Ungarn

Im Pfauenpalast an der  Donau

In Budapest kann man alte Pracht bewundern - und fürstlich in ihr logieren.Wir sind zu Gast im Gresham Palast/Four Seasons im Stadtteil Pest

 

Text und Fotos: Katharina Büttel
                                                                               

       Der Doorman mit dem kräftigen Schnurrbart neigt sich leicht nach vorn und murmelt
mit einem kleinen Lächeln auf dem Gesicht „Willkommen" und seine Augen leuchten bei der Wiederholung der Begrüßungsgeste. Aber das ist erst der Beginn jener wunderbaren Zeremonie, mit der man die Gäste im Gresham Palast willkommen heißt.
       Der Weg durch die riesigen, schmiedeeisernen Pfauentore in die weitläufige Lobby mit ihrer imposanten Glaskuppel ist links und rechts von außergewöhnlichen, filigranen Kugelvasen gesäumt. Der Hauch von Welt und der dezente Luxus des Prachtbaus zieht jeden an - Prominente wie Politiker, ebenso anspruchsvolle Touristen aus aller Herren Länder.
Einst war er der Sitz einer Londoner Versicherung, dann Wohnhaus hoher Parteigenossen. Heute ist der Gresham Palast in Budapest ein Luxushotel mit Blick auf die Donau. Immer wieder hört die PR-Managerin, dass manch Budapester davon träumt, einmal im Gresham zu arbeiten, den wohl schönsten Job im Hotelgewerbe dieser Stadt zu ‚ergattern'. Der 1906 gebaute Gresham Palast galt einst als Ikone des ungarischen Jugendstils - die populäre Baukunst, die bei den Magyaren Art Nouveau oder Art Déco heißt.

       Traumblick auf die Donau  

       Das schlossähnliche Gebäude beherbergt seit 2004 seine Gäste in 179 stilvoll eingerichteten Zimmern und Suiten, verwöhnt sie in Spa und Fitnesscenter mit traumhaftem Blick auf Donau und Kettenbrücke. Rund 90 Millionen hat die kanadische Hotelgruppe Four Seasons in die Restaurierung investiert. Allein 120 Kunsthandwerker waren im Einsatz, um das Meisterwerk mit all den Ranken, Figuren, Girlanden und Goldmosaiken wieder zu neuem Leben zu erwecken. Keine geringere als Filmgöttin Sophia Loren war eine der ersten Prominenten, die die Aussicht aus einer der beiden Turm-Suiten genossen haben: Als ihr Sohn in der St. Stephans-Basilika heiratete, nächtigten alle Hochzeitsgäste hier im schönsten Haus am Platz.
Den Denkmalspflegern lag es besonders am Herzen, dass der ursprüngliche Stil des Budapester Kronjuwels bewahrt wurde. Der prunkvolle Palast ist ein so großer Besuchermagnet, dass die Hotelleitung nach der Eröffnung Studenten engagieren musste, um all den Nichthotelgästen die herrlich geschwungenen Treppenhäuser, die beindruckenden Glasmosaike und die sensationelle Glaskuppel zeigen zu können.
Im Hotel-Restaurant „Pava", was übersetzt "Pfau" heißt, zaubert der Küchenchef mit seinen 48 Köchen und acht Konditoren extravagante Köstlichkeiten mit mediterranem Einfluss. Die Gänseleber-Variationen mit schwerem, ungarischem Tokajer dazu bleiben unvergessen. Historisches Ambiente genießen Besucher im Gresham Café. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt das Café als beliebter Treffpunkt für die Budapester Gesellschaft. Der Weg dahin ist heute nicht mehr weit.

Frühlingsbummel zu Jugendstilhäusern des Ödön Lechner
Wer prunkvolle Hotels liebt, ist am Roosevelt Platz unweit aller interessanten Straßen mit Cafés und Restaurants, der Staatsoper und den Tanzsälen richtig. Ein idealer Ausgangspunkt für einen Frühlingsbummel zu unbekannten Plätzen im Paris des Ostens. Wer es ganz bequem haben möchte, nimmt sich einen privaten Guide - denn der weiß, wo „seine" Stadt am schönsten ist. Bei einem solchen Spaziergang sieht der Besucher die Jugendstilhäuser von Ödön Lechner (1846-1914), Ungarns bedeutendstem Jugendstil-Architekten. Sein Markenzeichen: buntes Keramikporzellan an Fassaden und auf Dächern!

       Auch Tauben haben Augen 

       An der Postsparkasse in der Hold utca 4 sind von der Straße aus nur die fleißigen, goldgelben Bienen zu sehen sowie die bunten Majolika-Ornamente am Rande des Daches. Einer seiner Schüler fragte damals: „Meister, wer wird denn diese wundervollen Ornamente auf dem Dach sehen?" Darauf Lechner: „Die Vögel. Auch die Tauben haben Augen!".
Nach einer kleinen Stärkung mit Biersuppe und Brezeln im „Kaltenberg" gleich um die Ecke des Kunstgewerbe-Museums läuft es sich wieder locker zum jüdischen Viertel. Auch hier wieder Häuser aus purem Jugendstil. Kurios das Haus mit den barbusigen Damen, deretwegen sich ein gläubiger Bewohner einst aus dem Fenster stürzte...In der Nähe steht auch die einzige Art Déco-Synagoge der orthodoxen Juden. An der Rezeption in der Dob utca 35 melden, dann darf man sie - außer sonnabends - besichtigen.

        Das Selbstmörder-Lied

        Kennen Sie den Film „Gloomy Sunday, das Lied vom traurigen Sonntag" mit Jochim Król und Ben Becker? Rezsö Seress (1900-1969) schrieb es 1935 in dem kleinen Restaurant „Kispipa", wo er Stammgast war und das berühmte Musikstück komponierte. Das Lied sollte als „Hymne der Selbstmörder" um die Welt gehen, weil sich Hunderte von Menschen mit dieser Melodie auf dem Plattenteller aus dem Leben schlichen, wird zumindest vom Stadtführer sehr glaubwürdig erzählt. Auch heute sitzt Abend für Abend ein Pianist am Klavier und spielt auf Wunsch das Lied vom traurigen Sonntag. Essen kann man dort natürlich auch.
Und wer einmal bei Tibor Rosenstein einkehrt, trifft vielleicht auf Warren Beatty, Annette Bening oder Robin Williams. Sie alle kommen wegen seiner köstlichen Speisen ins „Rosenstein" in der Mosonyi utca 3, wenn sie in Budapest weilen. Was häufig die Gäste nach dem Essen zum Chef sagen, klingt so: Göttlich!" oder „Ich hatte Ente. Ente gut, alles gut!" Die aber kann man auch bei einem Candlelight-Dinner auf der Dachterrasse des Gresham Palastes genießen mit einem guten Glas Rotwein. Den überwältigenden Ausblick auf Kettenbrücke und das erleuchtete Burgviertel auf der Buda-Seite hat jeder Gast dazu noch gratis.                              

  
       

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Service Gresham Palast

Anreise: Mit Airberlin oder Malev Hungarian Airlines bequem von Berlin in ca. 1 ½ Stunden nach Budapest. Eine Taxifahrt zum Hotel kostet ca. 20 Euro. Es gibt auch Shuttle-Service.
Gresham Palast/Four Seasons, Roosevelt Tér 5-6, 1051 Budapest, Hungary
Tel.: (00361) 2 68 60 00, Fax: --268-50 00; www.greshampalace.com oder www.fourseasons.com oder die kostenlose

Telefonnummer 00800-6488 64 88
Preis pro Zimmer für zwei Personen ab 230 Euro, Frühstück extra.


Tipp: Gleich bei Ankunft die Budapest Card kaufen - sie garantiert freien Eintritt für alle Museen, Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel sowie Privatführung durch das 100 Jahre alte Museum der schönen Künste.


Informationen: Ungarisches Tourismusamt, Wilhelmstr. 61, 10117 Berlin, Tel. 030/ 24 31 46-0, Fax: -13; Spezielle Auskünfte über Gesundheits- und Wellnessurlaub in Ungarn!!
sekretariat@ungarn-tourismus.de; www.ungarn-tourismus.de

 

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