Deutschland

Rhein-Kreuzfahrten mit Jubiläums-Vorteil bei A-ROSA

Land Bayern

Im Berchtesgadener Land Kraft tanken, Natur genießen und sich kulinarisch verwöhnen lassen

 

Text und Fotos von  Annchen Witt

 

Sommer und Herbst sind die Jahreszeiten intensiver Reiseerlebnisse. Die Luft ist angereichert von süßen Blüten und reifen Früchten. Frisch gemähtes Gras und warmer Regen auf heißem Stein kurbeln unsere Glückshormone an. Die Natur atmet und wir schmecken das pure Leben auf den Lippen. Dieses Lebensgefühl spiegelt sich wieder, wenn wir mit dem Regionalexpress von München Richtung Salzburg mitten durch eine saftige, grüne  Wiesenlandschaft mit einem bunten Bergblumenmix rattern. Die rotweiß, gefleckten Kühe auf den Weiden lassen sich nicht vom Zuggetucker stören, sondern zermalmen bedächtig die duftenden Wiesenkräuter. Am Horizont bietet  die mächtige Alpenkette einen paradiesischen Blick. Eigentlich möchte man gar nicht aussteigen als es heißt: „Holzhausen“. Das ist die Bahnstation Richtung Teisendorf zu unserem Feriendomizil, „Gut Edermann“. In wenigen Minuten ist der historische Gutshof erreicht, wo Ruhe und Beschaulichkeit inmitten einer Biosphärenregion im Berchtesgadener Land zur Entpannung einladen. Mittlerweile schickt die Sonne ihre Strahlen durchs grüne Blätterdach vorm Haus, flirtet mit den Blättern und verwandelt die gerade gefallenen Regentropfen in kleine Juwele. Diese Spieglungen lassen fantastische Szenen entstehen und regen unsere Fantasie an. Mit allen Sinnen wird die klare Landluft geschnuppert und schrittweise die Umgebung mit all seinen Facetten erkundet.

Das Hotel in ländlicher Natur entpuppt sich als edles Refugium mit einem exklusiven 2500 m² großen AlpenSpa. Hier philosophiert der Gastgeber, Direktor Michael Stöberl und sagt: „ Freiheit, Ruhe und wirkliche Entspannung meiner Gäste liegen mir am Herzen. Bei uns soll jeder glücklich sein, es soll jedem gut gehen.“ Die herzliche und offene Art des Direktors und seiner Mitarbeiter zeigt, dass viele „ Wiederholungstäter“ kommen. Ein Trend, der dem erfahrenen Stöberl, der einst als  Eisschnellläufer einen Namen  hatte, beweist, dass er mit seiner Strategie richtig liegt. Erst 2013 wagte er als Quereinsteiger den Schritt zum Hoteldirektor. Der Erfolg gibt ihm Recht.

Der Gutshof von einst, ist heute ein Genuss-und Spahotel und erstrahlt im modernen Ambiente, verbunden mit historischen Elementen. Wie zum Beispiel der einstigen Bauernstube, wo die historische Holzverkleidung mit kunstvollen Originalschnitzereien dem aufmerksamen Gast sofort auffallen. Darauf ist auch Michael Stöberl stolz, denn er sagt: „ Wir haben diese Friese in mühevoller Kleinarbeit reinigen lassen und auch die Lampen sind historische Kleinode.Wir verbinden  hier im Hause Modernes mit Althergebrachten und lassen es zu einer einzigartigen Symbiose verschmelzen“.

 

Die Natur lockt Urlauber hinaus ins Grüne und lädt zu Spaziergängen durchs Dorf oder den nahegelegenen Feldern ein. Wer etwas besser zu Fuß ist, sollte die Wanderschuhe schnüren und zum Königssee, zum Watzmann, dem Berchtesgadener Land  oder dem Chiemgau aufbrechen.Es gibt schier unendliche Möglichkeiten die nähere Umgebung zu erforschen. Das rund 200 Kilometer umfassende Radwegenetz und diverse Bergtrails versprechen spannende Touren. Wer lieber Schwimmen mag, sollte einen Sprung ins erfrischende Nass zum Waginger, Tachinger, Abtsdorfer oder Höglwerther See wagen. So hat jede Jahreszeit ihre Farben, ihre Gerüche, Stimmungen und Besonderheiten. Gabi und Horst aus Osnabrück bestätigen das. Sie nehmen  hier zum wiederholten Male eine Auszeit und empfehlen außerdem die bereits über Bayerns Grenzen hinaus bekannte Küche, wo der 34 jährige Koch Ronny Völkel das Regime führt.

 

Kochen meine Leidenschaft

Herzstück aller Gastfreundschaft ist hier die hervorragende Gastronomie, wo der junge Koch mit einem hervorragendem Team und seiner kreativen Küche auf wartet. Er erzählt, dass er unbedingt Koch werden wollte. Gern habe er seiner Oma schon als Bub über die Schultern geschaut und neugierig in die Kochtöpfe geguckt. Er innere sich noch genau, wenn die Oma dann einen saftigen Braten servierte und sagte: „Nun iss mein Junge.“ Es schmeckte stets erstaunlich gut und das lockte ihn, diese Kochkünste selbst zu erlernen. So war es nur eine Frage der Zeit bis Ronny Völkel, gebürtiger Sachse aus Lohmen ( Sächsische Schweiz) ins Dresdner Hilton in die Lehre kam und dort das Handwerk von der Pike auf erlernte. Mittlerweile kann er auf mehrere nationale und internationale Stationen zurückblicken, die ihn unter anderem ins „Hilton Wien“ führten bis er vom Hotel Gut Edermann entdeckt wurde. Weiter erzählt er: „Diese Passion der Leidenschaft zum Kochen hält mich bis heute gefangen und wenn ich beim Zubereiten und Abschmecken bin, achte ich genau auf die Produkte, denn meine Küche basiert auf Bodenständigkeit mit frischen Produkten, vor Allem aus der Region. Zum Beispiel das Fleisch kommt von nahegelegenen Bauernhöfen, Fisch zumeist aus den heimischen, glasklaren Seen Bayerns, Säfte von der Kelterei Greimel und Biere von der Brauerei Wieninger, Milch aus dem Berchtesgadener Land , Mineralwasser aus Bad Reichenhall und die Wildkräuter von den Wiesen rund um das Gut Edermann. Mit dieser regional verbundenen Einstellung wird bei uns nicht nur gesund gekocht, sondern zugleich die Region gestärkt“. Er erklärt: „Die Frische der Zutaten ist dabei oberstes Gebot. Ich kann das Essen erst servieren lassen, wenn ich überzeugt bin, das es meinen Gästen schmeckt. Natürlich weiß ich mittlerweile, dass die Leute, die zu uns zum Essen kommen, hier mit Genuss ein geschmacksintensives Erlebnis auf der Zunge zelebrieren wollen“. So bietet das Haus besondere Angebote für Feinschmecker in verschiedenen Restaurants an, wo auf hübsch, dekorierten Tischen feine Köstlichkeiten und gut temperierte Getränke kredenzt werden. Die Gäste sind begeistert vom   detailverliebtem Service und der ambitionierten Kulinarik. Völkel und seine Mannschaft überraschen stets mit Kompositionen von frisch gesammelten Kräutern und Blüten aus dem hoteleigenen Kräutergarten oder je nach Jahreszeit mit Rapsblüten, Malven, Schafgarbe, Spitzwegerich von den Wiesen vor dem Haus. Nicht nur das Team um Ronny Völkel bietet mit wechselnden  Menüs Spitzenkreationen an, sondern diese werden von höchst aufmerksamen Bedienungsfachkräften liebevoll serviert.

 

Bodenständiges bis hin zur Gourmetküche

Deshalb wurde die Küche des Hauses auch  mit dem Falstaff Gasthausguide 2017 mit hohen 87 Punkten ausgezeichnet. Das solide Wissen um die Zubereitung der Spezialitäten bietet eine perfekte Mischung aus Erfahrung, Kreativität, Höchstgenuss an Geschmack und Ehrgeiz des Kochs und seines Teams. Sämtliche Speisen werden ohne Geschmacksverstärker, hochwertig, gesund, und ehrlich zu bereitet, versichert Ronny Völkel. Schlemmen ohne Reue, könnte das Motto lauten, darüber sind sich Koch und Gäste einig. Ronny Völkel hat sich bereits einen Namen gemacht und prägt nun seit über drei Jahren die kulinarische Linie im Hotel Gut Edermann. Sein echtes Küchenhandwerk verzaubert nicht nur Hotelgäste, sondern auch viele Feinschmeckertagesgäste aus der Region. An schönen Tagen lassen sich die Freunde der Kulinarik auf der Panoramaterrasse nieder und genießen zusätzlich die herrliche Aussicht. Hier liegen noch immer unberührte Schätze der Natur im Verborgenen, nicht zuletzt die regionalen, feinen Gaumenfreuden, die ihren Weg auf die Teller der Gäste des  Gutes Edermann  finden. In der gemütlichen Bauernstube und im Designrestaurant MundArt werden ebenso Delikatessen serviert wie im Festsaal oder im Wintergarten. Eins ist im Edermann gewiss: Genuss wird hier großgeschrieben.

Vom Kochkünstler Völkel wird in Zukunft noch einiges hören zu sein, denn schon jetzt gehört er zu den Aufsteigern des Jahres und konnte sich unter den führenden Restaurants in Bayern bestens etablieren. 

 

Wellness Profi Rundumverwöhnung

Ort der Kraft und Ruhe

Am Naturbadeteich mit Blick ins Grüne und auf die Berge stellt sich schnell die Erholung ein. Massagen und regenerierende Kosmetikanwendungen verwöhnen die Gäste. In der großen Wellnesslandschaft vereinen sich ein Indoorpool, eine vielseitige Saunalandschaft, Private-Spas, Ruheräume. Im Wohlfühl-Areal locken unter anderem medizinische Wohlfühlbäder, Genussbäder, Wasseranwendungen nach der Kneippschen Lehre, wohltuende Massagen und Beautybehandlungen. Das Ensemble, eine Welt der Sinne und der Sinnlichkeit, die Badekultur mit moderner Spa-Philosophie vereint außergewöhnlichen Spa-Genuss.

Info: 

GUT EDERMANN e.K. 83317 Teisendorf/ Holzhausen 2

Telefon 08666/92730, www.gut-edermann.de

-liegt in absoluter Ruhelage auf einem Hochplateau oberhalb Teisendorfs (15 Minuten von der Autobahn A8 München-Salzburg). Der Chiemsee und der Königssee im Nationalpark Berchtesgaden sind in kurzer Zeit erreichbar. Kulinarische Genüsse, Naturerlebnisse und Wellness

Alpenspa mit der einzigartigen Almyurveda

Hopfen – das „grüne Gold der Hallertau“ und die „Seele des Biers“

Text und Fotos: Diana Seufert

 

„Dass die edle Jauche Wellen schlag' in unsrem Bauche, prost!“ Der Trinkspruch von Inge Neumaier sorgt für Heiterkeit in der Frauengruppe aus Abensberg. Ihr Mann war lange Jahre Braumeister in der dortigen Brauerei Ottenbräu. Auch Hopfenbotschafterin Elisabeth Stiglmaier begeistert sich für den Reim. Von der Biersommeliere erfahren die Frauen und auch die drei Männer vieles über die Heilkraft des Hallertauer Hopfens, der nicht nur beim Bierbrauen seine beruhigende Wirkung entfaltet.

Die Region rund um  Ingolstadt ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet in Deutschland und deckt rund ein Drittel des Weltbedarfs. „Natürlich wandert das meiste in die Bierherstellung“, erzählt die Fachfrau, die im kleinen Örtchen Attenhofen lebt, umgeben von unzähligen Hopfengärten. Elisabeth Stiglmaier kennt sich mit den Reben aus und gewährt einen Einblick in die arbeitsintensive Ernte und das Darren der Dolden. Schließlich betreibt die Familie seit vielen Jahren  Hopfenanbau. 

Die Begeisterung, die Elisabeth Stiglmaier für das „grüne Gold der Hallertau“ hegt, gibt sie gerne und sehr charmant an die Gäste weiter – ob beim Hopfenlied mit Zither-Begleitung oder als historische Hopfenzupferin, die von der beschwerlichen Ernte berichtet. Das Niederbayerische ist für Gäste jenseits des „Weißwurstäquators“ nicht immer ganz leicht zu verstehen, aber Elisabeth Stiglmaier liefert auch gerne die passende „Übersetzung“. Bei ihren Führungen geht es hinaus in die Hopfengärten, wo man nicht nur den speziellen herben Geruch beim Zerreiben einer Dolde schnuppert, sondern auch  das Wachstum der Rankpflanze beobachten kann. Bis zu 30 Zentimeter schaffen die Reben am Tag. Erst wenn sie die Hilfsdrähte in rund sieben Metern Höhe erklommen haben, machen sie sich im Juni und Juli an die Blüte. Geerntet wird frühestens im September. Praktisch für die Landwirte: Hopfen kann 40 Jahre und älter werden sowie auf dem gleichen Feld wieder angepflanzt werden. Genutzt werden aber nur die weiblichen Pflanzen. Weil der Brauhopfen nicht befruchtet sein darf, werden die männlichen Exemplare und der Wildhopfen sogar gerodet.

Für die meisten Gäste sind die grünen lupulinsäurehaltigen Dolden eine der vier Grundzutaten neben Wasser, Gerste und Hefe beim Bierbrauen. Und mit dem Reinheitsgebot, das vor 500 Jahren im nahen  Ingolstadt erlassen worden ist, existiert  auch das älteste Verbraucherschutzrecht. Elisabeth Stiglmaier hat für ihre Besucher aber zur Einstimmung ein anderes Schmankerl: Hopfentee. Bitter ist das Gebräu, das gerne mit Zucker und Minze „verändert“ werden darf. Die Hopfenbotschafterin brüht die Dolden auf und lässt den Sud gut ziehen.

„Der Hopfen bräuchte als Arzneipflanze mehr Aufmerksamkeit.“ Die will sie ihm schenken. Bereits Hildegard von Bingen hatte die antiseptische Wirkung und das Haltbarmachen durch die Dolden erkannt. Die Volksmedizin nutzte die Pflanze bei Nervosität, Rheuma und Gelenkschmerzen, aber auch als Linderung bei Wechseljahrsbeschwerden. Denn der Hopfen enthält Phytohormone, die dem Östrogen sehr ähneln. Neben einer beruhigenden und Blutzucker senkenden  Wirkung kann die Pflanze auch präventiv zum Einsatz kommen. Dem Wirkstoff Xanthohumol wird  bei Krebs eine lindernde Wirkung nachgesagt. Aber Stiglmaier warnt vor der Versuchung: Viel hilft viel.  Wie bei jeder Arznei komme es auf die Dosis an.

Der Wildhopfen in der Region wurde schon um 500 n. Chr von den Wenden genutzt und im 9. Jahrhundert bereits kultivieren. „Wo der Wein der Römer versagt hat, gedieht der Hopfen.“ Gerade der Lösslehmboden der Hallertau tauge dafür sehr gut. Heute existieren von der Arzneipflanze des Jahres 2007 bis zu 40 verschiedene Sorten. Einige wachsen auf dem Stiglmaier-Hof. Wie der klassische Hallertauer Taurus, der dem Bier seinen leicht herben Charakter verleiht. Für die Gruppe hat die Vorsitzende der Landerlebnisführerinnen Bayerns ein paar besondere Biersorten zum Kosten ausgewählt. Von einer Variante, die an Weißwein erinnert, bis zum Zitrusgeschmack gibt es zahlreichen Züchtungen auf dem Markt und in den Braukesseln. „Alles Geschmacksache.“  Kein Pardon gibt es aber beim richtigen Einschenken: Erst das Glas kühl ausspülen, langsam einschenken, riechen. Dann erst die Zungenspitze leicht eintauchen, um die Süßes zu erkennen. Erst danach darf ein richtiger Schluck genommen werden.

Wie aus dem Hopfen, Wasser, Malz und Hefe schließlich ein köstliches Bier entsteht, erfahren die Besucher bei  Kuchlbauers Bierwelt in Abensberg. Natürlich wird anschließend auch verkostet.  Die Kombination „Bier und Kunst“ darf hier wörtlich verstanden wissen. Mit dem 35 Meter hohen Turm hat der Österreicher Friedensreich Hundertwasser sein letztes Architekturprojekt  konzipiert. Sein Freund Peter Pelikan hat das Wahrzeichen der Brauerei nach dessen Tod dann umgesetzt.   Weithin sichtbar lockt es seit 2010 die Besucher an, die im Biergarten gerne sitzen. In der goldenen Zwiebelkuppel hat man übrigens einen wunderbaren Blick über die Hallertau.  Die Kunst und die geschwungenen Formen ziehen sich wie eine Schlange durch Brauerei und  Gelände. Einen Abstecher wert ist auch das KunstHaus gegenüber der Weißbierbrauerei. Eine Vielzahl an Hundertwasser-Werken sind hier zu bestaunen.

In der Region Hallertau wird aber nicht nur Bier, sondern auch Schokolade und Likör mit Hopfen hergestellt. Dass die „Seele des Biers“, der Hopfen, auch im Wellness-Bereich seine ätherischen Öle entfalten kann, zeigt sich im **** Hotel „Eisvogel“ in Bad Gögging (www.hotel-eisvogel.de), das sich seine Landgasthaus-Kultur bewahrt hat. „Hopfen-Well“ für Leib und Seele  haben sich  Geschäftsführerin Margit Zettl-Feldmann und ihre Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben. „Der Hopfen bestimmt das Leben in der Region und den Jahreslauf“, betont die Chefin. 58 Zimmer und sechs Suiten stehen zur Verfügung. Ob großzügiger Aufenthaltsbereich oder  freistehende  Badewanne: Die Zimmer sind gemütlich und man fühlt sich sofort wie zuhause. Spezielle Anwendungen gibt es im großzügigen Spa-Bereich. Entspannend ist ein Bad in den Hopfendolden oder auch eine Massage mit Hopfenöl. Die Behandlungsräume tragen übrigens die Namen der verschiedenen Hopfensorten. Und zur Erntezeit kreiert der Küchenchef gerne auch Gerichte mit dem grünen Gold, etwa ein Steak mit Hopfenkruste. Ein passendes Bier darf natürlich nicht fehlen.

Etwas ganz besonderes hat sich die Chefin für die Gäste ausgedacht. Es gibt in den Haus, das in den Hopfenfarben Gold, Grün und Creme eine beruhigende Gemütlichkeit ausstrahlt, neben den bekannten Varianten eine so genannte Faulenzer-Pension. Dabei können die Gäste nicht nur die  reichhaltige und hervorragende Kulinarik des Hauses bis in den späten Nachmittag genießen, sondern auch den großen Wellness-Bereich des Wellnesshotels des Jahres 2015. Oder man schwärmt in das parkartige Gelände um das erst kürzlich erweiterte Hotel aus. Der Abend steht dann für Erkundigungen in der nahen Umgebung oder in der hauseigenen Gaststube zur Verfügung.   Hier darf man  mit der Verwöhnpension mit köstlichen Menüs zum Abend den Gaumen streicheln.

Wer noch mehr über das bayerische Nationalgetränk erfahren möchte, schwingt sich zur Brauereiraldtour aufs Rad (www.brauereikarte.de). Ein Abstecher nach Kloster Weltenburg an der Donau zur ältesten Klosterbrauerei der Welt ist zu empfehlen. Bereits seit 1040 gibt es hier Gerstensaft. Bevor man sich aber im Biergarten niederlässt, sollte man sich aber die Klosterkirche St. Georg  der Brüder Asam nicht entgehen lassen.

Infos rund um die Themen Hopfen, Brauereien und Bier gibt es beim Tourismusverband im Landkreis Kelheim, www.tourismus-landkreis-kehlheim.de/bier oder unter www.hotel-eisvogel.de

 

Zum Jubiläum „500 Jahre Reinheitsgebot“ haben einige Brauereien spezielle Biere kreiert.

In Mainburg gibt es im Heimatmuseum eine passende Ausstellung zum Reinheitsgebot. Am 14.  August wird im Elsendorf das Hopferzupferfest auf Schloss Ratzenhofen (www.ratzenhofen.de) gefeiert.

Mit großem Genuss ins Gras beißen

Essbares Fichtelgebirge: Köche, Bäcker und Metzger verarbeiten frisches Grün aus dem Fichtelgebirge

 

Text und Fotos: Diana Seufert

 

 

Die Fichtenspitzen ummantelt eine zarte Hülle aus Schokolade und jede Menge Neugierde. Die hellen Triebe der Nadelbäume finden sich auf dem Dessert, während ein passender Sirup, mit Wasser aufgespritzt, gereicht wird. Kann man das essen, ist die Frage, die unausgesprochen in der Luft hängt. Man kann – und es schmeckt herrlich: nach Wald und nach jungem Grün. Und bei einigen auch nach Kindheitserinnerungen. „Bei uns darf man genussvoll ins Gras beißen“, sagt Jutta Hecht-Heusinger lachend. Die Chefin des Wildkräuterhotels „Schönblick“ in Fichtelberg, nur unweit des Fichtelsees gelegen, hat ihre Kollegen in der Region vom grünen Konzept überzeugt. Zehn Wildkräuterköche, ein Bäcker und ein Metzger haben sich zum „Essbaren Fichtelgebirge“ zusammengeschlossen und bieten Spitzenküche aus der Natur.
Die Zutaten, die schon der Dichter Jean Paul genossen hat, wachsen bei Friederike Heusinger, bei Thomas Puchtler vom „Deutschen Adler“ in Bischofsgrün oder auch bei Bernhard Raab vom Gasthof „Zum Loisl“ in Mehlmeisel auf den weiten Wiesen direkt vor der Haustüre. Was ungeschulte Augen für Unkraut oder bestenfalls zartes Viehfutter halten, ist für sie Heilkraut und die perfekte Ergänzung für Topf und Pfanne. Täglich frisch werden die Kräuter gesammelt, die auf dem Teller des Gastes landen. Wie der Spitzwegerich, der gegrillt die Bärlauchsuppe dekorativ ziert. Die Brennnessel wandert im Kuchen und Gundermann in der Panna cotta – gekrönt von jeder Menge Gänseblümchen.
Die Vogelbeere lässt sich nicht nur zu Hochprozentigem verarbeiten, sondern kandidiert hervorragend als Dekoration nutzen. Cranberrys braucht man im Fichtelgebirge nicht, die hat man sozusagen frei Haus. Dass Bärwurz nicht nur als Kräuterlikör seine heilende Wirkung entfalten kann, lernt der Gast ebenfalls schnell, wenn das dekorative Grün auf dem Teller oder in den Leberkäse kommt.
„Mit Kräutern kann man sehr viel machen“, weiß die Initiatorin des Zusammenschlusses „Essbares Fichtelgebirge“, Jutta Hecht-Heusinger. Der innovative Verein, der 2010 ins Leben gerufen worden ist, hat sich das Ziel gesetzt, Tradition mit Moderne zu verknüpfen, indem er altes Wissen um Wildkräuter mit kreativer Kochkunst kombiniert. 1200 Kräuter wachsen in der Region in Oberfranken, direkt an der Grenze zu Tschechien. Und ein Großteil davon ist essbar.
Diesen reich deckten Tisch nutzen die Köche und probieren bei den regelmäßigen Treffen viel Neues aus. „Jeder interpretiert die Kräuter anders, gibt den Gerichten eine ganz besondere Note.“ Rezepte werden ausgetauscht und je nach Saison abgewandelt. Der größte Erfolg für Jutta Hecht-Heusinger: „Die Gäste kommen gerade wegen der Kräuterküche.“
Gemeinsam ist den Köchen allerdings der Anspruch, mit regionalen Produkten Außergewöhnliches zu präsentieren – und die Zertifizierung. Nicht jeder kann sich einfach Wildkräuterkoch nennen. Für diese Bezeichnung ist eine umfangreiche Schulung nötig. In vielen Stunden der Theorie und Praxis haben sich die Köche weitergebildet und legen zum Abschluss eine Prüfung vor der IHK Oberfranken ab. Unterstützung erhält der Verein auch durch das Land Bayern.
Wer nicht nur Lust zum Genießen hat, sondern selbst mit Wildkräutern kochen möchte, sollte in der Kochschulküche in Ebnath vorbei schauen. Hier kann man einmal im Monat den Wildkräuterköchen über die Schulter blicken. Bei den Wildkräuterwanderungen durch das Fichtelgebirge bringen die Experten jedem bei, wie man die Kräuter richtig erkennt und verarbeitet. Daneben gibt es so manchen Tipp oder neue Kreation – je nach Saison. Denn auch das ist den Köchen wichtig: „Es kommt nur auf den Teller, was gerade auf den Wiesen wächst.“

 

Infos gibt es unter www.essbares-fichtelgebirge.de oder bei der Tourismuszentrale www.tz-fichtelgebirge.de

Weihnachtsmärkte in Franken

Mit Tradition, romantisch und stimmungsvoll: Fürth, Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl..

 

Text und Fotos: Katharina Büttel         


   

 

 

       Advent, jedem das andere: locker und lustig am Punschstand oder mit Kind und Kegel zum Christkindlmarkt; vorweihnachtliche Festlichkeit mit klassischer Musik und feinen Genüssen oder Rückzug ins Bauernhaus mit einem Gläschen Hochprozentigen hinterm Kaminfeuer. Die drei Mittelalterstädte bieten eine Vielfalt an stimmigen Feiern und traditionellem Brauchtum.

         Eben noch Waldorfschülerin, steht Lena nun auf dem Balkon des Handwerkerhauses auf der Fürther Freiheit. Ein Chor stimmt Weihnachtslieder an. Plötzlich Licht, ein Raunen geht durch die Menge. Da ist es, das Christkind. Das Fürther Christkind in seinem langen, weißen Gewand, eine Krone auf dem goldgelockten Haar, eingerahmt von vier Engeln. „Vom Himmel hoch, da komm ich her, wie war mein Weg so weit und schwer. Doch weil ich weiß, dass diese Stadt so schöne alte Kirchen hat, komm‘ ich besonders gern, begleitet von einem hellen Stern“, verkündet es feierlich.

           Alle Jahre wieder, am Donnerstag vor dem ersten Advent, wird in Fürth der Weihnachtsmarkt mit dieser Zeremonie eröffnet. Umringt von Kindern, bahnt sich das Christkind seinen „irdischen“ Weg durch „Lichterglanz und Budenzauber“. „Andere wollten Prinzessin werden, ich seit meiner Kindheit Christkind“, erzählt die junge Frau. Als Christkind besucht sie Obdachlose, Kranke, Altenheime, Kinderheime. „100 Termine stehen bis Weihnachten an“, erzählt sie bei einem leckeren Eierpunch, der der beste in ganz Deutschland sein soll. Punsch wurde übrigens in Indien erfunden und als „punch“ von den Engländern nach Europa gebracht. „Im Punsch steckt das Wort Fünf, indisch „pantsch“. Der war nämlich eine Mischung aus fünf Zutaten: Rum oder Arak, Wein oder Wasser, Tee, Zucker und Zitronensaft – verdammt gut, genauso wie der „weiße“ Winzer-Glühwein.

       Nur wenige Schritte sind es zu den Buden des Mittelaltermarktes, aus denen es duftet, funkelt und schalmeit; Öllampen und Kerzen sorgen für Atmosphäre. Oscar, der Feuertänzer, schwingt brennende Fackeln zur Musik auf historischen Instrumenten; Schmiede hämmern „alte“ Ritterhelme in Form; Zauberer ziehen Kinderscharen um sich, Filzer werkeln an ihren bunten Kreationen. Fröstelnde Besucher können sich in einem Eichenzuber aufwärmen – dazu werden Honigkekse und Hypocrass aus Wermuth und Rosenwasser gereicht – angeblich nach Rezepten der Hildegard von Bingen.    

         Auf der „Altstadtweihnacht“ auf dem Waagplatz dürfen nur lokale Künstler Marktstände mieten: Hutmacher, Buchbinder, Kerzenzieher, Schnitzer, Glasbläser. Zehn Tage lang können Besucher und Künstler ausführlich und intensiv miteinander ins Gespräch kommen. „Hier werdet Ihr kaum Japaner und Chinesen sehen, die sind in Nürnberg“, bemerkt der Veranstalter nicht ohne Ironie.

         Vieles wird vom Glanz des Budenzaubers überstrahlt. Ein zweiter Blick aber lohnt sich. Denn das 1000 Jahre alte Fürth hat mehr als 2000 Baudenkmäler, fast keine Kriegslücken. Der alte Handelsweg, von Frankfurt nach Prag, führt über den „Grünen Markt“ mit schönen Kaufmannshäusern. Gebaut wurden sie in Fachwerk, später, für die Reichen, in Sandstein; ab 1850 wurde Schiefer über das Fachwerk genagelt. Juden und Christen lebten hier ohne Trennung Haus an Haus, Ghettos gab es keine. - Bummelt man gegen Mittag über die Gustav-Straße, Fürths Kneipenmeile, erklingt vom Rathausturm „Stairway to heaven“ von Led Zeppelin. Fehlt da nicht etwas? Ja, natürlich: das Bier! Gibt es aber wirklich überall, im „Grüner“-Brauhaus muss es allerdings ein Tucher Hefeweizen sein. Köstlich zum „Schäufele ofenfrisch“ – knusprigem Schweinefleisch mit Blaukraut.

         Bereits seit dem 15. Jahrhundert verwandelt sich Rothenburg ob der Tauber alljährlich zum Advent in ein Weihnachts-Wintermärchen. Hier, wo sich Burgenstraße und romantische Straße kreuzen, verbinden sich Sightseeing und Adventsfreuden in fußgängerfreundlicher Nachbarschaft. Zwei Besonderheiten hat das Städtekleinod von Natur aus zu bieten: den Mauerring und die romantischen Fachwerkhäuser mit Siebersturm am Plönlein und entlang der Schmiedgasse. Vor solcher Kulisse mundet auch hier, in der Weinbaustadt Rothenburg, „weißer“ Winzerglühwein zu altdeutschem Weihnachtsgebäck.

         Die Auftritte des „Rothenburger Reiterle“, einer Figur aus mystisch grauer Vorzeit, gelten als Höhepunkte der Adventszeit. Und die glitzernde Weihnachtswelt in der Herrengasse muss man gesehen haben! Ob mit oder ohne Schnee, im Weihnachtsdorf der Käthe Wohlfahrt ist immer Bilderbuch-Winter: 30.000 der schönsten deutschen Weihnachtsartikel in festlicher Dekoration sind ganzjährig im Angebot - von 50 Cent bis zur ‚Spieldose der Welt‘ in limitierter Serie zu fast 2000 Euro. Kunstvollen Baumschmuck gibt es, Krippenfiguren, Rauschgoldengel und die wertvollen Pyramiden aus dem Erzgebirge sowie Unikate hervorragender Künstler und Kunsthandwerker. Mittendrin öffnet sich die Himmelspforte; sie führt direkt in das Deutsche Weihnachtsmuseum: was für ein Erlebnis! Man läuft auf Sternenboden, schaut in blauen Himmel mit weißen Wolken, erfährt alles über Weihnachtsbäume, -schmuck und –bräuche vom späten 16. Jahrhundert bis in unsere Zeit. Ein Weihnachtstraum!

         Draußen im Lichtermeer treibt einen kalter Wind in die prachtvolle St.-Jakobs-Kirche. Prunkstück des gotischen Baus ist der Heilig-Blut-Altar mit Szenen aus der Passionsgeschichte - um 1500 von Tilman Riemenschneider geschnitzt. „Rothenburg hat auch jüdische Tradition. Heute noch stehen in der Judengasse 600 Jahre alte Häuser. Man spricht auch vom fränkischen Jerusalem“, erläutert Gästepfarrer Gussmann. Wird es Nacht, ruft der Nachtwächter zum Rundgang mit Hellebarde und Laterne durch Tore und düstere Gassen über Plätze in diffusem Licht. Spannend und kurzweilig sind seine Geschichten über die Stadt und ihre Menschen im Mittelalter.

         Was wäre Weihnachten ohne „Ihr Kinderlein kommet“? Das Lied ist im nahen Dinkelsbühl entstanden; Christoph von Schmid, Theologe, Erzähler und damals erfolgreicher Jugendschriftsteller hat im 18. Jahrhundert den Text verfasst, sein Komponist blieb unbekannt. Weihnachtsstimmung kommt auf, wenn das Lied durchs Münster St. Georg rauscht. Die mächtige, spätgotische Hallenkirche mit dem zu kurz geratenen romanischen Westturm steht im Schnittpunkt zweier mittelalterlicher Handelswege, Kern der Freien Reichsstadt Dinkelsbühl.

         Die Neugier auf die adventsgeschmückten, großen Fachwerkhäuser draußen vor der Kirche treibt die Besichtigung voran. Fünf prächtige Giebelhäuser, Im 16. Jahrhundert erneuert, boten Kaiser Karl V. und Schwedens König Gustav Adolf eine standesgemäße Herberge. Ein Steinwurf weiter beeindrucken das einstige Lagerhaus „Schranne“ sowie das „Deutsche Haus“. Dessen reich dekorierte Fassade aus rotem Fachwerk soll eine der schönsten Süddeutschlands sein. Die historische Altstadt mit Mauerring und unzähligen Türmen zeigt sich nahezu unversehrt. Das haben die Bürger ihrem – bayrischen - König Ludwig I., dem Großvater des Romantikers und Schlösser-Sammlers Ludwig II., zu verdanken. „Es bleibt alles so, wie es ist“, war sein Credo und seine Allerhöchste Anordnung. Nichts durfte abgerissen oder verändert werden.

         Die Leute folgen einem leuchtenden Stern. Der weist den Weg zum Weihnachtsmarkt im idyllischen Innenhof des Heilig-Geist-Spitals. Hier dreht sich vieles um Musik, Licht und wunderschönes Kunsthandwerk. Zwischen den Ständen begrüßt in Mitra und rotem Mantel mit weißem Rauschebart der Bischof-Nikolaus die Besucher. Auf der Bühne musizieren Kinder, spielen mal Besinnliches, mal Jazz. Dann endlich wieder die obligaten Bratwürstl, gebrannte Mandeln, noch einen Glühwein - das schmeckt auch dem Christkind und  seinem Engel… 

 

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Service

 

Anreise: Mit der Bahn bis Nürnberg Hauptbahnhof; von dort bequem weiter mit der U-Bahn bis Fürth. Nach Rothenburg ob der Tauber und Dinkelsbühl fahren Regionalzüge – Infos gibt es in den Reisezentren der DB oder in Reisebüros mit DB-Lizenz. Direkter fährt man natürlich mit dem eigenen Auto – schon allein wegen der vielen Geschenke!

Schlafen:  z.B.: Hotel am Forum‘ in der Kleeblatt-Stadt 90762 Fürth; 3-Sterne-Haus nur 5 Minuten von der Altstadt entfernt; Tel.: 0911-7599999, www.hotelamforum.de  - Rothenburg:‚Goldener Hirsch‘, 3-Sterne-Hotel ganz zentral in der Schmiedgasse 16, Tel.: 09861-87499-0, www.hotel-goldener-hirsch.de

Dinkelsbühl: historisches, aber modernes Interieur Hotel ‚Hezelhof‘ in der Segringer Str. 7, Tel.: 09851-555420, www.hezelhof.com;

Essen: alle Restaurant befinden sich direkt in den Altstadtkernen: z.B.: Fürth: das urige Gasthaus ‚Grüner Brauhaus‘ mit fränkischen Gerichten und Grüner Bier, Tel.: 0911-749299-47, www.gruener-brauhaus.de; gehobene Gastronomie im „Neubauer Schwarzes Kreuz“ Königstr. 81; Tel.: 0911-740910, www.neubauers-schwarzes-kreuz.de

Rothenburg: historische Restaurants wie die ‚Glocke‘, Plönlein 1, Tel. 09861-95899-0, www.glocke-rothenburg.eu; und ‚Reichsküchenmeister‘, www.reichskuechenmeister.com

Dinkelsbühl: das Restaurant ‚Goldenes Lamm‘, Lange Gasse, Tel.: 09851-2267; www.goldenes.de oder das Restaurant ‚Meiser‘, Weinmarkt 10, Tel.: 09851-582900, www.meisers.com

Bratwürste, saure Zipfel mit Meerrettich, Lebkuchen u.a. gibt es überall  auf den Adventsmärkten und in den Fachgeschäften.

Weitere Infos, auch über die Weihnachtsmärkte:

Fürth: Tourist-Information Fürth, Bahnhofplatz 2,Tel.: 0911-239587-0, www.fuerth.de

Rothenburg: Rothenburg Tourismus Service, Marktplatz, Tel.: 09861-404521; www.rothenburg.de – Käthe Wohlfahrt: Tel.: 09861-4090; www.wohlfahrt.com; mittelalterliches Kriminal-Museum, Tel.: - 5359;

 - Höhepunkt 2015: historisches Festspiel „Der Meistertrunk“ 22. – 25. Mai, www.reservix.de

 Dinkelsbühl: Tourist-Information, Altrathausplatz 14, Tel.: 09851-902440; www.dinkelsbuehl.de; sehr sehenswert das ‚Haus der Geschichte‘ mit Führungen, Tel.: -902180; www.hausdergeschichte-dinkelsbuehl.de

Weinprobe mit Domina

           Herbsturlaub in Franken, wie man ihn mag: gepflegte Natur, Weine aus großer Tradition, Architektur und Kultur. Von allem reichlich, jedoch ohne die andernorts anzutreffende Massenfröhlichkeit. Solch ein Fundstück für Genießer ist die Mainschleife nordöstlich von Würzburg mit dem berühmten Weinort Volkach

Text und Fotos: Katharina Büttel

 

           Hier ziehen sich die Weinberge - ein Drittel der 6000 Hektar Gesamtanbaufläche Frankens - eben im Flusstal, dann ansteigend, schließlich steil in die Höhe auf die Hochterrasse terroir F. Von diesem magischen Ort des Frankenweins in der Nähe der Wehranlage Vogelsburg schauen wir weit in eine Kulturlandschaft, in der es sich der Main „gemütlich macht“ und seine große Schleife um Weinplantagen und Wälder zieht. Radler genießen die Fahrt durch Weingärten auf dem „Obst-Wein-Main-Panorama-Weg-Fahr“ mit herrlichen Ausblicken auf die alten Weinorte, die man später mit mehr Zeit gern durchstöbert. Escherndorf und Nordheim sind die bekanntesten - und Sommerach, gerade zum schönsten Dorf Europas gekürt.

         Herbst im Frankenland, das ist natürlich die Weinlese. Mit Weinexpertin Martha Gehring geht‘s in den Weinberg der Winzerfamilie Braun, die in dritter Generation in Fahr eines der größten Güter an der Mainschleife bewirtschaftet. „Ich bin die „Madda“, begrüßt sie fröhlich und entspannt die Lesehelfer. „Für jeden habe ich Schere und Eimer. Hinein kommen nur die gesunden Trauben; faule, angeritzte auf den Boden; die mindern zum Schluss nur das Aroma“. Augenzwinkernd fügt sie hinzu: „Der Roten Domina können Sie sich schmerzfrei unterwerfen, sie ist hier die Rebsorte“. Wird es einen Jahrhundertwein geben? „Das weiß man erst, wenn er in der Flasche ist“, wehrt Madda ab, zieht aber sogleich das Refraktometer, den geeichten Zuckerindikator, zerquetscht darauf eine violette Domina-Traube und hält das Gerät gegen das Sonnenlicht. „86 Grad Oechsle, das riecht nach Spätlese, ein Dessertwein sollte 100 haben“. Die Balance zwischen Süße und Säure ist wichtig. Ein Wein ohne Säure schmeckt wie Traubensaft - und je älter der Weinstock, desto aromatischer die Trauben, umso geringer allerdings der Ertrag.

         Eine halbe Stunde in gebückter Haltung draußen im Weinberg halten die Helfer durch, dann machen sie Pause auf dem Braunschen Weingut. Von der Kellermeisterin Kristin Zwiener, einer 31-jährigen Blondine aus Sachsen mit der Nase für den perfekten Wein, erfahren sie mehr über den trocken ausgebauten Domina Schwarzriesling, über ihren Lieblingswein Bacchus, die Auslesen und Beerenauslesen und die Pflege der Holzfässer. Quintessenz: „Wein entsteht im Weinberg“ und „Wein ist Poesie in Flaschen“, so einfach ist ihr „vinoses“ Latein. In der Heckenwirtschaft serviert Winzerfrau Heike Braun köstlichen Sauvignon blanc zur deftigen fränkischen Brotzeit: mit Gerupftem, einem angemachten Camembert, Landschinken, würzigen Würsten und „Blauen Zipfeln“, Bratwürste frisch aus dem Weinsud - so lässt es sich gut leben nach harter Arbeit im Wingert.

         Genug ist’s mit der Domina. Im Frankenland hat´s herrliches Barock, gute Weine und Winzer, die es können! Da ist Rainer Müller in Volkach: „Entschuldigung für Arbeitshose und Gummistiefel, die heiße Phase der Lese und Pressung hat begonnen“, begrüßt er herzlich die Runde und geht sogleich medias in res: „Bei uns in Franken ist der Silvaner die klassische Rebsorte; der ist meine Leidenschaft und einer, wo sich die Kollegen schon anstrengen müssen“. Der gehört zu allererst in den Bocksbeutel, dann der Riesling, drittens der Burgunder – und der berühmte „Eschendorfer Lump“ ist sowieso das Beste, was „mer ham“.

         Nein, Nachwuchssorgen haben das Winzerpaar mit drei Kindern nicht. Da ist Toni, mit seinen 24 Jahren schon Jungwinzer und auf dem Sprung nach Neuseeland – sobald er den Bachelor in Önologie in der Tasche hat. Dort begeistert ihn die Methode, Schafe zwischen den Rebstöcken grasen zu lassen, um so auf natürliche Weise die Weinberge „sauber und belüftet“ zu halten. Den Vater konnte er mit der Idee begeistern - seitdem gehören zehn dieser „Wollknäule“ zur Familie.

         Auf dem Traditionsweingut am Stein im Süden von Würzburg: berauschender Blick auf Stadt, Residenz und Marienburg. Sandra, Ehefrau des Winzers Ludwig Knoll, charmant wie kompetent als Marketing-Managerin, schaut von der Terrasse auf das Grün der Weinlage Stein. Von diesen berühmten Rebstöcken stammt einer der besten Tropfen Frankens; und von Goethe der Ausspruch: „Kein andrer will mir schmecken“. Knolls Vater hat mit Glück und Weitsicht vor Jahrzehnten die Parzellen erworben, Sohn Ludwig die Anbauflächen erweitert: „Der Würzburger Stein ist heute Deutschlands größte zusammenhängende Weinfläche mit 85 Hektar in Toplage“- Und fügt hinzu: „Guter Wein entsteht nur mit gutem Weingut“. Das erreicht er ohne Pestizide und Düngemittel.

         Mitten im Weinberg stehen als das Stein‘sche Wahrzeichen zwei hölzerne Würfel in modernem Design: die Vinothek „WeinWerk“ sowie das Kelterhaus - mit Gästezimmern, Restaurant und Shop. Hier lagert Ludwig Knoll seine Schätze in Weiß, Rot und Rosé. „Der Muschelkalk Silvaner ist unser Flaggschiff; der Riesling, trocken ausgebaut, ist nicht besser zu machen“.

             Fügung oder Zufall: in Würzburg regierte insbesondere ein Geschlecht, das nicht nur kapitalkräftig, sondern auch künstlerisch hochbegabt war: die Schönborner. Die Marienburg über der Stadt war der bischöfliche Sitz. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Fürstbischof Johann von Schönborn der mittelalterlichen Festung überdrüssig; er träumte von Glanz und Glamour in der Stadt. Das war die Stunde des noch unbekannten Balthasar Neumann. Mit der barocken Residenz – seit 1982 UNESCO-Kulturerbe - schuf er das fränkische Versailles und hat sich mit diesem Meisterwerk als der wohl größte Baumeister des deutschen Barock unsterblich gemacht. Atemlos und stumm vor Bewunderung wird, wer in das gewaltige Treppenhaus tritt - Kundige sprechen von dem stärksten profanen Raumeindruck überhaupt -, gekrönt von Tiepolos Deckengemälde, dem größten der Welt.

         Weinmacher Jochen Meintzinger und Frau Micha bitten zur ‚Kulinarischen Weinprobe‘ auf ihr renommiertes Gut im kleinen Frickenhausen, einst fürstbischöflicher Sommersitz. An der Weinbar wird mit der trockenen, roten Domina „geschöppelt“. Wie der schmeckt? Kräftig, erdig, ganz unverwechselbar, klassischer Franke eben. Der Graue Burgunder zur Brühe mit Leberklößchen hat die Noten von reifer Ananas und Quitten; das Aroma des Ricotta in leichtem Sherry-Jus rundet ein fruchtiger Spätburgunder ab. Das Weinschaumeis mit Zimt-Crunch krönt ein süßer Rieslaner. „Eine Traube aus Riesling und Silvaner, an die 90 Jahre alt“. Wer sich dann noch in einen Silvaner Novemberlese 2013 vertieft, wird Meintzingers Philosophie verstehen: der Wein ist wie eine Familie – jeder hat seinen Kopf, seinen Stil, seinen Charakter, seinen Charme. „Unverwechselbare Weine entstehen im Kopf, im Bauch und im Herzen; 60 Prozent macht der liebe Gott mit dem Wetter, 30 Prozent der Winzer und 10 Prozent steuert der Kellermeister bei“. 

 

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Service:

 

Anreise: Mit dem Flugzeug bis Nürnberg; mit dem Auto oder einem Bus ist man in gut zwei Stunden in Volkach an der Mainschleife. Per Bahn bis Würzburg – eine halbe Stunde bis Volkach.

Feste: Vom 14. – 18. August 2015 findet in Volkachs denkmalgeschützter Altstadt das größte fränkische Weinfest statt. Beliebt sind geführte Altstadt-Bummel u.v.m.

Kultur und Natur: Wallfahrtskirche Maria im Weingarten mit der Maria im Rosenkranz von Tilman Riemenschneider. Die prähistorische Wehranlage Vogelsburg. Sommerach – Europas schönstes Dorf 2015. Mainschiff- und Floßfahrten. - Erlebnisführungen im Weinberg mit Weindozentin Martha Gehring, Fahr: Tel. 09381-3510; www.weinbau-gehring.de  – Das barocke Würzburg mit der Marienburg, der Residenz,  Kiliansdom und alter Mainbrücke, Falkenhaus, Julius- und Bürgerspital u.a.

Unterkünfte: Prädikatsweingut und Romantik-Hotel „Zur Schwane“ in Volkach mit Wein-Direktverkauf; Tel.: 09381-8066-0; schwane@romantikhotels.com; www.schwane.de

Prädikatsweingut & Hotel Meintzinger, Frickenhausen, Tel. 09331-87110; info@hotel-meintzinger.de; www.hotel-meintzinger.de, auch mit Direktverkauf.

Weingüter: Prädikatsweingut der Familie Knoll, www.weingut-am-stein.de;

Weingut Braun, Tel. 09381-80730; info@weingut-braun.de; www.weingut-braun.de;

Weingut Max Müller I, Tel. 09381-1218; www.max-mueller.de – alle bieten Direktverkauf.

Näheres: Fränkisches Weinland Tourismus, 97070 Würzburg; Tel. 0931-372794; tourismus@fraenkisches-weinland.de; www.fraenkisches-weinland.de

Gesichter der Region

Am Tegernsee werden jahrhundertealte Handwerkstraditionen gepflegt und Spezialitäten nach althergebrachten Rezepten hergestellt. Das Schöne daran ist, die Besucher können zuschauen, fragen und kosten. Ist Leib und Seele gestärkt, zahlreiche Wanderwege führen über einsame Waldwege, mitten durch Täler oder hoch hinaus auf Berge. Interessant ist es bestimmt, denn Heimatführer und Kräuterkundler kennen sich in der Natur gut aus. Sogar ein Gespräch mit einer Ordensschwester kann spannend sein.                                                                                              

Fotos: Heidrun Lange

Hut ab

Die typischen Tegernseer Hüte sind grün, braun oder grau. Keiner gleicht dem anderen. In Handarbeit fertigt der jüngste Hutmacher Oberbayerns, Martin Wiesner, die Kopfbedeckung und passt sie je nach Geschmack des Trägers an. Sie sind schlicht und mit einem breiten oder schmalen Rand versehen. Die Hüte werden je nach Wunsch mit Federn oder Gamsbärten geschmückt.
www.hutmacherei-wiesner.de

Edelbrand-Destillerie

Andreas Liedschreiber setzt die Tradition seiner Eltern fort. Gemeinsam mit seiner Frau Anna-Maria produziert er Hochprozentiges aus Obst und Alkohol auf dem heimischen Hof. Sie zeigen den Gästen beim Schaubrennen moderne Destillationstechnik. Im Probierstübel können Gäste den prämierten Hasselnussgeist, den Rosenlikör, die Williamsbirne probieren.
www.liedschreiber.com

Pralinen Genuss

Eybel – Schokoladenspezialitäten in Waakirchen sind köstlich. Der Konditormeister Andreas Eybel erklärt während eines Rundganges durch sein Unternehmen die einzelnen Vorgänge der Pralinen- und Schokoladenherstellung. „Wir verwenden nur frische Butter, Sahne und Früchte von heimischen Erzeugern und keine Konservierungsstoffe", sagt der Meister.
In der Schauküche werden kleine Kugeln geformt. Die Gäste können zusehen.
www.schokoladenquelle.de

Büttenfabrik GMUND

Briefpapier mit einzigartigen Oberflächen und auffallenden Briefhüllen, Notizbücher mit blickdichten Innenseiten, farbige Notizblöcke und handgefertigte Fotoalben werden in der Büttenpapierfabrik Gmund hergestellt.
Die Büttenpapierfabrik Gmund stellt seit 1829 hochwertige Papiere am Standort Gmund am Tegernsee her. „Wir sind stolz auf unser ‚Made in Germany', denn wir sind traditionsverbunden und umweltbewusst. Wir haben in den letzten fünf Jahren
in unsere energieeffiziente Hightech-Produktion investiert", so Florian Kohler, Papiermacher in vierter Generation.
www.gmund.com

Schwester Luziffer

Es ist einer der bekanntesten Marienwallfahrtsorte im Erzbistum: die Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in Birkenstein. Inmitten von Birken auf einem Felsen hoch über dem Leitzachtal throhnt das Barockjuwel seit über 300 Jahren. Über 200.000 Pilger kommen jährlich. Und nicht nur diese. Wanderer, Radfahrer und Kulturinteressierte machen einen Zwischenstopp auf dem Platz und tanken neue Kraft.

"Gäste suchen Seelenheil beim Kurat oder bitten uns für ihre verstorbenen Verwandten eine Messe lesen zu lassen“, erzählt Schwester Luziffer. Sie lebt mit vier Ordensfrauen in einem Kloster. Diese führen in die Lo­re­to­ka­pel­le zur Ma­don­na und zu den un­zäh­li­gen Vo­tiv­ta­feln, die die Dank­sa­gun­gen und Bit­ten aus drei Jahr­hun­der­ten do­ku­men­tie­ren.

Auf dem Weg zur:

 

Wallfahrtskapelle Birkenstein

Kapellenweg 11
83730 Fischbachau

TEL: + 49 (8028) 830
FAX: + 49 (8028) 905964
www.erzbistum-muenchen.de

 

 

 

Quelle: Alpenregion Tegernsee Schliersee e.V.

             www.tegernsee-schliersee.de

 

            Tegernseer Tal Tourismus GmbH

             www.tegernsee.com

 

           

 

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Hoteltipp:
Hotel Bachmair Weissach
Wiesseer Straße 1
83700 Weißach (Rottach-Egern)
T +49 (0) 8022/278-0
F +49 (0) 8022/278-550
hello@bachmair-weissach.com
bachmair-weissach.com

 

Buchbar in Reisebüros mit Thomas Cook-Programm oder auf www.thomascook.de

Moor ohne Leiche

Eine Lauschtour durchs Leipheimer Moos

Text und Fotos: Heinz-Peter Lange


Es schmatzt und gluckst und die Musik klingt schaurig dazu. Man fühlt sich an den

„Hund von Baskerville" erinnert und kann das Moor förmlich riechen- bis dann die Stimme aus dem Kopfhörer Entwarnung gibt und uns beruhigt, dass in diesem Moor keine Leiche zu finden sein wird.

Vor dem Betreten des Leipheimer Moores braucht niemand Angst zu haben. Schaurig schön ist es trotzdem und man sollte nicht vom Wege abkommen. Strauße, Rinder, Frösche und Biber sind schon alle da.

„Ein Moor für's Ohr" ist eine von bisher sechs im Auftrag des Tourismunsverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben produzierten Audio-Wanderungen, die das Thema spannend, mit Witz und Überraschungseffekten aufbereiten.

Unser Audio- Guide führt uns vom Startpunkt auf dem Weg ins Moor an einer Straußenfarm vorbei und wir erfahren von Horst Engelhardt, dem Straußenbauer, einiges zur Aufzucht und Haltung dieser großen Laufvögel. Und kaum machen wir Halt an diesem Lauschpunkt, kommen die neugierigen Vögel angelaufen und stecken ihre Köpfe durch den Zaun, um etwas Grünzeug abzubetteln.

Der Weg führt weiter an einigen dem Moor vorgelagerten Feldern vorbei und wir erfahren, warum der Ackerboden so schön dunkel ist und was es mit der langen Baumreihe am Rande des Feldes auf sich hat.

Dann wechseln sich Erlenbruchwälder und Wiesen ab und auch hier kommen wie auf Kommando die zur Pflege der Wiese eingesetzten schottischen Hochlandrinder um die Ecke, wenn wir den Erklärungen in unserem Kopfhörer lauschen.

Das gesamte Gebiet, in dem wir uns bewegen ist ein Naturschutzgebiet und dient der Erhaltung und Regulation des Wasserhaushaltes im Moor. Dass laute Quaken der Frösche kündigt an, dass wir nun wohl das Zentrum des Moores erreicht haben. Ein langer Bohlenweg führt über schwarzen Torf und tiefe Tümpel und wir erfahren über den Kopfhörer aus berufenen Munde welche Gräser, Moose und Blumen hier im und am Wasser wachsen. Dr. Ulrich Mäck, Biologe und Mitarbeiter der ARGE Donaumoos begleitet das Projekt Wiederbewässerung des Leipheimer Moos seit 1999 und erklärt uns, welche Bedeutung die Moore z.B. für den Klima- und Hochwasserschutz haben.

Nur der Biber, dessen Spuren wir am nahe gelegenen Bach in Form von abgenagten Stämmen und Dammbauten erkennen, lässt sich nicht sehen, als wir hier ankommen.

Er wird auch dafür sorgen, dass durch seine „Bauarbeiten" dieser Lauschpunkt hin und wieder an anderer Stelle eingerichtet werden muß.

Nach ca. 4 Kilometern und zwei Stunden Wanderung an der frischen Luft kommen wir mit einer gehörigen Portion neuem Wissen an den Ausgangspunkt unserer Audio-Wanderung zurück.

 

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Information und Service:

 

„Die Bayerisch-Schwaben-Lauschtour ist ein wunderbarer Weg, unterschiedlichste touristische Themen spannend zu inszenieren und damit für die Gäste attraktiv zu machen. Aber auch für die Förderung des Tourismus im ländlichen Raum ist das Projekt für uns von großer Bedeutung", beschreibt der Vorsitzende des Tourismusverbands Klaus Holetschek das Projekt.

 

Die Lauschtouren in Bayerisch Schwaben im Einzelnen:

- Sagenhaftes rund um den Goldberg – Vorsicht Goldberg-Männle!
- Hexen in Nördlingen - Dunkle Kapitel der Stadtgeschichte.
- Durchs Leipheimer Moos - Ein Moor fürs Ohr.
- Mit Klappi durch Donauwörth – Die ultimative Storchentour.
- Durch den Rieskrater - Auf den Spuren einer kosmischen Katastrophe – eine Auto-Audio-Tour

 

Weitere Informationen zu den Lauschtouren in Bayerisch Schwaben finden Sie hier.

 

Weitere Touren, unter anderem durch die wasserreichen Städte Augsburg und Krumbach, durch das Wittelsbacher Land mit dem Sisi-Schloss und durch die Heimat des Schriftstellers Ludwig Ganghofer sind für die nächste Zeit geplant.

 

Journalistisch recherchiert, aufwändig produziert

Produzent der Bayerisch-Schwaben-Lauschtour ist Marco Neises, ehemaliger SWR3-Reporter. Seine journalistische Arbeitsweise gibt den Audio-Guides ihren besonderen Reiz. Ähnlich wie Hörfunk-Reportagen hat er die Lauschtouren recherchiert und aufwändig produziert. Information, Fantasie und viel Humor gehen dabei Hand in Hand.

„Wir haben versucht, das Ganze möglichst authentisch und lebendig zu gestalten – wie eine echte Wander- oder Stadtführung. Mich hat selbst überrascht, wie Dinge, an denen ich sonst vielleicht achtlos vorbeigegangen wäre, plötzlich zu spannenden Geschichten wurden", sagt Marco Neises. Aber nicht nur seine Stimme begleitet die Lauschwanderer auf ihren Touren. An den einzelnen Lauschpunkten hören sie die Schilderungen von Gästeführern, Geologen oder Biologen, von Hexenforschern, Sagenkennern oder Kloster-Patres und vielen anderen Protagonisten.

 

Technisch top mit App oder iPod

Wer auf Lauschtour gehen will, hat zwei Möglichkeiten: Die App mit allen Audios, Karten und Fotos steht kostenlos im App Store sowie im Android Market zum Download bereit – Stichwort „Bayerisch-Schwaben-Lauschtour". Außerdem gibt es bei jeder Tour Verleihstationen für programmierte Lauschtour-iPods.

Vor Ort sind alle Lauschtouren durch große Starttafeln sowie kleinere Lauschpunkt-Schilder gekennzeichnet. Außerdem gibt es eine eigene Broschüre zur Bayerisch-Schwaben-Lauschtour mit allen Touren und Beschreibungen, mit Karten und Fotos und allen Hinweisen zu Verleihstationen und Download-Möglichkeiten. Die Broschüre gibt es kostenlos beim Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben unter www.bayerisch-schwaben.de, per E-Mail unter info@tvabs.de oder telefonisch unter 0821-450401-0.

Auf der Website www.bayerisch-schwaben.de/lauschtour finden sich außerdem diverse Hörbeispiele als Vorgeschmack auf die Touren.

 

Über Lauschtour:

Hinter dem Markennamen „Lauschtour" steht der frühere SWR3-Reporter Marco Neises, dessen neue Form von Audioguides 2011 im Bundeswettbewerb „Land der Ideen" ausgezeichnet wurde. Seine ersten beiden Wander-Lauschtouren in der Eifel stießen auf ein großes Echo, inzwischen produzierte er weitere Audiotouren – unter anderem für das Gutenberg-Museum Mainz und derzeit auch an der Zugspitze. Bayerisch-Schwaben ist die erste und bisher einzige Destination, die über eine ganze Serie von Lauschtouren neue Gäste für die spannenden Ziele in der Region interessieren will. (www.lauschtour.de)

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Zerbrechliche Kunst /Foto: Fremdenverkehrsamt Ostbayern

Gläserne Spuren führen zum funkelnden Wunderland
Ein geselliger Hüttenabend am Glasofen
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

Glas hat Tradition bei der Familie Freiherr von Poschinger in Bayern. Ihre Gläser zierten die Tafeln und Residenzen vieler Königs- und Fürstenhäuser. Sie waren Hoflieferanten der bayerischen und französischen Könige. Für seine glanzvollen Feste ließ der Zarenhof in St. Petersburg feinstes Kristallglas in den Poschinger Hütten anfertigen. Souveränes Handwerk und filigrane Kunst bringen heute wie damals einzigartige Objekte und Unikate hervor.
Zum Glasmacherfest in der Freiherr von Poschinger Ofenhalle in Frauenau, meist zum Ende des Jahres, wird Schöpfkellenfleisch serviert. Eine kulinarische Hüttenspezialität, die traditionell in der Hitze des Glasofens zubereitet wird. Zwischendurch wird gesungen und auf Gläsern musiziert. Dazu gibt es Glashüttengeschichten und Sagen aus dem Waldgebirge. Vor 600 Jahren waren es vor allem Kirchen, die für die großflächigen Fenster viel Glas benötigten und den Handwerkern Aufträge erteilten. Unter der starken Nachfrage hatten allerdings die Buchenwälder zu leiden. Die Bäume wurden gefällt und das Holz verbrannt, um die für die Glasherstellung notwendige Pottasche zu gewinnen.

Wie es danach mit den Glasbläsern weiter ging, können die Gäste heute in den zahlreichen Hütten, Werkstätten und Museen entlang der "Glasstraße" erfahren. Die rund 250 Kilometer lange Ferienstraße beginnt in der benachbarten Oberpfalz in Neustadt und führt durch den Bayerischen Wald bis nach Passau. Die Werkstätten, Verkaufsausstellungen und Galerien sind nicht wie auf einer Perlenschnur aufeinandergereiht, sondern liegen in den Tälern verstreut. 

Verzaubertes Licht in Drachselried/Foto: H.-P.Lange

In Drachselried hat die Galerie Hermann eine verführerische Schaufensterdekoration. Weihnachtskugeln hängen im Fenster. Aber nicht die gewöhnlich roten oder goldenen, sondern Kunstobjekte aus Glas. Jeder Farbtupfer, jede Zeichnung, die sich in den Glaskugeln verbergen, werden in mühevoller Handarbeit millimetergenau von Glasbläsern hergestellt. In den sechs Räumen stehen Skulpturen aus Glas. "Sie sind alle ein wenig verrückt," sagt Hans Herrmann, Galerist in Drachselried, über die Glaskünstler, die bei ihm ausstellen. Es ist eine phantasievolle Sicht, die sich da auftut. Gläser, wie man sie in dieser Vielfalt und Besonderheit in der ganzen Welt nicht wieder findet. Was dabei herauskommt hat Witz und Stil. Da ranken sich exotische Blüten auf türkisfarbenem Hintergrund. Andere scheinen das Licht gewissermaßen in sich zu sammeln und von innen heraus zu leuchten. 150 Künstler aus 70 Nationen zeigen einen Querschnitt unterschiedlichster Techniken zeitgenössischer Glaskunst. 

Ringsum wächst eine Kulturlandschaft aus den Produkten dieses großen Waldes: aus Stein, aus Holz und vor allem aus Glas. In Raubühl hat der Glasmaler Rudolf Schmid eine Gläserne Scheune eingerichtet. Die Wände sind mit urigen Glasgestalten verziert und gleichen einem schier unerschöpflichen funkelnden Wunderland aus Geistern, Räubern und Hexen. Durch die Giebelseite leuchten die Weissagungen des Bayerwaldpropheten Mühlhiasl. In Weißenstein, nicht weit von Raubühl entfernt, ragen neben der Burgruine fast fünf Meter hohe "Edeltannen" aus acht Millimeter dickem, leicht grün und blau schimmerndem Glas in den Himmel. Rudi Schmid plant Bäume, die bis zu zwölf Meter hoch wachsen können. Später sollen einmal bis zu 50 Glasbäume hier stehen, die in ihrer Vielfalt und Unterschiedlichkeit den Bayerischen Wald wiedergeben.

 

Auskunft:
Tourismusverband Ostbayern e.V.,
Luitpoldstr. 20, 93047 Regensburg,
Tel.: 0941/58 53 90,
Internet: www. ostbayern-tourismus.de,
E-mail: info@ostbayern-tourismus.de

Die Galerie in Drachselried ist täglich 9 bis 12 Uhr, auch Samstag, Sonntag und allen Feiertagen geöffnet.  

Land Berlin

Land Brandenburg

Foto: Renate Stiebitz

Sich treiben lassen

Sich treiben lassen

Im Reich der Kanäle und Einsamkeit

 

 Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

 

Einsam und still, natürlich und idyllisch liegen die zugefrorenen Fließe zur Winterzeit im Spreewald. Hin und wieder sieht man den Biber von einem Ufer zum anderen wechseln. Die vielen Spuren im Schnee machen auch zur kalten Jahreszeit eine Wanderung zum Erlebnis.

 

Nicht sehr weit von der südlichen Berliner Stadtgrenze, etwa 50 Kilometer entfernt, öffnet sich mit Wasserwegen von über 970 Kilometern Gesamtlänge eine geschützte Welt von unglaublicher Schönheit. Fließe und Kanäle bilden hier ein geheimnisvoll verschlungenes Netz, das sich mit unzähligen Armen wie ein Krake um Wiesen, Felder und Wälder legt.

Seit dem 19. Jahrhundert kommen Touristen in die Region und steigen in Lübbenau, Burg und Schlepzig in Kähne und Kanus oder lassen ihre Wanderboote zu Wasser.

Schlepzig, mehr als 1000 Jahre alt, ist ein beliebter Ausgangspunkt für Kahnfahrten durch den Unterspreewald. Sogar im Winter. Da hat die Kälte die verschlungene Welt der Spree in tiefe Einsamkeit gehüllt. Fährmann Mike Böttcher ist mit seinem Kahn an eisfreien Tagen rund um Schlepzig unterwegs. Dunkle, mit Regen oder Schnee gefüllte Wolken liegen melancholisch schwer über der Landschaft und malen die Fließe grau. Die Gäste sind in dicke Wolldecken gehüllt. Lautlos taucht der brandenburgische Gondoliere das Ruder ins Wasser und gleitet vorbei an Weiden, Wald und Feldern, auf denen die berühmten Spreewaldgurken wachsen. Wo sommers die Kähne an kleinen Verkaufsständen halten, herrscht jetzt Flaute. Was Fontane vor mehr als hundert Jahren nach einem Besuch im damals für den Touristenverkehr noch nicht erschlossenen Spreewald über seine Kahnfahrt von Lübbenau nach Lehde schrieb, ist heute immer noch aktuell: „Einzelne Häuser werden sichtbar. Die Spree bildet die große Dorfstraße, darin schmalere Gassen von links und rechts her einmündend.“ Im Frühling halten Radfahrer und Wanderer, die auf dem Gurkenradweg unterwegs sind, im Dorf.  Das Agrarhistorische Museum mit einer original gestalteten Bauernwohnung und altem Hausrat befindet sich in einem Fachwerkhaus von 1818. Im Infozentrum Alte Mühle kann sich der Gast über das Biosphärenreservat informieren. Aus einem alteingesessenen Landgasthaus wurde ein modernes  Hotel, das Spreewaldresort „Seinerzeit“, direkt an der Hauptstraße des Dorfes gelegen. Eine Verbindungstür führt zur privaten Brauerei. Zeit für ein Schlepziger Bier. Das  seit 1788 geltende Braurecht wurde 1998 wieder belebt. Braumeister Uwe Zech stellt vier verschiedenen Biersorten her, kreiert nach speziellen Rezepten: Spreewälder Pilsner, Spreewälder Dunkel, Spreewälder Zwickel sowie Spreewälder Hefeweizen. An der Rezeptur feilte er so lange, bis das Bier einen regionalen Geschmack bekam. Während einer Kostprobe auf der Terrasse fühlt man die Frische. Nicht weit weg schaukeln die Kähne am Holzsteg, immer noch wie zu Fontanes Zeiten.                                               

 

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Anreise:

Mit dem Auto von Berlin über A13 bis zur AS Teupitz/ Halbe; von Dresden aus bis AS Staakow am Tropical Island vorbei.

Mit dem RE2 von Berlin-Hauptbahnhof bzw. RB24 von Berlin-Lichtenberg bis Lübben und von dort weiter mit dem Bus nach Schlepzig

Tipp:

SPREEWALDRESORT "Seinerzeit"
Dorfstraße 53, 15910 Schlepzig

www.seinerzeit.de


Winterkahnfahrten: www.spreewald.de/winterzeit/kahnfahrten

Infos: www.spreewald.de; www.luebbenau-spreewald.com

Ein himmlisches Theater

„Judaskuss und Kreuztragung“ haben jetzt ein eigenes Museum

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

 

Eine barocke Anlage aus dem Mittelalter, ein Klostergarten und ein „Himmlisches Theater“.  Gleich nebenan die Bierbrauerei und Geburtsstunde des „Schwarzen Abtes“. Zwischen Schlaubetal und Oder-Neiße-Mündung, befindet sich der Erholungsort Neuzelle. Natur- und Kulturliebhaber werden sich in der Gegend wohl fühlen.

 

Ein mächtiges Läuten tönt durch die Gassen und über den Klostervorplatz, bricht sich an der gelb weißen Fassade der Stiftskirche St. Marien, von Heinrich dem Erlauchten im Jahre 1268 gestiftet. Der Markgraf von Meißen und der Ostmark, der den Prunk, die Mönche und die Künstler nach Neuzelle lockte, ahnte damals nicht, dass die Zisterzienser Mönche in jahrelanger, fleißiger Arbeit ein "Barockwunder" schaffen werden. Die Pracht zeigen zwei Kirchen. Marmorfarbene Säulen schrauben sich wie Korkenzieher in den Boden, die Ornamente über dem Altar sind vergoldet. Im Museum des Kreuzganges bekommt man eine Vorstellung, was die Künstler schufen. In einer Vitrine steht ein Papiermodell. Ein Kulissentheater aus der Passion Christi. Uralt und doch gut erhalten. Vorbild für die 15 Szenen, die der böhmische Maler Joseph Felix Seyfried in drei Jahre schuf. Die Originale sind fast sieben Meter hohe Tafeln und Leinwände sowie 109 lebensgroße Figuren, die bis 1997 im Turm der Stiftskirche lagerten und seit 2001 in den Werkstätten des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege in Wünsdorf restauriert wurden. „Wegen seiner Vollständigkeit und künstlerischen Qualität gilt dieser Fund als einmalig in Europa“, sagt Museumsleiter Martin Salesch. Jetzt haben die Passionsdarstellungen vom Heiligen Grab ein unterirdisches Museum. Am restaurierten Kutschstall, direkt  in den Weinberg hinein gebaut, geht es hinab in ein einen dunklen Gang. Die Bühnenbilder werden durch Lichteffekte in Szene gesetzt.

Vor dem Eingang des Geländes steht die Klosterbrauerei. Sie ist wirklich alt. Braurecht gibt es seit 1598. Jetzt ist sie eine Spezialitätenbrauerei und den „Schwarzen Abt“ gibt es immer noch. In der Bahnhofstraße hat ein Hotel eröffnet, modern, stilvoll und dennoch gemütlich eingerichtet. Die jungen Betreiber bewahren die „barocke Tradition“. Abends zeigt  Nico Petri ein altes Handwerk. Mit  einer kleinen Tischdestille wird  der eigene Schnaps gebrannt.

Wer erst einmal bis ins brandenburgische Oderland gekommen ist und hier übernachtet, wird auch die Wälder des Schlaubetals durchstreifen. In direkter Nähe befindet sich der Oder-Neiße-Radweg. Die Ackerbürgerstadt Müllrose ist nicht weit und nah am Wasser gebaut. In der Marina Schlaubetal kann man in ein Boot steigen. Im kleinen Müllroser See schwimmen Plötzen und Schleie. Schwäne haben im Schilf ihr Nest versteckt.  Den Eisvogel findet man hier nicht. Der wohnt im Schlaubetal und springt ab und an kopfüber ins Wasser.  

                                                                                                            

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Weitere Informationen
 

TMB Tourismus-Marketing GmbH

www.reiseland-brandenburg.de

 

Stiftung Stift Neuzelle
15898 Neuzelle
Telefon: 033652 814-0
www.stift-neuzelle.de

 

Klosterbrauerei Neuzelle GmbH
Brauhausplatz 1
15898 Neuzelle
Telefon: 033652 8100

www.klosterbrauerei.com

 

Klosterhotel Neuzelle

Bahnhofstraße 18

15898 Neuzelle
Telefon: 033652 823991

www.hotel-neuzelle.de

 

Anreise:

Mit PKW:

A 12 Richtung Frankfurt (Oder), Abfahrt Müllrose, B 112 Eisenhüttenstadt-Guben

Mit Bahn:

RE 1 bis Frankfurt (Oder), Umstieg in RE 11 bis Bahnhof Neuzelle

Vom Bahnhof zu Fuß etwa zehn Minuten zum Kloster

www.s-bahn-berlin.de

Mit Fahrrad:

Oder-Neiße-Radweg, Abfahrt Neuzelle, 3 Kilometer

Erlebnisbahn Zossen- Jüterbog – © TMB

Mit der Draisine auf .„kulinarischer Entdeckungstour“

Text und Fotos: Stephan Laude

 

Natürlich gibt es spektakulärere Landschaften in Deutschland als die im Landkreis Teltow-Fläming. Das bestreiten auch die Tourismuswerber der Gegend südlich von Berlin nicht.  Es gibt dort hübsche Badeseen, dazu Kiefernwälder, Dörfer und Felder wie in anderen Regionen Brandenburgs auch. Lange Zeit bestimmte zudem das Militär das Gesicht der Landschaft. Im Jahre 1875 eröffnete die Königliche Militäreisenbahn eine Bahnstrecke vom heutigen Berliner Stadtteil Schöneberg zum Schießplatz Kummersdorf. Und am 28. Oktober 1903 raste ein Versuchswagen der AEG mit der damals unvorstellbaren Geschwindigkeit  von bis zu 210 Kilometern pro Stunde von Berlin über Zossen nach Kummersdorf. Das war Weltrekord.
Jan Jähnke wirbt auch mit der Historie für seine Draisinenstrecke. Jähnkes Firma Erlebnisbahn GmbH & Co KG ist seit 2003 die Betreiberin des 1998 stillgelegten Schienenstrangs. Die Deutsche Bahn AG hatte die Strecke nur im Paket verkauft. Alles oder gar nichts, sei die Bedingung gewesen, berichtet Jähnke. Also nahm er alles  – außer dem Gleis noch 21 Bauwerke. Und die erfüllt er nun, zusammen mit Kooperationspartnern, immer mehr mit Leben.  
Das jüngste Projekt wurde im Bahnhof Rehagen umgesetzt: ein  Restaurant mit französischer Küche.  Betreiber sind  Christophe Boyer und seine Frau Manja. „Wir wollten eine Event-Location nicht mehr als eine Stunde von Berlin entfernt aufmachen. Bei der Suche stießen wir auf diesen Bahnhof“, berichtet der 39-jährige Gastronom, der in der Gegend von Lyon aufwuchs, in Frankreich Geografie und Geschichte studiert und in Potsdam eine Ausbildung als Eventmanager drangehängt hat. Seine Frau stammt aus Berlin. Beide haben sich beim Studium ineinander verliebt – und später dann in den Bahnhof.  Künftig will die Familie, die durch Töchterchen Anouk komplettiert wird, im Bahnhof auch wohnen, oben im ehemaligen Stellwerk.
Boyers Speisekarte ist nicht sehr lang, aber sie wechselt wöchentlich.  Geboten werden  zum Beispiel Heilbutt mit Zitron-Minz-Sauce und Charolais-Filetstückchen mit Beaujolais-Sauce, Grenaille-Kartoffeln und Ratatouille.  Die meisten Zutaten kommen frisch aus der Region, Käse, Rindfleisch und gesalzene Butter werden aus Frankreich bezogen, der Wein selbstverständlich auch. Das Konzept des Restaurant heißt: gutes Essen und Events. Die ersten Veranstaltungen fanden große Resonanz.
Um die Draisinefahrer auf die in der Gegend eher wenig verbreitete französische Küche aufmerksam zu machen, weht an dem aufwändig sanierten Bahnhofsgebäude die Trikolore. Zusammen mit der Fahne gerät an der Brücke über dem Gleis auch der unübersehbare Schriftzug „Le Bourget“ ins Blickfeld. Das passt natürlich. Aber es hat nichts miteinander zu tun. Der Hinweis auf den für seinen Flugplatz  bekannten Vorort von Paris stammt aus einer Filmkulisse. Hier drehte George Clooney Szenen für   „Monuments Men“.  Dazu waren noch einmal Dampfloks in Rehagen eingefahren. Jan Jähnke bedauert, dass er keine Bilder davon hat. Die Produktionsfirma hatte es dem Streckenbesitzer verwehrt, den Dreh für sein Marketing zu nutzen. In einer Szene sollte  Cate Blanchett über die Brücke laufen. Die Schauspielerin ist allerdings nicht schwindelfrei. Deshalb, berichtet  Jähnke, sei die Brücke im Studio Babelsberg noch einmal aufgebaut worden. Die echte in Rehagen sei im Film  aber auch zu sehen.
In Sperenberg ziert nicht die französische, sondern die niederländische Flagge den Bahnhof. Hier bieten Wouter und Ine Spruit Bildhauerkurse an.  Die Räume stehen auch Künstlern aus der Umgebung als Verkaufsstelle zur Verfügung. Und auch in Sperenberg kommen Spezialitäten auf den Tisch, natürlich niederländische. Im historischen Bahnhof Zossen wiederum kann man italienisch essen. Jan Jähnke spricht nun von einer „kulinarischen Entdeckungstour“ mit der Draisine. Außerdem können die Besucher am Bahnhof Mellensee sogenannte Konferenzfahrräder nutzen, bei denen sich die Strampler gegenübersitzen. Außerdem werden dort Hypobikes, also Wasserfahrräder, angeboten. Im See kann man im Sommer baden. Eine Minigolf- und eine Bogenschießanlage gibt es auch.
Im Bahnhof Werder in Jüterbog verknüpft Jähnke seine Draisinestrecke mit dem Flämingskate, jenem komfortablen Wegenetz für Radfahrer und Skater, mit dem seine Initiatoren eindrucksvoll bewiesen haben, dass es nicht unbedingt spektakulärer Landschaften bedarf, um Urlaubern und Tagesausflüglern viel Spaß und Genuss zu bieten.

 

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Buchungen und weitere Informationen unter www.erlebnisbahn.de,

Telefon: 03377/3300850,

Bahnhof Mellensee, Am Bahnhof Mellensee 3, 15838 Am Mellensee,

Bahnhof Zossen, An den Wulzen 23, 15806 Zossen

Das braut sich was zusammen!

In sieben Brandenburger Klein- und Gasthausbrauereien kommt das Bier auf kurzem Weg aus dem Sudhaus direkt zum Gast. Das stärkt die Artenvielfalt der Hopfenschorle und erst recht die Region. Zumal die Gastwirte dazu ermuntern, nicht nur das Bier, sondern auch die Gegend zu erkunden.

Text und Fotos: Hanne Walter


Egal ob Stammgast oder Neuankömmling, man wird gnadenlos geduzt. So unangenehm das in den meisten Situationen ist, in der „Kneipe Pur“ passt es wie die Faust aufs Auge. Denn in der Wirtshausbrauerei im Fischerstädtchen Plaue bei Brandenburg is(s)t man in Familie. Man geht zu Karola in die Küche, um sich den Teller vollzuladen. Weil Sonntag ist, gibt’s Braumeisterpfanne mit dreierlei Fleisch und herzhaften Würstchen in – na? – genau, in Bier gegart. Eine Gemüsemischung zieht ebenfalls appetitlich im Biersud, während sich ein Topf weiter Schmorgurken mit Spargel vereinen. Hilft dem Sauerkraut eigentlich auch Bier beim Angriff auf die Geschmacksnerven? Zuzutrauen ist Karola alles, denn sie ist die kulinarische Seele der kleinsten Brauerei Brandenburgs. Sie kocht ihre „Cuisine a lá Bière“ nach Lust und Laune und am liebsten mit Zutaten, die um die Ecke wachsen oder direkt vor ihrem Fenster im Kräutergarten. Die warmen Speisen werden, egal ob Fleisch, Gemüse, Soße oder Kartoffeln überwiegen, nach Gewicht bezahlt. Pro hundert Gramm 1,90 €. Man kann sich auch vom Meterbrot eine dicke Scheibe abschneiden, mit Schmalz oder Knoblauchbutter bestreichen und dazu die selbstgemachte Sülze kosten. Und wenn man schon fast am Platzen ist, bringt Carola ihren frischen Obsthefekuchen und man muss einfach zugreifen. Den Kaffee dazu verkneifen sich die meisten, denn es sind ja noch nicht alle Biere verkostet. Wie auch, 15 bis 20 verschiedene Biere braut Gernot Brätz im Jahr, darunter historische Plauer und Brandenburger Sorten.

Angefangen hat er 1985 in einer Waschmaschine vom Typ WM 66 mit Leitungswasser. Doch zwischen dem damals entstandenen Gebräu und dem herzhaften „1912er Plausch“ nach Pilsener Brauart und Wasser aus dem örtlichen Brunnen liegen Welten. Nicht umsonst ist Braumeister Gernot Brätz mit seiner Vielfalt und den interessanten Geschmacksnoten im Buch der wichtigsten Biere der Welt vertreten.

Sein Stammbier "1912er" ist eine Verneigung vor der Geschichte. Einen schönen Spaziergang von der Kneipe entfernt erhebt sich am Plauer See das auf den Grundmauern der Qitzowburg erbaute Schloss, in dessen Brauerei 1912 letztmalig Bier in Plaue gebraut wurde. Von dort führt der Fontaneweg zu Originalschauplätzen, die der berühmteste Wanderer der Mark Brandenburg erlebt und beschrieben hat. Auch zum Margaretenhof, wo er oft, des Wanderns müde, sein Haupt bettete.

 

Nicht minder historisch geht’s in der „Meierei im Neuen Garten“ Potsdam zu. Schon um 1800 war sie ein beliebtes Ausflugsziel, fristete aber nach wechselvoller Geschichte jahrzehntelang als Ruine ein beklagenswertes Dasein, bis sich Ende der 1990er Jahre der heute geschäftsführende Inhaber Jürgen Solkowski und seine Frau in das Gelände verliebten. Lange hatten sie nach einem Ort gesucht, um sich ihren Traum von einer besonderen Erlebnisgastronomie erfüllen zu können.

Seit 2003 wird die nun denkmalgeschützte Gasthausbrauerei an sonnigen Tagen geradezu überrannt, denn im Biergarten am Ufer des Jungfernsees sind nicht nur die 200 Plätze an der Sonne, sondern vor allem die am Wasser heißbegehrt, um mit dem frischgezapften Kaltgetränk den Segelbooten hinterherzuschauen, während Kinder und Enkel auf einem von Obstbäumen gesäumten Kinderspielplatz glücklich werden.

Ein Besuch dieses nahe dem Schloss Cecilienhof gelegenen Hopfenparadieses lohnt sich natürlich auch ohne Biergartenwetter. Im Inneren des Hauses finden ebenfalls 200 Durstige und Hungrige Platz, die dann Muße haben, die hauseigene Bierausstellung zu besichtigen und einen Blick auf das gärende Jungbier im historischen Eiskeller zu werfen.

Wer alle Haus- und saisonalen Biere probiert hat, trotzdem nach mehr dürstet und obendrein noch seetauglich und standfest ist, kann mit dem Wassertaxi auf direktem Wege zur Braumanufaktur Forsthaus Templin fahren. Auch in diesem ist die Geschichte allgegenwärtig und reicht bis ins Jahr 1756 zurück.Seit 2003 betreiben Jörg Kirchhoff und Thomas Köhler das Forsthaus am Strandbad Templin als Gasthausbrauerei. Sie brauen ihre naturbelassenen, unfiltrierten Spezialitäten aus ökologisch angebauten Rohstoffen. Gemäß ihrem Motto „Geld allein macht nicht glücklich – Trinkt selbstgebrautes Bio-Bier!“ sind das Potsdamer Stangenbier, das berühmte „Werdersche“ und etliche andere Sorten, alle auch in verschieden großen Bügelflaschen zum Mitnehmen.

Bescheidener geht’s in Gernot Brätz‘ „Kneipe Pur“, der kleinsten Brauerei des Landes, zu. Dabei wäre beinahe alles ganz anders gekommen. Nachdem der Ruf seines jährlich zum Herrentag gebrauten Knoblauchbieres weit über die Landesgrenzen hinaus gedrungen war, begab sich sein Schöpfer auf eine Bierreise durch die Vereinigten Staaten. Während einer Rast in einem der vielen „Garlic Restaurants“ outete er sich als Erfinder, worauf der Geschäftsführer der Knoblauch-Restaurant-Kette gerufen und Gernot Brätz mit Abwerbungs-Offerten überschüttet wurde. Der Brandenburger schlug die Chance seines Lebens aus und braut zum großen Glück seiner Anhänger weiter allein für den Genuss in seiner Kneipe. Die Amerikaner hingegen scheitern bis heute kläglich mit jedem neuen Versuch, selbst ein Knoblauchbier zu erfinden.

 

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Weitere Informationen:

Die sieben privaten Brandenburger Gasthausbrauereien können besichtigt werden, für Führungen mit dem Braumeister bitte vorher anmelden.

 

Braumanufaktur Forsthaus Templin bei Potsdam: www.braumanufaktur.de

Spreewälder Privatbrauerei 1788 in Schlepzig: www.spreewaldbrauerei.de

Kircher Brauhaus in Drebkau: www.kircher-brauhaus.de

Brauhaus Radigk in Finsterwalde: www.radigks.de

Burgbräuhaus Belzig: www.burgbraeuhaus.de

Brauhäus Kneipe Pur in Brandenburg-Plaue: www.kneipepur.de

Gasthausbrauerei Meierei im Neuen Garten Potsdam: www.meierei-potsdam.de

Mit dem schwimmenden Haus zum Vogelkonzert

In Brandenburgs Gewässern geht das ohne Bootsführerschein und Kompass

Text und Fotos:   Heidrun Lange

 

Ein Freizeitskipper und seine Crew lernen vor dem ersten Ablege Manöver: Grüne Tonnen lässt man flussabwärts  links liegen, rote rechts. Mit dem Bungalowboot muss man Segelyachten, Ruderbooten und Kanus ausweichen. Wer von rechts kommt, hat Vorfahrt.

Anfangs erscheint es ganz einfach: Der Skipper geht auf die Veranda des schwimmenden Holzhauses, nimmt das Steuerrad in die Hand und gibt Gas. Der Außenbordmotor schiebt das Ferienhaus aus dem Hafen. Rückwärts. Langsam dreht es sich, man hört das Wasser gurgeln. Die Crew sind die Berliner Stadtjungs, Leon 9, Maurice 11 und Louis 13. Einen Kompass braucht man nicht. Orientieren kann man sich mit Hilfe der Gewässerkarte.

Träge fließt die Havel. Im Hintergrund werden die Schornsteine der alten riesigen Ringöfen des ehemals größten Ziegelgebietes Europas immer kleiner bis sie langsam verschwinden. Längst schon sind die Feuer erloschen. Das riesige Gelände in Zehdenick bei Berlin wurde in den vergangenen Jahren schrittweise zu einem Museums- und Erlebnispark umgestaltet.

Weit und breit nur noch Wasser, spiegelglatt und braun grün. Das Schilf am Uferrand wiegt leise im Wind. Dahinter zieht eine Landschaft vorbei, die es nur in Brandenburg gibt. Wie für die Ewigkeit gebaut, recken sich die Ziegelhäuser zwischen den Tonstichen in die Höhe. Die ehemalige Arbeitersiedlung ist bewohnt. Manche Häuser wurden modernisiert, manche verfallen.

Die Tonstiche, die heute mit Grundwasser gefüllt sind, sollen ein Tierparadies sein. Biber, Fischotter und Rotbauchunke haben sich jedenfalls hier niedergelassen.

Havelaufwärts sind Yachten, Kanus und Paddelboote unterwegs. Dann wird es still. Wir sind mitten im Naturschutzgebiet Schorfheide. Es gibt nur noch den Fluss mit seinen Windungen, Altarmen, Ablegern und Seen, mit den vielen kleinen Buchten und Stränden. Hoch oben auf den Kronen der Erlen sitzen Kormorane und Fischreiher und halten Ausschau, ob es etwas zu fangen gibt. Unser blaues Bungalowboot, so stellt sich heraus, ist auf See simpel zu handhaben. Mit dem Boot aber durch eine von Hand betriebene Schleuse? In Kannenberg steht sie und ist ein Industriedenkmal. Der Skipper muss rangieren, seine Jungencrew muss Leinen festmachen. „Schieb mit dem Stock das Schiff von der Wand ab“, ruft eine ungeduldige Stimme. Ohne zigmal Rangieren geht es nicht. „Wieder so ein Greenhorn“, schimpft der Schleusenwärter und geht zur Kurbel. Das war Millimeterarbeit.

Wir haben den Flusslauf verlassen und steuern nun nordwärts zum Fährsee.

Oft  weiß man bis kurz vor der nächsten Kurve nicht, ob die Gewässerkarte lügt oder die Seenkette tatsächlich weitergeht. Dann tut sich im Schilf eine Durchfahrt auf.

Der Skipper lenkt ganz langsam die Veranda ans Ufer. Der Ankerpfahl wird durch eine Röhre geschoben und das Hausboot an den Boden des Sees genagelt.

Schon um 5 Uhr schickt die  Morgensonne ihre ersten Strahlen durch die Bäume direkt in unser Haus. Im Wald werden die Sänger munter. „Zick-tsi, zick-tsi“  Das kann nur ein Rotkehlchen sein. Ganz vorn im Schilf hat sich eine Rohrdommel an den Stängel geklammert. "Tscharr, tscharr, tschirrak", schmettert sie, so aufgeregt, als könne sie den Tag kaum erwarten. Immer mehr Stimmen fallen in den Gesang ein. Knäk- und Krickente, Brachpieper oder Braunkehlchen und Raubwürger. Ein Morgenkonzert der Vögel, als hätten wir es bestellt.

 

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Tipps:

Ein langes Wochenende mit dem Bungalow-Boot variiert je nach Saison.  Ab 330 Euro kostet ein Wochenende, eine Woche ab 695 Euro (jeweils zuzüglich Brennstoff, Bettwäsche und Endreinigung). An Bord gibt es zwei Zimmer mit je einem Doppelbett, im Aufenthaltsraum ein breites und bequemes Schlafsofa. Wer keinen Sportbootführerschein für das Binnengewässer hat, kann sich vor Ort eine dreistündige, theoretische und praktische Einweisung geben lassen und anschließend für 30 Euro einen Charterschein erwerben.

www.bunbo.de

 

weitere Informationen: 

TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH
Am Neuen Markt 1, D-14467 Potsdam

Telefon: 0331/29873-789, Fax: 0331/27558-73

Das Kesselmoor liegt in einer Senke, die von Wasser umgeben ist

Uralt, knorrig und voller Leben

Wandern mit dem Buchautor Andreas Kieling im urwüchsigen Buchenwald Grumsin

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

Mächtige Buchen ragen in die Höhe. Deren Blätterdach ist wie die Kuppel eines Domes geformt. Ein Buchfink zwitschert hoch oben in den Baumkronen. Die Blätter bewegen sich im lauen Wind, und die dicken Stämme lassen nur wenige Lichtstrahlen auf den Boden scheinen. Eingebettet in das 6000 Hektar große Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin in der südlichen Uckermark liegt der urwüchsige Buchenwald Grumsin. An einem dicken Stamm, der vor langer Zeit umgestürzt ist, hat eine Spinne ihr Netz gespannt. Es ist mit Reif und Regentropfen benetzt. Alt ist der Baum geworden. So wie fast alle die hier stehen. Dass diese Baumriesen die Jahrhunderte überdauerten, hängt mit der letzten Eiszeit zusammen. Höhen und Senken, die sie hier formte. Geröll und Steine, die sie aus Skandinavien her brachte. Unattraktives Land, um den Wald zu roden und daraus Grünland oder Felder zu machen. Nur als Viehweide wurde der Wald lange genutzt. Teeröfen und Glashütten gab es hier nur kurze Zeit. Gern jagten die preußischen Kurfürsten in Grumsin. Der Wald war damit den Herrschenden vorbehalten. Das änderte sich auch nicht in der DDR. Weil der Wald nicht betreten werden durfte, blieben die Bäume fast unberührt. Es entstanden kleine Wassertümpel, Seen und Moore. „Endlich hat die UNESCO-Kommission das Schattendasein der Buchen etwas aufgehellt und das 670 Hektar große Gebiet Grumsin ins offizielle Weltnaturerbe aufgenommen, womit sie mit dem Gran Canyon, Yellowstone und dem Wattenmeer der Nordsee auf gleicher Stufe stehen", sagt der Naturfilmer und Buchautor Andreas Kieling. Er, der alle Kontinente bereiste und exotische Orte faszinierend findet, lässt sich nun auf das Naheliegende ein. Zusammen mit seiner Hündin Cleo wanderte er auf dem Grünen Band entlang der einstigen Grenze zur DDR. Er hat seinen Blick für die heimische Tierwelt und Natur geschärft, Wildkatzen im Grenzgebiet zu Tschechien beobachtet, Mufflons im Thüringer Wald, Birkhähne in der Rhön, Seeadler in Mecklenburg und nun diese knorrigen alten Buchen in Brandenburg. Auf idyllischen Waldwegen kann man Stunde um Stunde, Kilometer für Kilometer laufen. Nach jeder Biegung, nach jeder Kuppe offenbart sich ein neuer Anblick. Mal zerspringt das Laub wie Pergamentpapier, mal bleibt eine dicke Schicht unter den Sohlen der Wanderschuhe kleben. Mal hüpft ein Laubfrosch vor die Füße, mal schimmert der Tümpel hellgrün. Der Wald zeigt, was er kann und was in ihm wohnt. Auf dem leicht abschüssigen Gelände stehen 180 Jahre alte Buchen. Die sind knorrig und die Äste verzweigt. Die Buchen, die den Halt verloren haben, legen sich als Brücken über die Findlinge. Im Wurzelteller abgestorbener Baumriesen, die hier liegen bleiben dürfen, tobt das Leben, weiß der Naturführer Tim Traeger. In der Humusschicht tummeln sich Asseln, ein Totholzkäfer kriecht aus einer kleinen Röhre. Winzig kleine Trauermücken krabbeln über das Holz. Selten war dieses kleine, schwarze Insekt geworden. Die Pilze durchdringen mit ihren Wurzeln die Rinde. Schrittweise beginnt die Zersetzung bis hin zum Regenwurm, der das Verbliebene zu Moder mischt. Bloß gut, so entsteht neues Leben für seltene Insekten, die das Totholz besiedeln. „Das alles hat die Unesco besonders überzeugt," sagt Traeger, der den Welterbe-Antrag mit ausgearbeitet hat. Vögel, Käfer und Fledermäuse genießen ein weitgehend ungestörtes Leben. In den Morgen- und Abendstunden tauchen Rehe auf. Große und spektakuläre Tiere allerdings sucht man vergebens. Es gibt keine Bären, Wölfe oder Elche. Die Qualität liegt hier im Verborgenen und in den Nischen. Füchse und Dachse übernehmen die Aufgaben einer Waldgesundheitspolizei. Zu ihrer Nahrung gehören nicht nur Mäuse, sie erbeuten auch kranke Tiere. Brandenburg ist wild, lautet Kielings Botschaft. 

Wie man zum Grumsiner Buchenwald kommt:

Von Berlin aus empfiehlt sich die Autobahn A11, Abfahrt Joachimsthal, von wo man auf der Straße K7346 durch den Grumsin Richtung Altkünkendorf fährt. Von der Straße gehen auf beiden Seiten zurzeit noch schlecht gekennzeichnete Wege in den Wald hinein. Gut zu erreichen ist Angermünde von Berlin mit dem Regionalzug. www.bahn.de

 

Nähere Auskünfte zu geführten Wanderungen:

tmu Tourismus Marketing Uckermark GmbH
Grabowstraße 6 17291 Prenzlau
Tel: + 49 (0) 39 84/83 58 83
Fax: + 49 (0) 39 84/83 58 85
Internet: www.tourismus-uckermark.de

e-mail: info@tourismus-uckermark.de

Literatur:

Andreas Kieling wanderte am ehemaligen Grenzverlauf entlang und durchstreifte auch die Prignitz.

Sein Buch: Ein deutscher Wandersommer, 1400 Kilometer durch unsere wilde Heimat.  Malik Verlag, 22.95 Euro

                                      

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Ein tierisches Vergnügen

Mit zwei stummen Begleitern die Langsamkeit entdecken

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

 

 

       Dunkelblauer Himmel. Die Sonne strahlt, der Wind bläst frisch. Es soll heute noch ein heftiges Gewitter aufziehen, so die Prognosen des Wetterberichtes. Ob das Unwetter bis in die Uckermark kommt? Hier dauert doch alles viel länger. Vielleicht macht es sogar einen Bogen um uns. Schön wärs, denn wir wollen mit zwei stummen Begleitern während einer Wanderung die Langsamkeit entdecken.

Zwei Esel kommen auf uns zugelaufen.  „Das sind Olivia und Emma“, stellt Katrin, die Besitzerin, die beiden, vor und mustert die Jungs, den elfjährigen  Louis und neunjährigen Maurice. „Naja, die Stärksten seit ihr ja nicht. Emma ist manchmal stur, aber ihr habt Olivia dabei, dann läuft sie schon.“  Anfangs schien es gar nicht so schwer, mit den Eseln. Sie sind es gewöhnt, ausgeborgt zu werden. Die schokoladenbraune Emma ließ sich kommentarlos das Gepäck aufladen und das Zaumzeug anlegen und setzt langsam eine Hufe vor die andere. Olivia, eine hübsche graue, trottet zügig los und nickt dabei freundlich mit dem Kopf. Aber nur wenn sie ihre Pflegerin reden hört. Die war allerdings bald außer Sichtweite.

     

       Eselregeln sind wichtig

      Sie  gab uns noch einige Eselregeln mit auf den Weg und einen guten Rat: „Wenn ihr die Uckermark erleben wollt, dann müsst ihr sie nehmen, wie sie kommt,  langsam.“  Dann waren wir allein. Emma blieb am Wegesrand stehen und fraß Gras. Olivia ebenfalls. Die Zeit verging. Was hat die Besitzerin gesagt? Gut zureden und bitten. Wir reden gut zu. Wir bitten die Eselinnen, mit uns zu laufen. Nichts. Es passiert nichts. Beide fressen Gras. Ich schimpfe. Wir schieben zu dritt Olivia sachte an.  Es ist zwecklos, ist ja auch keine der vorgegebenen Eselregeln. Hier, am Feldrand, zwischen knorrigen alten Bäumen, verpassen wir nichts. Keine Straße,kein Mensch in Sicht. Nur es gibt eine Wettervorhersage. Es soll Regen und Gewitter geben. Es wird einen  Abend geben. Bis dahin sollen wir 14 Kilometer gekommen sein. Als könnte Emma Gedanken lesen, schaut sie kurz vom Grasbüschel auf. Ausdruckslos sind ihre großen Augen. Kauend bewegt sie sich vorwärts.  Wir frohlocken,endlich, es geht los. Er waren  nur ein paar Schritte. Dann reißen sie wieder jeder an einem Büschel Gras, kauen und  fressen. Wir sehen uns alle drei an und zucken mit den Schultern. „Esel interessieren sich nicht für Wetterberichte“, sagt Louis. „Dann ruf´ doch die Frau an. Die soll die Esel wieder abholen“, hofft Maurice einen guten Entschluss getroffen zu haben. Nein, abholen kommt nicht in Frage. Ist doch peinlich, wenn wir jetzt schon aufgeben. Wir lassen uns doch nicht von Eseln an der Nase herumführen.  Das spricht sich im Dorf rum. Dann heißt es: „Ach die aus der Stadt.  Die haben keine Ahnung, wie man mit der Zeit umgeht. Und von Tieren verstehen die überhaupt nichts.“

 

      Der schottische Schriftsteller probierte es im 19. Jahrhundert

      Es ist früher Mittag, die Sonnestrahlen zeigen auf den sich endlos ziehende Sandweg.  Vor zwei Stunden sind wir aufgebrochen und fast nicht von der Stelle gekommen. Aber wir müssen weiter. Wir wollen an diesem Tag mit zwei Eselinnen einen Teil des Biosphärenreservats Schorfheide Chorin durchqueren. Nur wussten wir bis dahin nicht, dass es unsere zwei stummen Begleiter  nicht besonders eilig haben. Die Idee ist nicht neu. Der schottische Schriftsteller Robert Louis Stevenson zum Beispiel hatte sie schon im 19. Jahrhundert.  Er durchwanderte mit einer Eselin die Cevennen in Frankreich. Das hat, gerade in den letzten Jahren, immer mehr zivilisationsmüde Nachahmer gefunden.  Auch in Deutschland, und seit einigen Jahren in der Uckermark.  Wir grübeln welche Esel-Regel wir nicht beachtet haben.  „Lassen Sie die Tiere am Anfang bloß nicht grasen, sonst werden sie es weiter tun.“ Ein Fehler.  Man kann Esel zu nichts zwingen. Das haben wir verstanden. Schon gar nicht mit Gewalt. Stevenson zum Beispiel hat es versucht. Mit Zerren und Reißen und Prügeln. Am Abend hatte er Schmerzen im Arm und die Eselin kaum in Bewegung gebracht. Während unsere beiden Eselinnen kauen, stehen wir und können nur zuschauen.  Esel gehörten schon immer zu den geschundensten Tieren der Weltgeschichte. Und sein schlechter Ruf?   In Fabeln ist er fast immer der Trottel, viele sagen auch der dumme Esel. Warum nur? Er hat einen großen Kopf und  langen Ohren. Aufgrund der ungleichen Proportionen sieht er  eben nicht so elegant aus wie ein Pferd.  Dabei hat er den Menschen über Jahrtausende zuverlässig die Lasten geschleppt. Über Berge ist er mit ihnen gezogen.  Bloß gut, in der Bibel und im Koran wird nur gut von ihm gesprochen. Ohne zuzureden schaut Emma auf und geht los. Louis stolpert hinterher, die Leine hält er kurz. Wir atmen auf.  Wir haben das Gefühl wir  kommen vorwärts.  Wie war doch die Regel II: „Reden Sie mit dem Esel.“  Louis und Maurice singen ihm ein Lied vor. Eins vom Rollmops. Sie buchstabieren. Das R wird gerollt, sagt Louis  zu Emma. Emma nickt im Takt. Sich mit ihnen unterhalten hilft.

 

      Sind Esel bockig?

      Wir laufen, manchmal müssen wir rennen. Ein Dorf ist in Sicht. Ein paar Häuser, eine Kirche, ein Gutshaus. Die Straßen sind fast leer. Hinterm Zaun ruft eine Frau zu ihrem Kind: Guck mal, die Esel sind wieder unterwegs. Emma und Olivia gehen unbeeindruckt weiter. Am Feldrand bleiben sie wieder stehen. Das haben wir inzwischen gelernt. Esel-Regel III: „Ignorieren Sie den Esel, wenn er stehen bleibt. Er wird weitergehen.“ Wirklich es funktioniert. Jetzt wissen wir, es gibt  verschiedene Arten des Stehenbleibens. Fressen tun sie nur um Zeit zu schinden.  Plötzlich stemmt Olivia die Hufe in den Boden und bewegt sich keinen Zentimeter weiter. Emma bleibt natürlich auch stehen. „Findest Du, dass Esel bockig sind?“, fragt Maurice.  „Bockig ist,  glaube ich das völlig falsche Wort. Esel sind stur. Das habe ich in einer Geschichte gelesen“,  klärt Louis seinen Bruder auf.  „Stur wie unser Papa manchmal?,“ überlegt Maurice laut.  Vielleicht muss man den Sinn des Wortes stur auf eselisch überdenken. Es könnte Pause heißen, oder, ihr lauft in die falsche Richtung. Louis und Maurice sehen auf die Karte. Weit ist es nicht mehr. So um die fünf Kilometer. Dann passiert etwas Überraschendes.  Louis sagt zu Olivia: „ Komm mein Eselchen“,  und streichelt sie. Er sagt es ganz nett. Olivias Augen leuchten. Sie ist nur losgelaufen, weil wir ihr zu langweilig wurden. Doch dann stehen wir mitten auf dem Feld. Weit, weit weg dreht ein Traktor seine Runden. Nichts Ungewöhnliches in der Uckermark. Aber keine Häuser, kein See zu sehen? Wir haben uns verlaufen. Olivia und Emma hatten Recht. Sie wollten nicht in die von uns vorgeschlagene Richtung laufen. Die brauchen keine Landkarte oder Wegweiser. Eine Lehre für uns. Es ist dann ganz schön spät, als wir kurz vor Suckow sind, der Heimat der Esel.  In der Ferne donnert und blitzt es.  Wir halten  uns  vorbildlich an Esel-Regel IV: „Gehen Sie ruhig mit Ihrem Esel um.“ Wir erzählen Geschichten. Die von den Bremer Stadtmusikanten. Emma  dreht mal eines, mal beide ihrer Ohren.  Was bedeutet das nun schon wieder? Denkt Emma nach? Endlich laufen sie los. Olivia hält an und schickt ein lang gezogenes I-ah über das Feld in die Stille.  Emma macht es nach. Nicht weil es regnet, nein, sie wussten, sie würden erwartet. Kaum sind sie in Sichtweite, schreien die anderen Esel Emil, Elli und Elias aus dem Stall zurück.

 

zum Vergrößern auf ein Foto klicken!

Informationen:

Wandern mit Eseln wird in Brandenburg unter anderem von Celine Caravan in der Uckermark angeboten.  Die Eselinnen Olivia und Emma oder der Esel Elias können für Tagestouren oder für mehrtägige Wanderungen „gemietet“ werden. Die Esel tragen das Gepäck oder Kinder bis 35 Kilo. Nach einer Einführung in das Führen der Esel geht es auf verschiedenen Routen durch das Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin, in der Regel zwischen 10 und 24 Kilometer weit. Übernachtungen in einfachen Unterkünften auf dem Weg werden von der Veranstalterin organisiert.

 

Anfahrt:

Mit dem Auto:

über die Autobahn A11/ E28 bis Pfingstberg, dann L24 nach Suckow.

 

Mit der Bahn:

Von Berlin mit RE nach Angermünde oder Templin. Von dort mit dem Bus nach Suckow. Internet: www.bahn.de

 

Auskunft:

 

Celine Caravan

Katrin van Zwoll

Am Haussee 41

17268  Suckow

Tel.: 0170/245 00 55

e-mail:  info@celine-caravan.de

Internet:  www.celine-caravan.de

 

Eselwanderung: www.wanderninbrandenburg.de

 

Tagestour: ab 35 Euro pro Person mit Lunchpaket. Kinder 15 Euro

 

Die TMB verstärkt die Angebote im Naturtourismus. Gäste können die nahezu unberührten, weiten Landschaften mit dem Rad, zu Fuß, mit dem Esel,  auf dem Pferderücken oder bei einer Kremserfahrt erkunden. Angebote sind unter: 

www.naturreisen-brandenburg.de zu finden.

  

Weitere Informationen zum Urlaub in der Uckermark:

tmu Tourismus Marketing Uckermark GmbH

Grabowstraße 6  

17291 Prenzlau

Tel:  039 84/83 58 83

Internet: www.tourismus-uckermark.de

Hotel Schloss Herrenstein. Foto: Heidrun Lange

Hoteltipp:

Am Nordrand des Biosphärenreservates Schorfheide befindet sich die Hotelanlage Schloß Herrenstein. Typische Landhäuser im Fachwerkstil gruppieren sich um das historische Gutsherrenschloss, dass Mitte der neunziger Jahre neu aufgebaut wurde. Das Schloß, die drei Fachwerkhäuser mit 54 Zimmern, Restaurant mit Bar und Gartenterrasse, ein Wellness-Bereich mit BeautyVital Club, Saunen und einem kleinen Hallenbad, Tennishalle und Reitanlage sowie ein kleiner See sind eingebettet in die typisch uckermärkische Grund-und Endmoränenlandschaft.

Zu jeder Jahreszeit kann man vom Hotel aus wandern, reiten oder Fahrradfahren. Die hoteleigene Schlosskutsche bietet ebenfalls Fahrten an.

  

Schloss Herrenstein

17268 Gerswalde/OT Herrenstein

Tel.: 039 887/ 710

Fax: 039 887/ 71 200

e-mail: info@hotel-schloss-herrenstein.de

Internet: www.hotel-schloss-herrenstein.de

  

 

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Schloss Lübbenau - Parkanlage zum Träumen

Gartenkunst in Brandenburg
Die Schlossherren laden ein
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

Großartige Ausblicke in die flache Landschaft, streng geschnittene, gliedernde Eibenhecken, Kaskaden, alte Baumbestände, imposante Schlösser: Das Land Brandenburg bietet Gartenliebhabern zahlreiche Anlagen. Gleich hinter Cottbus warten drei Traumziele.
Gräfin zu Lynar steht vor der Tür des Schlosses Lübbenau und es ist, als empfange sie ihre Familie. Sie könnte eine liebe Tante sein oder eine gemütliche Oma. Fürs erste bleibt keine Zeit für die Zimmer, die einem aber sowieso irgendwie vertraut vorkommen. Das Tischchen mit dem umhäkelten Deckchen, dem Döschen und der kleinen Lampe, der große Kleiderschrank und die Kommode könnten auch bei den eigenen Verwandten stehen. Nur dass die kein Haus in Lübbenau haben und ein so schönes altes Schloss schon gar nicht.
Dabei fällt die wuchtige Architektur des Gebäudes mit seinen hoch aufragenden Fassaden nicht gerade in die Kategorie "kleines Traumschloss". Dafür fehlen verspielt wirkende Türmchen, eine repräsentative Auffahrt, schmucke Balkons und so manches andere Detail. Der Blick vom großen Eingangstor fällt auf einen englischen Landschaftspark. Das Gartengenie Peter Joseph Lenné soll für die Anlage die ersten Entwürfe geliefert haben. Nichts überließen die Gärtner, zu denen auch ein Schüler des Fürsten Hermann Pückler gehörte, dem Zufall. Sogar die in der Nähe fließende Spree leiteten sie um, damit der Spaziergänger über kunstvoll gestaltete Brücken gehen, von erhöhten Punkten die Aussicht genießen und auf verschlungenen Wegen ins Träumen gelangen kann. Im Sommer eignet sich die große Wiese natürlich zum Picknick unter freiem Himmel. Theodor Fontane rief entzückt aus, dass ihn der Lynarsche Park an den von Warwick Castle erinnert, einer geschmackvollen Anlage im Herzen Englands. Heute würde er ihn genauso schön finden mit der Orangerie und dem herrlichen alten Baumbestand.

Fürstlich Drehna hat sich herausgeputzt

Frischer Wind weht in den alten Mauern des Schlosses Fürstlich-Drehna in der Niederlausitz. Der Renaissance-Bau, der im vergangenen Jahr als Hotel eröffnet wurde, liegt in einem im 19. Jahrhundert von Peter Joseph Lenné neu gestalteten Landschaftspark, der als einer der schönsten der Niederlausitz gilt. Ein großer Teil fiel in den 80er Jahren dem Tagebau zum Opfer. Der Heimatverein setzte sich für den Wiederaufbau ein. Heute ist der romantische Garten mit seinen Brücken, Wasserläufen und einem gusseisernen Pavillon offen für Besucher.
Die Gäste können über gut geführte Wege mitten durch weite Wiesen mit Feldgehölzen wandeln, alte Eichen in Laubmischwäldern, den Weinberg und zahlreiche Teiche bewundern.

"Venus von Capua" am Branitzer Schlossteich

Die Verwandlung der Niederlausitzer Sandwüste in einen rund 100 Hektar großen Prachtpark, erscheint beim Blick in die Biografie Pücklers fast unglaublich. Denn der Mann mit seinen vielen Talenten, Leidenschaften und Vorlieben kam erst 1846 im Alter von 60 Jahren, nach Branitz. Bis zu seinem Tode 1871 ließ er am Schloss bauen und gestaltete das Areal mit Hilfe der in der Nähe fließenden Neiße zu einem "Bilderbuch der Harmonie" um. Heute genießen die Besucher am liebsten den "grünen Salon" vor dem Schloss. Dieser Park mit seinen 42 unterschiedlichen Landschaftsbildern macht Lust auf Entdeckungen.
Wer sie erleben will, muß Zeit mitbringen. Denn der Park ähnelt einer Bühne. Alles scheint in Bewegung zu sein. Wege und Sichtachsen verschwinden bei der kleinsten Veränderung des Standorts aus dem Blickfeld, Bäume wandern scheinbar umher, und alle Erfahrungen beim Schätzen von Entfernungen werden hinfällig. Auf verblüffende Weise zeigt Pückler hier die Kunst der optischen Täuschung durch künstliche Hügel, einzeln stehende Bäume, scheinbar zufällig angelegte Blumenrabatten oder angestaute Seen.
Trotz seiner vielen Reisen, die den Fürsten vor allem in den Orient führten, sollen die einzelnen Arrangements in Branitz keine Kopien von Werken anderer Architekten sein. So manche Anregung hat er sich geholt. Wer vor den beiden Pyramiden steht mag ahnen, dass sich Pückler dafür von der berühmten Cheops-Pyramide inspirieren ließ.

 

Informationen:
Hotel Schloss Lübbenau, Schloßbezirk 6, 03222 Lübbenau
Telefon: 03542/ 873-0, Fax: 03542/ 873666,
Internet: www.schloss-luebbenau.de
e-mail: hotel@schloss-luebbenau.de
Der Park ist frei zugänglich.

Schloss Fürstlich Drehna, Lindenplatz 8, 15926 Luckau OT Fürstlich Drehna
Internet: www.schloss-f-drehna.de
Durch den Landschaftspark werden Gruppen ab sechs Personen vom Heimatverein Fürstlich Drehna geführt.

Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz, 03042 Cottbus
Telefon: 0355/ 7515221, Fax: 0355/ 7515230
Internet: www.muskauer-park.de
Veranstaltungen: Ausstellungen, Konzerte, Lesungen. Der Park ist frei zugänglich.

TMB Informations- und Beratungsservice ReiseLand Brandenburg
Hotline 0331/ 200 47 47, Fax: 0331/ 298 73 28
Internet: www.schloesser-brandenburg.de und www.schlosshotels-brandenburg.de

Vorbei die Zeit, wo man mit den Schuhen jeden Stein spürte. Die modernen Pilger tragen bequeme Wanderschuhe

 

Laufen und sich selbst finden
Historischer Pilgerpfad von Berlin nach Bad Wilsnack wieder entdeckt
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 Nein, an einen mittelalterlichen Pilgerpfad erinnert auf dem Platz am Märkischen Museum in Berlin nichts. Gar nichts. Der Linienbus fährt ächzend an, im U-Bahn-Tunnel hallen Kinderstimmen. Und direkt neben dem U-Bahnhof drehen die beiden Braunbären Maxi und Schnute im Zwinger ihre Runden. Eine längst vergessene Zeit? Auf keinen Fall. Eine bronzene Zeugin steht im Museum, die 1471 gegossene Glocke für die Wilsnacker Wunderblutkirche.
Von Berlin aus haben sich vor 500 Jahren Tausende Pilger auf den Weg gemacht, um im damaligen Wilsnack ihr Heil zu suchen. Mit einem langen Stab in der Hand, die Pilgertasche um die Schulter gehangen, so zogen sie los. Auf dem Haupt trugen sie einen breitkrempigen Hut, der hinten tief herabgezogen war und das Regenwasser ableitete. Die Schuhe und Sohlen wurden aus dünnem Leder angefertigt. Man sollte den Untergrund und jeden Stein genau spüren.
Die modernen Pilger von heute tragen gute Wanderschuhe, bequeme Sportkleidung und das Handy in der Tasche. Den Segen kann man sich in den Kirchen der Stadt holen. „Laufen sie einfach los und finden sie sich selbst“, rät Pfarrerin Carola Ritter vom Amt für kirchliche Dienste. Wer nicht durch die quirlige Stadt laufen möchte, startet in Hennigsdorf. Hier beginnt der Weg am Ende der Fußgängerzone.
Seit dem Pilgerbucherfolg „Ich bin dann mal weg“ von Hape Kerkeling ist nicht nur das Pilgern nach Santiago de Compostella in Spanien attraktiv geworden. Immer mehr Leute machen sich auch im Land Brandenburg auf den 130 Kilometer langen Weg von Berlin nach Bad Wilsnack. Zugegeben die Wunderblutkirche in Bad Wilsnack kann mit der gewaltigen Kathedrale von Santiago im Nordwesten Spaniens nicht konkurrieren. Doch die Prignitz muss sich keinesfalls verstecken. Es ist eine kulturhistorische Entdeckungsreise in das spätmittelalterliche Brandenburg. In der Gruppe oder allein läuft man auf einsamen Feldwegen, durch Wälder und über Wiesen. In den kleinen verschlafenen Dörfern und historischen Kleinstädten entlang der Route stehen alte Kirchen und Klöster. Detaillierten Nachforschungen ist es zu verdanken, dass der in sieben eindrucksvolle Wandertage aufgeteilte historische Pilgerweg wieder entdeckt wurde.
In Bötzow marschieren die Wanderer auf Kastanienblüten zur Kirche. Diejenigen, die den Weg schon einmal gewandert sind, schwärmen von der Apfelallee zwischen Flatow und Linum. Die Pilger des Mittelalters hatten dafür wahrscheinlich keine Muße. Der Grund jeden Pilgerns sei der Glaube gewesen, auf der Erde nicht zu Hause zu sein, sagt Jochen Purps, Vorsitzender des Fördervereins „Wunderblut“-Kirche St. Nikolai Bad Wilsnack e.V. Ab Linum beginnt sich die Landschaft zu ändern. In den großen, schilfumstandenen Teichflächen gibt es zahlreiche Frösche. Ein Grund, dass sich hier die Störche gern niederlassen. Selbst auf der neogotischen Backsteinkirche ist ein Storchenhorst. Schwester Anneliese ist damit einverstanden. Einige Häuser weiter gibt es die Landpension Adebar.
Einen Abstecher könnte man in Vichel einplanen. Über das wieder eröffnete Gotteshaus kann man nur staunen. 160 000 Euro haben Vereine, Dörfer und Kirche in die erste Teilsanierung des Vicheler Backsteinbaus investiert. Gleich nebenan im Gutshaus servieren jeden ersten Sonnabend im Monat die Frauen vom Förderkreis Vicheler Dorfkirche e.V. Kaffe und Kuchen. Gestärkt geht es unter Schatten spendenden uralten Weiden und Eichen weiter. Die würzige Waldluft kann man bis Barsikow genießen. Im Ort scheint die Zeit still zu stehen. Denkt man. Die Wohnhäuser stehen geduckt in der menschenleeren Hauptstraße. Hin und wieder wird sacht eine Gardine beiseite geschoben. Die Pilger wandern am geschlossenen Dorfkonsum vorbei und klopfen an das Tor der Backsteinkirche. Der Turm ist bereits saniert. Im Gotteshaus kann noch nicht übernachtet werden. „Sobald wir Spenden bekommen, können wir im Turm Pilger beherbergen,“ sagt Barbara Linke vom Förderverein „Freundeskreis der Dorfkirche Barsikow“. So schnell wird aber niemand weggeschickt. Einige private Unterkünfte gibt es bereits.
In Kyritz, fast in der Mitte des Weges, steht das ehemalige Franziskanerkloster. Hinter dicken Mauern darf man in der warmen Jahreszeit ein Zelt aufgeschlagen. Vorausgesetzt man stört die vielen Theaterveranstaltungen der Knattermimen nicht.
Kurz vor dem Ende der Wegstrecke ragt die größte erhaltene Wasserburg Norddeutschlands, die Plattenburg, aus Eichen- und Kiefernwäldern. Der mächtige Feldsteinbau, der seit 1147 stolz auf sein Dorf und voller Verachtung auf die Dörfer um sich herum blickt, erscheint wie ein Wächter, der versucht alles Böse, dass von außen droht, abzuwehren. Das Burgfräulein mustert die Gäste genau. Schließlich werden die hergerichteten Zimmer in der ehemaligen bischöflichen Sommerresidenz gern von Hochzeitsgästen gemietet. Da stört es keinen, dass die Unterkunft einer Jugendherberge ähnelt. Wer als Pilger eine Übernachtung sucht, sollte sich unbedingt vorher anmelden, rät sie.
Ab der Plattenburg beginnt ein Waldweg. Links und rechts verneigen sich Eichen und Pappeln. Ein Heer von Amseln, Spechten und Meisen hockt in den Zweigen und jubiliert. Nach 130 gewanderten Kilometern steigt am Horizont ein alter dreischiffiger und kreuzförmiger sowie turmloser Kirchenbau auf, die Wunderblutkirche. Der fehdelustige Raubritter Heinrich von Bülow ahnte sicher nicht, als er 1383 das Dorf niederbrannte, was er mit dieser Freveltat in Gang setzte. Die drei geweihten, blutgefleckten Hostien, die dem Brand standgehalten hatten, lösten eine 170 Jahre lang anhaltende Wallfahrtsbewegung aus. Bürgermeister Dietrich Gappa hofft, dass die Gäste, die heute kommen, nicht nur das Mittelalter, sondern auch die neue Zeit in Bad Wilsnack erkunden. In der Stille und Erhabenheit der Hallenkirche lauscht Gertraude Böhm der Orgelmusik. Die 66jährige war begeistert von der Strecke. „Die Unterkünfte waren gut. Wir sind überall freundlich aufgenommen worden. Allerdings sollte man als Pilger nicht die Wasserflasche für unterwegs vergessen, resümiert die Seniorin.

Informationen:
Tourismusverband Prignitz e.V.
Großer Markt 4, 19348 Perleberg
Telefon 03876/ 30 74 19 20, Fax 03876/ 30 74 19 29
e-mail: info@dieprignitz.de
Internet:  www.dieprignitz.de

Rückreise:
Mit der Regionalbahn von Bad Wilsnack nach Berlin. Fahrten bis zu 5 Personen oder alleine, mit dem Brandenburg-Berlin-Ticket für 27,- Euro oder nachts für 20,- Euro (www.bahn.de)

Kondition:
Es ist besser vorher eine Tageswanderung zu unternehmen und dann die Etappen einzuteilen.

Einige Stationen am Pilgerweg:

Märkisches Museum Berlin
Märkisches Museum, Am Köllnischen Park 5, 10179 Berlin
Telefon: 030 30 86 62 15
Internet: www.stadtmuseum.de
Öffnungszeiten: Di, Do und So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr, Fr und Sa 14-22 Uhr, Eintrittspreis: 6,- Euro

Bötzow
Heimatverein Bötzow e.V., Martin Schröder Telefon: 03304/ 34 926
e-mail: heimatverein@boetzow.de
Internet: www.boetzow.de/heimatverein oder www.boetzow-kirche.de/Geschichte.html

Linum
Pension Adebar, Katrin Stahl Telefon: 033922/ 90 287
e-mail: ferien@landpension-adebar.de
Internet: www.landpension-adebar.de

Linumer Kirche mit Führung
Führung Schwester Anneliese Wilcke, Telefon: 033922/ 50 260

Gutshaus Vichel
Carinna Brumme Wilsnacker Pilgerzeichen/ Geschichtliches Projekt zu erreichen über www.pilgerzeichen.de
Ferienwohnung Peter Masloch und Claudia Pirch-Masloch
Dorfstr. 11, 16845 Vichel
Telefon: 033928 90710, Fax: 033928 90730
e-mail: petermasloch@t-online.de
Internet: www.foerderverein-vicheler-dorfkirche.de

Protzen
Internet: www.gutshaus-protzen.de
Familie Schmidt Telefon: 033932/71 931
Herr Pentecker Tel. 033932/60 940

Stadtkirche St. Peter und Paul Wusterhausen/ Dosse
Pfr. Alexander Bothe, St.-Petri-Str. 7, 16868 Wusterhausen,

Telefon: 033979/ 50 154
Internet: www.kirche-wusterhausen.de oder www.wusterhausen.de
Heimatmuseum: St.-Petri-Str. 5, 16868 Wusterhausen,

Telefon: 033979/ 14 472

Kyritz
Ehemaliges Franziskanerkloster
Kyritzer Knattermimen e. V. – Eckhard Kutzer
Johann- Sebastian- Bach- Str. 4, 16866 Kyritz
Telefon: Fax 033971/ 73 728
e-mail: knattermimen@gmx.de oder knattermimen@t-online.de

Internet: www.kyritzer-knattermimen.de

Plattenburg
Burgführungen und Unterkünfte auf der Burg Christine Streese
Anmeldungen über Gemeinde Plattenburg 038796/ 59 910
e-mail: info@gemeinde-plattenburg.de
Internet: www.plattenburg.de oder www.plattenburgspektakel.de
Plattenburgkeller - René Günther Telefon 038796/ 49 987
e-mail: info@taverna-obscura.de Internet: www.taverna-obscura.de

Bad Wilsnack
Stadt Bad Wilsnack, Am Markt 1, 19336 Bad Wilsnack
Telefon: 038791/ 999 101
Internet: www.bad-wilsnack.de
Kirchenführung Bärbel Mann - Telefon: 038791/ 80 430, mann.b@web.de

 
Förderverein „Wunderblut“-Kirche St. Nikolai Bad Wilsnack e.V.
Große Straße 25, 19336 Bad Wilsnack
e-mail: verein@wunderblutkirche.de
Internet: www.wege-nach-wilsnack.de und www.wunderblutkirche.de
Jochen Purps, Telefon: 038791/ 62 00 , e-mail: jochen.purps@wunderblutkirche.de

Die Schlaube schlängelt sich durch Wälder, Seen und Teiche

Der Bach rauscht, der Bisson brüllt
Mit Förstern hoch zu Roß im östlichsten Teil Brandenburgs
Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 Im Schlaubetal ist nichts los? Keineswegs. Endlose Mischwälder und der schönste Fluß, die Schlaube, ziehen sich durch das Gebiet im östlichen Teil Brandenburgs. Hier lassen es sich die Frösche gut gehen. Zig Teiche liegen wie helle Tupfen zwischen Kiefern, Buchen und Eichen. Ganz früher war der Wald ein Arbeitsplatz für Köhler. Etliche Meiler standen zwischen den Bäumen, um Holzkohle herzustellen. Heute gehört der Wald zum Naturpark und den Bäumen darf kein Blatt gekrümmt werden. Und weil die Förster zeigen wollen, wie schön aber auch wie schützenswert ihre Region ist, streifen sie mit ihren Gästen hoch zu Roß durch das Gebiet. Mit ihnen geht es auf mehreren Themenwanderungen auf Spurensuche nach Geschichte, Geschichten und der wunderschönen Natur tief in den Wald, vorbei an historischen Köhlerplätzen. Und natürlich zu den vielen Baumriesen.

Ausritte über weite Felder

 Eika , die Stute, schnaubt erwartungsvoll, ihr seidiges Fell glänzt in der Sonne. Ich verscheuche eine Hummel, die sich in der Mähne verirrt hat. Wir verlassen die Dorfstraße, biegen in einen Wiesenweg. Ein Mann in Arbeitshosen hackt Unkraut aus seinen Beeten. "Wo wollt ihr denn hin?" „Zur Ragower Mühle." Das bedeutet: noch zwei bis drei weitere Stunden im Sattel. Traben auf einsamen Pfaden entlang der Schlaube, die in tief eingeschnittenen Talkesseln liegt und hier mehrere Seen durchquert. Wir galoppieren über Wiesen voller Blumen, über denen Falter fliegen. Wir reiten vorbei an Kiefern mit seltsamen Wuchsformen. „Die findet ihr nur hier,“ ruft Monika Haker von der Revierförsterei. Ich muß schon genauer hinschauen, um zu erkennen, dass sich die Stämme mehrfach teilen, sich die Zweige wieder in der Erde verwurzeln. „Das ist eine Folge jahrhunderte langer Landwirtschaft auf nährstoffarmen Böden“, erklärt die Försterin.
Viele Wege führen durch den Naturpark. Einige kennen nur die Förster. Plötzlich wie aus dem Nichts taucht vor uns ein alter Fachwerkbau auf, an dem sich die Schlaube vorbeischlängelt, die Ragower Mühle. Der heutige Besitzer Baldur Börner ist hier eingezogen, hat den alten Bau wieder in den Originalzustand versetzt. Im 13. Jahrhundert nutzten Mühlen die Kraft des Wassers. Vor allem mahlten sie Getreide und Ölsaaten oder schnitten das Holz der Umgebung. Von den vielen Mühlen, die das Tal prägten, sind nur noch wenige in Betrieb.
Irgendwann sind wir auf der anderen Schlaubeseite. Im Spätsommer riecht es nach Pilzen. Dorngestrüpp wuchert. Für die Pferde und für uns wird es abenteuerlicher. „Ihr müsst aufpassen, da ist ein Loch“, ruft die Försterin. Ich hätte es fast nicht gesehen. Denn hinter einem knorrigen alten Baum, um den sich Efeu rankt, sprang ein Reh über den Weg. Reichlich vorhandenes Laub auf den Pfaden lassen die Wurzeln der Bäume verschwinden. Uralte Eichen stehen mystisch in der Landschaft. Wir kommen am Revier des Kranichs vorbei. Der verfolgt mit einem Flügelschlag das Geschehen.

Da bleibt jeder stehen. Die Bisons in der Ostbrandenburger Prärie

 Eine Herde massiger, dunkler Tiere grast seelenruhig in der Sonne. Dann trotten die mehr als zwei Meter großen Zottelviecher mit Grunzen näher. Ich bin froh, einen stromgesicherten Zaun zwischen Eika und mir und den Bisons zu haben.
Die riesigen Wildrinder, ein Exemplar kann bis zu 1000 Kilogramm auf die Waage bringen, scheinen in der Ostbrandenburger "Prärie" prächtig zu gedeihen. Immerhin einige Kälber hüpfen munter zwischen den 13 gehörnten Kolossen umher. Rings um Krügersdorf sind die Bisons inzwischen eine Attraktion.
Steffen Kukral gehört zu einer Truppe von "Aussteigern", die sich hier den Traum eines naturnahen Neuanfangs erfüllt und den ersten Bisonpark Brandenburgs eröffnet haben. Neben den exotischen Bisons tummeln sich auf der 70 Hektar großen Anlage auch Mufflons, Rotwild, Wildschweine, Ziegen und Pferde. Der gebürtige Stuttgarter Kukral hat sich mit Reit-Safaris in den Bisonpark integriert. Seit nunmehr fünf Jahren nimmt er Touristen auf seine Brandenburg Safari mit. Mitten im Bisonpark können Kinder in den Sommerferien in echten Indianertipis eine Woche im Zeltlager verbringen. Hier können sie am offenen Feuer kochen und Wild beobachten. Nacht´s scheinen die Sterne durch die Rauchklappen der Tipis, ab und an schnauben die Bisons, schwärmen die Jungen und Mädchen.
Hans neben mir murmelt, solch ein Ritt macht doch ziemlich hungrig. Endlich sehen wir durch die Bäume eine Holzhütte leuchten. Wir sind an der Reitstation in Dammendorf angekommen. Die Pferde dürfen sich auf der Wiese austoben. Auf uns wartet bereits ein zünftiges Spezialitäten-Picknick auf einer lang gedeckten Tafel: Kartoffelsalat, Bockwurst, frisches Gemüse. Alles aus der Region. Dazu ein kühles Neuzeller „Klosterbräu“, ein Bier, dessen himmlischen Genuß schon die Mönche zu schätzen wußten. Etwas rustikal ist es schon. Aber wer es mag, in einer einfachen Hütte stehen zwei Betten mit Heu. Das Wasser kommt aus dem Brunnen, und zur Toilette geht man aufs Herzhäuschen.
Die Revierförsterin Monika Haker und ihr Pferd Goliath begleiten die Gäste auf Sternritten durch das einzigartige Schlaubetal. Allerdings dürfen das keine Reitanfänger sein, stellt Monika Haker klar. An jedem Tag werden zwischen 20 und 30 Kilometer geritten, alle drei Gangarten müssen beherrscht werden. Wer kein Pferd hat, aber dennoch mitreiten möchte, das Amt hält Mietpferde bereit. Einen Tag vorher müssen die Teilnehmer eine Probe reiten. „Wir müssen sehen, ob Reiter und Pferd zusammen passen", so die Revierförsterin.

 

Infostelle/Buchung:

Amt für Forstwirtschaft Müllrose
Revierförsterin Monika Haker
15299 Müllrose
Telefon: 033606/870123 oder 0172/3959417 E-Mail: monika.haker@affmul.brandenburg.de
Mietpferd möglich, vier feste Termine im Jahreskalender - ab 5 Reiter zusätzliche Termine möglich ! Anmeldung spätestens drei Wochen vor Beginn !

Brandenburg Safari
Steffen Kukral
Dorfstraße 21, 15848 Beeskow/ Krügersdorf
Telefon: 03366 / 25 37 50, Mobil: 0172 / 30 19 128
E-mail: kukral@brandenburgsafari.de
Internet: www.brandenburgsafari.de
Grundkenntnisse des Reitens in allen Gangarten sind notwendig. Allerdings sind diese Touren auch für Anfänger geeignet

Im Rhythmus der Pferde
Ausritte in die Brandenburger Natur ein besonderes Erlebnis
Text und Foto: Heidrun Lange

 

 Urlaub mit Pferden muss nicht immer Reiten bedeuten. "Es ist ein wunderbares Gefühl, auf die schwingenden Pferderücken zu schauen", versichert Jürgen Strache. Zügig bringt der Profikutscher seinen Zweispänner zum Wenden. Dem Pferdeliebhaber fällt das nicht schwer. Doch die Fahranfänger auf seinem Hof in Zermützel müssen die hohe Kunst des Fahrens - wie das Kutschieren von Pferden offiziell genannt wird - erst noch lernen. "Das ist ein Sport für die ganze Familie", sagt Strache, der auf seinem Hof Laien zu Kutschern ausbildet.
Eine Heimat im Brandenburgischen haben Julia und Anna Steinbach gefunden. Sie bieten auf ihrem Ponyhof in Neuholland Reiten für Kinder an. Künftig will Julia Steinbach "Kinder mit Pferden stark machen". Eine psychologische Therapie mit Pferden hilft Kindern, die durch Ängste blockiert und unter Wahrnehmungsstörungen in ihrer Entwicklung gehemmt und somit durch fehlendes Selbstwertgefühl verunsichert sind, erklärt die studierte Sozialpädagogin.

Zermützel, Neuholland, Hohenbruch, all diese Namen, die in den Ohren der meisten Gäste aus allen Teilen Deutschlands zunächst fremd klingen, verbindet eins: Hier sind Pferde beliebte Partner für Sport und Freizeit.

Sportlich ambitionierte Reiter treffen sich beispielsweise im Reiterhof Wall in Hohenbruch, nördlich von Oranienburg. "Wanderreiten im Havelland ist ein anspruchsvolles Reitangebot in einer uralten, harmonischen Kulturlandschaft", erklärt die Besitzerin und Rittführerin Sabine Zuckmantel. Wer es nicht glauben will, kann es probieren, fordert sie auf. Hoch zu Ross hört man nur noch Hufgetrappel und sieht weite Felder und Wälder. Jetzt bestimmen die Pferde den Rhythmus des Tages. Es ist kaum zu glauben, dass eine knappe Stunde Autofahrt entfernt das Großstadtleben Berlins pulsiert. "Handverlesen" sind die vierbeinigen Reisebegleiter. "Unsere Berber und Araber sind von Konstitution, Größe, Ausdauer und Charakter ideale Wanderpferde", erklärt Sabine Zuckmantel die Vorzüge ihrer Lieblingsrasse. In den maßgefertigten Wandersätteln sitzt es sich sicher und bequem. Für Einsteiger werden geruhsame Schrittausflüge angeboten, für Eilige Sonntagsritte zum Champagnerlunch und für Romantiker Ausritte bis zum Sonnenuntergang. Viele Gäste möchten aber einfach nur ausreiten - durch Wiesen, Wälder und Felder. Wer im Herbst kommt, kann auf dem Rücken seines Pferdes wahre Wunder erleben. Dann ist die Landschaft in bunte Farben getaucht. "Hier ist es wie in New England", lobt so mancher Gast den Brandenburger Wald.

Auskunft:
Ruppiner Fahrtouristik:
Dorfstraße 4, 16827 Zermützel
Tel.: 03391/75 767, Fax: 03391/77 50 98

"Wanderreiten im Havelland"
Breite Straße 59A, 16727 Vehlefanz
Tel.:/Fax: 03304/25 32 28/9 
www.wanderreiten-havelland.de

Ponyhof Neuholland
Nassenheider Chaussee 27, 16515 Neuholland
Tel./Fax: 033054/61 029 
www.ponyhof-neuholland.de

Hamburg

Lifestyle in der „Elphie“

 

Die Elbphilharmonie, ein Konzerthaus, ein Hotel, ein Wohnhaus und eine öffentliche Plaza

 

Gabi Dräger

 

 

 

Elbphilharmonie

Die Elbphilharmonie ist ein markantes Gebäude, das wie eine Welle aus dem Hafen in Hamburg aufragt. Wo heute die Elbphilharmonie steht, waren früher Weideflächen.1875 der Kaispeicher A von Johannes Dallmann gebaut, der von den Hamburgern „Kaiserspeicher“ genannt wurde. Er tat lange seinen Dienst bis er 1963 gesprengt wurde. Dann wurde der Kaispeicher A aus roten Backsteinen gebaut, in ihm wurden Kakao, Kaffee, Tee und Gewürze gelagert. Doch durch die Umstellung auf Stückgutverlagerung stand der Speicher seit 1990 leer.

Architektur

Die Architekten der Elbphilharmonie sind Jacques Herzog und Pierre de Meuron aus der Schweiz. Die Aufgabe war nicht leicht: Die Außenmauern des historischen Kaispeichers sollten stehen bleiben und die Fassade muss dem Wind und Wetter Hamburgs trotzen. Jacques Herzog hat mit einem Kuli den Backsteinspeicher skizziert und darauf Wellen gekritzelt, das war der Entwurf für die Elbphilharmonie. Diese innovative Architektur mit einer neuen Form wurde erst anschließend von der Statik und Bauart möglich gemacht. Der Kaispeicher musste entkernt werden, nur die denkmalgeschützte Fassade und Teile der Fundamente blieben erhalten. Der gläserne Aufbau steht auf 428 Stahlfedern, die auf 1745 Pfählen lagern, die tief in den Erdboden gerammt sind. Fast zehn Jahre hat der Bau gedauert. Und zehn Mal mehr als veranschlagt hat der Bau gekostet, es gab eine Kostenexplosion auf fast 800 Millionen Euro. Nach Stillstand und Streit konnte die Elbphilharmonie endlich im Januar 2017 eröffnet werden. Das 110 Meter hohe Gebäude schließt mit Wellen ab, die das Haus so einzigartig machen. Das Dach ist nach innen gesenkt und mit schimmernden Pailletten bedeckt, die wie Eisschollen aussehen. Die Fassade besteht aus 2200 einzelnen Glasplatten; eine kostet mit Beschichtungen 20.000 Euro. Sie sind stark genug gegen das Wetter im Hamburger Hafen mit Orkan und Sonne. Die Fensterscheiben sind zum größten Teil gebaucht und sie sind gepixelt, damit sich das Glas nicht aufheizt. In der Mitte der Fensterscheibe ist ein Oval für den ultimativen Ausblick auf Hamburg und den Hafen frei gelassen.

Konzertsaal mit weißer Haut

Was für ein Raum – man ist sprachlos vor Staunen über die Größe, wenn man in den weißen Konzertsaal eintritt. Im weißen Saal hört man nicht den Lärm vom Hafen. Die runde Bühne ist unten in der Mitte des Saales. Yasuhisa Toyota, der japanische Topakustiker, hat die weiße Haut kreiert. Die Platten mussten per Hand montiert werden, da kein Kran aufgestellt werden konnte. Bei einer Aufführung stockt einem der Atem über die Akustik, denn die Reinheit und Klarheit der Töne ist verblüffend. Man hört jeden einzelnen Spieler, es ist ein völlig neuer Klang mit feinen Nuancen. Das ist ein Jahrhundertwerk für Musik und einer der besten Konzertsäle der Welt. Musiker, die schon in dem Konzertsaal aufgetreten sind, jubeln über die perfekte Akustik im Klangtempel der Superlative. Die Stühle sind für den Klang so konzipiert, dass es egal ist, ob jemand auf ihm sitzt oder nicht. Sogar die Schrauben zum Festschrauben der Stühle wurden extra entwickelt. Zur Eröffnung spielte die beste Organistin der Welt. Eine gute Idee ist, dass jeder seine eigenen Armlehnen hat. In der Pause kann man in einer der Foyer-Bars einen Drink zur Erfrischung nehmen.

Das gute Stück ist die Konzertorgel

Der Bau der Orgel im großen Konzertsaal hat acht Jahre gedauert. Das Instrument verfügt über 4.765 Pfeifen. Die Orgel hat eine Breite und eine Höhe von etwa fünfzehn Metern und eine Tiefe von drei Metern. Bei der Eröffnung wurde sie von der besten Organistin der Welt mit einem extra entworfenen Stück bespielt.

Die „Elphie“

Mit der Elbphilharmonie ist die Stadt Hamburg weltweit bekannt geworden. Einen Spitznamen hat sie schon von den Hamburgern erhalten, sie wird liebevoll „Elphi“ genannt, denn die Hamburger sind stolz auf sie, keiner denkt mehr an die Kosten.

Die Plaza mit fantastischem Ausblick für jedermann

Der Eintritt zur Besichtigung der Elbphilharmonie ist kostenlos, aber man muss sich ein Ticket an der Kasse holen, damit die Plaza nicht hoffnungslos überfüllt ist. Als erstes geht es mit der 80 Meter langen Rolltreppe, der „Tube“, nach oben bis zu einer großen Panoramascheibe. Hier kann man bei Wind und Wetter die Aussicht genießen. „So habe ich Hamburg noch nie gesehen“, jubelt eine Hamburgerin begeistert. Gleich neben der Panorama-Aussicht ist „Taste und Shop“ die Bier-Probierstube der Störtebeker Brauerei. Wer ein Bier testen möchte, der ist in der Bier-Probierstube mit dem dazugehörigen Souvenirshop gerade richtig. Es gibt Keller-Bier, Atlantik-Ale, Pilsner-Bier, Baltik-Lager, Schwarz-Bier, Stark-Bier, Rauch-Weizen, Scotch-Ale, Arktik-Ale, Polar-Weizen, Nordik-Porter und Eis-Lager. Das Angebot der Störtebeker Brauerei ist groß, da fällt einem die Auswahl richtig schwer. Einen Stock tiefer in der Störtebeker Bar steht auf der Speisekarte eine „Kleine nordische Landpartie“, eine Platte mit Katenschinken, Deichkäse, Bauernbrot, eingelegten Gurken, Wildschweinemettwurst und Meerrettich. Zur Auswahl stehen noch Currywurst mit Pommes Frites oder ein deftiger Gulascheintopf. Im Restaurant Störtebeker neben der Bar wird gebratener Kabeljau mit Schmorgurken und Kohlrabi-Kartoffelgemüse, Currywurst, Gnocchi und Hühnerfrikassee angeboten. Als Nachtisch kann man Rote Grütze mit Frischkäsemousse und Haferflockenstreusel probieren. Und keine Sorge: Es gibt natürlich nicht nur Bier zu trinken.

          Weiter geht es vom Störtebeker auf einer kurzen Rolltreppe und noch ein paar Stufen auf der Backsteintreppe bis zur Plaza im achten Stock. Dort gibt es einen Souvenirshop, ein Café mit leckeren Kuchen, den man allerdings im Stehen essen muss, was etwas ungemütlich ist. Das Beste jedoch ist der Spaziergang auf der Außenplaza. Das ist ein 360-Grad-Rundgang in frischer Seeluft mit einem gigantischen Blick auf die Hafenanlagen mit Werften und Docks an der Elbe, den Musical-Zelten, Landungsbrücken, dem Zentrum von Hamburg und der Hafencity. Der Hamburger Hafen ist der größte Hafen Deutschlands und der drittgrößte in Europa.

Seeräuber, Pirat, Freibeuter

Wer war Klaus Störtebeker? Ein Seeräuber? Kleine Jungen bekommen leuchtende Augen bei seinem Namen. Klaus Störtebeker wurde wahrscheinlich um 1360 geboren. Sein Leben ist so spannend, weil nicht bewiesen ist, woher er kam und ob er überhaupt gelebt hat. Er war Seeräuber, Freibeuter oder Pirat in der Nord- und Ostsee, um die Hanse zu schwächen. Störtebeker soll den überlegenen Hansekoggen immer wieder auf hoher See entkommen sein. Doch 1401 wurde Störtebeker nach einem langen Kampf vor Helgoland gestellt und auf dem Hanseschiff „Bunte Kuh“ nach Hamburg gebracht. Er wurde am 21. Oktober 1401 mit 72 Gefährten auf dem Grasbrook vor Hamburg vom Scharfrichter enthauptet. Störtebekers Schiff wurde an einen Schiffszimmermann verkauft. Der zerlegte das Schiff und fand in den Masten einen Gold-, Silber- und Kupferschatz, so sagt das die Legende.

 

zum Betrachten bitte ein bild anklicken!

Kontakt und Services

Hamburg Tourismus, www.hamburgtourismus.de, www.hamburg-tourismus.de

 

Elbphilharmonie, www.elbphilharmonie.de

Westin Hotel Hamburg in der Elbphilharmonie, www.westinhamburg.com

 

Hamburg Stadtrundfahrt, die Roten Doppeldecker, www.die-roten-doppeldecker.de

 

Große Hafenrundfahrt, Barkassen-Centrale Ehlers, www.barkassen-centrale.de

 

Miniatur Wunderland, www.miniatur-wunderland.de

 

Musical König der Löwen, www.hamburg-tourismus.de/musicals

 

Alsterschippern, www.altertouristik.de

 

Meßmer Monumentum Tee-Kontor mit Shop und Teestube www.messmer.de/messmer-entdecken

 

In Carl’s Brasserie und Restaurant, gleich gegenüber der Elbphilharmonie, kann man edel norddeutsche und französische Küche mit Blick auf die Elbe genießen. www.carls-brasserie.de

 

Das Café Paris von 1882 am Rathausplatz im Jugendstil-Dekor mit Pariser Charme ist lebendig und quirlig. Der Tipp ist Tartar leicht angebraten und als Nachtisch einen Espresso mit Macaron. Henry Miller und Ernest Hemingway waren schon Gäste. www.cafeparis.net

 

Rive Oyster Bar und Bistro im Hamburger Hafen. Gute Küche mit, sensationellem Ausblick, wenn man einen Platz am Fenster bekommt. www.rive.de

 

Das Fischereihafen Restaurant mit Austernbar und Sonnenterrasse ist traditionell und hat hanseatischen Flair. Sushi, Fisch- und Meerestiere sind die Spezialitäten. Der Tipp ist die Seezunge klassisch. www.fischereihafenrestaurant.de

 

Das Henssler & Henssler ist ein Familienunternehmen mit internationaler Küche mit Sushi-Bar und Fusionsküche. Das Essen ist nicht günstig, aber super klasse. www.hensslerhenssler.de

 

Foto-Tipp für die Elbphilharmonie: An der Anlegestelle vor der Elbphilharmonie die Fähre Nummer 72 nehmen, die fährt zu den Landungsbrücken. Während der Fahrt kann man die Elbphilharmonie von drei Seiten perfekt fotografieren. Das Wetter muss allerdings stimmen.

Land Hessen

Das Schokoladenmädchen in Fulda

 

Der Bischof Heinrich von Bibra wohnte im barocken Stadtschloss in Fulda, von 1706 bis 1714 als Residenz der Fürstäbte und späteren Erzbischöfe erbaut. Heute serviert das Schokoladenmädchen im typischen Gewand dem Hausherrren keine chocolat, sondern schildert den Gästen die französische Lebensart bei Hofe. Sie weiß viel zu berichten. Im Residenzschloss,  jetzt Rathaus und Museum, führt sie von Zimmer zu Zimmer. Reicher Stuck neben üppiger Deckenmalerei, kunstvolle Wandtapeten, Kronleuchter und fürstliche Möbel zeigen das repräsentative Leben des Hausherren. Er hatte seinen eigenen Wein und sein eigenes  Porzellan. Sie weiht ihre Gäste in die galante Fächersprache bei Hofe ein und zieht so nebenbei die Flohfalle aus ihrem Dekolleté. Das Prunkvollste ist der Spiegelsaal. 422 Spiegel bedecken den ehemaligen Ankleideraum des Fürstabtes.

 

180 Stufen geht es hinauf zum Schloßturm. Von oben gibt es  einen tollen Blick auf die 65000-Einwohner-Stadt. Der mächtige Dom und die barocke Altstadt liegen zu Füßen. Die Türme zahlreicher Kirchen ragen in die Höhe, Adelspalais gruppieren sich um das Schloss. Im Hintergrund das Kloster Frauenberg, das noch heute als solches genutzt wird. Vom barocken Schlossgarten bis zur Orangerie, dem heutigen Maritim-Hotel, erstrecken sich symmetrisch angelegte Wege.

Auf der Freitreppe zur Orangerii steht die sieben Meter hohe Flora Vase, die der Bamberger Bildhauer Daniel Friedrich Humbach mit Putten und Blütengirlanden und schwungvollen Bögen verzierte. Die goldene Lilie, die die Blumengöttin in ihrer Hand hält, symbolisiert ein stolzes Zeitalter der Herrscher und schönen Künste. In senkrechter Achse zieht sich der Schlossgarten bis zu einem Pavillon in Form eines japanischen Teehauses als englischer Landschaftsgarten. Während eines Spazierganges geht es  am Weiher mit seinen vielfachen Wasserfontainen vorbei. Der Schlossgarten ist nicht die einzige grüne Oase der Stadt. Es gibt sieben Parks, die man sich während eines Aufenthaltes unbedingt ansehen sollte. 

Wanderung zur  Wasserkuppe

Die Wasserkuppe ist mit 950 Meter der höchste Gipfel in Hessen und der gesamten Rhön und als „Wiege des Segelfluges“ bekannt.  Viele Wanderwege führen hoch hinaus. Es geht mitten durch das Biosphärenreservat Rhön an Kieswegen und Wiesenpfaden, aber auch an steinigen Abschnitten vorbei. Beispielsweise läuft man einen Teil des Wanderweges über den Hochrhöner, einem Fernwanderweg, der sich 175 Kilometer durch das Herz Deutschlands über die Ländergrenzen von Bayern, Hessen und Thüringen hinweg erstreckt. Oben angekommen liegt  die Stadt Fulda, der Kaliberg bei Neuhof, der Vogelsberg und Spessart zu Füssen. Im Museum ist die Geschichte des Segelfluges dargestellt.

 

„Die Schatzinsel" in Fulda

Wer sich das Piratenmusical nicht entgehen lassen möchte, sollte in diesem Welturaufführungsjahr zu einer der Vorstellungen kommen.
Die schillernde Welt der Piraten, packende Schiffsszenen, sowie geheimnisvolle und bewegende Momente finden zu einer neuen Bühnensensation zusammen. Das Musical DIE SCHATZINSEL verbindet fulminante Abenteuer des Weltbestsellers mit den dramatischen Lebensumständen seines Autors Louis Stevenson. Als dieser eine Frau kennen lernt, deren kleiner Sohn ihn wieder an die Macht der Phantasie glauben lässt, setzt er für seine Freiheit und die Liebe alles auf eine Karte.

Das Arrangement ist in der Zeit vom 17. Juli bis 16. August 2015 buchbar.

www.tourismus-fulda.de

Land Mecklenburg-Vorpommern

Sobald die Mähne im Wind weht…

Reitausflüge am Strand in der Nachsaison möglich

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

Die Herzen der Pferdenarren schlagen hoch, die Hufe der Rösser schneller.  Ab Oktober bis Ende April können Reiter die Nebensaison nutzen und in Mecklenburg Vorpommern über weichen, weiten Sandstrand galoppieren und in die Wellen der Ostsee traben. Den langen Küstenabschnitt muss man sich nur mit Drachensteigern oder Joggern teilen.

Foto: Gut Klein Nienhagen - Ausritt

Klein Nienhagen: Reitanlage, Ferienwohnungen und Tagungszentrum

Im Herbst ist es auf dem Gut Kein Nienhagen besonders schön. Rote Äpfel liegen auf der Erde. Die Bäume können die Last der reifen, prallen Früchte nicht mehr tragen. Pflaumenbäume biegen sich unter der Last fast bis zur Erde. Enten laufen schnatternd über die Wiese, im Hintergrund grasen die Pferde auf der Weide.

Über 260 Jahre ist der Gutshof in Klein Nienhagen alt. Er wurde saniert. Jan und Bianca Glöe können das ganze Jahr Urlauber empfangen. Reiter kommen gern, weil sie hier durch den fünf Hektar großen Wald bis an die Ostsee reiten können. Seit einiger Zeit gibt es Pferdeseminare für Manager. Bianca Glöe schwört auf die Rolle des Pferdes beim Persönlichkeits- Training.

 

Ferien- und Pferdehof GbR Gut Klein Nienhagen

Jan und Bianca Glöe

Ahornallee 10, 18236 Klein Nienhagen

Telefon: 03 82 92 / 7 89 91

Telefax: 03 82 92 / 7 89 92

E-Mail: info@gutshofurlaub.de

Internet: www.gutshofurlaub.de

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Börgerende:  Schweizer Freiberger erobern jedes Reiterherz

Reetgedeckte Häuser und alte Gutshöfe prägen das Bauern- und Fischerdorf Börgerende.  Mittendrin ist das Reitcamp Börgerende, direkt an der Ostseeküste, zwischen Kühlungsborn und Warnemünde. Auf Schweizer Freibergern kann es ins Gelände gehen. Die­ses leich­te bis mit­tel­schwe­re Kalt­blut erobert jedes Rei­ter­herz. „ Sie sind zu­ver­läs­sig, ver­trau­ens­voll und klar im Kopf. Von unserem Camp reiten wir in den Nien­hä­ger Ge­spens­ter­wald bis an die Ostsee“, sagt die Reitlehrerin Birgit Peter. Es wird erst geprüft, welche Gangarten der Reiter beherrscht.  

Kinder ler­nen spie­le­risch den Um­gang mit Pfer­den im „Shet­ty-​ Putz­kurs” mit an­schlie­ßen­dem ge­führ­ten klei­nem Aus­ritt auf dem Fe­ri­en­ge­län­de.

 

Pension Reitcamp Börgerende

Sonnensteg 5, 18211 Börgerende

Tel: 038203 776980

Fax: 038203 776989

Mobil: Birgit Peter 0173 3785278

E-Mail: info@reitcamp-boergerende.com

Internet: www.reitcamp-boergerende.com

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Kutschfahrten durch die Rostocker Heide

Stuthof ist ein ländlicher Stadtteil unweit der Hansestadt Rostock, am Rande der Rostocker Heide. Das 8000 Hektar große Waldgebiet ist durch Reitwege gut erschlossen und reicht bis an die Ostsee. Auf dem Reiterhof Stuthof leben 50 Pferde verschiedener Rassen. Wilhelm Vietinghoff, Inhaber des Reiterhofes, empfiehlt Kutschfahrten mit seinen Haflingern. Ein Ausflug zu Pferde ist zu jeder Jahreszeit möglich. Links und rechts ziehen die gepflegten Heideflächen vorbei. Viele Tafeln informieren über den Wald, die darin lebenden Tiere und Pflanzen.

 

Stuthof/ Wilhelm Vietinghoff

Haus 10, 18146 Rostock

Tel.: 0172/3864111

Fax: 0381/6691831

E-Mail: stuthof@online.de

Internet: www.stuthof.de

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Ribnitz-Damgarten: Die Bernsteinreiter

Am Rande der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten, nahe der Ostsee, auf einer der modernsten Reitanlagen Mecklenburg-Vorpommerns, da sind die Bernsteinreiter Hirschburg zuhause.

Die Trakehner haben gute Bedingungen: Weitläufige Koppeln, großzügige Innenboxen und Offenställe.  Das Ausreitgelände beginnt direkt vor der Stalltür. Die Idee für den Namen die „Bernsteinreiter“ kam den begeisterten Pferdesportlern aufgrund der Verbundenheit ihres bisherigen Trakehner-Sportzuchtvereins mit der Bernsteinstadt Ribnitz-Damgarten. „Es gab tatsächlich einmal die so genannten Bernsteinreiter, die nach Stürmen am Strand auf der Suche nach gelben Schmuckstein aus fossilem Harz entlang ritten“,  sagt Tino Leipold.

 

Bernsteinreiter Hirschburg/ Tino Leipold

Neuklockenhäger Weg 1a, 18311 Ribnitz-Damgarten

Tel.: +49 174 8055640

E-Mail: anmeldung@bernsteinreiter-hirschburg.de

Internet: www.bernsteinreiter-hirschburg.de

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Foto: Frank Hafemann

Reiterhof Barth: Urlaub mit Pferd für Familien und Schulklassen
Zwischen riesigen alten Bäumen, direkt am Ufer des Barther Boddens befindet sich der Reiterhof Barth. „Meist sind es Kinder, die in den Reiterferien zu uns kommen“, sagt Herbergsleiterin Julia Baldauf. Die große Reithalle, die Ställe für die Haflinger und die Weiden für den Auslauf sind an die Jugendherberge Barth angeschlossen.
Reitlehrer helfen Anfängern bei den ersten Schritten mit den Tieren und geben fortgeschrittenen Pferdeliebhabern wertvolle Tipps für Ausritte.

Im Herbst und im Frühjahr gibt es Ausritte zu dem atemberaubenden Naturschauspiel der rastenden Kraniche.

 

Jugendherberge und Reiterhof Barth

Herbergsleiterin Julia Baldauf

Glöwitz 1, 18356 Barth

Tel: 038231 2843

Fax: 038231 2090

E-Mail: jh-barth@jugendherberge.de

Internet: www.barth.jugendherbergen-mv.de

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Hof Thomsen: Kinderfreundlicher Erlebnisbauernhof

Der Bauernhof Thomsen in Groß Kordshagen liegt an der Boddenküste zwischen Darß und Rügen. Auf der Gutsanlage tummeln sich Shettys, Lewitzer und Großpferde. Kinder sind hier besonders gern gesehen. Neben dem Peerstall - "Dat lüdde Versteck" können Kinder eine Nacht bei den Pferden im Heu übernachten.

In der 15x30 m großen Reithalle und auf den Reitplätzen gibt es Reitkurse für Anfänger und fortgeschrittene Reiter.  Ausritte und Kutschfahrten in die vorpommerschen Wälder oder zum Bodden sind zu jeder Jahreszeit  möglich, verspricht der Chef des Hofes Volkert Thomsen.

 

Hof Thomsen/ Volkert Thomsen

Hofallee 1, 18442 Groß Kordshagen

Telefon: (038231) 45390

Mobil: (0172) 4534144

Fax: (038231) 45391

E-Mail: volkert.Thomsen@t-online.de

Internet: www.hof-thomsen.de

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Starkow: Mit dem Skizzenblock den Darß entdecken

Das spitze Dach der Kirche ragt über Starkow. Eine malerische Kullisse empfand Anne Hille, als sie das erste Mal in diesen Ort kam. Die gelernte Bildhauerin ließ sich hier nieder und sanierte mit ihrer Familie ein Bauernhaus. „Es gibt hier mehr Sonntage als in einem anderen Landstrich“, verspricht Anne Hille. Die Landschaft, die sich täglich ändert, muss man einfach festhalten.  Die Idee, mit Pferd und Skizzenblock  auszureiten, gefällt ihren Gästen. Und wenn es doch mal regnet, dann gibt es den „Sauwetterritt“, sagt Anne Hille. Richtig warm angezogen, kann auch das ein Erlebnis sein. Die Sauna im Ferienhaus wird angeheizt und dort kann man nach dem Ausritt bei wohliger Wärme richtig entspannen.

 

ART.Quartier/ Anne Hille

Grafensteig 11, 18469 Starkow

Tel.: +49 (0) 38 32 4 / 65 99 0

E-Mail: ferien@artquartier.de

Internet: www.artquartier.de

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Weitere Informationen:  

 

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern

Platz der Freundschaft 1, 18059 Rostock

fon +49 (0) 381 40 30 614

fax +49 (0) 381 40 30 555

E-Mail: info@auf-nach-mv.de

Internet: www.auf-nach-mv.de

 

Tipps für Übernachtungen:

 

Strandschloss Arielle

Seestraße 83, 18211 Börgerende

Tel.: 038203 776980

Fax: 038203 776989

E-Mail: post@strandschloss-arielle.de

Internet: www.strandschloss-arielle.m-vp.de

 

Strandhotel Fischland GmbH & Co.KG

Hoteldirektorin Isolde Heinz

Ernst-Moritz-Arndt-Straße 6, 18347 Ostseebad Dierhagen Strand

Fon: +49 (0) 38226/520

Fax: +49 (0) 38226/529 99

E-Mail: info@strandhotel-ostsee.de

Internet: www.strandhotel-ostsee.de

 

Hotel Carmina am See

18469 Karnin

Tel.: 0 38 324 / 65 08 -0

Fax: 0 38 3 24 / 65 08 29

E-Mail: info@carmina-hotel.de

Internet: www.carmina-hotel.de

 

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 Reiseland Mecklenburg- Vorpommern

viel Gegend, Natur, Wasser und Kultur

Text und Fotos: Heinz-Peter Lange

 

Ein für „Landratten“ ungewöhnliches Erlebnis war geplant: Die Fahrt von Rostock-Warnemünde auf dem 3-Mast-Bramsegelschoner „Santa Barbara Anna“ nach Gedser/ Dänemark und abends zurück mit einem Fährschiff  der Scandlines.

Wind und Sonne helfen uns dabei, gut in Richtung Norden zu segeln. Es ist schon ein imposanter Anblick und ein erhabenes Gefühl, wenn an allen drei Masten die Segel gesetzt, alle Vorsegel und auch die Rahsegel aufgezogen sind. Dieses Gleiten über das Wasser und die Spritzer der Gicht …  An Bord ist es immer wieder erstaunlich, was die Crew aus dem Schiff herausholt und der Schiffskoch aus seiner winzigen Kombüse hervorzaubert.

Die Überfahrt bietet genug Zeit und Gelegenheit, sich mit den Männern der Mannschaft dieses Traditionsseglers auszutauschen. Sie alle kümmern sich in ihrer Freizeit um die Erhaltung und Pflege des Schiffes. Hauptsächlich sind es ehemals in der Berufsschifffahrt tätige Seeleute, die hier ihr Wissen weitergeben. Und es ist schon eine Kunst für sich, den Überblick über alle Taue und Tampen zu bewahren.

In Gedser werden wir von Herrn Grøndal Hansen empfangen, der viel über die Historie des Fährhafens und der Region Lolland / Falster berichten, aber auch von den rauen Sitten der Seeräuber auf der Ostsee erzählen kann.

Er führt uns an den südlichsten Punkt Dänemarks und somit ganz Skandinaviens. Hier errichteten die Deutschen während des Krieges eine Befestigungsanlage, deren Reste heute noch aus dem Wasser ragen – aber die Natur holt sich ihr Gebiet nach und nach zurück.

Während des Kalten Krieges unterhielt die dänische Armee an diesem Punkt eine Radar- und Funkstation. Im Oktober 1957 war Herr Hansen dort als Wachsoldat eingesetzt und berichtet heute voller Stolz, dass er damals am Nachthimmel den Überflug des ersten sowjetischen Sputniks verfolgen konnte und die Kollegen der Radarstation ganz aus dem Häuschen wegen dieses unbekannten Flugobjektes waren. Erst im Nachhinein erfuhren sie aus dem Radio und aus der Zeitung, welches sensationelle Schauspiel sie live miterlebten. Sollten Sie nach Gedser kommen, fragen sie nach Herrn Hansen!

Die Rückfahrt nach Rostock gestaltet sich eher ruhig, aber sehr bequem und komfortabel. An Bord der Scandlines-Fähre „Kronprins Frederik„ legt man die Stecke in weniger als zwei Stunden zurück.  Mit der Einstellung neuer Schiffe und dem Ausbau des Hafens in Gedser will Scandlines diese Fährverbindung 2012 noch schneller und effektiver machen.

 

Die verbleibenden Tage des Wochenendes verbringen wir in der Mecklenburgischen Schweiz. 

Mecklenburg Vorpommern bietet viel Gegend, Natur, Wasser und Kultur. Hier kann man alte Schlösser und Herrenhäuser erkunden, Urlaub auf oder mit dem Boot verbringen, an den unzähligen Seen und Flüssen entspannen und aktiv zu Fuß oder mit den Rad unterwegs sein.

Für ein Wochenende natürlich viel zu viel, darum entschließen wir uns, ein Fahrrad zu mieten und einige der am Malchiner See gelegenen wunderbar wieder hergerichten, teilweise zu Hotels ausgebauten Schlösser und Gutshäuser zu  besuchen. Dank eines fast flächendeckenden Netzes der movelo-Ausleihstationen sind wir mit einem dieser neuen Elektrofahrräder unterwegs. Wer es bisher noch nicht tat, sollte es unbedingt einmal ausprobieren und wird sich an der Leichtigkeit des Fahrradfahrens erfreuen. Mit so einem Vehikel kann man entspannt größere Stecken zurücklegen und es macht einfach Spaß damit unterwegs zu sein.

Mecklenburg hat soviel mehr zu bieten, dass wir auch im Sommer  einige Tage Urlaub am Kummerower See und eine mehrtätige Paddeltour auf der Peene einplanen.

 

weitere Informationen:

 

Tourismusverband Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Platz der Freundschaft 1
18059 Rostock * Germany
fon: +49 (0)381 40 30-550 * fax -555
email: info@auf-nach-mv.de

Internet:  www.auf-nach-mv.de

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Buchungen und Informationen für Segelschoner "Santa Barbara Anna"

beim ODIN 1. e.V., Yachthafenresidenz Hohe Düne: Frau Gabriele Senkpiel

Am Yachthafen 1-8 in 18119 Rostock
mail: G. Senkpiel
Tel.: 0381 / 50 40 80 11
Fax: 0381 / 50 40 80 99
Hier können sie nicht nur freie Termine erfahren sondern auch den Chartervertrag schließen.

Weitere Informationen im Internet: www.santa-barbara-anna.de

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Scandlines Deutschland GmbH

Am Bahnhof 3a, 18119 Rostock-Warnemünde 0381/5435 ext. 0 ‎

www.scandlines.de

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Alle Informationen  über Ausleih- und Akkuladestationen unter www.movelo.com

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Abenteuer Flusslandschaft
Netzwerkzentrale
Carsten Enke
Werftstraße 6
D-17389 Anklam
Tel: +49 – (0) 39 71 – 24 28 39
Fax: +49 – (0) 39 71 – 24 28 56

E-Mail: info(at)abenteuer-flusslandschaft.de

Internet: www.abenteuer-flusslandschaft.de

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Ein Hauch von Afrika
Mit Fiedlers auf Safari Tour im Hinterland der Insel Usedom

Text und Fotos: Heidrun Lange

         

          Langsam rumpelt der schwere Geländewagen über das unwegsame Gelände. Ein See blitzt hinter hohem Schilfrohr auf. Was steht dort auf dem Feld, fragt jemand in die Runde. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten. „Ein Milan, der sich gut tarnt", erklärt Uwe Fiedler. Die Ferngläser werden schärfer eingestellt. Mit dem Feldstecher lässt sich der König der Lüfte besser ausmachen. Doch scheinbar stört ihn unsere Neugier und rasch gleitet er mit kraftvollen Flügelschlägen in Richtung Haff davon. Über dem See kreisen Adler. Uwe Fiedler erkennt sie alle. „Der mit dem langen schuppigen Beinen , dass ist ein Fischadler. Die brettförmigen Flügel hat nur der Seeadler, erklärt er die feinen Unterschiede und reicht das Fernglas weiter.

          Der kleine Abstecher aufs freie Feld zwischen Achterwasser und Schmollensee hat sich für uns gelohnt. Zuvor an der Fledermausburg bei Neupudagla im Waldkabinett auf dem Forsthof erklärten Schautafeln die heimische Fauna und Flora. Im Steingarten steht ein über zwei Milliarden Jahre alter und sieben Tonnen schwerer Findling, den Eiszeitgletscher aus Skandinavien und dem Grund der Ostsee nach Usedom brachten. Über das holprige Pflaster des ehemaligen Herrenwegs schaukeln wir aus dem Wald ins Thurbruch hinein. Ein Großer Brachvogel fliegt uns ein Stück des Weges nach Benz voraus.

          Die Benzer Mühle schmückt sich mit frischen Holzschindeln. Von oben bietet sich der beste Blick auf das verträumte Dorf mit den reetgedeckten Häusern. Durch Wiesen und Weiden geht es weiter in Richtung Süden nach Haffkrug an den Peenestrom. Schließlich ist man auf Safari und da will man Tiere sehen. Raubvögel segeln am blauen Himmel, im Unterholz wühlt ein wildes Tier. Aus dem Dickicht hetzt ein Hase, der Kuckuck unterbricht mit seinen Rufen die Stille. Und nicht Geier kreisen über dieser Szene, sondern Seeadler und Milane. Safari, mit Rangern unterwegs zwischen Pudagla und Neppermin, zwischen Mellenthiner Heide und Stettiner Haff. Vor elf Jahren hatten Uwe Fiedler und sein Sohn Gunnar die Idee, den Urlaubern auf Usedom das kaum bekannte Land hinter dem berühmten Strand zu zeigen, die Wald- und Wiesenwildnis am so genannten Achterwasser. Seither schnuppern ihre Gäste in den Dschungeln Ostvorpommerns nur zu gern einen Hauch von Afrika, jenseits von Ahlbeck oder Heringsdorf, den legendären Kaiserbädern.

            Die Leute denken halt erst mal, sie können alles leicht auf eigene Faust entdecken. Und natürlich gibt es ausgeschilderte Wege, etwa entlang der Lyonel-Feininger-Strecke, dem deutsch-amerikanischen Bauhausmeister, der auf Usedom viele seiner Motive entdeckte. Aber mit Familie Fiedler macht es mehr Spaß. Zumal Uwe Fiedler und seine beiden Söhne Gunnar und Hagen keine vorgefertigten Touren abklappern. Sie stellen sich auf die Wünsche der Gäste ein. Auf der Fahrt über die Waldwege sitzen die meisten Touristen auf dem Dach des Geländewagens. Zwischenstopps legen wir bei einer alten Windmühle, die Feinninger einst malte, ein, an Dorfhäusern oder alten Datschen am See. Die Fiedlers wissen zu allen eine Geschichte zu erzählen. Rehe huschen über Usedoms Felder.

Der Wagen hält plötzlich vor einem Flughafen. Einem sehr kleinen allerdings. Es ist eher eine größere Rasenfläche, auf der Ultra-Leichtflieger abheben. Ein kleines Extra auf der Safari-Tour, das gesondert honoriert werden muss. Mit dem Piloten Arno Wangemann nimmt man für zwanzig Minuten die Vogelperspektive ein und schwebt über den drei Kaiserbädern. Gunnar Fiedler stoppt sein Auto vor einem verwunschenen See.

          Die Kameras klicken, die Kormorane und Fischreiher, die Schnatter- und Pfeifenten stehen brav Modell. Nach stundenlanger Hitze senkt sich endlich die Dämmerung über den Haubenhörn, das Gewässer nördlich von Liepe. Das Feuer ist heruntergebrannt. Geschichten machen die Runde, wie nach jeder Safari. Gunnar erzählt von „drüben" und meint den polnischen Teil von Usedom, wo es mindestens so wild zugehen soll wie hier. Neuerdings kennt auch die gute alte Bäderbahn keine Grenzen mehr. Wie zu Kaisers Zeiten rauscht und faucht sie wieder bis nach Swinemünde durch, wo einmal das Bäderleben angefangen hat, damals, als noch niemand etwas von Ostsee-Safaris gehört hatte.

Auskunft:

Usedom Tourismus GmbH
Waldstraße 1
17429 Seebad Bansin
Telefon: +49 (0) 38378 / 477110
Telefax: +49 (0) 38378 /477129
E-Mail: info@usedom.de
Internet: www.usedom.de

 

Insel-Safari:
Tafestour ca. 10 bis 12 Stunden, täglich ab 10 Uhr,
Preis ab 114 Euro pro Person, Kinder bis 10 Jahre 10 bzw. Kinder bis 14 Jahre 25 Euro inklusive Essen und Trinken
Insel-Safari, Breite Str. 12, 17389 Wolgast, Tel. 03836/20 32 90 oder 0172/31 666 34.
Internet: www.insel-safari.de

e-mail: info@insel-safari.de

 

Flug im offenen Doppeldecker:

Pilot: Arno Wangemann
Tel.: 0173 7 46 90 33
e-mail: Arno.Wangemann@t-online.de

 

Übernachtungstipp:

KAISER SPA HOTEL ZUR POST, Seestraße 5, 17429 Seebad Bansin,

Tel.: 038378/56-0, Fax: 038378/56-220,

e-mail: info@hzp-usedom.de

Internet: www.hzp-usedom.de

 

 

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Land Nordrhein-Westfalen

Doppelbock Foto: Thomas Willemsen

Im Herbst in die Metropole Ruhr

 

Im Herbst wird es noch einmal richtig bunt in der Metropole Ruhr: Industriedenkmäler können besucht werden und in fast jeder Stadt gibt es Festivals und Feste. Theater haben wieder Hochsaison, ebenso die zahlreichen Kulturzentren.

Text und Fotos: Heidrun Lange

 

 

Entlang der  Route der Industriekultur stehen ehemalige Zechen, Stadtwerke oder Gasometer,  die besichtigt werden können.  Idealer Ausgangspunkt ist das Portal der Industriekultur auf dem Welterbe Zollverein in Essen. Von der „Kathedrale der Industriekultur“ wurde deutsche Industrie- und Wirtschaftsgeschichte geschrieben.  Wer tief in die Geschichte eintauchen möchte, erfährt dass das Bergwerk als eines der größten und leistungsfähigsten Europas galt. Am 1. Februar 1932 drehten sich zum ersten Mal die Räder am Fördergerüst über der neuen Schachthalle XII. Tag für Tag wurden mehr als 23.000 Tonnen Rohkohle ans Tageslicht geholt. Zwischen 1847 bis 1986 wurden insgesamt 220 Mio. Tonnen Kohle abgebaut, über und unter Tage waren bis zu 8.000 Bergleute im Schichtwechsel beschäftigt.

Im Eisenbahnmuseum Bochum stehen die Lokomotiven und andere Exponate nicht das ganze Jahr nur in den Hallen und auf der großen Freifläche. Ab und zu kann man mitfahren. „Abschied von der Kohle“, nennen die Mitarbeiter des Eisenbahnmuseums in Bochum eine ihrer vielen Veranstaltungen. Ein historischer Museumszug, der von einer Dampflok angetrieben wird, gibt Einblicke  in die oberirdischen Anlagen der Zeche Auguste Victoria, eine der letzten noch in Betrieb befindlichen deutschen Steinkohlenzechen!

Auf den ehemaligen Handelswegen und Bahntrassen kann man kräftig in die Pedale treten. 

Als Vier-Sterne-Qualitätsradroute gilt der RuhrtalRadweg. Der 230 Kilometer lange Radweg gehört zu den am meisten befahrenen Radfernwegen in Deutschland. Die Route führt an Kanälen und den Flüssen:  Rhein, Ruhr, Emscher und Lippe entlang. Hin und wieder kommen ehemalige Industriebauten in Sicht. Über ehemalige Treidelpfade an der Ruhr, auf denen früher Pferde die Lastkähne flussaufwärts gezogen haben, können Tourenbiker oft ein Stück direkt neben dem Fluss fahren.                                                                                       

 

 

Weitere Informationen zur Ruhrmetropole: 

www.ruhr-tourismus.de, www.ruhr-tourismus.de/radurlaub, www.ruhrtalradweg.de,

www.eisenbahnmuseum-bochum.de

 

Für einige Tage im Ruhrgebiet kann man bei Reiseveranstaltern Hotelunterkünfte buchen:

www.thomascook.de, www.neckermann-reisen.de, www.alltours.de, www.its.de, www.tjaereborg.de, www.rewe-reisen.de

 

Wolfram Schulze – Türmer von Münster

 

Bläst brave Bürger in die Betten

Das Dienstzimmer des Wächters liegt in luftiger Höhe, 298 Stufen über dem Prinzipalmarkt

 

Münster. Hier läuten die Glocken, sagt man, oder es regnet. Sollte beides zusammenfallen, so munkeln Kenner von Westfalens Metropole, dann muss es ein Sonntag sein. Sicher ist: Münster steckt voller liebenswerter Merkwürdigkeiten. Wie der Job von Wolfram Schulze.

        Seit 19 Jahren ist der ehemalige Philosphiestundent und gelernte Weber in Amt und Würden und hält im Türmerzimmer von St. Lamberti Wacht. Mit dem beschwerlichsten Teil beginnt sein Nachtwerk. Pünktlich mit dem neunten Glockenschlag erklimmt Wolfram Schulze die 298 ausgetretenen Steinstufen der Gothik-Kathedrale. In luftiger Höhe, 75 Meter über dem Herzen der Altstadt und Münsters „guter Stube", liegt das Dienstzimmer des 67jährigen Stadtangestellten.

Der Raum gleicht einem Abbild spitzwegscher Prägung: Ein schmales Sofa, Holzschreibtisch, dazu einige Gemälde und Bücher. Von hier aus meldet der Türmer allabendlich per Telefon seinen Arbeitsbeginn der Feuerwehr.

Brände und anrückende Feinde zu melden, gilt auch heute noch nach altem Wächterbrauch zu den Aufgaben des Türmers von Münster. Letzteres allerdings kommt recht selten vor. Meist ist die Berufsfeuerwehr auch ohne Hilfe von oben schneller. Nur vier Mal, berichtet Wolfram Schulze stolz, habe er Brände vom Turm aus als Erster gesehen und gemeldet. Mal war es ein Pferdestall, mal ein Haus oder eine Scheune.

 

          Jede Nacht ein wunderbarer Ausblick

          Was den Wächter die Nacht über wach hält, ist – so paradox es klingen mag – die Zeit. Denn alle 30 Minuten, so gebietet es die Überlieferung, muss Wolfram Schulze in sein großes Horn blasen, um anzuzeigen, welche Stunde geschlagen hat. Und das bis zum ersten Glockenschlag des neuen Tages. Bis dahin genießt er vom Kirchturm aus einen unvergleichlichen Ausblick über die ganze Stadt und bestaunt die Straßen, „die von oben wie Landebahnen für Flugzeuge aussehen, weil sie nachts von Tausenden von Lichtern eingerahmt sind". Das „Original" ist fester Bestandteil im Personaletat der Stadt und hat sich als wirksamer Werbeträger einen Namen gemacht. Als ausgewiesener Bücherfreund teilt sich der 68jährige die „Einsiedlernächte" als letzter Vertreter seines Standes noch mit zwei Kollegen. Der eine wacht im schwäbischen Nördlingen, der andere versieht seinen „luftigen"Dienst im polnischen Krakau.

 

          „Suff und Weiber" waren für Türmer schon immer tabu

          Nicht immer war das Wächterleben hoch oben in der kleinen Klause von St. Lamberti so unbeschwert wie heute. Der letzte Tumhüter wurde zu Zeiten der wenig zimperlichen Wiedertäufer trotz verzweifelter Gegenwehr von der Kirchturmspitze auf den Marktplatz befördert, wo er mit zerschmetterten Gliedern liegen blieb. Auch mussten sich manche leichtsinnige Wärter von Münsters Stadtvätern Rügen und Bestrafungen gefallen lassen. So heißt es in einem Protokoll vom 12. April 1627 „Ward den beiden Turmhüteren von Lamberti uferlegt, hinfüro des Nachts ihre Weiber vom Turm zu lassen, sich des Saufens zu enthalten und nüchtern ihre Wacht in acht zu nehmen, bei ernster Exemplarstraf". Unter Paragraf drei einer Dienstinstruktion aus dem Jahre 1902 wird gar angedroht: " Bei Strafe sofortiger Entlassung hat sich der Türmer jeder Verunreinigung des Turmes, namentlich des Ausgießens eines Nachtgeschirrs auf dem Umgang oder von diesem herab zu enthalten".

 

          Mit solchen rigiden Maßregelungen muss Türmernachfolger Schulze, als dienstältester Wächter in Europa nicht mehr rechnen. Eine Campingtoilette schuf Abhilfe. Andere Unwägbarkeiten machen ihm da mehr zu schaffen. So berichtet der frühere Studiosus, der auch schon mal als Gärtner und Buchbinder seinen Lebensunterhalt verdiente, von einer Gefahrenacht, der besonderen Art. Da brachte der heftiger Schneesturm Kyrill den Turm von St. Lamberti ins Wanken: " Es wackelte, heulte und dröhnte hier oben so sehr, dass ich nicht mehr hören konnte, ob jemand die Stufen hoch kam. Ich fühlte mich wie ein Kapitän auf dem sinkenden Schiff ohne Chance auf Rettung".

Wie Vieles im Türmerleben des Wolfram Schulze ging auch das gut aus. Höre er von Münsteranern, sie fühlten sich sicherer und könnten beruhigt zu Bett gehen, wenn er über die Stadt wache, mache ihn das stolz und zufrieden. Und auch da ist sich der „Berufseinsiedler" sicher: „ Das tägliche Treppensteigen hält fit und solange meine Gesundheit mitmacht, will ich Türmer bleiben".

Georg P. Rainer 

Info:

Das Bild vom Prinzipalmarkt, Münsters „gute Sube" ist dem neuen Bildband „Münster ist jovel" entnommen. Erschienen im Münstermitte Medienverlag. Hier beschreiben die Autorinnen Heidi von Saint-George und Jutta große die Dom- und Universitätsstadt aus sehr persönlicher Kamerasicht. Sie führen den Betrachter zu den schönen und unverwechselbaren Seiten dieser „Stadt voller Merkwürdigkeiten". Die begleitenden Texte des Fotobuches (Preis: 14.80 €) sind in sechs Sprachen übersetzt.

(www.muenstermitte-medienverlag.de