: Ausführlich und genau ist „Ligurien" aus dem Michael Müller Verlag, 19,90 €; von Dumont „Ligurische Küste" mit großem Faltplan, 9,99 €.

Näheres: Ital. FVA ENIT, 60325 Frankfurt, Telefon: 069/23 74 34, Fax: 23 28 94;

email: enit.ffm@t-online.de; www.enit.de





Zur Olivenernte nach Italien

Von November bis März werden in Italien die Oliven geerntet.

Text und Fotos: Friederike Kramer-Hartenholm

 

 

Für Urlauber, die noch einige Sonnentage erleben möchten, hier ein besonderer Tipp: Entdecken Sie doch einmal die Ölstraße, die Strada dell'Olio, von Ligurien im Nordwesten Italiens, die Heimat der Olivensorte Taggiasca.

Von San Remo kommend fahren Sie durch noch fast unberührte Orte in das Argentina-Tal entlang der Staatsstraße 548 Richtung Taggia, wo die Taggiasca-Olive das Licht der Welt erblickte. Das Öl aus dieser Olive ist ein feinfruchtiges und mildes Öl, das ausgesprochen beliebt bei Gourmets ist, da dieses feine Olivenöl den Speisen ihren Eigengeschmack belässt.

Weiter geht es nach Badalucco. Besuchen Sie dort Franco Boeri, den Olivenbauern von Olio Roi, Via Argentina 1, I-18010 Badalucco, www.olioroi.com – vielleicht lässt er Sie einmal in seiner Olivenmühle bei der Pressung mit den riesigen Steinrädern „molazza" zuschauen.

Bereits im Mittelalter bauten die Bauern in dem gebirgigen Land durch Trockenmauern gestützte Terrassen, auf denen die mächtigen Olivenbäume wachsen. Exakt festgelegt sind die Höhenlagen der Anbauzonen (bis 500 Meter Höhe), die Terrassierung und die Bodenarten.

Olivenhaine erstrecken sich auf 13.239 Hektar. Von hier stammt das exzellente Native Olivenöl Extra Riviere Ligure DOP, im Januar 1997 als geschützte Ursprungsbezeichnung von der EU anerkannt. Extra natives Öl ist die höchste Qualitätsstufe und bedeutet kalte Pressung und ein Gehalt an freien Fettsäuren unter 1 Pozent. Ernte und Pressung müssen bis zum 31. März abgeschlossen sein. Der Höchstbetrag darf 7.000kg/ha bei Intensivanbau nicht überschreiten, die Ölausbeute maximal 25 Prozent betragen. Die Ernte muß von Hand oder mit sogenannten „trappas" (Stöcke aus Kastanienholz zum Schütteln) erfolgen. Abgefüllt werden darf das Olivenöl mit geschützter Ursprungsbezeichnung nur im Anbaugebiet. Die Angabe des Produktionsjahrgangs auf dem Etikett ist vorgeschrieben.

Die chemische Beschaffenheit des Olivenöls ist dank der ungesättigten Fettsäuren extrem wohlbekömmlich und leichtverdaulich. Der Reichtum an verschiedenen Vitaminen macht das Öl außerdem zu einem Fänger der freien Radikalen, die für die vorzeitigen Alterungsprozesse des menschlichen Organismus verantwortlich sind. Es wirkt vorbeugend auf die sogenannten Wohlstandskrankheiten wie Arteriosklerose, Diabetes, Gefäßkrankheiten und Gallenstörungen. Also tropfen sie sich – wie die Einwohner dieses Gebietes – jeden Tag etwas von diesem goldenen wertvollen Öl auf ein Stückchen Brot und streuen Sie darauf ein paar Körnchen Salz – köstlich!

Kaufen Sie Olivenöl wegen der Haltbarkeit am besten in kleinen Flaschen. Diese sollten aus dunklem Glas oder mit Korb oder Folie umwickelt sein. Bewahren Sie Ihr Olivenöl nie unter 5 Grad C oder über 25 Grad C auf und möglichst nicht im Kühlschrank – dort wird es trüb und flockig.

 

Zum Vergrößern bitte ein Bild anklicken!

Anreise: Flug nach Nizza oder direkt mit dem Auto an der Küstenstraße von Nizza – vorbei an Monaco – Richtung San Remo (die berühmte Blumenriviera).

Unterbringung im Olivengebiet: Zum Beispiel beim Olivenbauern Dinoabbo, Via Roma 2 bis, I-18027 Lucinasco – www.dinoabbo.it – Tel. 0039-0183 52411 – sein Olivenöl gehört zu den besten Ölen Liguriens.

Oder schauen Sie unter www.rivieradeifiori.org – da finden Sie weitere urige „Agriturismo" (Bauernhöfe oder Ölmühlen)



In der Emilia-Romagna auf Giuseppe Verdis Spuren

Text und Fotos: Friederike Kramer-Hartenholm

 

 

 

 

Eine Stunde Autofahrt vom Gardasee nach Parma, vorbei an imposanten Burgen und Festungen durch die Bassa, die Ebene, die zu den Ufern des Po führt und man ist in der Emilia-Romagna.

Keine Touristenschwärme! Eine spürbar saubere Luft und Vogelgezwitscher überall!

Man sagt, dass der Rhythmus der Verdi-Opern seinen Ursprung aus dem Gemüt dieser Erde entnommen hat...

Von Parma sind es 40km und wir sind in Roncole, wo Verdi am 10. Oktober 1813 geboren wurde - Verdi betonte immer, dass er ein „einfacher Bauer aus Roncole" sei. In diesem 7000-Seelen-Dörfchen schauen wir uns Verdis Geburtshaus und die Taufkirche (wo er seine ersten Übungen auf der Orgel machte) an.

 

Busseto – alles ist voller Musik

Es geht weiter in das 5km entfernte Busseto mit seinen erfrischenden Arkadengängen. Zu Busseto empfand Verdi eine Art Hassliebe. Ihre Bewohner haben für ihn in der mittelalterlichen Festung am Marktplatz ein prunkvolles Theater zu seinen Ehren errichtet. Er, der damals verärgert über die unnötig verschwendeten Gelder war, erschien nicht zur Eröffnung, obwohl die Damen für ihn grüne Kleider und die Herren grüne Krawatten (grün = verde...) trugen.

In diesem entzückenden kleinen Theater dirigierte auch schon Toscanini und man kann heute noch bezaubernde Opernvorstellungen besuchen (Karten unter 0039-0521-391320, unbedingt vorbestellen!).

Auf der Piazza sitzt der Maestro persönlich im Sessel als viel photographierte Bronzefigur.

Dieser Marktplatz bewahrt seinen urbanen Charakter des 15. Jahrhunderts. Er wird umschlossen von mit Terrakotta-Kacheln geschmückten Gebäuden.

Der Palazzo Barezzi liegt auf der anderen Marktseite. Verdis erste Frau Margherita war die Tochter seines großen Gönners Barezzi (sie und die zwei Kinder starben sehr früh).

In diesem Palazzo besuchen wir das imponierende Verdi-Museum mit Originalpartituren, Fotos und Gemälden.

 

Essen und Trinken in Busseto

Jetzt brauchen wir eine Ruhepause und finden die historische „Salsamenteria" im Zentrum. Diese urige „Galerie typischer Aromen der Po-Ebene", wie das kleine Restaurant genannt wird, ist etwas für Liebhaber der exquisiten Küche der Emilia-Romagna, die auch Verdi sehr schätzte. Hier können Sie den besten Schinken Italiens, den Culatello, genießen oder den herrlich würzigen Parmigiano mit Feigenpesto. Mit den reizenden Einheimischen kommt man dort leicht ins Gespräch – Thema Verdi - und genießt gemeinsam die Hintergrundmusik - natürlich von Verdi....

Danach trinken wir einen Kaffee oder Espresso in einem der zahlreichen Arkaden-Cafés, essen dort eine „Torta Otello" oder „Torta Torronata" oder einen „Spongata" – köstlich!

 

Sant'Agata

Die Verdi-Route geht noch weiter. Der Nachbarort Sant'Agata im Gebiet von Piacenza ist obligatorisch für Verdi-Fans. Hier in der Villa Verdi, die noch heute von den Erben bewohnt wird, lebte Verdi mit seiner zweiten Frau, der Sängerin Giuseppina Strepponi.

Ein Spaziergang durch den romantischen Park lohnt sich. Wir genießen die Ruhe und lassen die musikalischen Eindrücke ausklingen. – vielleicht mit dem Ohrwurm aus „Rigoletto" – La donna è mobile.....



zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!

Feinschmeckertipps:

Culatello: Der Culatello aus Zibello ist schwierig herzustellen. Das Schweine-Muskelfleisch wird in Birnenform gebunden und die Reifung ist langwierig und kompliziert und benötigt die Winternebel und die für die Po-Ebene so typische Hundstagehitze im Sommer. Nach 15 Monaten Reife kann man einen Aufschnitt von abgestufter Farbe probieren. Das Aroma von Moos, Rosen sowie Wein- und Wurstkeller muß man spüren. Der Geschmack ist weich.

Den besten Culatello kauft man in der Boutique della Carne, Piazza Garibaldi 4 in Zibello. Hier können Sie ihn probieren und eventuell dürfen Sie auch den Reifekeller besichtigen.

Käse: Den besten Parmigiano können Sie in Soragna kaufen in der Caseificio Sociale Pongennaro, Strada per Carzeto N.137.



Großmeister des Shaolin: Shi Yong Dao Foto: Christel Sperlich

Leid und Glück des Großmeisters Shi Yong Dao

 

       von Christel Sperlich

 

       „Das Glück ist weit wie das Meer“, sagt Shi Yong Dao. „Mal tobt es im Sturm, mal ist es still in sich ruhend. Das Glück sei wie Perlen, die tief verborgen am Meeresgrund liegen.“ Glücklich war der Großmeister des Shaolin schon als Kind, wenn er draußen vor dem Haus herumströmern durfte, seine Welt, die unmittelbare Umgebung erkundete. Shi Yong Dao wuchs auf in der Provinz Henan im Herzen Chinas, in dem kleinen Dorf Dengfeng, in der Nähe des Berges Songshan, in dem er eines Tages den Shaolin Tempel entdeckte.

       Dort spielte der kleiner Junge mit seinen Freunden am liebsten Verstecken zwischen Buddha Statuen und den Steintafeln voller Geschichte und Geschichten. Damals, in den sechziger Jahren stand die Tempelanlage für alle offen, es waren nur noch wenige Mönche ansässig, nachdem das Kloster in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mehrfach zerstört und verbrannt, und seine Mönche in alle Winde vertrieben wurden. Die wenigen noch gebliebenen Mönche meditierten und rezitierten Sutras.

 

       Kraft durch Meditation und Qigong  

       „Mir schien, dass sie ein sorgloses Leben führten. Ich war neugierig und fasziniert von ihren Kung Fu Kampfszenen. Am meisten beeindruckte mich, wie sie mit den Tieren lebten und deren Gebärden nachahmten, sich heranschlichen, umhersprangen, die Fäuste ballten und laute Schreie von sich gaben.“ Shi Yong Dao staunte, als einer der Mönche ein 90 Kilo schweres Wagenrad aus Metall hoch hob. Der Mönch erklärte dem Jungen, dass er diese Kraft durch Meditation und Qigong erlangte.

       Shi Yong Dao war gerade 14, als er den Entschluss fasste, diese Fähigkeiten auch zu erlernen und Mönch zu werden. Doch für Bauernkinder war das höchste Ziel, die Oberschule zu besuchen. Die Eltern lehnten den ungewöhnlichen Wunsch des Sohnes ab. Doch Shi Yong Dao ließ nicht locker, erklärte ihnen, dass die Mönche aussterben würden und deshalb Nachwuchs brauchten. Schließlich gaben seine Eltern nach.

       Obwohl stark beeinflußt vom Leben der Mönche, lernte der Sohn das Tempelleben von einer anderen Seite kennen. Jeden frühen Morgen musste der Hof gefegt und die Hallen und Gebäude des Tempels gereinigt werden. Das Ackerland war zu bestellen und die Ochsen zu versorgen. Die Meister prügelten die Schüler, wenn sie ihre Sutras nicht gelernt hatten oder bei den Quigong Übungen nicht tief genug in die Knie gingen. „Ich weinte damals oft. Mein Meister spürte, dass mich der Gedanken bewegte, den Tempel wieder zu verlassen. Ein Mönch müsse erst das Leid ertragen, um hinterher zu wissen, was Glück ist, meinte er.“

   

       Ewiger Weg   

       Shi Yong Dao blieb, bekannte sich zum Buddhismus und studierte Inneres Kung Fu.  Mittlerweile gehört er zur 33. Generation der Shaolin Mönche und  beherrscht heute die Spezialtechnik von Shaolin Tuina und Akupressur, Shaolin Qigong und Akupunktur. Er ist spezialisiert auf die traditionelle Form des Tai Chi im Chen-Stil. Dank seiner tiefeKenntnis vom Buddhismus, Shaolin Qigong und Tai Chi wurde er im November 2007 nach Deutschland eingeladen, um im weltweit ersten Shaolin Tempel Deutschlands als Lehrer die Shaolin Kultur zu verbreiten. Der Berliner Tempel gilt als das größte chan- buddhistische- Zentrum außerhalb Chinas. Dort lebt und lehrt der Großmeister. Doch seine Schüler müssen bei ihm nicht schuften und haben auch keine Prügel zu befürchten. Für Shi Yong Dao sind Lehrer und Schüler gleichgestellt. Beide sollten voneinander lernen.

        Sein buddhistischer Vorname „Yong-Dao“ bedeutet „ewiger Weg“. Es macht dem kleinen Mann mit dem kahlen Kopf und dem schelmischen Gesicht mit den leuchtenden Augen Freude, andere Menschen, auf der Suche nach ihrem Weg der Erkenntnis ein Stück zu führen und zu begleiten. Sein beinahe kindliches Lachen steckt an, wenn er nahezu lustvoll das Wesen der drei Schätze erklärt.

       Auf den ersten Blick wirkt der 48-Jährige nicht gerade wie ein Athlet. Doch sobald er konzentriert mit weit sich öffnenden Armen tiefe Atemzüge nimmt, seine zarten Hände zur Faust ballt und zur Abhärtung gegen seinen Kopf schlägt, eine gerade noch sanfte Tai Chi Bewegung blitzschnell in eine Kampfhaltung überwechselt, dann spätestens zeigen sich seine inneren Kräfte durch das jahrzehntelange Üben des Shaolin Qi Gong. „Wir sind ein Teil der Natur, mit der wir leben und durch die wir leben mit den Bäumen, Blumen, Gräsern, dem Meer. Qigong trägt dazu bei, dass wir unsere Verbindung mit dem Kosmos und zu uns selbst nicht verlieren. Es geht darum zu wachsen, sich weiter zu entwickeln.“

       Shaolin heißt “Junger Wald” und ist auf das Waldgebiet zurückzuführen, in dem das Shaolin Kloster in China liegt. Das legendäre, sagenumwobene und in vielen Filmen dargestellte Kloster befindet sich am Fuße des heiligen Gebirges Song Shan. Es ist der Ursprungs Ort für Chan-Buddhismus und die Wiege der Kampfskünste. Erbaut wurde es im Jahr 495 n. Chr. vom chinesischen Kaiser Xiaowen für den indischen Mönch Batuo. Kein Wunder, dass es den Meister jedes Jahr zumindest in die Dolomiten zieht, nicht in Abgeschiedenheit und Einsamkeit, sondern um  verschiedene Shaolin gesundheits- und leistungssteigernde Körperübungen sowie Atemtechniken in einem einwöchigen work-shop weiterzugeben. Entspannte chinesische Tee-Zeremonien sowie eine Einführung in chinesischer Kalligraphie gehören zum diesjährigen Programm im Südtiroler gastfreundlichen Hotel Engel in Welschnofen. Und wenn dann beim Morgen-Qigong auf magische Weise die Sonne über den weißen Berggipfeln aufgeht und die glasklare Luft über den duftenden Kräuterwiesen liegt, dann ist das Glück perfekt. 

Shaolin-Tage vom 25.9. bis 1.10 sowie vom 17. bis 23.10. 2011

 

 

Unterkunft:                                                                                                                                                 

Familie Kohler                                                                                                                                     Gummerer Str. 3, 39056 Welschnofen,

Dolomiten Italien Tel.+39 0471 61 31 31

Der alte Stadtplan von Verona

Grüne Kerzen und ein Kreuzgang
In Verona gibt es unbekannte Orte zu entdecken

 

Text und Fotos: Bettina Louise Haase

 

 

       „Die Arena lag früher außerhalb der Stadtmauern“, sagt Sara Parisi und deutet auf eine Metallplatte im Boden des alten Kopfsteinpflasters auf der Piazza Bra. Täglich laufen hunderte von Touristen darüber, ihre Aufmerksamkeit auf das geschäftige Treiben vor den Luxusläden der Via Mazzini gerichtet. Wer kurz inne hält, erkennt einen Plan des alten Verona, so wie vor 1900 Jahren: Die Straßen sind, wie typisch für römische Städte in rechten Winkeln zueinander angelegt. „Im ersten Jahrhundert nach Christus war die Arena noch 30 Meter hoch“, fügt Sara hinzu und ihre grünen Augen strahlen. Sie zeigt mir heute Plätze und Orte jenseits von Romeo und Julia.

Die Synagoge in der Via Porticie

Als erstes entdecken wir das jüdische Viertel Veronas: Dazu gehen wir von der Piazza Bra aus die Via Mazzini hinein und biegen eine Straße nach der Via Quattro  Spade links ein. Durch einen Arkadenbogen geht es hindurch und vorbei an einem alten Marmorportal mit jüdischen Schriftzeichen. Wir biegen nochmal links ab und stehen vor der Synagoge Veronas in der Via Portici. Auch sie verbirgt sich hinter einem edlen Marmorportal, nur die Schriftzeichen über der Pforte deuten auf die Bedeutung des Gebäudes hin Verona war für die Juden schon immer ein wichtiger Zufluchtsort“, sagt Sara Parisi, „auch bei der Verfolgung der Sefaditen retteten sich einige Juden nach Verona.“ Wir drehen uns um und sind im „Vicolo Corte Spagnola“, die Häuser sind hier hoch und schmal, typisch für das Ghetto. „Hier wohnten einige der Verfolgten früher und der Name "Corte Spagnola" erinnert an der Herkunft der Verfolgten, erzählt Sara Parisi.

      Viele Details vom berühmten Bildhauer Michele San Micheli

       Das jüdische Viertel Veronas, oft vergessen auf der Stadtour, ist unbedingt einen Besuch wert. Es gibt kleine Innenhöfe und ganz in der Nähe der Synagoge befindet sich der „Brunnen der Liebe“ an der Piazzetta Antonio Tirabosco. Ein Blick auf die Fassaden am Platz des Brunnens zeigt, wie kunstfertig einst die Palazzi in Verona gebaut wurden. Die Mitte der Marmorbögen, die die Fenster der Palazzi umschließen, zieren verschiedene Köpfe aus Stein. „Die hat unser berühmter Bildhauer Michele San Micheli gemeißelt“, sagt Sara stolz. San Micheli wurde 1481 in Verona geboren und arbeitete längere Zeit im Vatikan. In Verona versah er die alten Stadtmauern mit imposanten Toren, darunter auch die Porta Nuova. Hier erbaute er auch die Paläste Bevilacqua und Pompei. Seine Art, Skulpturen überaus plastisch zu fertigen, brachte ihm den Ruhm großer Kunstfertigkeit ein. Die Details lassen sich heute noch in den Hinterhöfen Veronas finden.

Der Corte Sgarzerie diente als Handelsplatz für den Verkauf von Wolle

        Wir überqueren den Corso Porta Borsari, einen der alten Decumanen, der noch aus der Römerzeit stammt. Die Porta Borsari öffnete sich einst für die Römerstraße Via Postumia und wurde 265 unter Kaiser Gallienus erbaut. Sie ist nach dem Amphitheater das am besten erhaltene römische Monument. Links gehen wir eine kleine Straße, die zum Corte Sgarzerie führt. Eine große Loggia im Zentrum füllt den ganzen Hof. Die Loggia gehörte einst zu den Bauten der adligen Familie der Scaglier, die von 1260 bis 1387 in Verona herrschten. Der Corte Sgarzerie diente als Handelsplatz für den Verkauf von Wolle. Die Wollverarbeitung war im Mittelalter die Hauptbeschäftigung der Einwohner Veronas.

       Die „Pelzmützen der Russen“

       Sara schiebt mich durch das Gedränge auf die Piazza delle Erbe, nicht ohne mir vorher noch in einen russischen Kuchen, „la torta russa“, in einer Bäckerei gezeigt zu haben. „Die Kuchen sehen so aus, wie die Pelzmützen der Russen“, sagt sie lachend, „deswegen haben wir die Kuchen „torta russa“ genannt. Links am Ausgang der Via Porta Borsari auf die Piazza delle Erbe steht der Palazzo Maffai, der einzige barocke Bau in der Innenstadt von 1668. „Schau dir die Skulpturen auf dem Dach an“, sagt Sara, „die sind wunderschön.“ Und tatsächlich, oben auf dem Dach entdecke ich sechs barocke Statuen. Aber auch andere Details auf der Piazza delle Erbe sind sehenswert  – man findet sie allerdings erst, wenn man genauer hinsieht: Dazu gehören die Fresken an den Wänden der Palazzi, die zum Teil sehr schön restauriert sind.

Dante-Denkmal

„Komm, ich zeig dir etwas, was du bestimmt nicht kennst“, sagt Sara und zieht mich auf die Piazza dei Signori neben der Piazza delle Erbe. 
Die Zinnen mit der Zacke nach unten in Form von einem M zeigen an, dass Verona einst Ghibellinenstadt war, also Kaiser- und nicht papsttreu. Hier steht das Denkmal des Dichters Dante, der 1302 aus Florenz verjagt wurde und sich nach Verona retten konnte. Die Scaglierherrscher nahmen ihn mit großer Gastfreundschaft auf, Dante war von 1303 bis 1304 Gast von Bartolomeo Della Scala, dem Bruder von Cangrande. Von 1312 bis 1318 hielt er sich dann nochmal bei Cangrande selber auf, der von 1308 bis 1329 Stadtherr (Signore) von Verona war. Dante verbrachte praktisch die Hälfte seiner Zeit der Verbannung in Verona. Hier schrieb er den Großteil des Paradieses seiner „Göttlichen Komödie“.

Einer der geheimen Briefkästen

Doch eigentlich will mich Sara auf eine andere Skulptur auf der Piazza die Signori hinweisen. „Das ist Girolando Fracastoro, ein Arzt aus dem 16.Jahrhundert“, sagt Sara und zeigt auf eine Plastik, die zwischen zwei Palazzi auf einem Bogen steht. Der Arzt hat einen Ball in der Hand. „Es heißt bei uns, dass er den Ball auf den niederwirft, der ohne Sünde unter dem Bogen durchgeht“, sagt Sara. Gegenüber befindet sich in der Mauer einer der geheimen Steinernen Briefkästen der Stadt. „Hier konnten die Leute im Mittelalter Beschwerden gegen die Wucherzinsen einwerfen“, erklärt Sara. 

Das Grab Cangrande der Scaglier

Fast wie im Mittelalter

       Wir gehen durch ein Tor und stehen im Innenhof des Cortile Mercato Vecchio, ein versteckter Hof, der besonders durch seinen roten Marmor aus dem Valpolicella auffällt. „Hier ist am Dienstagabend immer Tango“, sagt Sara. Zwischen den Palazzi hindurch führt der Weg in einen weiteren Innenhof, den „Cortile del Tribunale“. Dort befindet sich der Eingang zum Museo d‘Arte Moderna, und ein weiterer Briefkasten, der damals gegen den Schmuggel von Schießpulver in die Mauer gesetzt wurde.
Wir sehen die kleinste Kirche Veronas, St. Maria Antica aus dem 12.Jahrhundert, die einstige Hauskirche der Scaglier. Über dem Portal der Kirche befindet sich der Sarkophag von Cangrande, den zwei Hunde in Anspielung auf den Herrschernamen Cangrande (= großer Hund) tragen. „Cangrande ist ein merkwürdiger Ritter“, sagt Sara und reicht mir eine Fotokopie vom Ritter auf seinem Pferd, wie sie im Original in Castelvecchio steht.  Das Gesicht des Ritters umspielt ein Lächeln. „Das ist doch ungewöhnlich für einen Ritter, dass er lächelt. Ritter müssen doch ernst sein“, sagt Sara, „doch es zeugt nur davon, wie beliebt Cangrande einst war.“ 

In der Via Sottoriva gibt es viele kleine Lokale

Nun geht es die Via Santa Maria in Chiavica hinunter, wir  biegen rechts und dann links ab und kommen in die Via Sottoriva. „Das ist meine Lieblingsstraße“, sagt Sara, „sie ist benannt nach dem Ufer an der Etsch.“ Unter Bogengängen sind Tische aufgestellt, Einheimische und Urlauber essen im Freien in kleinen Lokalen an Holztischen mit Holzstühlen. Die Straße hat die Atmosphäre einer alten Uferstraße aus dem Mittelalter erhalten, die Menschen, die hier unter den Arkadenbögen der Via Sottoriva Mittag essen, haben Zeit, das „Pranzo“(Mittagessen) bis um vier Uhr nachmittags auszudehnen. Hektik und Touristenmassen von der Piazza Bra sind hier nicht zu spüren.“Das macht Veronas unbekannte Ecken aus“, sagt Sara, „es sind die Orte, wo die Touristen, die sich nur für die Arena und den Balkon der Julia interessieren, gar nicht hinkommen.“

Kreuzgang des Doms von Verona

Der Kreuzgang: Ein Meisterwerk der veronesischen Architektur

       Nun möchte sie mir unbedingt noch den Dom zeigen, der auch nicht als Programmpunkt auf einer Führung durch Verona steht. Wir gehen die Via Sottoriva an der Etsch links entlang und gelangen so zum Domplatz. Von außen ist der Dom Santa Maria Matricolare eine romanische Basilika. Der Bauschmuck konzentriert sich auf das Hauptportal, dass die Form eines doppelgeschossigen Baldachinvorbaus hat. Es ist das Werk des Steinmetzmeisters Nicolò. Das dreischiffige Innere ist gotisch. „Die Hauptattraktion hier im Dom ist eine  ‘Himmelfahrt‘ Mariens in der ersten Kapelle des Seitenschiffs“, sagt Sara und führt mich vor das Fresko. „Sie stammt von Tizian, der sie um 1540 schuf.“ Aber auch San Micheli war im Dom tätig. Er fertigte die halbrunden Marmorschranken vor der Chorapsis. „Jetzt zeig ich dir etwas, was selbst in Verona nur die Einheimischen kennen, sagt Sara und geht mit mir an der linken Außenfassade des Doms in eine kleine Gasse. Danach folgt ein Platz und links öffnet sich eine alte Pforte. Wir stehen mitten in einem mittelalterlichen Kreuzgang, der zum Dom gehört. „Der Kreuzgang ist nicht jeden Tag geöffnet“, sagt Sara und deutet auf einen jungen Mann, der im Kreuzgang sitzt und die Ruhe genießt, „da muss man Glück haben.“ Der Gang ist ein Meisterwerk der veronesischen Architektur, doppelte kleine Säulen verlaufen in zwei Bogenreihen und geben dem Kreuzgang etwas Filigranes. Man hört nur ein paar Vögel zwitschern, die Ruhe lädt zum Meditieren ein.

Barockgarten in Verona Der einzige Barockgarten in Verona

Im Barockgarten eine Zypressenallee

       Zuletzt steht der Giardino Giusti auf unserem Programm, der einzige Barockgarten in Verona. Er liegt am anderen Ufer der Etsch. Um vom Dom aus dorthin zu gelangen, überquert man die Brücke Ponte Pietra, dann geht es links in die Via Santa Chiara, die in die Via S. Maria und in die Via Giusti mündet. Dort liegt der barocke Garten der Familie Giusti, der Ende des 15.Jahrhunderts als Hintergrund des Palazzo Giusti entworfen wurde. Der Garten beeindruckte schon Goethe durch seine Zypressen und die in Labyrinthform angelegten Hecken. Die Zypressen gliedern den Garten und ragen wie grüne Kerzen in den Himmel. Steinskulpturen akzentuieren den Barockgarten. Sie ziehen die Blicke förmlich auf sich. Der Garten wirkt wie ein Gesamtkunstwerk. Sara erzählt, dass die Familie Giusti Wollhändler waren und ursprünglich aus der Toskana stammten. Agostino Giusti, Cavaliere der Republik Venetien und Edelmann, prägte um 1570 das Bild des Gartens, das man heute noch sehen kann. Die Zypressenallee zieht sich bis zur Tropfsteinhöhle, über der eine steinerne Maske, der „Maskaron“ zu sehen ist. Wenn man die Stufen der Treppe bis nach oben steigt, belohnt oben eine der schönsten Aussichten auf Verona.
„Von hier aus ist es über die Brücke Ponte Nuovo nur ein kurzer Spaziergang, bis man wieder auf der Piazza Bra steht“, sagt Sara. Doch der Giardino Giusto ist so außergewöhnlich schön, dass wir beschließen, noch ein bisschen zu verweilen und durch das Labyrinth der grünen Hecken und Zypressen zu schlendern.   

Auskunft:

www.veronatuttintorno.it

Unterkunft:

Ruhiges Hotel in der Nähe der Piazza Bra: www.giuliettaeromeo.com

Wohnung:

Residenza San Tomaso (Stadtteil Veronetta, nicht weit vom Giardino  Giusti)

Restaurant: All’Isolo, piazza Isolo 5/A, mittags und abends geöffnet, mittwochs geschlossen, Tel: 045/59 42 91

Besonderer Garten: Giardino Giusti, via Giardino Giusti, 2, Tel: 045/803 40 29, Giardino Giusti, geöffnet von 1/04 bis 30/09 von 9 bis 20 Uhr, 1/10 bis 31/03 von  9 bis 19 Uhr, Bus Nr. 72, „Polllincino“, Stop Carducci,   

Führung zu Veronas unbekannten Ecken: Sara Parisi, Tel: 0039/347/173 28 37, schnier@yahoo.it



zurück zum Seitenanfang>>

Foto: Fondazione Arena di Verona

„Das Leben ist eine Pracht"

La Traviata feierte den Auftakt der Sommer Opernfestspiele in der Arena di Verona

 

von Christel Sperlich

 

 

 

 

 

Skulpturale Bauten, Kameras und Scheinwerfer rollen durch das Tor der bezaubernden und größten Freilichtbühne der Welt. Ein Baukran hebt barock verzierte Bilderrahmen von überdimensionalem Ausmaß auf einer riesigen Bühnenfläche hin und her, bis der richtige Standort gefunden ist. Es sind die Kulissen der einzelnen Szenen, die die Opernsänger und Statisten umrahmen werden, die nun wieder allabendlich die Bühne der Arena di Verona betreten.

Über allen ruhen würdevoll und gelassen die Sphinxen. Keine „Aida" Aufführung wäre ohne sie vorstellbar. Bereits 1913 wurde die Opernsaison mit „Aida" in der antiken Amphitheater Arena eröffnet. Das Theater unter freiem Himmel ist Veronas bedeutendstes Monument aus der Römerzeit, mit seinen mächtigen marmornen Steinstufen und der zentralen eigentlichen 'Arena' , die einst für Gladiatoren- und Tierkämpfe bestimmt war und später als Turnier- und Wettspielstätte diente. Im Jahre 1913 wurde sie schliesslich als das entdeckt, was sie heute ist: das erste echte und wichtigste Freilufttheater der Welt für Opernfestspiele. Unterhalb des Bühnenbereiches winzige Kabinen, in denen die Garderobiere letzte Nadelstiche an den prachtvollen, oppulenten Kostümen verrichten, Schuster am Schuhwerk hämmern und putzen, die Sänger geschminkt werden, bevor sich der Vorhang in der größten Freilichtoper der Welt erheben wird.

Gleich einer Völkerwanderung strömen nun wieder allabendlich zahlreiche Veronaner und Opernfans aus nah und fern in das Freilichttheater. 15 000 Zuschauer passen in die Arena hinein. Für sechs verschiedene Opern stehen 600 000 Karten bis zum Ausgang des Sommerspielplans im September zur Verfügung. Den Auftakt des diesjährigen Opernsommers bildet das in der Pariser modernen Gesellschaft angesiedelte Stück„La Traviata", neu aufgeführt von dem argentinischen Regisseur und Bühnenbildner Hugo de Ana. Eine große Herausforderung, dieses Opernthema mit den intimen Handlungsebenen, eigentlich für geschlossene Räume gedacht, nun in einen so riesigen offenen Raum darzustellen. Seine Idee mit den leeren Spiegelrahmen füllt die weite Arena auf, weist auf den Luxus hin und symbolisiert zudem das Konzept einer Welt, die beherrscht wird von der Dekadenz der Gefühle und der Korruption der Figuren. Sämtliche Geschichten der Opern sind Liebesgeschichten, sie erzählen von Leidenschaft, von Sehnsucht, Trauer und Tod.

Hugo de Ana hat seine „La Traviata" Inszenierung an dem italienischen Stil des Melodramas angesiedelt. Violetta, eine moderne Pariser Kurtisanin, die für ihre Liebe soweit geht, dass sie Werte, wie die der Familie ihres Geliebten Alfredos, nicht nur respektiert, sondern sogar auf Alfredo selbst verzichtet, um seinen Ruf nicht zu gefährden. Doch vermutlich nicht nur deshalb scheint Violetta dem Zuschauer unwiderstehlich. Sie ist vor allem attraktiv, schön und musikalisch. Ihr verführerisches Spiel mit der Weiblichkeit setzt sie schon beim Trinkspruch in Szene, dem Liebesgeplänkel mit Alfredo, bei dem sie ihn mit den Worten „La vita é nel tripudio" (das Leben ist eine Pracht) provoziert, um sich dann freimütig herausgeputzt zu zeigen bei verwegenen musikalischen Duett-Intervallen. Violetta entdeckt die wahre Liebe, und erliegt bald darauf ihrer Lungenkrankheit.

Die in sich stimmigen Kostümentwürfe entnahm Hugo de Ana dem Gemälde „italienische Kameliendame" des Malers Eugenio Scomparini. Eine Augenweide: Farbenfrohe mit Knöpfchen und Rüschen verspielte bodenlange Abendroben, raffinierten Korsages, Herren in Gehröcken und Zylinder, Tänzerinnen und Tänzer in faszinierenden spanischen Stierkampfkostümen. Und auch ein Hörgenuss: Die Sängerbesetzungen bieten internationales Niveau. Die „Traviata" singt in diesem Sommer die junge, gefühlvolle Albanerin Ermonela Jaho.

Insgesamt sechs Opern und 49 Aufführungen stehen von Juni bis zum Anfang September diesen Jahres auf dem Festspielprogramm der Arena di Verona: „La Traviata", „Aida" und „Nabucco" von Giuseppe Verdi, Gioachino Rossinis „Der Barbier von Sevilla", Giacomo Puccinis „La Bohème" und „Roméo und Juliette" von Charles Gounod.

Für die deutschen Opernfans ist es jetzt nur noch ein Katzensprung in die Stadt von Romeo und Julia. Denn seit kurzem fliegt Air Berlin direkt von Tegel bis Verona. Und da lohnt sich noch ein Abstecher nach Riva del Garda, der „Perle des Gardasees". Das knapp nur 80 Kilometer entfernte Städtchen gehört zu den größten Orten am Gardasee und zieht jedes Jahr nicht nur Urlauber an, sondern immer mehr Opernfreunde. Mit seinen Buchten und Häfen ist die Ortschaft Riva del Garda auch eines der bekanntesten Treffpunkte für Windsurfer und Segler: der Nordwind Pelèr am Morgen und der Südwind Ora am Nachmittag bescheren fast jeden Tag um die gleiche Uhrzeit den Surfern die besten Windbedingungen. Zitronen- und Olivenbäume, Lorbeersträuche und Palmen zieren den Ort. Im Westen grenzt Riva an den Monte Rochetta, im Osten den Monte Baldo.

Schon seit Anfang des vorigen Jahrhunderts galt Riva del Garda mit seinem milden Klima und der Seeluft als idealer Kurort für Adlige, Wissenschaftler und Dichter. So reisten neben der Habsburger Königsfamilie auch Heinrich und Thomas Mann, Franz Kafka, Friedrich Nitzsche oder Rudolf Steiner zur Sommerfrische nach Riva. Ganz im Zeichen der Belle Epoque wurde 1899 ein imposantes Haus eröffnet, das den Tourismus des Ortes ankurbeln sollte. Während der Weltkriege versiegte die Gästeschar und das Lido Palace versank für viele Jahre in einen Dornröschenschlaf. Über 111 Jahre musste es am nördlichsten Ufer des Gardasees für seinen großen Auftritt warten. Unter der Leitung des bekannten Architekten Alberto Cecchetto aufwendig renoviert, wurde Wert darauf gelegt, den Charme des historischen Gebäudes beizubehalten und mit modernem Komfort zu kombinieren. Stahl und Glas sind die Materialien, die das Hotelgebäude nun ergänzen. Das alte Dach wurde durch einen Glasaufbau ersetzt, der eine atemberaubende Aussicht ermöglicht. Und es lädt jetzt natürlich nicht nur Opernfreunde ein, sondern hält seine Türen das ganze Jahr über offen.

 

Kostenfreie Tickethotline:

00800 8000 5151, Montag bis Freitag von 8.00 bis 20.00 Uhr.

 

Anreise:

per Flug: Air Berlin von Berlin Tegel bis Verona

Mit dem Auto: über den Brenner auf die Autobahn A22 an Bozen und Trient vorbei nach Riva del Garda.

 

Eine Diva im Winter

Text und Fotos: Katharina Büttel


Wer Venedig liebt, besucht die Lagunenstadt in der kalten Jahreszeit. Nie strahlt sie mehr Ruhe aus. Die Museen sind leer, die Gassen voller Romantik, und die Menschen haben seltsam gute Laune.


         Winter in Venedig. Plötzlich sind die Farben wieder klarer, weht der Wind ein wenig rauer. Die Kontraste treten schärfer hervor. Besonders, wenn man vom Meer aus auf „die unwahrscheinlichste aller Städte" zufährt. Die Kuppeln ragen in den diffus schimmernden Himmel; Paläste und berühmte Kirchen kommen ins Blickfeld. Kerzengerade schält sich der Campanile von San Marco aus der Uferlinie. Um Mitternacht läuten die Glocken, als verkündeten sie die Rückeroberung der Altstadt. Die Venezianer sind wieder unter sich, gelassener, freundli-cher. Sie nehmen die Plätze und Gassen ihrer Stadt wieder in Besitz. Hektik, Touristengruppen, Kitsch und Kommerz - all das ist jetzt vorbei.


        Das Rendezvous mit der Diva beginnt im Caffè Florian auf der Piazza San Marco - wo sonst. 1720 eröffnet, ist es heute das älteste Kaffeehaus Europas. Aus den Fenstern der Salons mit viel Plüsch, Spiegeln und Lüstern sahen schon Goethe und Thomas Mann den Tauben zu. Heute löffelt vielleicht ein Schauspieler am Nebentisch den berühmten Bicerin: Süße Schokolade mit Kaffee und Milchcrème. Mit acht Euro unverschämt teuer, aber auch unverschämt gut.
        Gegenüber im Caffè Quadri spielen Stehmusiker Populäres. Mal mit schwarzer Brille und Mafiosi-Tuch, mal als Charmeure mit Schmalz und Schmelz. Immer im Wechsel mit Caffè Lavena, wo sich immer schon Dichter und Musiker fast wie im Salon eines königlichen Palastes fühlten. Die warmen Sonnenstrahlen erlauben es, draußen zu sitzen. Beim Cappuccino gehen die Blicke zu den Goldmosaiken von San Marco, zu den filigranen Säulen des Dogenpalastes, zum Campanile und zu den unzähligen Arkadenbögen. Der Platz ist schlicht großartig.

 

       Spaziergang durch die Mercerie
       Morgens und abends ziehen Nebelschwaden durch die Stadt - Venedig ist ruhig und schön. Gelassen kann man durch die alte Geschäftsstraße ‚Mercerie‘ vom Markusplatz bis zur Rialtobrücke gehen, ohne zerdrückt zu werden. Der Campo Luca ist morgens schon von Espressoduft durchzogen und voll von Venezianern. Man trifft sich in den kleinen Kneipen, den ‚bacari‘, zum ‚ciacole‘. Das ist venezianisch und mit „quatschen" nur unzureichend übersetzt. Man regt sich über Steuern auf, über das Hochwasser und tauscht ein paar Gerüchte aus. Venedig ist eine Kleinstadt. Wenngleich eine vom Range eines Weltwunders.
Am frühen Abend ist auf dem Campo San Bartolomeo das gleiche Schauspiel zu sehen, allerdings in anderer Besetzung: Dort trifft sich Venedigs Jeunesse dorée. Die Piazza summt, und es riecht nach vino bianco und Apérol. Um neun ist der Platz wieder menschenleer. Warum sich die halbe Stadt gerade auf diesen zwei Campi trifft, bleibt ein venezianisches Geheimnis.


        Auf Venedig muss man sich einlassen. Hinein in die stillen Winkel, auch einmal weg von der großen Kunst. Jetzt macht es Spaß, sich durch die engen Gassen zu schlängeln, treppauf, treppab über kleine Brücken und Stege. Verborgene Gärten in illustren Palazzi aufspüren, lauschige Innenhöfe und das Haus Nr. 5858 entdecken. Von hier aus brach Marco Polo 1271 nach China auf. Im brackigen Wasser spiegeln sich Mauern und Fassaden, lösen sich auf in grazile Ornamente, die mit den ersten Nebelschwaden wieder verwischen. Ein Genuss ist es, den Gondo-
liere zuzusehen, wie sie ihre schwarzen Gondeln elegant durch die schmalen Kanäle manövrieren.


        Erfüllt verstreichen die Tage wie die Nächte, auf Piazza und Campo, auf verwunschenen Terrassen und belebten Promenaden. Die wenigen Touristen gehen weiter auf Jagd nach Märtyrern und Propheten, finden Genuss in den Kirchen vor Rubens- und Tintoretto-Gemälden. Sie stöbern in Läden ohne Maskenkitsch, dafür mit sündhaft teurer Alta Moda und probieren in den Trattorias schwarze Pasta mit Tintenfischsauce, dazu ein Glas Prosecco. Die Verkäufer ebenso wie die Kellner sind entspannt, keiner bringt mehr etwas durcheinander.

 

       Kunstgenuss ohne Warteschlangen
       Venedig im Winter bedeutet auch Kunstgenuss ohne Warteschlangen. In dem atem-beraubend schönen und frisch restaurierten Palazzo Ca‘ Pesaro wird ganz große Kunst der Moderne gezeigt. Nach jahrelanger Schließung hat er endlich wieder seine Pforten geöffnet. In neuem Ambiente werden Meisterwerke von Kandinsky und Miro, von Matta und De Chirico gezeigt. Restauriert wurden auch die Deckenfresken einiger Säle, die von Tiepolo stammen. Die Ca' Pesaro darf ohne Übertreibung als eines der interessantesten Museen für moderne Kunst in Italien bezeichnet werden. Und das Teatro La Fenice als eines der schönsten Opernhäuser, in dem nach einem verheerendem Feuer seit gut sieben Jahren wieder herrliche Musik erklingt.


       Eine Fahrt auf dem Canal Grande im Vaporetto, dem Wassertaxi, ist eine Offenbarung. Die Galleria dell'Accademia, das Guggenheim-Museum und das Palasthotel Pisani Gritti leuchten in der Abendsonne wie ein Ölgemälde von Canaletto - Venedigs berühmten Städtemaler des 18. Jahrhunderts. Am Ende der Lagune erscheint die weiße Kirche Santa Maria della Salute. Dort findet immer im Spätherbst ein wirklich venezianisches Fest statt, die Festa della Salute. Eigentlich wird der Pestepidemie von 1630 gedacht, in Wahrheit aber pilgert jeder Venezianer zur Schwarzen Madonna, um sich, seinem Geschäft und seiner Familie etwas Glück zu wünschen.


        Zeit für einen Bellini, dem Kultcocktail aus Sekt mit Pfirsichsaft, in „Harry's Bar" am Ufer Schiavone. Gegenüber im Zattere-Viertel, wo tags die Wäsche auf der Leine flattert, erklingt in der Gesuati-Kirche Vivaldi, Musik von Venedigs berühmtestem Komponisten (1678-1741). Sein Palast steht nahe der Seufzer-Brücke und ist heute die Nobelherberge ‚Metropole‘. In den Salons wird seine Zeit wieder lebendig: Als die Dogen glanzvolle Feste gaben, Casanova die Damen in Atem hielt, und die Venezianer Karneval feierten.

Karneval in Venedig


Possenspiel ohne Ende: Karnevalstreiben wie zu Casanovas Zeiten in der Stadt der Künste und des Wassers


        Noch liegt Venedig im Winterschlaf. Aber in wenigen Tagen wird die Stadt der Kanäle erwachen, die Venezianer tauchen aus dem Mantelfutter wieder auf - zum Karneval. Mehr denn je zeigt sich dann Venetiens Hauptstadt von seiner schönsten Seite - die 'Diva' versprüht ihren Charme und ist reizvoller denn je. Die ganze Stadt wird zur Theaterkulisse für Umzüge, Konzerte und aufregende Bälle. In den Gassen, Gondeln und unter den zahllosen Brücken wird ausgelassen gefeiert. Dann werden die Geschicke der Stadt wieder von Pulcinella, Pantalone und vielen anderen klassischen Figuren der Karnevalsgeschichte bestimmt - spontan und fröhlich.
        Seit nahezu tausend Jahren wird in Venedig Karneval gefeiert. Das war auch im 18. Jahrhundert so. Doch der nüchterne Napoleon setzte dem Possenspiel ein Ende, ließ alle Masken verbrennen. Erst seit 1979 wird wieder "Carne-vale" („Fleisch-ade") gefeiert. Zwölf Tage lang, vom 25. Februar bis 8. März, verschwinden die Gesichter hinter phantasievollen, raffinierten Masken, die die sozialen Unterschiede vorübergehend verwischen: Jeder ist gleich, der Arbeiter genauso wie der Professor. Die perfekte Bühne sind die Campi, eng von Häusern umschlossen wie von Kulissen, der Canal Grande mit den prächtigen Palazzi und majestätischen Bauten, die sich im Wasser spiegeln.


        Engelsflug über die Serenissima
        Eröffnet wird das Spektakel am 27. Februar mit dem „Engelsflug" und dem traditionellen Maskenumzug von Künstlern, die mit Fackeln und Trommeln zu den grossen Plätzen der Stadt ziehen und den Karneval entfachen. Höhepunkte der tollen Tage sind der offizielle Dogenball "Ballo Tiepolo" in dem wohl schönsten Palazzo Pisani Moretta und der "Ballo Belle Epoque" im Palazzo Albrizzi. In den Salons der Paläste wird die Zeit lebendig, als Venedigs Dogen glanzvolle Feste gaben und der legendäre Casanova die Damen in Atem hielt.


        Bauta und Commedia dell'Arte

        Auch in der letzten, der wohl lustigsten Nacht, bevölkern Venezianer und Gäste aus aller Welt den Tendone la Bauta, nahe dem Campo San Polo. Jeder ist Zuschauer und Akteur zugleich. Einheimische und weltweit bekannte Artisten, bunte Harlekin- und pop uläre Commedia dell'Arte-Kostüme wirbeln über den Platz. Es wird zusammen getanzt, gelacht, gesungen. Gemeinsam sieht man zu, wie die Puppe des 'Carnevale' im gleißenden Licht des Feuerwerks verbrennt und man wartet auf das Mitternachtsläuten des Campanile San Marco. Nach dem ausschweifenden Genuß kommt nun die Rückkehr zur Vernunft und die Buße der Fastenzeit.

 

zum Vergrößern bitte ein Foto anklicken!

Infos:
Pauschalreisen: Am günstigsten ist die Kombination Flug/Hotel, da an den Karnevalstagen die Hotels überhöhte Preise nehmen. Zum Beispiel bietet Ventoura-Reisen, Berlin, spezielle Karnevalspreise an, Tel. 030/28 53 33-70 Fax: -111. Oder Airtours, Frankfurt/M: Tel. 069/7928-0. Nahezu alle Veranstalter (auch FTI, München, s.o.) haben Venedig im Städteprogramm;
Preiswerte Hotelzimmer ab 40 Euro/DZ/F über's Internet.
Karneval-Höhepunkte: Karnevalszeit ist vom 25. Februar - 8. März. Mit dem großen Umzug am 25.2. von San Pietro di Castello zum Markusplatz beginnt das Spektakel des „Carnevale". - Am 27. Februar ist der "Engelsflug", das symbolträchtigste Fest auf dem Markusplatz sowie das "Dinner mit Casanova" im Palazzo Albrizzi. - Am 3. März startet nachmittags der "Grosse Maskenball" auf dem Markusplatz, hunderte von Masken tanzen vor der Kulisse der Piazza. - Am 5. März fahren geschmückte Barken und Gondeln mit kostümierten Gästen auf dem Canal Grande. Kostümbälle kosten 80 - 500 Euro.
Kostüme: Verleih: San Marco, Campo San Stefano, 2806; oder „La Venexiana" in Castello, Ponte Canonica 4322; - Masken bietet Carta Alta, Dorsodoro 1737, an.
Karten-Service bei Ventoura: Tel. 030/28 53 33 70.
Auskunft: Ital. Fremdenverkehrsamt ENIT, Frankfurt/M; Tel.: 069/23 74 34,

enit.ffm@t-online.de; www.enit.de

 

Ski Jazz in luftigen Höhen
Mit großen Schritten durch die Dolomiten
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 Auf leisen Sohlen durch den Schnee, abseits von gespurten Loipen und Pisten. Wer schon einmal die federleichten Schneeschuhe angeschnallt hat, kennt ihre Vorzüge. Sie ermöglichen das Wandern durch den Tiefschnee und auf Gipfel, die sonst nur Skitourengehern vorbehalten sind. Und wer im Trentino hoch hinauskommt, sieht unberührte Berghänge und überall lockeren Pulverschnee. Die Skigebiete gelten wegen der Hilfe von Schneekanonen bis Ende März als schneesicher.
Ist es nicht schön, wenn man morgens aufwacht und die Sonne in´s Zimmer scheint? Die Berge ringsum strahlen weiß und die Bäume vor dem Fenster tragen glitzernde Häubchen, wie sie es nur tun, wenn es frisch geschneit hat. Das klingt wie ein Märchen? Es ist auch eins. Vorausgesetzt, der Ort liegt hoch. Denn mit jedem Höhenmeter steigen die Chancen auf das weiße Wunder, das wartet vielleicht hinter der nächsten Kehre. Oder doch erst hinter der nächsten. Wer von Verona aus durch das Fleimstal fährt, dann eine der hoch gelegenen Passhöhe San Pellegrino in den Dolomiten ansteuert, hat die Gewissheit, im Schnee zu landen. Spätestens auf 2020 Metern liegt ein weißer Teppich. Von Dezember bis April, garantieren die Prospekte des Ortes, gebe es Schnee. Mit Saisonbeginn am 1. Dezember laufen täglich die Lifte. Dann werden fünfundfünfzig Zentimeter griffigen Pulverschnee gemeldet.
Wären die Winter hier oben früher schneearm gewesen, wer weiß, vielleicht wäre der Passo San Pellegrino auf ewig die Kuhalpe geblieben, die sie über Jahrhunderte war, eine Hochebene, auf der die Bauern ihr Vieh weideten, mehr nicht. All die Hotels und Pensionen, die Gasthöfe und Läden, die Disko´s, die Lifte und Hütten gäbe es nicht.
Es gäbe auch nicht im März das Ski Jazz Festival in luftigen Höhen. Am Nachmittag stehen die Musiker entlang der Pisten und begeistern das Publikum. Am Abend verschiebt sich die Jazzszene in die Berghütten, in das Dorfzentrum, in Pubs & Discos sowie in die Night Clubs.
Wer den Winter im Trentino abseits der Skipisten und Sessellifte erleben will, macht sich am besten mit Schneeschuhen auf den Weg nach Val Venegia, empfiehlt Deborah Dorigoni vom Trentino Marketing. Da gibt es Gegenden, wo noch niemand den Schnee betreten hat. Wege, die noch keiner gegangen ist.
"Beim ersten Schritt ist man noch Anfänger, beim zehnten schon Profi", ermutigt der Bergführer Alberto die sieben Schneeschuhwanderer. Gedrängelt wird nicht, und dass die ungebremste Schussfahrt des Hintermanns auch in´s Augen gehen könnte, darüber muss sich hier niemand Sorgen machen. Da zählen allein die Eindrücke unterwegs: tief verschneite Tannen, ein Bächlein unterm Eis, die Spuren eines Hirsches im Schnee.
An Stelle von schnittigem Stil erfordern Schneeschuhe eher gediegene Bedächtigkeit. Gewöhnungsbedürftig ist diese Art des Bergwanderns trotzdem. Schließlich bewegt man sich nicht alle Tage in derart unförmigem Schuhwerk. Gut, dass beim Schneeschuhwandern Zeit genug bleibt für beliebig viele Pausen. In der Almhütte Venegia wird gehalten. Vorn sieht man das Panorama der Pala-Gruppe mit ihren bildschönen Dreitausendern.
Die Dolomiten zeigen ihre ganze Pracht und Wildheit wie zu einem großen Finale. Um einer Mondlandschaft ähnlichen Hochfläche, erheben sich nacheinander die Cima dei Burleoni, Cima della Vezzana, Sass Maor, Cima della Madonna und das Wahrzeichen der Pala Gruppe, der "Cimon della Pala". Fast kann man sich fühlen wie im vorletzten Jahrhundert, als man in Alpendörfern mit großflächigen Schuhen von einem Hof zum anderen im Tiefschnee dahinstapfte.
Für Anfänger, Genuss-Skifahrer und Familien ist das Frühjahr die beste Zeit, die Skigebiete in den Dolomiten zu besuchen. Jetzt hat man nicht mehr mit strenger Witterung zu kämpfen, die Tage sind schon länger und die Sonne wärmt.
Wenn man nach ausgiebigem Pistenspaß den Skitag etwas früher beschließt, bleibt noch Zeit, die Gegend zu erkunden. Die Bergbahn, die das ganze Tal durchquert, führt durch eine verträumte Landschaft. Tannenwälder und Laubmischwälder wechseln sich ab. Wer bis nach Cavalese fährt, kann durch die alten Gassen der kleinen Stadt mit mediterranem Flair schlendern.
Zum Relaxen geht es am Besten in die Therme Dolomia. Bei entspannenden Saunagängen und Wellness-Anwendungen lässt sich hier ein ereignisreicher Tag, der in alpiner Kulisse begonnen und in mediterranem Ambiente geendet hat, wunderbar beschließen.

Informationen:
In Höhenlagen zwischen 860 und 2 388 Meter gibt es im Val di Fiemme insgesamt 108 sehr abwechslungsreiche Pistenkilometer, die für Anfänger und Fortgeschrittene genauso wie für Familien optimal geeignet sind. Von den 46 Bergbahnen und Skiliften gibt es garantiert nicht nur einen, der genau die Abfahrt bedient, die Sie sich wünschen. Snowboardern steht außerdem ein große Funpark mit Rails und Kickern und sogar eine Halfpipe zur Verfügung.


Auskunft:
www.visittrentino.it mit Webcams im Trentino. An wichtigen Wintersportorten sind Spezialkameras aufgestellt, die Bilder der Pisten übertragen und somit einen aktuellen Überblick über die Situation bieten.
Val di Fiemme
Telefon: 0462 241111, Fax: 0462 241199
Internet: www.visitfiemme.it
e- mail: info@visitfiemme.it

Weite grüne Wiesen, schneebedeckte Gipfel und wilde Wasserläufe befinden sich im Stilfserjoch-Nationalpark

Natürlich erholen im Trentino
In den Thermen von Rabbi heilt das Quellwasser von innen und außen
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 Rabbi, eine alpine Ortschaft im Nordwesten des Trentino, ist seit Jahrhunderten mit zwei Gütesiegeln in ganz Europa bekannt: die Schönheit seiner Landschaft inmitten des Stilfserjoch-Nationalparks und das aus kristallklaren Quellen sprudelnde Heilwasser. Schon 1777 ließ sich die österreichische Kaiserin Maria Teresia auf Anraten ihrer Hofärzte das Mineralwasser aus den Rabbi Quellen liefern. Gleich am Eingang des Kurhotels Terme di Rabbi sprudelt aus dem Brunnen das heilkräftige Nass.

 Dr. Giovanni Rubino empfiehlt jedem Gast, der dort kurt, eine Trinkkur. "Die hochkonzentrierte Kohlensäure wirkt sich positiv auf den Verdauungsprozess aus", erklärt der Mediziner. Und so begegnet man in den gepflegten Anlagen des Kurparks überall großen und kleinen Leuten mit Bechern in der Hand. Doch nicht nur trinken kann man das Wasser. Die Konzentration der Kohlensäure im Wasser bewirkt, dass sie die zahlreichen Mineralien mit einer eigenen therapeutischen Wirkung bindet. Sechs bis zwölf Tage sollte man sich einer Kur unterziehen, wenn man unter Arterienerkrankungen, Cellulitis, Fettleibigkeit, Rheuma oder einer Stoffwechselkrankheit leidet. Im Kurhaus gibt es Bäder mit Heilwasser und verschiedene Massagen. Kürzlich wurde der Relax- und Badebereich wieder eröffnet, wo sich der Besucher in einer regenerierenden Whirlpool-Wanne einfach nur entspannen kann.

Mehr als dreihundert Jahre ist es her, dass erste Berichte die wohltuende Heilkraft des Wassers rühmten. Jedoch wurde die Quelle viel früher von einem Ziegenhirt und seiner Herde entdeckt. Die Ziegen tranken nur selten am Ufer der zahlreichen Bäche. Sie stärkten sich an einer kleinen Quelle, die aus rötlichem Gestein sprudelte, obwohl das Wasser einen besonderen Geschmack und Geruch hatte. Doch das Fell war glänzend und die Milch hatte einen hervorragenden Geschmack. Bastianel und seine Ziegen hatten im Jahr 1650 die Antica Fonte entdeckt.
 Anfang des 19. Jahrhunderts wurde über die Quelle ein Kurgebäude mit 26 Räumen, 51 Wannen und 5 Heizkesseln errichtet. Schon damals wurde das Wasser der Antica Fonte nicht nur getrunken, sondern auch zum Baden verwendet. Mitten im Tal Val di Sole zwischen drei mächtigen Bergmassiven der Alpen brachte der Kurbetrieb den Aufschwung. In den umliegenden Orten entstanden Gasthöfe und Kaffeehäuser. Die Holzwannen im Kurhotel wurden durch Wannen aus Stein oder Metall ersetzt.
 Aus den Quellen trank schließlich die ganze Welt. In Flaschen wurde das Quellwasser aus Rabbi abgefüllt und exportiert.
 In wissenschaftlichen Studien wurden gute Ergebnisse in der Behandlung von Krampfadern und anderen Beschwerden, die auf schlechte Durchblutung zurückzuführen sind, nachgewiesen.
Beliebt sind die neuen Wellness-, Gesundheits- und Schnupperwochen mit Heilkräuterpackungen, um Körper, Geist und Seele wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
 Doch auch die landschaftliche Schönheit lockt immer mehr Besucher an. Inmitten einer Bergkulisse, die von grünen Tannen- und Lärchenwäldern umgeben sind, lässt es sich gut wandern. Das gesamte Tal liegt einem zu Füßen. Wer leise auf Wanderschaft geht, begegnet Hirschen, Rehen und manchmal sogar einem weißem Hasen.

Eigenschaften des Mineralwassers: bikarbonathaltig, alkalisch, eisenhaltig, hochkohlensäurehaltig. Mineralstoffe: Kohlendioxyd, Eisen, Bikarbonate, Spurenelemente.
Kurprogramm: Nach einer ersten ärztlichen Untersuchung wird ein individuelles Kurprogramm ausgearbeitet. Bezüglich einer Kurbeihilfe wenden sich die Gäste des Kurhotels an ihre Krankenkasse.

Informationen:
Terme di Rabbi
Fonti di Rabbi, 162 38020 Rabbi (Tn) Italy
Telefon +39 0463/983000 - +39 0463/983050, Fax: +39 0463/985070
E-mail: termeinformazioni@cr-surfing.net
Internet:
www.valdirabbi.com
, www.termedirabbi.it
Öffnungszeiten: Mai - Oktober
Anfahrt: Ryanair, Germanwings oder Air Berlin fliegen mehrmals wöchentlich die Flughäfen rund um das Trentino an.
Air Dolomit startet dreimal täglich von Frankfurt/Main und München nach Verona. Von dort kann man die Fahrt mit dem Mietauto oder mit dem Bus fortsetzen.
Per Landweg liegt das Trentino auf durchgehenden Autobahnen nur wenige Stunden von Deutschland entfernt. Parallel zur Etsch verläuft die A22, die Brennerautobahn, die das Trentino von Nord nach Süd Richtung Verona durchquert. Von jeder Abfahrt können Urlauber auf kleineren gut ausgebauten und beschilderten Straßen in die Täler und Ortschaften