Dänemark

Bummel durchs winterliche Kopenhagen

          Hinreißend schön ist die Stadt auch, wenn es schneit! Nicht so voll. Ruhig. Die Museen sind leer, die Gassen voller Romantik, eislaufen kann man  – und wunderbar essen.

 

Text und Fotos: Katharina Büttel         

 

Der Turm der alten Börse mit seinen verdrehten Drachenschwänzen erstrahlt weithin sichtbar, denn es ist Königinwetter in Kopenhagen. Die Farben sind klarer, der Wind weht rauer. Die Kontraste treten schärfer hervor. Besonders, wenn man vom Wasser aus auf die „kultivierteste aller Städte“ zufährt. Kuppeln ragen in den blauen Himmel, Paläste und Kirchen kommen ins Blickfeld.

           Gewiss, vor allem sind es die imperialen Anlagen, die den Städtebummler beeindrucken. Neben all den Renaissanceschlössern aus der  Zeit Christian IV., neben spektakulärer, neuer Architektur wie die Königliche Oper, ist es das Fluidum, das nachhaltig wirkt.

           Im Winter sind die Kopenhagener unter sich, gelassen und freundlich. Sie nehmen wieder ihre Plätze und Gassen in Besitz. Hektik, Touristenmassen und Kommerz – all das ist vorbei.

           Man kann wieder vom Kongens Nytorv bis zum Rathausplatz über den Ströget, der längsten Einkaufsstraße Europas, gehen, ohne zerdrückt zu werden. Dicht gesät sind hier die guten Geschäfte, Restaurants und Cafés. Es findet sich typisch Dänisches: Silberschmuck, Kunsthandwerk und Tabakspfeifen. In der Bredgade viele Antiquitätenläden und Trödler, auch auf gehobenem Niveau. Fröstelt man: die heiße Schokolade im Hotel Chocolat ist geradezu eine Offenbarung. 

           Auf dem Doppelplatz Amagertorv–Gammeltorv schlägt das Herz des Ströget: man sitzt im Café Europa, dem Klassiker, im Café Norden, das mit seiner Jugendstildekoration wie ein Wiener Kaffeehaus wirkt. Das Royal Smushi Café neben dem Royal Copenhagen Porcelain aber ist in: Wuchtige Lüster, zarte Engel hängen von den Decken, riesige Gemälde zieren hohe Wände. Kerzenschein der Silberleuchter, witzige Möbel in Pastelltönen, hochgetürmte Leckereien vor Spiegeln machen die spezielle „funky baroque“-Atmosphäre aus. Draußen tanzen Schneeflocken, drinnen wird „Smushi“ - Smörrebröd in Sushigröße, auf edlem China-Porzellan serviert. Unverschämt teuer, aber auch unverschämt gut.

          Noch bei null Grad sitzen die Dänen draußen, in Decken gehüllt, rauchen und trinken; wir gesellen uns mit einem „Glog“, Glühwein mit Mandeln und Rosinen, vor dem Rathaus hinzu. Vor uns der Reiherbrunnen, Treff der Kopenhagener Jeunesse dorée. Direkt dahinter das mächtige Schloss Christiansborg, Sitz des Folketing, Amtssitz der Königin, Björn Nörgaards Pop-Gobelins in den Prunksälen. Das Schloss nimmt die Insel Slotsholmen ein, „Wiege der Stadt“; 1167 ließ Bischof Absalon eine Schutzburg für das Fischerdorf Havn bauen.

          Zum Aufwärmen ins nahe Kaufhaus Illum mit Illums Bolighus. Was dänische Designer an exquisiten Möbeln entworfen haben, findet man hier. Die Östergade mit ersten Haute Couture-Adressen führt zum Kongens Nytorv. Der schönste Platz des gesamten Königreichs schmückt sich mit dem Magasin du Nord, dem Königlichen Theater und dem Nobelhotel Angleterre. Ein Steinwurf weit Kopenhagens Bilderbuchzeile: das Hafenbecken Nyhavn mit Kneipen und Restaurants, 300 Jahre alten Häusern und altgedienten Dreimastern. Der Tipp für den Abend: im ‚Faergekro‘ gibt es ein fantastisches, günstiges Heringsbuffet. Das hätte auch Märchendichter Hans Christian Andersen gemundet, denn er liebte das Hafenviertel so sehr, dass er hier an drei Stellen Wohnung nahm. 

           Die Ny Carlsberg Glyptotek zeigt etruskische, ägyptische Kunst und französische Impressionisten. Galerien mit moderner Kunst sind über die Innenstadt verstreut. Was an Kopenhagen so wunderbar ist: alles Historische, die Museen, Kirchen, Gärten ballen sich auf zwei Quadratkilometern zusammen. Fast alles ist zu Fuß erreichbar, was Zeit spart und den Geldbeutel schont. Schließlich gehört die Metropole zu den teuersten der Welt.

          Ein „Pölser“, rote Wurst in weichen Brötchen, dazu ein Carlsberg im „Victor“. Dann mit den Kindern zum Eislaufen ins Tivoli oder auf die zugefrorenen Seen. Spaß haben sie später auch im Kindermuseum des Nationalmuseums: nach Lust und Laune können sie sich verkleiden, alle Artefakte anfassen, mit der Kopie des Gokstad-Schiffes aus dem 10. Jahrhundert „auf große Fahrt“ gehen.

          Nach Einbruch der Dunkelheit wird’s märchenhaft: tausende Lämpchen in Bäumen, an Gebäuden, im Tivoli verzaubern die Stadt. Nachtschwärmer zieht es ins aufblühende  Szeneviertel Vesterbro hinterm Bahnhof, ehemals Arbeiterviertel. Hipp ist das Café Granola in der Vaernedamsvej; im‚Sticks’n Sushi‘ sitzt man zu zwölft an großen Tischen und kommt schnell mit Dänen ins Gespräch. Die Kellerrestaurants in alten Gewölben wie Kong Hans und Börskälderen füllen sich, auch die auf den  alten Kanalschiffen. Junge Gäste ziehen durch die „hyggeligen“, gemütlichen, Bistros und Cafés am Graabrödre Torv.

          Das urdänische Smörrebröd war gestern? Keineswegs: nach alten Rezepten hochgetürmt mit Hering oder Lachs ist es im „Slotskaelderen“ ein Genuss. Fine Dining beim Sternekoch René Redzepi im vielfach ausgezeichneten „Norma“: geeister Ziegenkäseschnee an Rindermarkwürfeln, Rehfilet in Heu mit Erbspüree für 270 Euro! Die jungen Kreativen kochen aber zum Glück nicht nur neodänisch: sie besinnen sich wieder auf Bodenständiges, Schwein, Schwarte und Beeren – nur die Zubereitung muss neu sein.

          Vergnügen bereitet es Jung und Alt, im Stechschritt mit der königlichen Leibgarde von Rosenborg Slot durch die Innenstadt zum Schloss Amalienborg, dem Winterschloss von Königin Margrethe II., zu marschieren. Aber vorher die Kronjuwelen ansehen!

          Die Nähe zur Hauptstadt prägt das Leben auf Seeland. Das S-Bahnnetz der Anderthalb-Millionen-Stadt reicht weit ins Ländliche. Könige und Fürsten bauten hier ihre Herrenhäuser, reiche Städter ihre Sommersitze. Kultur und Kultiviertheit kommen bestens zusammen. Bekannter Beweis dafür ist „Louisiana“, Museum für moderne Kunst von Weltgeltung, nördlich von Kopenhagen am Öresund gelegen. Die Tour dorthin lässt sich gut mit dem Hamlet-Schloss Kronborg in Helsingör verbinden. Beide Ziele haben im Winter einen Vorteil: keine Warteschlangen draußen, keine Touristengruppen drinnen. Sonntags wird sogar ein günstiges Brunch angeboten.

          Unweit des Ostseehafens Gilleleije liegt am Esrum-See die Sommerresidenz der Königin: die meisten Besucher kommen nach Schloss Fredensborg nicht wegen der Barock-Rokkoko-Klassizismus-Architektur, sondern um einen Blick auf die Monarchin zu erhaschen. Diese Chance böte sich eher im Sommer -  wenn die Strände mit feinem Sand, gelbe Rapsfelder und blühende Gärten, Waldgebiete und sanft gewellte Hügel unbeschwerte Ferien garantieren.    

 

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Service: Winter in Kopenhagen

 

Anreise: Mit der Scandlines-Autofähre Überfahrt von Rostock nach Gedser in ca. zwei Stunden – bis Kopenhagen ca. 1,5 Stunden. Preis je nach Saison ab 80 Euro/Auto inkl. Insassen. Direktflüge mit Easyjet, Norwegian oder Air Berlin.

Wohnen: Hotels in der City sind teuer. Günstig im Winter sind Ferienhäuser auf dem Land. Das Bus-, S-Bahn- und Bahnnetz bringt einen schnell ins Stadtzentrum. Infos bei Europas größtem Anbieter NOVASOL, Hamburg; Tel.:040-688 71 51 82, e-mail: novasol@novasol.de; www.novasol@novasol.de

Copenhagen Card: Die Card bietet freien Eintritt in 74 Museen u.a., freien Transport bei Tag und Nacht mit Bus, Bahn, Metro im Großraum Kopenhagen. Ein Stadtführer ist ebenso inkludiert wie Rabatte für viele Restaurants, Attraktionen, Aktivitäten, Mietwagen. Zu kaufen ist sie im Copenhagen Visitor Centre, Vesterbrogade 4A), am Flughafen, an größeren Bahnhöfen. Preis: je nach Anzahl der Tage, www.copenhagencard.com

Kultur: Kostenlos ist der Eintritt ins Nationalmuseum und ins Kunstmuseum. Sehenswert im Zentrum das Museum des Bildhauers Bertel Thorvaldsen; die royalen Schlösser Amalienborg, Christiansborg und Rosenborg; die Ny Carlsberg Glyptotek; das aus einer alten Schiffshalle umgestaltete Jüdische Museum von Architekt Libeskind; das Designmuseum. Südlich der Stadt das postmoderne Arken mit neuer Kunst u.v.m. – Alternatives Leben im „Freistaat Christiana“ .

Kopenhagens berühmte Jazzkultur kann man mit einem Jazz-Guide erkunden. Das JazzHouse und La Fontaine bieten Kurzweil; charmante, altmodische Beschaulichkeit der Tivoli (im Winter ist er ab Mitte November bis 23.12. geöffnet); aus sprachlichen Gründen lohnt im Königlichen Theater eine Balletaufführung, denn ein Theaterstück.

Ziele auf Seeland: Louisiana in Humlebaek; Karen Blixen Museum in Rungsted („Out of Africa-Autorin); Krimi-Fans werden im Sherlock Holmes Museet in Nyköbing fündig. In Schloss Frederiksborg, Dänemarks schönstem Schloss, gibt es sonntags von 10-13 Uhr ein günstiges Brunchbuffet, www.leonora.dk; in Roskilde sind der Dom und das Wikingermuseum unbedingt sehenswert – legendär im Juli das Rockfestival.

Buchtipps: Der DuMont-Band „Richtig Reisen Dänemark“ kostet 22,95 Euro. Sehr informativ und vielfältig der City-Guide plus Faltplan „Kopenhagen/Malmö“ von Reise Know-How für 14,80 Euro.

Näheres: über Wonderful Copenhagen, visitcopenhagen.com; FVA VisitDenmark, Hamburg, Tel.: 040-32 02 10, e-mail: daninfo@visitdenmark.com; www.visitdenmark.com

Ein Jubi bei Wind und Wellen

         Den Kragen hoch und tief durchatmen: Winterurlaub auf Dänemarks größter Nordseeinsel Römö muss keineswegs langweilig sein – wer die richtige Einstellung hat, kann hier bestens entspannen


Text und Fotos: Katharina Büttel


         Ein menschenleerer Strand, ein gemütliches Domizil mit Kamin, dazu vielleicht noch ein gutes Restaurant oder ein Museum in der Nähe – viel mehr braucht man eigentlich nicht, um in der kalten Jahreszeit ein paar erholsame Tage auf dieser südlichsten dänischen Nordsee-Insel zu verbringen. Vielleicht noch eine urige Inselkneipe um die Ecke – die allerdings ist auf Römö Fehlanzeige!

         „Die ‚stille Saison‘ – sie steckt voller kleiner Freuden“, lächelt Bodil Thomsen vom Tourismusamt der Insel. „Kein Rummel, kein Gedränge, keine großen Knüller. Dies ist die Saison der Individualisten, die ohne ‚Äktschn‘ auskommen“; sie empfiehlt zum Einstieg einen Spaziergang zum Dünenmeer von Lakolk.

         Also durchfahren wir mit dem Auto die Dünenbarriere. Das ist ein tief eingekerbter, hartsandiger Durchgang zur Nordsee, der den Blick öffnet auf Europas breitesten, endlos langen Sandstrand im Westen der Insel. Nicht jeder mag einverstanden sein, dass große Abschnitte im Sommer wie im Winter frei befahrbar sind für Autos. Die Sonne färbt das Meer tintenblau, weiß ist die Gischt der Brandung, der Himmel schimmert azuren. Alles haben wir so ziemlich für uns allein: den wildromantischen Strand, das Grün der Dünenkiefern und der Heideflächen, das Rot der reetgedeckten Häuser - so dänisch bunt, so intensiv, frisch, sauber.

         Der Himmel kann aber auch anders. Wenn das einmalig schöne Licht verblasst, Donner die Luft zerschlägt und zwischen dramatischen Wolkenbergen grollt, der Wind Fahrt aufnimmt und lauthals übers Land braust, die Schaumkronen krachend wegkippen, dann wird’s ungemütlich. Die berühmt-berüchtigten Winterstürme, die unter den Anorak kriechen und in die Ohren beißen, sie locken nur die Unentwegten. Weg sind die paar Drachen am Himmel, weg sind die Naturfreunde, die sich gerade noch gegen die Windmauer stemmten. Auch egal. Wir flüchten uns in die nahe Kerzenfabrik Römö Lys, wo wir nach Herzenslust Kerzen für unser Ferienhaus selbst gießen können. Wenn Weltuntergang, dann wenigstens romantisch bei Kerzenschein, prasselndem Ofen und einem leckeren Jubi Akvavit.

         Nur 850 Einwohner zählt die Insel, die seit 1948 über einen 9,2 Kilometer langen Damm mit dem Festland verbunden ist. „An schönen Sommertagen tummeln sich hier 100.000 Leute. Zum Glück verlieren sich die Strandläufer hinter, vor und in den Dünen; immer mehr sogar auf Wanderungen im Wattenmeer“, erzählt Bodil beim nächsten Treffen. Zwei Ampeln tragen die ganze Verantwortung dafür, dass Römö zur Hochsaison nicht im Chaos untergeht. Im Winter blinken sie brav, aber zu regeln gibt es wenig: nur ein paar Autos, viel Ruhe. Gut 1.250 Ferienhäuser gibt es auf Römö, dazu ein paar Hotels, ein paar Appartementanlagen, keine Bettenburgen, keine Hochhäuser.

           Die riesigen Regentropfen am Fenster des Feriendomizils sind getrocknet. Wir bummeln jetzt durchs kleine, mittlerweile hypermoderne Hauptstädtchen Havneby am südlichen Inselzipfel. Schnuckelig ist es hier nicht; die Stammgäste schätzen aber die lebendige Atmosphäre, die guten Einkaufs- und Ausleihmöglichkeiten von vielerlei Windsportgeräte, die Cafés und Outlet-Shops – Kinder lieben am Ortseingang „ihr“ Ferienparadies mit Labyrinthgarten, Streichelzoo, Spaßbad, Ponyreiten und vielem mehr. Östlich liegt der Hafen, menschenleer. Die Fischkutter sind vertäut. Vom Fährenanleger kann man bei guter Sicht nach Sylt hinüber sehen – ein Tagesausflug dorthin wäre eine gute Idee!  

           25 bis 30 Seemeilen vor der Küste wird im Winterhalbjahr nach Krabben gefischt. Zweidrittel des Jahres verbringen die Fischer auf dem Wasser – das ist viel, aber etwa 150 Menschen auf Römö leben von dem Geschäft mit Nordseekrabben und Miesmuscheln. Im Fischrestaurant „Holms“ mit integriertem Fischladen am Hafen kann man sich gut niederlassen und Speck mit geräucherten Krabben, Spezialität des Hauses, futtern. Die sind so gut, dass wir gleich noch ein ordentliches Paket mitnehmen für die Zeit vorm Kamin. Fisch gutbürgerlich, leckere Schollen, Seezungen und andere Plattfische, probieren wir am nächsten Abend im „Havneby Kro“. Wohltuend hier wie dort: man wird nirgends zugedudelt mit lauter Musik. Aber viele Gasthäuser schließen ab Januar und öffnen erst wieder im März, wenn mit den ersten Gänsen auch die Ornithologen eintreffen.

         Die Vorfahren der Fischer sind als Walfänger halbjahresweise auf große Fahrt bis hinauf nach Island und ins Eismeer um Grönland gezogen. Noch heute zeugen herrschaftliche Anwesen und die aus den Kieferknochen von Walen errichteten Zäune vom einstigen Wohlstand. Viele der alten Fachwerkhöfe auf Römö sind liebevoll im friesischen Stil restauriert. Schmuckstück ist der Dreiflügelbau Kommandörgard aus dem 18. Jahrhundert. Der ehemalige Kapitänshof ist heute Nationalmuseum; in der Scheune informiert eine Dauerausstellung spannend über Wale, Walstrandungen und Walfang.

         Die Nacht ist stockfinster. Am Morgen scheint die Sonne über die Terrasse ins Zimmer, der Wind heult nicht mehr. Na also, jetzt schnell entscheiden: eine geführte Wanderung durchs Wattenmeer, zu Fuß durch dichten Kiefernwald zu den Dünen oder mit dem Fahrrad zum XXL-Sönderstrand im Süden. Von da könnten wir uns bei erneuten Schauern auf kurzem Wege in die weiße Kirche Kirkeby aus dem frühen 13. Jahrhundert flüchten. Die schönen Votivschiffe im Inneren und die Grabplatten der Kapitäne im Kirchhof wollten wir uns ohnehin anschauen.

           Wir nehmen also die Traumstraße zum Traumstrand, immer geradeaus. Stapfen vom kleinen Parkplatz los mit tief ins Gesicht gezogener Mütze und Skibrille gegen den Wind. Rauf und runter geht es über schmale Pfade durch dichten Strandhafer. Wir retten eine verletzte Möwe, halten inne und schauen vom Dünenrücken übers das Meer - es ist ruhig und glatt. Unter uns an der Wasserkante ein paar Unverdrossene. Ob sie wohl auch auf den sensationellen Sonnenuntergang warten? Uns wurde er versprochen…

 

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Infos zur Insel „Römö“

 

Anreise: Mit dem Auto von Berlin über Flensburg, Töndern, Höjer – hinter Skaerbaek geht es nach Westen über den Damm auf die Insel.

Unterkunft: Traditionell empfiehlt sich ein Ferienhaus; über Feriepartner Römö, www.feriepartner.dk/roemoe: - Es gibt auf Römö auch Appartements, Hotels, Hostels und drei Campingplätze: romo@romo.dk, www.romo.dk.

Hunde sind erlaubt, grundsätzlich gilt Leinenpflicht. Außer in geschlossenen Bereichen am Lakolk-Strand und im Inselinneren, www.hundeskovene.dk

In ganz Dänemark bietet NOVASOL, Europas größter Vermieter von Ferienhaus- und –wohnungen Domizile an: novasol@novasol.de, www.novasol.de

Blaue Flagge: die beweist, dass Badewasser- und Umweltqualität laufend getestet werden. Auf Römö weht sie am Strand von Lakolk, am Sönderstrand und im Hafen.

Sport: Fahrradverleih unter info@romocykler.dk; Angeln, Golf, Mini- und Fußball-Golf, Pferdepark mit über 70 Islandpferden, Pferdekutsche und Ponyreiten, Wellness und Beauty, www.kommandoergaarden.dk; Strandsegeln u.v.m.

Unternehmungen: Wattwanderungen- und Traktortouren; Robben-, Austern- und die „Kleinen Fünf“-Safaritouren; Bunkertouren und der beliebte Labyrinthpark. Cafés, Pubs und Shopping z.B. im Lakolk Butikscenter, auch um den Hafen herum. Radtouren im Nationalpark Tönnisgaard, www.tonnisgaard.dk

Ausflüge: Täglich ab Havneby-Hafen geht die Fähre nach Sylt.

Auf dem Festland: in Höjer steht die 22 Meter hohe ‚Höjer Mölle‘ - Mühle mit Kornspeicher, Müllerhaus und Bauerngarten. – Die alte Handelsstadt Skaerbaek, bekannt für Webteppiche und ihrem Künstlerhaus (Anfang September ‚Tag des offenen Ateliers‘). Ein Muss ist der Galerie-Besuch bei Künstlerin Else Pia Erz: ihre Hauptthemen sind die „schwarze Sonne“, Gänse- und Entenflug sowie das Wattenmeer, Skaerbaek, Ribevej 13. - Mögeltönder ist bekannt wegen seines Schlosses – heute Wohnsitz von Prinz Joachim und Prinzessin Marie – , der schönsten Dorfstraße ganz Dänemarks und der Klöppelkunst. – Das Highlight in Ribe ist Dänemarks sehenswerteste Domkirche. In den Gassen des mittelalterlichen Stadtkerns lässt es sich gut shoppen, nach Kunst stöbern, viel Musik und im Vikinger Museum viel Geschichte erleben; info@visitribe.dk; www.visitribe.dk

Näheres: Römö Turistbureau, Nörre Frankel 1, Havneby,in DK-6792 Römö. Tel.: +45 7475 5130, romo@romo.dk; www.romo.dk

Feigen und Maulbeeren - mitten in der Ostsee

         Im Herbst wie im Sommer sind Erholungssuchende auf Bornholm gerade richtig: weiße Sandstrände und herrliche Natur, bunte Boote, Bilderbuchstädtchen und goldene Heringe versprechen heitere Tage auf dem dänischen Eiland.

Text und Fotos: Katharina Büttel

 


         Wie denn – wo sind wir denn hier? In Roenne gehen wir von der Fähre, schnuppern milde Meeresluft und sehen: Maulbeersträucher, Weinstöcke und Feigenbäume, Malven blühen üppig und vor den kräftig bunten Häusern; in den schmalen Sträßchen die Stockrosen. Stehen wir wirklich nördlich des 55. Breitengrades? 40 Kilometer vor der schwedischen Küste? Ja, wir sind auf Bornholm, 30 Kilometer lang, 20 Kilometer breit, Granitfelsen, der östlichste, wärmste, sonnenreichste dänische Außenposten, Dänemarks schönste Ferieninsel, wie es heißt.

           Sonne im Gesicht und Wind im Haar. Nach kräftigem Radeln - das Rad ist das beste Fortbewegungsmittel – gleiten wir in die Leichtigkeit des Lebens, staken durch schier unendlichen Tiefsand. Hinter den Strandkiefern, Dünen und dem Strandhafer kommt das Staunen: prächtige Ostsee wellt am – werbewirksam - schönsten Strand Europas. Hier in Dueodde, dem südlichsten Zipfel Bornholms, fallen auch dem Vielreisenden nur Superlative ein. Das kilometerlange, flache Land ist heute Naturschutzgebiet und liebstes Touristenziel. Lässt man den superfeinen Sand durch die Finger rinnen, ist klar, warum er dazumal in die Sanduhren gefüllt wurde.

           Während Strandliebhaber in der bis zu 18 Grad warmen Ostsee baden, erkunden andere Keramik- und Glaskunstwerkstätten, stöbern auf einem Loppemarket, wie hier der Flohmarkt mit all seinem Krempel heißt, oder treiben ihr Spiel mit dem kleinen weißen Ball: Golfen ist im Dänenland Volkssport. Auf der Insel gibt es drei wunderschöne Plätze mit Meeresblick; der in Gudhjem ist mit 180 Hektar der größte des Landes. „Wir Golfer lieben die Natur und die Gemeinschaft, wir sind happy und zufrieden“, versichert Golfmanager Carsten Haestrup, rettet dabei vor den harten Bällen ein paar Möwen, die „hyggelig“ auf dem Green hocken. Kinder sind hier willkommen: die Eltern schlagen ab, die Kids vergnügen sich beim Fußball-Golf. Dabei gilt: wer zuerst alle 18 Torhindernisse überwunden hat, dem ist ein giftgrünes Krölle-Bölle-Eis sicher! Die süße Köstlichkeit wurde nach dem kleinen Inseltroll benannt, der in Bornholmer Geschichten herumgeistert.

             An der Ostküste entlang geht es vorbei an breit hingestreckten Gehöften mit tief heruntergezogenen Reetdächern und buntlackierten Sprossenfenstern zu den Helligdomsklippen, einer herrlich rauen Felsformation in der Ostsee. Ebereschen setzen rote Tupfen in die Landschaft. Nach dem Naturerlebnis erwartet den Wanderer avantgardistische Baukunst. Das Kunstmuseum ist ein weiß getünchter, stufig in den Hang gebauter Ziegelbau mit Turmstumpf. All den Künstlern, die hier ausgestellt sind, hatte es das berühmte Bornholmer Licht angetan: auf drei lichtdurchfluteten Ebenen werden ihre Werke präsentiert, die in einer engen Beziehung zur Insel stehen. Schwerpunkt der Sammlung ist die „Bornholmer Schule“; Oluf Hoest ist deren berühmtester Vertreter.

             Gudhjem ist ein Bilderbuch-Bergdorf an der Nordküste. Svaneke, am nordöstlichen Ende mit seinem malerischen Hafen und dem bunten Marktplatz, liegt im Streit mit Gudhjem um den Ruf als schönstes Inseldorf. Ganz Svaneke steht unter Denkmalschutz. Auch in Gudhjem sind die schnuckeligen Häuser in den typischen Bornholmer Farben gestrichen: das Ochsenblutrot leuchtet, bestechend das Blau und das Weiss, das pralle Gelb hebt sich kräftig gegen die braunen Fachwerkhölzer ab. Hinter kleinen Fensterscheiben zeigen die Einheimischen, was sie lieben: kleine Puppen und Schaukelpferdchen, eine alte Brosche, schöne Gläser, bemalte Keramik, Krüge und Kannen. Einfach „hyggelig“, was „herzig“ oder „gemütlich“ meinen kann, aber auch „savoir-vivre“ auf Dänisch, so Wolfgang, unser Guide aus Hamburg. Überhaupt liebt er die Dänen, hier seien sie noch angenehmer als anderswo im Lande.

           Ohne Hering geht hier rein gar nichts! In Gudhjem wurde die erste Insel-Räucherei eröffnet. 1886 kam man auf die Idee, das Silber der Heringe zu vergolden. Die silbrig schimmernden Fische werden an den Köpfen aufgehängt und getrocknet, dann drei Stunden über Schwarzerle geräuchert, bis sie ins Goldgelbe changieren. Warm aus dem Ofen schmecken die „Bornholmer“ am besten. Mit viel grobem Salz, Schwarzbrot und einem Eigelb obendrauf sind die butterzarten Leckerbissen die „Sonne über Gudhjem“. Dazu ein Edelbitter „Gammel Dansk“ oder ein eisgekühlter Aquavit, na bitte, köstlich!

           Ein Abstecher führt die Inselerkunder zu den berühmten Rundkirchen; vier davon gibt es noch. Vielleicht waren es einmal Wehrkirchen, heute sind sie die Wahrzeichen im Land, weiß und wuchtig, restauriert und immer gepflegt.

           „NaturBornholm“ heißt ein Projekt, das die Bornholmer zunächst ähnlich argwöhnisch betrachteten wie einst das Kunstmuseum. Nach näherem Betrachten erschließt sich dem Besucher das Besondere: die Fassade des von Henning Larsen entworfenen Baus besteht aus „Gabionen“, das sind Abertausende Granitbrocken, die in Drahtkörbe geschnürt sind. Das Center, nicht eigentlich ein Museum, ist ein Erlebnis für alle Sinne und jedes Lebensalter und unterstreicht eindrucksvoll Bornholms Ruf als Familienurlaubsinsel. Auf einem Laufband wandernd erleben Erwachsene und Kinder eine Reise 1,7 Milliarden Jahre zurück zur Ursprungsgeschichte der Insel: brodelndes Magma, Eiswände und glühende Sonnen. Anlaufpunkt ist das Krokodilbecken, in dem sich die Vorzeitechsen tummeln. Lernen als Erlebnis ist das bewährte Konzept der als pädagogisch fortschrittlich bekannten Dänen.

               Wieder in freier Natur. Der Frühherbst zaubert ein klares Licht über Wald und Flur. Abgeerntete Felder weiten den Blick über die sanften Hügel. Bauern bearbeiten ihre Äcker und ziehen Schwärme kreischender Möwen und Nebelkrähen hinter sich her. Mit Naturführer Jens Kofoed gehen wir im Wald von Almindingen auf „Bison-Safari“. Seit 2012 leben zwischen Nadel- und Laubbäumen auf einem 200 Hektar großen, eingezäunten Areal bei Svinemose europäische Bisons, auch Wisente genannt. „Man muss denken wie ein Bison, wenn man eins finden will“, sagt Jens und verschwindet im Unterholz. Zu sehen war dann doch keins. Egal – dann lassen wir uns eben mit „Frokost“, „Essen“, verwöhnen. In einem hyggeligen Kro freuen sich Fischliebhaber über hausgemachten Johannesbeerhering mit mildem Wacholder-Aroma, saftige Shrimps, kleine Krebse, frischen Lachs – dazu Himbeeren und Brombeeren, natürlich von der Insel!                                             

 

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Service zu „Bornholm“

 

Bornholm hat rund 41.000 Einwohner, im Sommer zusätzlich nie mehr Touristen als Einwohnerzahl. Rekord sind 2000 Sonnenstunden

Anreise: Mit dem Auto auf der Autobahn entweder über Rostock oder gleich über Stralsund nach Rügen bis Sassnitz. Von dort geht die Fähre der Reederei Faergen zwischen Frühjahr und Herbst in dreieinhalb Stunden nach Roenne, der größten Stadt Bornholms. Faergen bietet auch Inselhüpfen zwischen Bornholm, Fanoe, Samsoe, Langeland und Fünen an. Preisbeispiel: Die einfache Fahrt von Sassnitz nach Roenne mit einem Pkw inklusive fünf Personen ab 135 Euro. www.faergen.de; Buchung: e-mail buchung@daenemark-faehren.de

Radfahrer können die Insel auf 235 Kilometern vorbei an Küsten und Stränden erkunden. 21 Tourenvorschläge im Guide unter www.veloroutes.org/r/72307

Beste Reisezeit: Ab Ostern bis in den Oktober hinein. Außerhalb dieser Zeit ist es zwar deutlich günstiger, aber viele Restaurants und Geschäfte haben geschlossen.

Unterkunft: Die großen Hotels meiden. Besser Pensionen oder Anlagen mit Ferienwohnungen, wie z.B. Hotel Balka Strand in Roenne, 150 Meter zum Strand. www.hotelbalkastrand.dk. Generell bieten sich Ferienhäuser an. Die Auswahl ist groß: von einfach bis luxuriös mit Sauna und Whirlpool gibt es fast alles.

Infos unter www.novasol.de; e-mail: novasol@novasol.de

Währung: Im Dänenland wird weiterhin mit Kronen bezahlt. Empfehlenswert: schon zu Hause einige Kronen tauschen. Auf Bornholm selbst gibt es überall EC-Karten-Automaten.

Aktiv in der Natur: Golfen z.B. bei Roe Golfbaner, www.roegolfbane.dk; Schiffstouren unter www.ms-thor.dk; Windsurfing, Kajaking, Climbing, Biking, Wandern, Joggen.

Näheres: Dänisches Fremdenverkehrsamt, 20095 Hamburg; Tel.: 040/320 21-0; www.visitdenmark.com

 

Dänisches Design in wunderbarem Museum in Kolding

Südjütland bietet nicht nur eine wunderbare Küstenlandschaft, sondern auch einiges für Kunst- und Architekturfreaks.

Text und Fotos: Friederike Kramer-Hartenholm


 

Die Stadt Kolding rühmt sich ihrer schönen Galerien, Werkstätten und ihrer Designschule, sie hat aber noch mehr zu bieten.

In der Nähe des Koldingfjords liegt das Kunst- und Kunsthandwerkmuseum Trapholt (www.trapholt.dk, täglich geöffnet von 10-17 Uhr). Von außen erinnert das Museum wegen seiner langen weißen Mauer, der sogenannten „weißen Straße", an eine Klostermauer, von innen mit seinen hellen schneckenförmigen Aufgängen an das Guggenheim-Museum in New York. Die Dänen nennen es bescheiden „Klein Louisiana" (nach dem berühmten Kunstmuseum nördlich von Kopenhagen), aber Trapholt braucht sich nicht zu verstecken. Es bietet einige Leckerbissen, vor allem für Fans dänischen Möbeldesigns.

Trapholt wurde 1988 eröffnet und zeigt aktuelle dänische Kunst, Skulpturen, Möbel, Keramik und Textiles. Es werden Möbel und Lampen von Kaare Klint, Poul Kjaerholm, Poul Hennigsen, der Afrika-inspirierten Nanna Ditzel oder von Charlotte Friis, deren Uhrentisch den Titel trägt „What are we missing today?"

Und dann sind dort natürlich die Klassiker von Arne Jacobsen, Hans J. Wegner, Boerge Mogensen, Finn Juhl und Verner Panton vertreten.

Ganz besonders interessant ist das im Garten aufgebaute Sommerhaus von Arne Jacobsen, ein Kubeflex Ferienhaus, das aus einzelnen kubischen Teilen besteht, die man ganz nach Geschmack des Bewohners durch weitere kubische Einheiten vergrößern kann. Es stand ursprünglich in Vordingborg auf Seeland und hat jetzt neben dem Museum Trapholt seinen Platz gefunden. Sogar der Kamin des schmucklosen Hauses ist „dänisch funktionell" gelöst – halb als Innen- und halb als Außenkamin. Im Inneren des Gebäudes gibt es natürlich nur Arne Jacobsen-Design – vom berühmten „Ei" und „Schwan" und der „Ameise" (seine Sessel, Sofas und Stühle) bis hin zum Besteck und den Armaturen.

Arne Jacobsen hat dieses flexible Haus 1969 bis 70 entworfen, jedoch war dieses Experiment für die damalige Zeit für eine Produktion zu radikal. Aber - und das ist auch einmalig – auf Anfrage kann man das Haus für einen Aufenthalt mieten.

Zum Museum gehört ein gut sortierter Shop und ein wunderschönes Café mit herrlicher Aussicht auf den Fjord.

 

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Grandios ist eine Schifffahrt durch die riesigen, weißen Eisskulpturen

Rock ‚n' Roll in der Diskobucht
Text und Fotos: Katharina Büttel

 

 

Neun Monate ist kein Durchkommen rund um Grönland. Aber dann kann man an Bord eines Expeditionsschiffes das Wunder des arktischen Sommers hautnah erleben.

 

 

          Zart taucht die Mitternachtssonne die stille, arktische Landschaft aus Fels, Eis und Meer in magisches Licht - goldfarben wie schmelzendes Edelmetall. Schlag acht Uhr morgens kracht, bebt und vibriert es. Voller Schwung schlägt der Bug der MS Disko II hart auf die Wellen, unsanft werden die Passagiere geweckt. „Zur Abwechselung tanzen wir jetzt Rock ‚n' Roll, bei Einfahrt in die Diskobucht ist das Wasser wieder soft and sweet", tönt heiter und beschwingt die Stimme des dänischen Kapitäns über Mikrofon.
          Dabei haben sich die 56 Gäste an Bord in den vergangenen Tagen wahrlich nicht gelangweilt. Sie haben den längsten Fjord der Welt, den Kangerlussuaqfjord, durchfahren, in Sisimiut erstmals arktisches Festland betreten. Bei Ummannaq im blühenden „Tal der Winde" das Sommerhaus des Weihnachtsmannes besucht und die „Gelbe Wüste" in der weißen Wüste durchwandert. Über 500 Kilometer nördlich des Polarkreises, in Ukkusissat, tanzten sie mit Inuits, Grönlands Ureinwohnern. An der Gletscherfront des Eqip Sermia schauten sie be-geistert den Eiskolossen zu, wie sie mit donnerndem Getöse ins Meer kalbten. Doch der sechste Tag an Bord soll den Höhepunkt bringen.
          Sehnsuchtsziel an der Westküste ist der sagenhafte Kangia Ilulissat Eisfjord. Aber noch tänzelt die Disko II, Eisklasse 1A1, vorbei an Schären nach Süden. Aus den Orten hört man ab und zu das Heulen der Hunde. Plötzlich verändert sich etwas. Je mehr das Schiff in die spiegelglatte Diskobucht vordringt, umso größer und häufiger werden die Eisberge. Im Licht der Morgensonne strahlen sie blau, türkis, weiß wie Diamanten. Bizarre Skulpturen, manche höher als 100 Meter. Wie Fregatten unter vollen Segeln treiben sie dicht an der Reling vorbei hinaus in den arktischen Eisgarten. Kameras werden vors Auge gehalten, klamme Finger fummeln am Auslöser. Es zoomt und blitzt, schließlich will man die Zauberwelt gut im Bild festhalten. Allerdings gibt kein Foto die Natur wieder, so später die einhellige Meinung.
             Noch bevor der Anker im Hafen fällt, gehen vier Worte durch Mark und Bein: „Whales on the left!" Kapitän Jesper stoppt die Maschinen, in hundert Metern Entfernung bricht die Wasseroberfläche ungestüm auf. „Er bläst, er bläst", ruft er den ersten Wal persönlich aus. Der Wassernebel des meterhohen Atemstrahls glitzert in der Sonne wie Blattgold. Ein zweiter und dritter Blas folgen, dann tauchen gewaltige, grauschwarze Rücken auf. Finnwale! Abwechselnd wedeln sie mit ihren imposanten Flossen, um dann blitzschnell und elegant in der Tiefe zu verschwinden. „Was für ein Anblick", murmelt eine feinsinnige Dame aus Bremen und wippt verzückt auf den Zehen.
           Blau ist der Himmel, grün, rot oder gelb leuchten in Ilulissat die Giebel- Holzhäuser aus dänischer Kolonialzeit. Im Sommer, wenn die Tage kein Ende nehmen, nimmt hier das Leben mit den 4000 Einwohnern seinen gewohnten Lauf. Das heißt Grönlandfrauen präparieren auf Gestellen Walfleisch und Stockfisch für den Winter. Kajaks werden ausgebessert und neu mit Robbenhaut bespannt, Schlittenhunde sonnen sich auf Granitfelsen. Statt Autos wie bei uns „parken" Motor- und Holzschlitten neben den Häusern. Davor sitzen die Männer und rauchen Pfeife.
Heute aber ist Nationalfeiertag. Freundlich grüßen Jung und Alt die Besucher. Die Grönländerinnen tragen ihre zauberhafte, spitzen- und perlenverzierte Tracht und Kamiken - beinlange, mit Eisbärfell gefütterte Stiefel. Ganze Familien sind gar in traditionelle Seehund-kleidung gehüllt. „Eine Frauchentracht kostet an die tausend Euro", verrät Bürgermeister Antan auf Anfrage und zieht mit den Fahnenträgern zur Zionskirche. Einsam thront sie auf einem Felsplateau direkt am Meer. Der Innenraum ist in den typischen Farben Weiß, Türkis und Gelb gehalten, die Schnee, Eisberge und die Sonne symbolisieren. Leise, wie die Landschaft, dringen Kirchenlieder nach draußen bis zu den Kajakfahrern. Im Eiswasser führen sie die Kunst der Eskimorolle vor. Daneben springen Jugendliche übermütig in die alten Frauenboote, die Umiaqs, in denen früher Mütter mit ihren Kindern von Siedlung zu Siedlung fuhren.
          „Die Sommerzeit müsse man ausnutzen, die Menschen sind fröhlich und ausgelassen, das Land bekommt Farbe - weiße, gelbe, pinkfarbene Blüten bedecken jetzt den Boden wie kostbare Teppiche", freut sich das alte Inuitpaar Ajako und Nivi. Vergnügt schauen sie den Tanzpaaren vor dem Knud Rasmussen-Museum zu. „Ein ehrenvolles Andenken an unseren großen Polar- und Grönlandforscher (1879-1933). Er liebte uns, das ganze Land und machte unsere Insel, die größte der Welt, draußen bekannt". Stolz hört man aus seinen Worten, spontan lädt er zum „Kaffeemik" ein. Dabei erzählt er aus seinem bewegten Jägerleben: 74 Eisbären habe er erlegt, Wale und Ringelrobben waren ideale Jagdbeute für alle Bedürfnisse des Lebens. „Heute haben sie keine wirtschaftliche Bedeutung mehr. Die jungen Leute lernen lieber in der Schule und wollen Jobs im Tourismus oder in der IT-Branche."
            Endlich! Der Flug im Helikopter über den Kangia-Eisfjord ist der ultimative Höhe-punkt, lässt alles ringsum vergessen. Einer der Mythen Grönlands liegt unter uns, ausgebreitet in seiner ganzen Erhabenheit und kalten Schönheit - 11 Kilometer breit und über 40 lang, seit 2004 auf der UNESCO-Weltnaturerbe-Liste. Das also ist die Wiege der Eisberge. Dessen Jahrtausende alten Schneemassen werden von der 50 Kilometer entfernten Abbruchkante des Sermeq Kujalleq-Gletschers mit Urgewalt hierher geschoben, um ihren Weg hinaus aufs Meer anzutreten. Die Größten davon, nahezu 1000 Meter dick, schaffen es über eine Strecke von 30 Breitengraden. Einer dieser „Nomaden" erwischte die Titanic vor fast 100 Jahren. „Er ist der aktivste, schnellste Gletscher in der nördlichen Hemisphäre. Pro Tag bricht er soviel Eis ab, wie New York in einem ganzen Jahr verbraucht", erklärt der Pilot und dreht gekonnt eine Extraschleife für die Fotografen: Auf riesigen Eisschollen nutzen Robben aquamarinblaue Seen als Pool, die sich durch Sonne dort gebildet haben.
          Der Blick auf die wild zerklüfteten Eisfelder des Fjords ist überwältigend und ähnelt an diesem Tag dem Paradies, das sich mancher Naturliebhaber von seiner Reise in arktische Gewässer erträumt hat. Hier begreift man auch das berühmte Zitat von Rasmussen: „Gebt mir Winter, gebt mir Hunde, dann könnt ihr den Rest behalten".

 

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Service:

 

Anreise: Täglich mit Air Greenland von Kopenhagen bis Kangerlussuaq, kleine Maschinen fliegen weiter zu den zehn Inlandsflughäfen – ab ca. 700 Euro.

 

Hotels: Spektakulär ist im Hotel „Arctic“ in Ilulissat ein luxuriöser Iglu für ca. 213 Euro/F mit Blick auf den Eisfjord, das DZ/F ca. 193 Euro.

 

Ausflüge: Da die Naturparadiese meist abseits liegen, für Individualisten kaum erreichbar, ist eine Expeditions-Seereise ideal. Sie ist anders als auf Karibikschiffen - großartiger, stiller, aufregender.

 

Kleidung: Winddichte Anoraks, Gummistiefel und Wanderschuhe mit griffiger Sohle, Wollmützen.

 

Pauschalen: Kreuzfahrten entlang der Westküste Grönlands bieten mehrere Veranstalter von Juni bis August an. Bei Hurtigruten, 20095 Hamburg z.B. kosten 9 Tage/Diskobucht mit der neuen MS „Fram“ 5.303 Euro/P/VP/ Flug, Reiseleitung/Lektorate, Landgänge, Zodiac-Exkursionen, u.a.; Business class-Zuschlag Air Greenland nur 200 Euro pro Strecke. Frühbucherrabatt bis zu 20 %, Wiederholer-Bonus von 5 %, Die MS Fram ist rollstuhlgeeignet!

Tel. 0049/40/376930, Buchungshotline: 040/37693-355;

e-mail: verkauf.hr@hurtigruten.com

www.hurtigruten.de

 

 

 

 

 

 

 

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