Surfen in the City

Faszination Eisbachwelle

Die Eisbachwelle am Haus der Kunst in München ist weltweit bei Surfern und Touristen bekannt.

 

Text und Fotos: Gabi Dräger

 

Lautstark schießt das Wasser mit immenser Kraft durch das schmale Flussbett unterhalb der Brücke und baut eine etwa einen Meter hohe Welle auf. Das Wasser brodelt und schäumt wie ein Hexenkessel. Es gehört viel Mut dazu, auf einem Surfboard die Kraft der Welle zu nutzen.

 

Wenn sich viele Zuschauer in der Prinzregentenstraße in München auf der kleinen Brücke über den Eisbach drängeln, dann ist gewiss: Die Surfer zeigen, wie kunstvoll sie die Welle beherrschen. Beifallsklatschen und Ah- und Oh-Rufe ernten sie für Drehungen und Sprünge. Die Eisbachwelle ist ein Magnet, sie ist die bekannteste „stehende Welle“ in München, hier trifft sich das ganze Jahr über die Surfszene. Fahrrad-Rikschas halten an, Spaziergänger und Touristen schießen Fotos. Die Welle ist auch ein Stopp bei München-Stadtbesichtigungs-Touren per Fahrrad oder Segways. In jedem Münchner Reiseführer wird die Eisbachwelle erwähnt. Unter Surfern ist der Eisbach aufgrund seiner Einzigartigkeit und guten Qualität weltweit bekannt.

 

Das Surf-Feeling

„Es ist ein irres Gefühl, wenn du auf der Welle surfst und mit deinem Körper die Kraft und Energie des Wassers spürst und du dann mit dir und der Welle eins bist. Wenn du dann den „Tale“, das Ende des Boards, mit Kraft in das Wasser drückst und einen „Spray“, eine Gischt, erzeugst, dann fühlt man sich wie ein Wassergott, erklärt Sophie. Sie ist um die zwanzig und surft seit eineinhalb Jahren. Die Surf-Profis machen einen „Air“, einen Sprung mit dem Board aus dem Wasser oder einen „Olli“, das ist ein gerader Sprung. Cool ist es, wenn ein Surfer einen „360“ , kurz einen „Dreier“, eine ganze Drehung schafft; dafür erntet er Applaus von der Brücke. „Cut backs“ sind kurze zackige Bewegungen mit dem Board auf der Welle. Der Meistersprung jedoch ist der „Reverse“. Es ist der schwerste Sprung, keiner an der Eisbachwelle weiß, wie der geht. Den Reverse beherrscht nur Tao Schirrmacher, der Europameister im River-Surfen. Er ist Münchner und hat das Surfen ebenfalls am Eisbach gelernt. Der Industriedesigner und Star der Riversurf-Szene schaffte es 2016, sich gegen rund 130 Teilnehmer aus insgesamt zehn verschiedenen Nationen im Finale durchzusetzen. Er wurde zum Europameister im Stationary Wave Riding gekürt. Diesen Titel holte er sich schon zum dritten Mal.

 

Take-off and Turns

Rechts und links am Ufer neben der Welle stehen die Surfer, je nach Wetter zumeist im Neoprenanzug, mit ihrem Board bereit für den Take-off, den Start. Die Surfer kennen sich, sie sind wie eine große Familie. Das Board ist mit der Leash, mit einer Leine, am Fuß des Surfers befestigt, damit es in der starken Strömung nicht davon schwimmt. Immer abwechselnd darf einer rechts einer links auf die Welle. Wenn sich einer vordrängelt, klopfen die wartenden Surfer auf ihr Boards. Je nach Andrang wird die Zeit auf der Welle eingeräumt. Der coole Profi-Surfer wirft sein Board zum Take-off ins Wasser und springt drauf. Die andere Variante ist, man sitzt am Ufer und stellt die Füße aufs Board, steht auf und stößt sich am Ufer ab. Man surft oder macht einen Move vor und auf der Welle zur anderen Uferseite und macht dort einen Turn. Die Welle ist knapp einen Meter hoch. Nach mehreren Moves auf der Welle lässt sich der Surfer ins Wasser fallen, wird ein Stück von der Strömung mitgerissen und geht am Ufer oder im Wasser wieder zurück. Am Abend wird oft mit aufgebauten Scheinwerfern bis Mitternacht gesurft, und das im Sommer und Winter, ob es stürmt oder schneit und sogar bei Minustemperaturen. Natürlich braucht man bei eisigen Temperaturen Schuhe, eine Haube und Handschuhe.

 

Surfen für Anfänger

Die Eisbachwelle ist nicht für Anfänger geeignet. Sie ist nur etwas für Profis, denn sie ist durch ihre starke Strömung und die Steine der Uferbegrenzung gefährlich. Einen Kilometer weiter am Eisbach ist eine „Kleine Welle“, die ist ideal zum Üben. An der „Floßlände“, etwas außerhalb der Münchner Innenstadt, gibt es einen weiteren City-Surf-Spot.

 

Abhängen und Kraft tanken

Zum Kraft tanken und Abhängen gehen die Surfer auf die Wiese neben dem Parkplatz hinter dem Haus der Kunst oder auf die Terrasse der Golden Bar im Haus der Kunst.

 

Vorteil City-Surfen

Der offensichtlichste Vorteil ist, dass man die „stehende Welle“ in der Stadt nicht wie im Meer anpaddeln muss. Der Surfer wirft sein Board ins Wasser und springt drauf und los geht es.

Wer einmal auf der Welle im Eisbach surft, der kommt immer wieder, das ist eine Faszination, der man nicht mehr widerstehen kann.

 

Kontakt

Tourismus München:  www.muenchen.de

Beim Surf & Skate Festival  zeigen die Brettsportler ihre Moves in einem Surfer-Contest am Eisbach. Anfänger und Neueinsteiger können in Workshops lernen, wie sie die Welle bändigen, und sich mit erfahrenen Surfern austauschen.

 Surf & Style findet 2017 nicht am Flughafen statt.

Jochen Schweizer Arena: Indoor-Surfen www.jochen-schweizer.de/arena/surfen-muenchen

 

zum Betrachten bitte ein Bild anklicken!