Richard Wagner, das Festspielhaus und die Markgräfliche Oper in Bayreuth

 

Mit dem Namen Bayreuth werden weltweit die Wagnerfestspiele verbunden. Aber unter der Ägide von Markgräfin Wilhelmine erlebte Bayreuth schon einmal eine Hochblüte, an die erst mit Richard Wagner und seinem Festspielhaus im späten 19. Jahrhundert wieder angeschlossen werden konnte.

 

Lange bevor Richard Wagner nach Bayreuth kam, hatte er genaue Vorstellungen von einem Festspielort für seine Werke. Er war auf der Suche nach einem Ort für seine Festspiele, der „fern vom Qualm und Industriepesthauch unserer großstädtischen Civilisation“ sein und in Bayern liegen musste, weil er voll mit der finanziellen Unterstützung seines Mäzens, König Ludwig II., rechnete. Wagners Interesse an Bayreuth entstand zufällig durch einen Artikel über das markgräfliche Opernhaus.

Als Richard Wagner und seine Frau Cosima 1871 das Markgräfliche Opernhaus besichtigten, stellten sie fest, dass die barocke Inneneinrichtung mit dem Musengott Apoll nicht zu seinen Opern passte. Aber Bayreuth gefiel ihm und so traten sie in erfolgreiche Grundstücksverhandlungen ein und Ludwig II. genehmigte huldvoll die finanzielle Unterstützung.

 

An Wagners 59. Geburtstag am 22. Mai 1872 – wenige Wochen nach dem Umzug mit seiner Familie von Tribschen in der Schweiz nach Donndorf bei Bayreuth in das Schloss Fantaisie – wurde der Grundstein für das Festspielhaus gelegt. Der Festakt fand im Markgräflichen Opernhaus statt und Richard Wagner dirigierte zuerst seinen „Kaisermarsch“ und danach Ludwig van Beethovens 9. Sinfonie mit Schillers „Ode an die Freude“.

Wagner selbst bestimmte, wie der schlichte Innenraum, der nicht von seiner Musik ablenken sollte, aussehen sollte mit dem ansteigenden amphitheatralischen Parkett und dem verborgenen „mystischen Orchesterabgrund“, der eine legendäre Akustik bieten sollte.

 

So fanden die ersten Festspiele vom 13. bis 30. August 1876 statt mit der Uraufführung des gesamten „Ring der Nibelungen“, was anfangs eine finanzielle Katastrophe für die Familie Wagner war, später jedoch unter Wagners Witwe Cosima, der Tochter von Franz Liszt, sich zu einem kulturellen Wallfahrtsort entwickelte, zu dem jedes Jahr Tausende von Opernfans anreisen.

„So ist das Markgräfliche Opernhaus eng verknüpft mit dem unvermuteten Aufstieg Bayreuths zur bekannten und bedeutenden Musikstadt, zu deren Ruhm die beiden Stätten des Opernhauses Friedrichs und Wilhelmines wie des Festspielhauses Richard Wagners gleichermaßen beitragen“, erklärt der Amtliche Führer der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Bayreuther Juwel nach sechsjähriger Sanierung feierlich wiedereröffnet

 

Bayreuth ist nicht nur der Ort der Richard Wagner-Festspiele! Auch das berühmte Markgräfliche Opernhaus dort erstrahlt jetzt wieder in neuem Glanz nach sechsjähriger Sanierung (für Kosten von fast 30 Millionen Euro inklusive technischer Aufrüstung). Es gehört zu den wenigen – und das ist ein Glücksfall der Geschichte -  fast unbeschadet erhaltenen originalen barocken Theaterbauten des 18. Jahrhunderts und wurde im Jahr 2012 in die UNESCO-Liste des Kultur- und Naturerbes der Welt aufgenommen. Das Komitee der UNESCO war überzeugt vom Weltrang dieser Festarchitektur. Mit der – schon zur Einweihung im September 1748 aufgeführten - Oper „Artaserse“ von dem zu dieser Zeit berühmtesten Opernkomponisten Johann Adolf Hasse wurde auch nach der Restaurierung Mitte April das Opernhaus feierlich eröffnet, und die Berliner Philharmoniker unter dem Dirigenten Paavo Järvi ließen es sich nicht nehmen, das diesjährige Europakonzert am 1. Mai in diesem kulturgeschichtlich bedeutsamen Ort zu geben.

 

Markgräfin Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth (1709-1758), preußische Königstochter von Friedrich Wilhelm I. und Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, die aus politisch bedeutsamen Gründen in die enge Provinz nach Bayreuth verheiratet wurde, ließ dieses Opernhaus anlässlich der Hochzeit ihrer einzigen Tochter Elisabeth Friederike Sophie mit dem Herzog Carl Eugen von Württemberg errichten. Die kunstbesessene Markgräfin selbst war hochmusikalisch, komponierte, inszenierte, verfasste als Autorin Libretti und brachte internationale Ensembles an den Hof. So schaffte sie es auch, die damals führenden italienischen Theaterarchitekten Giuseppe Galli Bibiena und seinen Sohn Carlo nach Bayreuth zu holen. Der im 17. Jahrhundert entwickelte Theaterbau in freitragender Holz- und Fachwerkkonstruktion mit einem in eine steinerne Gebäudehülle gesetzten Logenhaus wurde innerhalb von nur vier Jahren gebaut.

 

Durch eine aufwendige Reinigung der Holzoberflächen von den Ablagerungen der Insektenschutzmittel und Übermalungen des 20. Jahrhunderts konnte die ursprüngliche hellere Farbigkeit in Grün-, Blau- und Goldtönen wieder gewonnen und ein barockes Theatererlebnis authentisch nachempfindbar geschaffen werden.

Ornamentale Malerei mit illusionistischen Effekten, lachende Putten, verschnörkelte Fruchtkörbe, Muschelmotive und Blütengirlanden, die die korinthischen Säulen umranken, Skulpturen der Götter und Musen der Künste bezaubern den in den Zuschauerraum eintretenden Besucher. Der Deckenplafond mit dem Götterhimmel unter der Schirmherrschaft des Gottes Apoll fasziniert ebenso wie die spektakuläre Fürstenloge gegenüber der Bühne unter einem sich vorwölbenden Baldachin mit dem Brandenburger Adler und der Königskrone als Hinweis auf die königliche Abstammung der Markgräfin. Das Proszenium mit einer perspektivisch imponierenden, durch Gassen sich ausweitenden Tiefe wurde in der originalen Größe wieder hergestellt und ein in den 1930er Jahren installierter Einbau entfernt.

 

Das Opernhaus lässt sich jetzt sowohl beim Museumsbesuch erleben, wird aber auch während des Sommers wieder bespielt. Allerdings ist es aus Gründen des Denkmalschutzes im Winter geschlossen.

FKH