Neulich war ich in Kassel

Anlass meiner Reise in die temporäre hessische Kunstkapitale waren Gespräche mit Museumsleuten, aber natürlich wollte ich der documenta 14 mit den vielen Ausstellungsorten einen Besuch abstatten - eine Chance, die sich nur alle fünf Jahre bietet. Die Avantgarde der Kunst zieht es wieder einmal nach Kassel – dieses Mal sogar auch nach Athen. Mein Weg führte mich zuerst in die etwas versteckt gelegene documenta-Lounge.  Ausgerüstet mit Ausstellungsplänen und Beschreibungen begannen wir unseren „documenta-walk“. Und wie immer galt: einiges fasziniert, einiges begeistert, einiges irritiert und einiges verstört.

          Die documenta gilt nach wie vor als weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst – 1955 wurde die erste in Kassel organisiert. Die derzeit stattfindende 14. documenta Athen – Kassel steht unter dem Motto „Von Athen lernen“ und möchte uns auf die Stärken dieses gebeutelten, von Flüchtlingen besonders beanspruchten EU-Landes aufmerksam machen. Von den Griechen können wir lernen, wie man trotz Krise den Lebensmut und die Würde nicht verliert. Die diesjährige documenta ist so politisch wie nie zuvor. Arbeiten von über 160 Künstlern werden zu ihren Themen wie Vertreibung und Enteignung, Hunger, Flucht, Krise der Demokratie in beiden Städten gezeigt.

          Die vielen Bilder, Stoffbilder und Textilskulpturen, Fotografien, Videos sowie das gewaltige Werk des „Parthenon of Books“, der hier in Kassel von der Argentinierin Marta Minujín aus Tausenden von zensierten Büchern aufgeschichtet wurde, bis zu den zahllosen Performances, Installationen, Videos und Vorträgen finden sich an verschiedensten Orten in der Stadt.

          Darunter im Museum für Sepulkralkultur, im Ottoneum, im Stadt- und Landesmuseum, im Radio, im Kulturbahnhof, im Giesshaus, im Schlachthof, in Glas-Pavillons, auf Weinberg-Terrassen, in Kinos, Parks, auf Wegen. Als Ausstellungsort hinzugekommen ist die Hauptpost.

          Fürs größte Werk der von Adam Szymczyk kuratierten Schau muss man weder ins Museum noch in die Hauptpost: Der „Büchertempel“, eine Kopie des Akropolis-Tempels mit Original-Abmessungen, steht nämlich unübersehbar vor dem Fridericianum auf dem Friedrichsplatz. Da ist aber noch die unleidige Sache mit den Hinweisschildern. Sie sind rar und nicht unbedingt für Jedermann auf Augenhöhe angebracht. Folglich steht der Besucher an manch einer Kreuzung und weiß weder weiter noch wohin. Auf Nachfrage wird kolportiert, dass das Absicht sei; der Besucher sollte bitteschön aus diesem Grund mit den Einwohnern Kassels in Kontakt treten, mit ihnen kommunizieren. Schön gesagt – leider kennen sich nur sehr wenige Einheimische in der documenta-Kunstszene, in den Museen und den Außen-Locations aus!

          Egal: trotz dieses kleinen Ärgernisses werden am Ende dieses Sommers neue Namen diskutiert, neue Werke gehandelt werden. Trotz kontroverser Diskussionen wird es auch dieses Mal eine Erfolgsgeschichte werden – das Besucherplus von derzeit 17 Prozent spricht für sich.  Und was ist mit Ihnen?

Katharina Büttel 

Allgemeine Informationen

 

Öffnungszeiten:

In Kassel 10. Juni bis 17. September 2017,

täglich von Montag-Sonntag, 10 – 20 Uhr.

Die Athener Ausstellung wurde bereits am 16. Juli geschlossen. Jedoch ist für 100 Tage das Fridericianum, in dessen Ruinen 1955 die internationale Ausstellung für zeitgenössische Kunst aus der Taufe gehoben wurde, ein griechisches Museum. Hier auf allen drei Etagen des klassizistischen Baus wird die Athener Sammlung gezeigt.

Tickets:

Sie können zum Besuch aller Ausstellungsorte in den Shops der documenta 14 und über die documenta 14 Webshops gekauft werden:

. Tageskarte 22 Euro

. Zwei-Tageskarte 38 Euro

. Dauerkarte 100 Euro

. Familienkarte 50 Euro

Die begleiteten Spaziergänge – auch walks genannt – werden stark nachgefragt,

 

Infos unter Telefon: 0561-707 27 70.

Näheres: www.documenta14.de